Das Billing las sich wie ein „Who`s who“ der Osnabrücker Musikgemeinde, als der Bastard Club am 15. April zum „Dead People Tribute“ lud.

Bei diesem Motto mögen sich der eine oder andere verstorbene Musiker in ihrem Grab umdrehen wollen; es gilt für die teilnehmenden Bands, jeweils drei Stücke verstorbener Idole zu covern – eine Idee, die dem Vernehmen nach bereits in anderen Städten praktiziert wurde und deren Premiere in Osnabrück letztes Jahr ziemlich erfolgreich verlief..

So fand sich dieses Jahr ein buntes Spektrum von Emo über Punk und Hardcore bis Melodic Power Metal ein.

Den Anfang machten Snorre, ein mir bis dato unbekanntes Punkquintett. Die Halle war schon gut gefüllt, als sie von dem Moderator angekündigt wurden…

Aber was für ein Moderator! Johnny B. Korfhage, der gleich zu Beginn Werbung für die nachfolgende Karaoke – Show machte, wirkte mit seinem Zylinder und seinem sonstigen Gehabe bereits beim ersten Eindruck äußerst skurril.

Aber zurück zu Snorre. Bereits jetzt stellte sich mir als demjenigen, der auserkoren war, diesen Bericht über den Abend zu verfassen, ein Problem dar. Wer will den, um Himmels willen, jeden einzelnen Song nachlesen, den jede Band covert? (Davon, dass der Schreiber dieser Zeilen ohnehin viele der Originale nicht kennt und demzufolge auch wenig darüber schreiben kann, schweigen wir an dieser Stelle.) Sinnvollerweise stelle ich lieber ein Highlight jeder Band heraus – und dieses war bei Snorre ganz eindeutig „Ausverkauf vs. Ghettoromantik“ von den großartigen But Alive.

Wobei im Grunde auch gleichgültig war, welches Stück gecovert wurde, da alle Titel mit dem punkigen Snorre-Sound mal mehr, mal weniger verfremdet wurden. Da es sich jedoch um ein grundwegs solides Spiel handelte, ist das nicht negativ zu verstehen.

Die Stimmung im Publikum war jedoch verhalten, und auch Moderator Johnny konnte diese mit seinen Witzchen nur wenig auflockern, als er „die Pfannkuchen“ ankündigte.

Pannkooken können durchaus schon zu den Osnabrücker Größen des deutschsprachigen Punk gezählt werden, standen sie doch u.a. schon mit Rantanplan auf der Bühne. Und so bretterten sie auch mächtig los, und Rio Reisers „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ wurde durchaus gut aufgenommen von dem Publikum, wenn dieses wohl auch nicht in der Lage war, dies anders als durch dayKopfnicken kundzutun. Dabei amüsierte sich das Quartett auf der Bühne durchaus und bot eine engagierte Bühnenshow, die bei einer ebenfalls engagierten Zuschauermenge sicherlich zu einer Runde Pogo geführt hätte.

Das Publikum war allerdings sehr durchwachsen, da von jeder Band einige Anhänger anwesend waren, die wohl größtenteils auf „ihre“ Band warteten, so blieb die Begeisterung spärlich.

Auch Johnny konnte das nicht ändern, als er nach Pannkooken wieder die Bühne enterte, um Pam An Earlines anzukündigen, deren Bandname für ihn der Tribut an eine „verstorbene“ amerikanische Fluggesellschaft bedeutete. Mittlerweile war auch klar, dass dieser Moderator eine Eigenheit hatte. Sein Lieblingswort war unbestritten „Combo“. Bands schien es für ihn diesen Abend nicht zu geben. Dennoch schien er ob seines leicht unkonventionellen Stils und trotz seiner etwas gekünstelten Witze dem Publikum zu gefallen.

Pam An Earlines brachten wiederum Punkrock. Neben dem ersten Johnny Cash-Cover des Abends präsentierten sie auch „Pet Sematary“ von den Ramones – was im Normalfall eine Mittanzgarantie bedeuten sollte. Doch auch die Melleraner Combo schaffte es nicht, das Publikum einzuheizen. So bedeutete es schon viel, als beim dritten Cover von INXS kräftig mitgesungen wurde.

Mittlerweile war der Bastard Club voll gedrängt. Glück für die folgende Band, Boundless Rails, die nach einer markigen Ansage von Johnny – offensichtlich hatte er auch die Ambition, den Namen jeder Combo zu übersetzen – ihr Glück versuchten.

Die Punkrocker, die erst kürzlich den Newcomerwettbewerb „Rock in der Region“ gewannen, setzten deutlicher als ihre Vorgänger auf genrefremde Musiker, als sie Elvis Presley und die Beatles ankündigten. Doch um so deutlicher wurde nun, dass das eigene Genre dem der Originalinterpreten vorgezogen wurde. Wobei eine Punkversion der Beatles durchaus zu genießen ist! Vor allem dann, wenn die Felle so präzise gedroschen werden, wie es Drummerin Anne vormachte.

Kein Wunder, dass das Publikum mittlerweile schon in leichter Bewegung war. Diese steigerte sich jedoch in der Umbaupause noch einmal erheblich. Denn als nächste waren FortOrange angekündigt.

Dabei handelte es sich jedoch keineswegs um eine unbekannte Band, sondern um eine Symbiose der beiden Osnabrücker Gruppen Fortitude und Bitter Orange.

Ist schon jede dieser Band für sich ein Garant für Gerotze der oberen Lautstärkeklasse, so erwartete die zahlreich angereiste Anhängerschaft der beiden Gruppen um so mehr.

Und natürlich wurden sie nicht enttäuscht. Auf einmal klang Jimi Hendrix wie Alice in Chains, respektive wie FortOrange. Obwohl die Bühne mir zwei Bands zugleich leicht überladen war, ließ Frontmann Stefan (Bitter Orange) es sich nicht nehmen, seine berüchtigte Bühnenshow durchzufeiern, dass dem Zuschauer die Augen aus dem Kopf flogen. Dass der gute Mann vor lauter Gespringe überhaupt noch Luft findet, um zu singen, ist bereits ein Phänomen. Dazu noch der Gesang von Frontfrau Iwi (Fortitude), die mit sichtlich Spaß die Eskapaden ihres Bühnenkollegen beobachtete, und die doppelte Wucht der doppelten Bandbesetzung – meines Erachtens war die Lautstärke, denen das Publikum ausgesetzt war, bereits knapp unter der Schmerzgrenze. Mit dem Kickass – Rock`n`Roll von FortOrange wurde diese erreicht! Was jedoch ausnehmend gut ankam.

Nach der obligatorischen Witzerei von Johnny ging es erst einmal etwas ruhiger weiter mit Indoor. Die Alternative Rocker aus Bersenbrück waren 2004 ebenfalls Sieger bei „Rock in der Region“, schafften es dieses Jahr bis ins Finale des bundesweiten „Schooljam“ und spielten vor Größen wie Revolverheld und den Heideroosjes.

Und wenn sie auch sanfter waren als FortOrange – schlechter waren sie nicht. Da es aber offensichtlich schwer war, nur drei zu covernde Bands auszuwählen, kreierten sie kurzerhand ein Medley mit Größen von Nirvana und AC/DC bis hin zu den Ramones. Denn diese dürfen auf einer derartigen Veranstaltung selbstredend nicht fehlen! Und so lieferten Indoor eine überzeugende Show ab.

Der folgende Auftritt von Good Times Gone war ärgerlich. Keineswegs für die Zuschauer. Jedoch für alle diejenigen armen Wesen, welche versuchten, die Sängerin mittels ihrer Kamera festzuhalten. Diese wirbelte über die Bühne, dass man nach einigen Glückstreffern entnervt aufgab.

Was vielleicht auch nicht das Schlechteste war. „Leaving on a jet-plane“ von John Denver als Hardcore – Version umzumodeln, ist wahrscheinlich ziemlich waghalsig – aber überraschenderweise funktioniert es wunderbar, wie die pittoresk gekleidete Sängerin eindrucksvoll bewies. Wer aber dachte, nach einer derartigen Nummer sei Schluss, der sah sich getäuscht. „Ring of fire“ ist zwar ein Stück, welches von den H-Blockx über Frank Zappa bis zu den Mittelalterrockern von Schelmisch wohl jede zweite Band bereits gecovert hat. Aber eine Version in bester Metal-Attitüde, wie sie hier hingefaucht wurde, sucht ihresgleichen, womit mein persönlicher Höhepunkt des Abends feststeht.

Nicht desto Trotz wurde es nun Zeit für die Emocore-Combo 38 Daybreak. Auch hier wurde deutlich, wie breit die Spannweite der Genres diesen Abend war, zumeist die angereisten „Emos“ kannten die Songs, während der Großteil vielen unbekannt war, höchstens Alison mag dem einen oder anderen noch ein Begriff gewesen sein.

Im Grunde war das unerheblich, da auch bei dieser Bands die Originalartisten eher unerheblich waren. Statt dessen startete die Band mit einer Orgie Emocore, welche fast schon in den Hardcore Bereich abdriftete. Eine absolut treibende Stimme des Sängers peitsche die drei Stücke durch den Raum, so dass die emotionaleren Parts beinahe untergingen. Ein Garant für gute Laune, zwei vereinzelte Menschen fingen sogar an, loszumoshen. Obwohl man munkelt, dass dies in Kreisen von Emocore-Freunden verpönt sein soll, ein Beweis für die Stimmung, welche bei dem Publikum die ganze Zeit übersehr verhalten war.

Dies interessierte den Sänger der folgenden Combo Stormbound weniger. Die gute Laune war hier unverkennbar, und die absolut sympathische Band brachte den Beatles-Klassiker „help“ genauso fröhlich dar wie die offizielle Stormbound-Version des Queen-Stückes „The show must go on“.

Die Melodic Power Metal-Gruppe, deren Stil gelegentlich auch als Fun-Deathmetal charakterisiert wird, lieferte zum Abschied noch einmal eine frische Show, vor der Bühne drängten sich die Zuschauer und ablehnend stand dieser Band sicherlich niemand gegenüber!

Dennoch war die Stimmung bis dato in der voll gefüllten Halle eher verhalten gewesen. Die nachfolgende Covershow bewies, dass dies nicht hätte sein müssen. Aus Osnabrücker Bands bereits bekannte Gesichter (Nadine von den Cutes, Benni von den aufgelösten Burnside Estate, Steffen und Angelino von Yours Sincerely, Marco von Pannkooken) wie auch einige „unverbrauchte“ Gesichter lieferten nacheinander Shows, welche sowohl hinsichtlich Güte als auch der Bühnenshow mehr als überzeugend waren. Und zumindest ein kleiner Teil der Publikums ließ sich nunmehr zu Bewegungen hinreißen, welche man beinahe als Tanzen hätte deklarieren können.

Leider fand die ausgelassene Stimmung ein jähes Ende, als die Karaoke-Anlage, die Johnny B. Korfhage und seine Kollegen wohl überstrapaziert hatten, ausfiel. Einige gut gelaunte Zeitgenossen überbrückten die Zeit mit herrlichen Chuck Norris-Witzen (Wenn Chuck Norris in´s Wasser springt, wird er nicht nass. Das Wasser wird Chuck Norris!), bevor dann ziemlich unvermittelt der allgemeine Aufbruch vonstatten ging.

Alles in allem trotz des eher phlegmatischen Publikums ein gelungener Abend, der den Zuschauen einen imposanten Ausschnitt aus dem Können der Osnabrücker Bands präsentiert hat.

Schade, wer nicht dabei war!

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Location: xxxxx
Datum: xxxxx
Autor: xxxxxxxx


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