Tja, womit soll ich anfangen? Defcon spielen Emocore. Nein, nicht irgendeinen Emocore, sondern den Emocore…wie ihn auch tausende Sinnesgenossen spielen. Schon der Anblick des Pressefotos versucht meine subjektive Meinung zu prägen, bevor ich überhaupt zur Musik gelangt bin – aber ich wehre mich. Sechs brav dreinschauende Kids, mit einer Schwäche für kurze und enge Shirts, eine unterwerfende Szenefrisur und natürlich viel, viel mehr. Musikwissenschaftler würden vielleicht sagen: Eine Hommage an die derzeitige Hegemonie des Emo-Musicus in der Welt der rockigen Populärmusik. Da wir Musikrezensenten aber völlig befreit von Vorurteilen jeglicher Art sind, gehe ich frohen Mutes an die musikalische Vertonung Defcons heran um mich von einer Widerlegung meiner bisherigen Annahme zu überzeugen. Also los…Mit einem satten „Common“ werde ich mittels gängiger Screams begrüßt um im direkten Anschluss in eine Welt der derbsten musikalischen Klischees entführt zu werden. Klassische Emo-Riffs treffen auf schöne Gitarren-Leads und die wiederum auf ebenfalls klassische Wechselspiele aus cleanem Gesang und keifigen Screams. Dabei bieten Defcon schon einige Dinge, die in der heutigen Welt des Emocores geradezu exotisch erscheinen. Zwei „reine“ Sänger, statt eines clean-singenden Drummers, oder z.B. eine cleane Stimme, die nicht dem Reiz des nasal-weinerlichen Gejammers verfällt. Der cleane Gesang klingt bei den sechs Österreichern verhältnismäßig tief, teils sogar ein wenig rauchig und trotzdem stellt sich dieser als eine Schwäche heraus. Viel zu selten versucht der Clean-Vocalist mit verschiedenen Tonlagen zu variieren – hinzukommt, dass, wenn er mal versucht seine Stimme ein wenig höher zu halten, sie von der Produktion beeinträchtigt, sehr verzerrt klingt. Auch im normalen Gesangsbereich tut die Produktion seiner Stimme nicht gut und lässt sie sehr dumpf klingen. Die Screams dagegen klingen ausgewogen und durchaus gelungen.Im Normalfall nehme ich immer einen Stift und notiere mir fleißig Infos und Eindrücke zu den einzelnen Songs – und das Ganze dann über mehrere Tage. Bei Defcon ist es jedoch so, dass sich seit dem ersten Tage nichts mehr geändert hat, was durchaus merkwürdig ist, da man ansonsten immer wieder Passagen, Sounds oder strukturelle Ideen entdeckt, die man zuvor nicht wahrnahm. Geboten wird mir auf der gesamten Platte ein totales Standardwerk, das es wirklich ungemein erschwert, die Jungs vernünftig zu bewerten. Musikalisch ist es definitiv nicht von schlechten Eltern, aber eben auch total uneigenständig. Teils klingt „Fuel The Fire“ wirklich so, als wolle man verkrampft dem herrschenden Trend hinterherlaufen, nur weil es ihn gibt.Defcon sitzen in einem Boot mit Bands wie Days In Grief, Fire In The Attic, 38daybreaks oder My Enemies.12.Mistakes – nur um ein paar Namen der starken Konkurrenz aus dem deutschsprachigen Raume zu nennen. Ganz deutlich wird hier natürlich, dass es ein maßlos überfülltes Becken an musikalisch-guten Bands gibt, die es arg schwer haben werden, sich auf dem Markt und besonders im internationalen Vergleich zu behaupten. Überhaupt stellt sich immer wieder die Frage nach dem Alpha-Tierchen dieses Genres.Für Freunde des allgemeinen, eher poppigen Emocores und der o.a. Bands werden Defcon ein weiterer Ohrenschmaus sein, der sich musikalisch aber in keiner Art und Weise von gängigen Ideen und Bands abhebt. Ein Kumpel sagte mir vor kurzem: „Mein Scheitel ist mehr als nur eine Frisur.“ Vielleicht sind es diese Dinge, die wir (nicht „Haircorer“) erst verstehen müssen. Vielleicht müssen wir diesen Scheitelphilosophen folgen um das Besondere dieser Musik zu erkennen. Hahaha…!

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