Wertung: 4 von 10

Polarisieren tut er angeblich, der Herr Weidner. Das behauptet zumindest Herr Weidner. Und ebenso behauptet er, dass er genau das auch will (Waschzettel zu „III„: „Der W geht dahin, wo’s wehtut!“). Das ständige Bestehen auf diesen „Für mich oder gegen mich“-Ansatz ist wohl in der Hoffnung auf eine Art selbsterfüllende Prophezeiung gedacht…


Wenn man die Vergangenheit nicht kennt, kann man die Gegenwart nicht verstehen. Und die Vergangenheit hat im Falle von Stephan Weidner nur einen Namen: Böhse Onkelz. Wir erinnern uns an die 90er: Ebenjene Onkelz wurden immer erfolgreicher und konnten unter dem Radar des Medien-Mainstreams eine ähnlich erfolgreiche Karriere im Segment „Rockmusik“ hinlegen wie sonst in Deutschland nur noch Die Toten Hosen und Die Ärzte. Da die Band aus Frankfurt aber aufgrund ihrer Skin-Vergangenheit immer der Rechtsaußen-Vorwurf begleitete, versteiften sie sich recht früh schon auf eine „Wir gegen die“-Attitüde. Und nicht nur versteifte sich die Band (deren uneingeschränkter Kopf Weidner war) auf diese Haltung, nein: diese wurde geradezu zur einzigen Identität ihres musikalischen Daseins und infolgedessen reichlich ausgeschlachtet und ausgewalzt: in den Texten, den Interviews und in den Ansagen bei den Konzerten. Und ihre Fans haben größtenteils diesen Habitus übernommen, um sich damit selbst als Outlaws und Teil einer Pseudogegenkultur darzustellen.

Warum ich das alles hier vorab schreibe? Weil sich Stephan Weidner genau dieser Aussagen weiterhin bis zum Exzess bedient; vermutlich, um hiermit die alte Zielgruppe der Onkelz anzusprechen. Soweit also nichts Neues.

Auch die musikalische Darbietung dieser Attitüde hat sich garnichtmal soweit vom Schaffen seiner ehemaligen Band entfernt (anders als ja doch oft mal behauptet). Die Songs sind in Aufbau und Struktur nicht mehr so simpel gehalten wie auf den Klassikeralben der Band, aber es bestehen doch große Gemeinsamkeiten mit den letzten Alben kurz vor der Auflösung. „III“ stellt sich somit als sehr eintönige Veranstaltung dar. Obwohl, etwas Positives gibt es auch zu vermelden: Die ersten drei Songs sind überraschend unterhaltsam geraten, und die Texte sind hier ausnahmsweise auch nicht so selbstgerecht wie sonst, auch wenn die Songtitel (insbesondere: „Herz voll Stolz“) etwas anderes suggerieren.

Ich vermute einfach mal, dass Fans der späten Onkelz sowie der ersten beiden Soloalben von Weidner auch mit seinem dritten Streich gut bedient sein sollten. Wer allerdings auf deutschsprachige Musik mit spannenden Arrangements und intelligenten Texten steht, sollte sich allerdings lieber an Bands wie die Broilers oder Frei.Wild halten. Haha, was Letztere betrifft natürlich nur ein Scherz! Das sieht übrigens auch Herr Weidner so (siehe bzw. höre den Text von „Kampf den Kopien“): Die Kernaussage, bezogen auf die unzähligen Epigonen der Onkelz, lautet hier: „Ihr macht Geld, keine Kunst!“. Wenn DAS mal nicht eine Lehrbuchdefinition von Ironie ist!

Um abschließend nochmal auf meine Einleitung zurückzukommen: Der W polarisiert nicht mehr und nicht weniger, als dass jede andere Band auch tut: Das liegt nun mal in der Natur von Musik. Die ständige Erwähnung dieser Tatsache seitens Stephan Weidners wirkt einfach nur kalkuliert und verkommt somit zum nichtssagenden Selbstzweck.

Tracklist

  • 01. Operation Transformation
  • 02. Mordballaden
  • 03. Herz voll Stolz
  • 04. Kampf den Kopien
  • 05. Vergissmeindoch
  • 06. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich
  • 07. Kafkas Träume
  • 08. Judas
  • 09. Gespräche mit dem Mond
  • 10. Lektion in Wermut
  • 11. Lachen steckt an
  • 12. Stirb in Schönheit

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