Von daher wundern wir uns erst einmal darüber, dass verhältnismäßig wenige Leute den Weg ins Aladin gefunden haben. Schließlich ist Feiertag und der darauffolgende Samstag für die meisten Leute ja frei. Auch dass Die Vorboten bereits um 19:30 Uhr auf der Bühne stehen irritiert ein wenig, denn eigentlich soll das Konzert ja erst um 20:00 Uhr beginnen. Aber was soll`s. Anfangszeiten werden ja heutzutage eh nicht mehr so ganz genau genommen. Die Jungs aus Wismar zocken ihr Set auf jeden Fall in einer enormen Lautstärke runter. Das wäre ja grundsätzlich nicht so schlimm, wären da nicht ständige Sound-Aussetzer. Mal ist der Gesang zu leise, dann kommt das Keyboard nicht durch. Alles in Allem klingt das ziemlich durchwachsen. Die Band versucht aber tapfer, die geschätzt 50 Nasen vor der Bühne zum Mitmachen zu bewegen. Hierzu werden beispielsweise übergroße aufblasbare Würfel ins Rund geworfen. Bei „Monotony“ ertönt sogar einige Male die Textzeile: „Leben-Sterben“ aus dem Publikum. Ansonsten hält es sich aber mit Partystimmung in Grenzen.

Die Apokalyptischen Reiter, Tanzwut, Die Vorboten (05. Oktober 2014)

Deutlich schwungvoller geht es dann bei Tanzwut zu, denn der Teufel ist mit seinen Mannen auf „Höllenfahrt“. Während das düstere Intro ertönt versammelt sich im Zuschauerraum ein ansehnlicher Mob, der den Protagonisten auf der Bühne zujubelt. Und dieser wird sogleich von einem derart fetten Bass beschallt, dass einem das Zwerchfell gegen den Kehlkopf drückt. Dazu gesellen sich scharfe Gitarrenriffs, elektronische Synthie-Klänge und ein schaurig kratziger Gesang. Verbunden mit der stimmungsvollen Bühnenshow ein Auftakt nach Maß. Im weiteren Verlauf des Konzertes werden dann Band Klassiker wie „Ihr wolltet Spaß“ oder „Bitte Bitte“ vom begeisterten Publikum abgefeiert. Auffällig ist, dass sich Tanzwut heute immer öfter von ihrer mittelalterlichen Seite zeigen. Die Industrial und NDH Elemente der frühen Alben sind nur noch vereinzelt wahrzunehmen. Das zeigt sich dann auch besonders beim „Rückgratreißer“ bei welchem neben dem Henkermeister, der mit Maske und Galgen auf der Bühne umherläuft, ganz besonders die Dudelsackspieler im Vordergrund stehen. Bei den Fans kommt das auf jeden Fall super an und so entwickelt sich im Pit schnell eine heiße Party, bei der getanzt, geklatscht und gesungen wird. Leider geht diese Party aber viel zu schnell zu Ende.

Doch die Fortsetzung soll nicht lange auf sich warten lassen. Nach einer kurzen Umbaupause ist die Backline der Vorbands weggeräumt und über der Bühne lässt sich ein großes Reiter- Banner erkennen. Ansonsten ist die Bühne eher schlicht gestaltet. Nicht einmal ein Käfig oder eine Schaukel für Dr. Pest ist zu sehen. Und so erscheint Fuchs dann im tiefschwarzen, langen Ledermantel auf der Bühne, als das Set mit „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ beginnt. Ady und Volk-Man präsentieren sich gewohnt leger, während Dr. Pest eher gediegen im klassischen Zweireiher, und ohne Maske oder sonstige Latex-Utensilien hinter seinem Keyboard steht. Die Jungs scheinen im Laufe der Jahre, zumindest was das Outfit angeht, wohl etwas ruhiger geworden zu sein.

Dass dies aber in musikalischer Hinsicht in keinster Weise der Fall ist, beweisen sie dann bei den folgenden Stücken. „Revolution“ verwandelt den kompletten Innenraum zu einem Schmelztiegel der Gefühle und auch „Der Adler“ oder das neue Stück „Ein leichtes Mädchen“ sorgen für ordentlich Bewegung im Pit. Insgesamt ist es jetzt vor der Bühne richtig gut gefüllt, auch wenn im hinteren Bereich oder an den Seiten des Clubs noch reichlich Platz wäre. Beim Drum Solo heizt Sir G. die Meute dann so sehr an, dass sich einige dazu aufgefordert fühlen, beim dumpf daher grollenden „Hört auf“ eine Wall of Death zu veranstalten. Und auch bei „Friede sei mit dir“ und „Es wird schlimmer“ wird kräftig gemosht und die Matte geschwungen. Lediglich ein Circle Pit bekommt das Publikum heute nicht zustande. Dafür darf dann aber der frisch vermählte Fanclub-Präsident bei „Seemann“ zusammen mit seiner Angetrauten auf einem Schlauchboot über das Menschenmeer schippern. Und dabei haben alle sichtlich Spaß.

Kurz vor dem Ende des regulären Sets werden dann die Old-School Fans der Band auch noch einmal bedient. Hämisch und mit einem breiten Grinsen im Gesicht fragt Fuchs nach „Smell of Death“ ob überhaupt noch jemand diesen Song. Den Reaktionen nach zu urteilen wohl nicht mehr allzu viele. Aber die absolute „Reitermania“ soll es dann ja doch noch geben.

Jetzt springen und klatschen wirklich alle und die Stimmung ist auf dem absoluten Höhepunkt. Im Zugabenblock lassen die Reiter ihre Show dann standesgemäß mit dem etwas selbstironischen „Die Sonne scheint“, bei dem auch das Publikum noch einmal kräftig mitsingt, ausklingen.

Fazit:
Ein toller Abend, der vor allem durch die Spielfreude der Bands zu einem Erfolg wurde. Die Vorboten hatten es zunächst schwer, aber mit Tanzwut war ein super Anheizer mit an Bord. Und auch die Reiter selbst konnten heute mit ihrer Show überzeugen. Gerade die Songs des neuen Albums funktionieren live einwandfrei. Schön war auch, dass wenigstens ein paar Songs für die Old-School Fans dabei waren. Leider war der Sound nicht immer top. Teilweise wummerte das Schlagzeug etwas zu laut und die restlichen Instrumente und insbesondere der Gesang kamen nur schwer durch. Darüber hinaus war das Konzert aber doch sehr gelungen.

Setlist Die Apokalyptischen Reiter:
1.Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
2.Revolution
3.Wir
4.Der Adler
5.Ein Leichtes Mädchen
6.Wo Es Dich Gibt
7.Drum Solo
8.Hört auf
9.Friede sei mit dir
10.Es wird schlimmer
11.Nach der Ebbe
12.Seemann
13.Was bleibt bin ich
14.The Smell of Death
15.Unter der Asche
16.Reitermania
17.Rausch
Zugabe
18.Du kleiner Wicht
19.Die Sonne scheint

Die Apokalyptischen Reiter

Die Apokalyptischen Reiter

Die Apokalyptischen Reiter, Europa Tour 2012 (14. Mai 2012)

So gegen 20 Uhr winkt mich der Veranstalter durch den Einlass. Die erste Vorband Malrun habe ich verpasst. Von meinem Kollegen habe ich erfahren, dass der sehr corelastige Sound in der Schnittmenge von Heaven Shall Burn und Walls Of Jericho keine euphorischen Reaktion aus dem noch ziemlich leeren Hyde Park ernten konnte.

Als zweite Band treten Kontrust auf. Diese flippig hüpfenden Österreicher nervten mit Ihrem Cross Over Sound. Während der Jodel Grunts musste ich mal kurz vor die Tür. Sorry OsnaMetal! Was nicht geht – geht nicht! Das Publikum nimmt die Band mehr oder weniger zu Kenntnis. Bei einigen Stücken macht es mit. Andere Stücke werden ignoriert. Stimmung geht auch anders.

Das warten hat um 21 Uhr ein Ende. Reitermania!!! Die Bühne ist mit Nebel eingehüllt. Die Apokalyptischen Reiter starten ihr Set mit vom Ende der Welt. Es ist voll vor der Bühne geworden. Dr. Pest schaukelt sich durch 22 Jahre Greatest of the best Songs. Der Fuchs ist so was von entzückt von den Fans, dass er die Fahne schwenkt. Mit Begeisterung darf sich ein Fan von Dr. Pest auspeitschen lassen während ein anderer weiblicher (und deutlich attraktiverer Fan) in den Genuss kommt, mit dem Schlauboot durch die Crowd Waves zu steuern. Viele richtig alte Lieder kommen nicht zum Zuge. Die beiden ersten Alben sind beispielsweise nur mit zwei Songs vertreten. Hauptsächlich werden Stücke von „Riders of the Storm“ und „All you need is love“ gespielt. Aber daran haben die Reiter auch gedacht. Jeder Besucher hat gratis das erste Demo „Firestorm“ erhalten, so dass diese auch die Möglichkeit hatten den Saal zu verlassen, um im Auto das Demo einzulegen und alten Zeiten nachzuweinen. Überwiegend wird die Band von ihren treuen Anhängern abgefeiert. Die Stimmung ist permanent gut und die Show hat keine Durchhänger. Nach gut 90 Minuten verabschiedet sich die Band von der Bühne und feiert mit den Reitermaniacs bis zum Morgengrauen.

Setlist Die Apokalyptischen Reiter:
01. Intro Charlie ́s Speech
02. … vom Ende der Welt
03. Wahnsinn
04. Unter der Asche
05. Riders of the storm
06. Es wird schlimmer
07. Revolution
08. Der Adler
09. Wir reiten
10. Die Boten
11. Die Schönheit der Sklaverei
12. Vier Reiter stehen bereit
13. The fire
14. Nach der Ebbe
15. Komm
16. Iron Fist
17. Seemann
18. Reitermania
Zugabenblock
19. Das Paradies
20. Elfriede
21. Roll my Heart
22. Die Sonne scheint

Die Apokalyptischen Reiter – Tief-Tiefer (14. September 2014)

Zunächst scheint jedoch alles beim Alten zu sein. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ beginnt mit scheppernden Gitarren und Fuchs` verzerrter Stimme, welche sich im Refrain dann hymnisch erhebt. Dazu eine entsprechend epische Synthie Untermalung. Aber das war es dann auch schon mit den gewohnten Reiter Trademarks (sofern es die überhaupt noch gibt). Bereits beim zweiten Stück „Wir“ kann man klar die neuen elektronischen Einflüsse erkennen. Hörte man früher von Dr. Pest eher kurze, prägnante Melodielinien, so sind die Synthies auf „Tief-Tiefer“ allgegenwärtig. Auch die Arrangements der folgenden Stücke klingen so gar nicht nach den Reitern, wie man sie von früher her kennt. Die Kompositionen wirken mitunter sehr seicht und abwechslungsarm. Die Produktion ist weitestgehend glatt gebügelt. Und gerade das ist wohl der größte Kritikpunkt an diesem Album. Während gerade Alben wie „Have a nive trip“ (2003) oder „Samurai“ (2004) vom ständigen Wechsel zwischen harten Strophen und hymnischen Refrains lebten, so ist davon auf „Tief-Tiefer“ nicht mehr viel zu spüren.

Dabei kann man den Jungs musikalisch eigentlich keinen Vorwurf machen, denn die Stücke sind durchaus in sich schlüssig und funktionieren. Und auch wenn das ein oder andere Stück, ein wenig zu sehr mit Radio-Hit tauglichen Riffs überzogen ist, so hat man doch nicht sofort den Wunsch, die Skip Taste am CD Player zu drücken. So überzeugt beispielsweise „Es wird Nacht“ durch seinen tiefgehenden und kraftvollen Refrain. Selbst die nur von Klavier und Gesang vorgetragene Ballade „Ein Vöglein“ hat durchaus seinen Reiz. Insgesamt sind die Kompositionen dieses Mal noch mehr als zuvor auf Fuchs` Stimme abgestimmt und stellen sie ganz klar in den Fokus.

Auf der zweiten CD gibt es neben ein paar neuen Songs noch Neuaufnahmen bekannter Reiter Hits wie „Friede sei mit dir“ oder „Terra Nola“. Mit den Originalversionen haben diese Aufnahmen aber rein gar nichts zu tun. Die Songs wurden komplett neu interpretiert, im Tempo überwiegend verlangsamt und in ein düsteres Klangkonzept gehüllt. Das hat sicherlich einen gewissen Reiz sowie künstlerischen Wert. Mir persönlich gefallen jedoch die Originale deutlich besser.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Platte, wenn man sie aus dem Zusammenhang herausnimmt, eine gute CD ist. Die Kompositionen sind interessant und teilweise richtig mitreißend. Betrachtet man sie aber im Zusammenhang mit den früheren Werken der Reiter, so lässt „Tief-Tiefer“ leider viel von der Härte und Aggressivität früherer Alben vermissen.

Tracklist:
CD1–Tief
01. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
02. Wir
03. Wo es dich gibt
04. Was bleibt bin ich
05. Ein leichtes Mädchen
06. Ein Vöglein
07. Es wird Nacht
08. Die Wahrheit
09. 2 Teufel
10. Die Welt ist tief
11. So fern

CD 2 – Tiefer
01. Die Zeit
02. Der Weg
03. Friede sei mit dir
04. Flieg mein Herz
05. Das Paradies
06. Die Leidenschaft
07. Auf die Liebe
08. Der Wahnsinn
09. Terra Nola

Die Apokalyptischen Reiter – Samurai

Die Death-Metal Fraktion mag das zwar ärgern, ich hingegen bin einfach nur begeistert. Auf der neuen Platte, welche die erste mit dem neuen Klampfer Pitrone ist, der hier auch einen verdammt guten Job macht, ziehen die Reiter wieder alle Register ihres Einfallsreichtums.

Die Apokalyptischen Reiter - Samurai

Die Apokalyptischen Reiter – Samurai

Die innovativen und genreübergreifenden Songs des Albums glänzen besonders durch die philosophischen aber auch politischen Texte von Sangesmann Fuchs, der mit seiner Stimme Leichtigkeit, Frohsinn aber auch Aggression und Wut kombiniert. Die musikalischen Einflüsse dieses Albums reichen von alten Reitertagen, also wunderschönem Deathmetal wie in „Der Teufel“ bis, man höre und staune, Reggae beim Song „Lazy Day“, der für mich ein absoluter Klassiker und Gute-Laune-Garant ist. Des Weiteren mischen sich sowohl moderne Klänge mit klassischem Rock. Jeder der Songs geht ins Ohr und bleibt dort hängen.

Eine weitere große Stärke der Platte ist die Verschiedenartigkeit jedes Songs – keiner klingt wie der andere.
Nicht mehr wegzudenken sind die Keyboardparts von Dr. Pest, welche der CD die richtige Würze geben und die Einzigartigkeit dieser Band ausmachen.

An die Fans wurde dieses Mal übrigens auch gedacht indem ihnen mit „Reitermaniacs“ ein Song gewidmet wurde.
Als Fazit kann man einfach nur sagen: Pflichtkauf für jeden, der mit Metal nur irgendwas am Hut hat, denn hier ist für jeden Geschmack was dabei!

In diesem Sinne: „Can you feel the power, we will push it to the max, all for one and one for all, we are Reitermaniacs!“

Anspieltipps:
– Wahnsinn
– Eruption
– Der Teufel
– Per Aspera ad Astra
– LazyDay

Die Apokalyptischen Reiter – Riders on the Storm

Schnell bemerkt man, dass man bei den Reitern das gewöhnliche Genre Korsett einmotten kann, weil es schier unmöglich ist, die Reiter in eine bestehende Kategorie zu zwängen, dafür ist das Dargebotene viel zu abwechslungsreich und genreübergreifend.

Die Apokalyptischen Reiter - Riders on the Storm

Die Apokalyptischen Reiter – Riders on the Storm

Das Highlight auf dem Album ist für mich „Revolution“, das am Anfang trashig daherkommt, um sich danach in ein melancholisches Klavierarrangement zu hüllen und wie ein Phönix am Ende in Pagan-Grundzügen zu Asche zu verfallen. Der Anteil der Mitgröhlparts ist gewohnt hoch, so dass man sich keine Sorgen über die Livetauglichkeit der neuen Stücke machen muss. Und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass das komplette Album nur aus Hymnen besteht, sei es „Soldaten dieser Erde“ oder Opener „Friede sei mit dir“, alle Lieder sind perfekt um auch die langweiligste Party zu einer mordsmäßigen Gaudi zu machen.

Für etwas Gelächter haben die Ansagen auf der Promo CD gesorgt, die gewollt lustig ausgefallen und normalen Käufern leider erspart bleiben. Fazit: Riders on the Storm ist wohl das bisher reifste Album der Jungs um Fuchs & Co und kann voll und ganz in die glorreiche Historie eingereiht werden.

Pflichtkauf für alle Fans und diejenigen, die es werden möchten.

—————————————

Autor: ArchiVader


Wie hat Dir der Artikel auf metaller.de gefallen?

Die Apokalyptischen Reiter – we are Reitermaniacs!: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne5,00von 5 Punkten, basieren auf 1abgegebenen Stimmen.
Loading...