Die finnische Heavy Metal Parodie „Heavy Trip“ von Jukka Vidgren und Juso Laatio

Mit der Heavy-Comedy „Heavy Trip“ feierten die finnischen Regisseure Jukka Vidgren und Juso Laatio ihr Langfilm-Debüt. Auch das Drehbuch stammte von den beiden Regisseuren. Die beiden Finnen zeigen ein gutes Gespür, auf lustige Weise Klischees durch den Kakao zu ziehen. Metalheads müssen bei diesem Film jedoch stark sein und ein gewisses Maß an Selbstironie besitzen, denn nur dann macht dieser durchaus gelungene Metal-Comedy-Streifen wirklich Spaß. Letztlich haben es die beiden Filmemacher geschafft, eine gute Parodie auf die Heavy Metal Szene abzuliefern, die nicht zuletzt auch aufgrund der schauspielerischen Leistung des Casts begeistert.

Vier Freunde, ein Ziel und jede Menge Unwegsamkeiten

Heavy Trip
Heavy Trip

Die Heavy Metal Parodie „Heavy Trip“ spielt in einem kleinen finischen Dorf. Turo, Lotvonen, Pasi und Jynkky üben seit 12 Jahren im Keller von Lotvonens Elternhaus mit ihrer namenlosen Band. Im gesamten Dorf werden die 4 Freunde verhöhnt. Besonders Turo leidet darunter. Bisher spielen sie nur Songs bekannter Heavy Metal Bands, doch sie träumen davon eigene Songs, einen Bandnamen und Auftritte zu haben.

Beim Versuch, eigene Songs zu komponieren, tun sich die Bandmitglieder mehr als hart, bis Lotvonen im Schlachthof seines Vaters ein halbes Rentier samt Schlachtermesser in einen Fleischwolf packt. Durch die hier entstehende Geräuschkulisse finden sie ihren ganz persönlichen Sound, den sie als „Symphonic-Post-Apocalyptic-Reindeer-Grinding-Christ-Abusing-Extreme-War-Pagan-Fennoscandian-Metal“ bezeichnen.

Sie spielen ein erstes Demo ein und treffen durch Zufall im Schlachthof auf einen Promoter des Northern Damnation Festivals, dem sie das Demo geben. Als Turo einem Mädchen von einem möglichen Auftritt erzählt nehmen die Wirrungen ihren Lauf, denn diese erzählt dies im Dorf herum. Turo erzählt daraufhin immer neue Geschichten, bis selbst seine Bandkollegen an den Gig glauben. Ebenso problematisch erweist es sich für die Jungs einen Bandnamen zu finden, bis sie sich letztlich Impaled Rektum nennen.

Ein Gig in einer Dorfkneipe endet im Desaster. Dann kommt auch noch ein Anruf, dass sie nicht auf dem Festival spielen dürfen. Jknkky will sich allerdings nicht geschlagen geben und verfolgt seien Pläne, bis er bei einem Autounfall ums Leben kommt. Die drei Jungs sind leiden unter dem Tod des Freundes, möchten ihm aber seinen Traum erfüllen auf dem Festival aufzutreten. Kurzerhand entführen sie einen genialen Drummer aus einer Nervenklinik und graben ihren Freund wieder aus, um mit dem Sarg auf dem Dach nach Norwegen zu fahren, um am Festival teilzunehmen. Auch hier kommt es zu Problemen und so landen die Jungs letztlich auf einem Wikingerschiff und können am Ende sogar auf dem Festival auftreten.

Junge Schauspieler mit Hingabe

Heavy Trip
Heavy Trip

Die jungen Schauspieler gaben in Heavy Trip ihr Kinodebüt. In den Hauptrollen sind Max Ovaska als Pasi, Ville Tiihonen als Jouni Tulkku, Johannes Holupainen als Turo und Anitti Heikkinnen als Jynkky zu sehen. In den Nebenrollen brillieren unter anderem Minka Kuustonen, Helen Vikstvedt, Pertti Sveholm und Torsten Bjorklund. Keinem der erwähnten, fehlte es in der Heavy Metal-Comedy an Herzblut und man nimmt den Schauspielern ab, dass sie tatsächlich Spaß hatten und sich gut verstanden. Sie schaffen es durchaus die Pointen richtig zu setzen und auch die zahlreichen skurrilen Szenen des Films glaubhaft darzustellen.

In der Rolle der Hera sorgt die isländische Schauspielerin Thorbjörg Helga Thorgilsdóttir für gefühlvolle Momente. Sie verkörpert die rebellierende Teenagerin exzellent und sorgt mit ihrem grandiosen Schauspiel dafür, dass jede einzelne Szene zu Herzen geht. In der Rolle des Vaters überzeugt der bekannte Schauspieler Ingvar Eggert Sigurðsson. Auch Sveinn Ólafur Gunnarsson ist in der Rolle des jungen Priesters gelungen zu überzeugen. Sveinn Ólafur Gunnarsson ist ebenso wie Thorbjörg Helga Thorgilsdóttir in The Deep zu sehen. Insgesamt es gelungen einen Cast auf die Beine zu stellen, dem es gelang, die herzzerreißende Geschichte mehr als überzeugend darzustellen.

Suptiler Humor und toller Soundtrack

Die Macher des Films „Heavy Trip“ setzen auf einen subtilen bis platten Humor, doch dies tut dem Film keinen Abbruch, denn die Parodie auf die Heavy Metal Szene ist überaus gelungen. Einige der Witze verlangen eine gewisse Affinität zu Finnland und echte Heavy Metal Fans sollten beachten, dass es sich um eine Parodie handelt, denn dann kommt man bei diesem Film zum Teil nicht mehr aus dem Lachen heraus. Doch hin und wieder schlägt der Film auch durchaus ernstere Töne an, denn letztlich geht es um Jungs, die auf dem finnischen Land nur wenig Möglichkeiten und Perspektiven haben.

Letztlich geht es um Freundschaft und Metal, sodass die Jungs im Film sogar ihren Freund noch nach dem Tod seinen Traum vom großen Auftritt erfüllen. An manchen Stellen des Films kommt so durchaus ein warmes Gefühl auf. Untermalt wird das Ganze durch wirklich gute Musik, sodass sich schon alleine aufgrund des Soundtracks jeder Metal Fan den Film ansehen sollte. Kein Geringer als Lauri Porra, der Bassist von Stratovarius war für den Soundtrack zuständig. Man merkt dem Soundtrack an, dass der Musik bereits reichlich Erfahrung als Komponist von Filmmusik gesammelt hat, denn jeder einzelne Song passt perfekt zu der Szenerie und der Geschichte des Films.

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AutorIn: Butzi Wutzi


 


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