Das könnte Ausgangspunkt für vieles sein, einen Kriminalroman vielleicht, einen Comic, einen Kurzfilm. Oder eben eine Musikkapelle mit einem ganz eigenen Flair. Drei kleine Konsumenten sind die Relikte der Gruppe Die kleinen Konsumenten. Nach dem sehr kreativen Namenswechsel, den Michi, Olli und Stephan damit vollzogen, bleibt nur noch eine Vergangenheit als Vorband unter anderem von Göttern des Punkrockhimmels wie Planlos oder den brillanten Massendefekt. Und vielleicht der Ansporn, Musik in ähnlicher Güteklasse zu produzieren. So setzten sich die Jungens aus dem erwähnten Dorf (genauer: Emstek!) zusammen und produzierten dieses sechs Stücke umfassende Minialbum. Bleiben oder gehen? Zwar bleibt die Frage bis zum Schluss offen, wer oder was wohin gehen soll. Alle weiteren Fragen sind jedoch bald geklärt und offen bleibt dann nur noch der Mund. Denn die Jungens mit dem schönen Kürzel 3kK ziehen vom ersten bis zum letzten Klang alle Register. Eingeleitet wird das Album mit dem Stück „Willst du meine Liebe sein?“. Hier wird schon deutlich, welcher Musik Freunde die drei sind. Poppiger, eingängiger Punk ohne kompliziertes Herumgefrickel oder dergleichen. Direkte Linien, die direkt ins Ohr und von da womöglich bei dem Einen oder Anderen in die Füße gehen. Textlich ist dieses Stück keine große Offenbarung – dem Etikett „Pop“ muss wohl durch ein plattes Liebeslied Rechnung getragen werden. Da dieses aber nicht zu schmalzig oder mit Herz – herausreiß – Attitüde daherkommt, immer noch gut hörbar. Musikalisch wird sich im Verlauf der Scheibe nicht viel an dieser Charakterisierung ändern, soviel sei hier verraten. Textlich jedoch ist bereits das zweite Stück „Golfspieler e.V.“ nach mehrmaligem Hören absolut empfehlenswert. Ob man das in vorpubertärer Manier herausposaunte „ich hasse Golfspieler“ als tatsächlich vorpubertär einstufen kann, bleibt angesichts des Zusatzes „und sie mich auch“ fraglich. Tatsächlich bleibt eine engagierte Hommage gegen pseudoelitäres Denken und damit die viel beschworene Sozialkritik, die heutzutage jeder guten Musik angedichtet werden muss. Absicht? Mit Sinn? Unsinn? Egal, die Platte läuft ja schon weiter. Und dann irgendwann der absolute Höhepunkt der CD: „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten!“ spricht es als ewig platte und ewig wahre Einleitung für das Stück „H.M.“ aus dem Hörer. Doch dieses, das vierte, Stück des Albums ist keine Hymne gegen den bösen Kapitalismus, personifiziert durch einen übermächtigen schwedischen Modekonzern, wie es sich vielleicht aufdrängt. Nein, von derlei Platitüden sind Drei kleine Konsumenten entfernt. Simpel, aber herzhaft: „Halt’s Maul!“. Und gemeint sind diejenigen politischen Repräsentanten und Pseudo-Prominente, deren Schwachsinnigkeiten man als KONSUMENT des alltäglichen Medienwahns ausgesetzt ist. Kurz und knapp lassen sich die Konsumenten sicherlich nicht als die Speerspitze deutschsprachiger Musik einstufen. Dazu fehlt es neben der Massenkompatibilität an Innovation. Beides aber überhaupt nicht nötig, um gute Musik zu machen, wie die Drei kleinen Konsumenten hier beweisen. Der bissige Zynismus in ihren Texten wird vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein. Spaß hat man aber auf jeden Fall, und „Bleiben oder gehen?“ ist eine überflüssige Frage. Ihr bleibt in meinem Plattenspieler. Bis ihr nach Osnabrück geht, um ein Konzert zu geben. Ich warte.