Wertung: 8 von 10

Im neuen Album “Der Herbst der Einsamen” der Band Eden weint im Grab sind ambient–gothicartige Vertonungen von 12 Gedichten Georg Trakls zu hören, die allein von Alexander Paul Blake eingespielt und vorgelesen wurden.


Wer also im Album “Der Herbst der Einsamen”, wie bei dem letzten Album “Trauermarsch nach Neotopia” aus dem Jahr 2008, wiederum Metalklänge erwartet, wird sehr überrascht sein, im neuen Album so ruhige, dark ambientartige Musikuntermalungen anzutreffen. Es sind keine Gitarren zu hören und bis auf wenige Stellen leicht verzerrter Sprechgesang nur die vorlesende Stimme von Paul Blake.

“Strahlender hob die Hände zu seinem Stern

Der weiße Fremdling;

Schweigend verläßt ein Totes das verfallene Haus

Oh des Menschen verweste Gestalt: gefügt aus kalten Metallen,

Nacht und Schrecken versunkener Wälder

Und der sengenden Wildnis des Tieres

Windstille der Seele”

aus dem Gedicht von Georg Trakl, Siebengesang des Todes

Die expressionistischen Gedichte Trakls (1887-1914) erzeugen eine düstere, melancholische Atmosphäre in den Farben des Herbstes, erzählen von Dunkelheit, Nacht und der Vergänglichkeit. Eine Auswahl dieser Gedichte wird von Paul Blake vorgetragen und vertont. Dabei stammen die Gedichte nicht alle (wie man vielleicht vermuten würde) aus dem gleichnamigen Gedichtzyklus von Trakl “Herbst der Einsamen”, sondern sind eine Auswahl aus seinem gesamten dichterischen Werk.

Paul Blake liest mit ruhiger, meist flüsternder Stimme den Gedichtsinhalt nachfühlend – manchmal etwas zu theatralisch und übertrieben – aber insgesamt doch so, dass er die Stimmung der Gedichte gut transportiert. Dabei wird das Gelesene durch die zurückhaltende Musik und durch verschiedene Geräusche, die stark verhallt eine Atmosphäre der Ferne erzeugen, gut unterstützt. Stellenweise findet eine starke Vermischung von Musik und Text statt, indem Paul Blake seinen Leserhythmus der Musik anpasst und umgekehrt die Musik dem sprachlichen Klangbild des Gedichts. Dies führt manchmal dazu, dass der Text etwas verwischt wird und das Verstehen sehr anstrengend, aber immer bleibt die Atmosphäre des Gedichtes gewahrt und wird gut transportiert.

Meine Anspielempfehlung ist die Nummer acht, “Siebengesang des Todes”, woraus das Zitat oben stammt. Dieses Gedicht ist besonders frei interpretiert und enthält auch den oben schon erwähnten verzerrten Sprechgesang, der hier in einen leichten Schauer erzeugt und die dunkle Atmosphäre des Gedichtes verstärkt.

Insgesamt ist Paul Blake mit dem Album eine sehr beachtenswerte Gedichtsvertonung gelungen. Sie ist sicherlich als Hintergrundmusik ungeeignet, aber wer sich an einem dunklen Herbstabend einmal zurücklehnen will, um sich von der dunklen Lyrik Georg Trakls in die Nacht geleiten zu lassen, wird an der CD viel Freude haben.

Tracklist

  • 01. An die Verstummten
  • 02. De profundis
  • 03. Traum des Bösen
  • 04. Menschliche Trauer
  • 05. Elis
  • 06. Sebastian im Traum
  • 07. Vorhölle
  • 08. Siebengesang des Todes
  • 09. In ein altes Stammbuch
  • 10. Klage
  • 11. Verwandlung des Bösen
  • 12. Gewitterabend
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