Sowieso ist alles anders bei Egotronic 2014: aus dem Ego zu dritt wurde ein Quintett, aus Elektro mit Punk wurde Punk mit Elektro und die 8-Bit Computersounds von damals ersetzt man neuerdings durch handfeste Instrumente und Hardline-Syntheziser. Wäre nicht der Wiedererkennungswert des notorischen Gesangsunterichtsverweigerer Torsun, man hätte Schwierigkeiten die alte Band wieder zu finden.

Hört man genauer hin stellt man jedoch schnell fest: der Hass ist geblieben. Der Hass gegen Rassismus und seine hässlichen Facetten, der Hass gegen Nazis und Freiwild. Aber er kommt deutlich sanfter daher, vor allem soundtechnisch. Fast brav ist das mit 13, mittlerweile pubertierende Kind Egotronic geworden. Die Rebellion hat sich in die Texte zurück gezogen, wirkt dabei nachdenklicher als alle Alben zuvor. Nicht nur deswegen benötigt man mehrere Anläufe des Durchhörens um sich an den völlig umgekrempelten Stil zu gewöhnen.

Hat man diese aber hinter sich gebracht findet “Die Natur ist dein Feind” mehr und mehr Anklang. Die Songs wirken sehr durchdacht. Das über ein Jahr an der Platte gearbeitet wurde ist ihr anzuhören. Für besondere Abwechslung sorgen auch die zahlreichen Kollaborationen. So holte man sich Rasmus Engler (Herrenmagazin/Das Bierbeben), Kulla, Nico (Fuck Art Let’s Dance) Christoph (Bassist von Jennifer Rostock) und The Toten Crackhuren Im Kofferraum für die Aufnahmen mit ins Boot.

Die neuen Wege werden auch an anderer Stelle deutlich: veröffentlicht wurde vor kurzem “Kriegserklärung“, eine Single die nicht auf dem Album enthalten ist. Dafür arbeiteten Egotronic erneut mit Koljah (Antilopen Gang) zusammen, der bereits bei “Du weiszt” vom 2006 erschienden Album “Die Richtige Einstellung” mitwirkte. Weitere Hip Hop Projekte dieser Art, unter anderem mit Captain Gips, sind bereits in Planung.

Alles neu, alles besser? Die Plattenfirma Audiolith spricht vom “besten Egotronic Album allter Zeiten”, da bin ich eher skeptisch. Der Sound funktioniert besser als anfangs erwartet, vielleicht braucht es auch einfach noch mehr Zeit der Gewöhnung. Eingefleischte Egotronic-Hooligans werden diese auf jeden Fall brauchen. Für Freunde des ausgereiften Indie-Punks mit Elektroattitüde ist die neue Platte aber uneingeschränkt zu empfehlen.

Tracklist:

  • 01. Intro
  • 02. Die Natur ist dein Feind
  • 03. Glücksversprechen
  • 04. Ich will nicht rein
  • 05. Nicht dazu gehör´n
  • 06. Krümel (feat. Kulla)
  • 07. Noch nicht vorbei
  • 08. Oh Oh
  • 09. Neurosen im Garten
  • 10. Pop stinkt!
  • 11. Wie lange?
  • 12. Raubzüge (feat. Christough!)
  • 13. Die Band der Vollidioten (feat. Crackhuren – Chor)
  • 14. Edwin Van Der Sar (Dackelblut Coverversion)
  • 15. Outro

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen