Dampfmaschine laden zum Grillabend. Ich treffe Sänger Siggy Rock, die Gitarristen Hase und Fitten, Bassist Rave Paulsen und Schlagzeuger Schnalli im Außengehege des Bastard Clubs. Nach dem Verzehr allerlei lecker exotischer Tiere vom Bratrost, nebst einiger herber Kaltgetränke, kann das ausführliche Gespräch starten. Ich habe natürlich an alles gedacht, bis auf die Batterien für das Aufnahmegerät. An dieser Stelle möchte ich Andre vom Internetradio Rautemusik (unbedingt mal reinhören) noch mal meinen herzlichsten Dank aussprechen, der mir freundlicherweise seinen Aufzeichnungsapparat zur Verfügung gestellt hat.

Der Informationsoverkill ließ den Interviewwanst in Stücke bersten, also servieren wir euch den Kladderadatsch in drei Teilen.


OM: Welchen Anteil hat denn euer Produzent Claus Grabke an dem Album, oder auch vorher gehabt?

Fitten: Das Equipment und das Wissen und er berät uns in manchen Sachen. Ansonsten machen wir das alles selbst.

Siggy Rock: So ein Produzent lässt sich dann auch eintragen auf Gema, als wenn er echt viel macht. Aber rein songmäßig macht der bei uns gar nichts.

OM: Nee, aber vom Sound her?

Siggy Rock: Das kann man auch irgendwie gar nicht so richtig wissen, du hast es ja da aufgenommen. Es gefällt uns.

Hase: Es ist schon so, dass er dann ankommt mit einer Idee, dass wir hier mal ein Keyboard versuchen oder da mal einen anderen Basseffekt. Da hat der natürlich super Equipment stehen. Wir sind mit ihm auf einer Wellenlänge.

Siggy Rock: Er versteht das was wir wollen.

Hase: Er versteht das und kann da und da helfen, kann sagen: “Spiel mal da weniger, spiel mal da mehr.” An der Songstruktur macht er jetzt nicht mehr so viel. Höchstens mal hier einen anderen Sound oder einen dritten Amp dazuschalten.

OM: Es gibt ja jetzt, gerade im Metal-Bereich einen klaren Retro-Trend. Ich habe noch eine alte Kritik gelesen, da wurde gerade euer alter Sound kritisiert.

Schnalli: Das ist das Geile. Weil einige Leute haben es einfach nicht kapiert. Das ist nicht böse gemeint. Aber einige haben gedacht, was das jetzt für eine semiprofessionelle Aufnahme ist.

Hase: Natürlich ist das ein Dilemma dabei. Das ist jetzt nicht die Platte bei der du denkst das wäre ein Heiligtum.

Siggy Rock: Es ist ja auch ein Konzept.

Hase: Es ist authentisch.

Schnalli: Bela und Die Ärzte haben uns deshalb auch gewollt. Weil die sagen: “Jede Band nimmt heute mit fünf Gitarren auf.”

OM: Das ist ja auch ein Statement.

Hase: Ja, das ist eben auch ein Statement. Klar fällt das ab, wenn du das jetzt in der Disko spielst hinter “Bombtrack” von Rage Against The Machine oder sowas, weil das eben krasser produziert ist. Bei “Bete zur Maschine” ist es jetzt eben auch produzierter.

Siggy Rock: Soundmäßig ist das aber immer noch vergleichbar. Man hört, dass wir das sind, aber es ist von der Machart dann so, dass es gespielt werden kann. Es soll keine direkte Wiedergabe vom Live-Sound sein, sondern eine echte Studioplatte halt. “I Love My Body” ist auch eine Studioplatte, nur es ist eben eine Live-Platte im Studio. Da haben wir auch drauf hingearbeitet und es hat geilerweise geklappt. Ganz beruhigend.

OM: Also ein zweites “I Love My Body” hätte dann auch nicht funktioniert oder?

Schnalli: Zumindest nicht nacheinander.

Siggy Rock: Manche Leute kommen echt an und fanden die “I Love My Body” megageil und viele davon verstehen auch nicht, warum wir jetzt richtig im Studio aufgenommen haben. Und das sind teilweise dieselben, die als sie die “I Love My Body” zum ersten Mal gehört haben, gesagt haben: “Das geht ja gar nicht.” Wir kennen die Platten die wir machen auch länger als alle anderen, das heißt wir wissen schon ob das jetzt kommt oder nicht.

OM: Ihr arbeitet ja jetzt auch nicht darauf hin, irgendwelchen Leuten zu gefallen.

Siggy Rock: Nee, ist nur auffällig, dass manche Menschen ihre Meinung radikal ändern.

Fitten: Das war ein Überraschungseffekt mit der “I Love My Body”, womit wir selber auch gar nicht so gerechnet haben, dass es so geil ankommt. Wir wollen auch glaub’ ich bewusst mit der neuen Platte etwas dagegen steuern. Weil wir wussten: “Eine zweite “I Love My Body” braucht jetzt keiner.” Oder wir würden die vielleicht auch gar nicht so hinkriegen. Was auch immer, wir haben uns auch gar nicht daran versucht. Wir haben gesagt: “Wir machen einfach bewusst das weiter wo wir drauf Bock haben und schauen wie das Ganze so passt.” Das war daher wichtiger und deshalb ist es auch ein Studioalbum definitiv geworden.

Hase: Das ist was es zusammenhält im Grunde und wir haben auch bei der “Bete zur Maschine” immer versucht, die Songs soweit vorm Studio fertig zu haben, dass man sagt: “Man könnte sie theoretisch auch so einspielen.” Mit den ganzen Overdubs haben wir jetzt auch nicht viel gemacht. Grabke ist ja auch einer der es gerne roh klingen lassen will. Der will das auch gar nicht, dass es jetzt so produziert ist wie ein Pantera-Album.

Siggy Rock: Pantera sind schon geil.

Schnalli: Ja, aber eben eine völlig andere Band. Das wollen wir auch gar nicht nachmachen. Wir hätten auch sagen können: “Wir holen uns jetzt Rick Rubin dahin und der macht uns jetzt einen Sound wie auf der letzten Korn-Platte oder was.”

Siggy Rock: Dann hätten wir aber alle Privatinsolvenz angemeldet mittlerweile.

Schnalli: Wir haben eigentlich nur gesagt: “Wir wollen jetzt keine zweite “I Love My Body” haben.”

Fitten: Einfach aus dem Bauch raus. Einfach machen und wir schauen ob’s passt, und wenn nicht, dann machen wir halt was anderes.

Hase: Wir hatten ja auch schon noch ein paar mehr Songs, die dann textlich oder musikalisch nicht so richtig zusammengepasst haben. Die haben wir dann eben rausgelassen. Es ist schon das Ziel ein Bisschen Auswahl zu haben. Was dann im Studio wirklich entsteht oder welche Reihenfolge es dann wird…

Fitten: Vor allen Dingen hatten wir auch Bock ein Album zu machen, das du wirklich von eins bis zum Schluss durchhören kannst. Die “Vulgar Display Of Power” von Pantera ist immer ein geiles Beispiel. Kannste immer wieder reinschieben. Von eins bis Z, geht immer.

OM: Ich habe auch bei der neuen Platte den Eindruck, das ist auch ein wenig auf LP getrichtert, mit dem Titeltrack in der Mitte und sowas.

Hase: So eine Diskussion, welcher Song kommt wann, die hatten wir natürlich auch. Mit der LP, das haben wir uns auch schon ein Bisschen so gedacht. Wi haben uns auch gedacht, ob wir auf der CD eine andere Reihenfolge machen als auf der LP.

Fitten: Mit der Songreihenfolge wirst du nie zufrieden sein. Man muss auch mal den Moment einfach nehmen und dann passt das.

Siggy Rock: Also ‘ne Platte ist ja auch irgendwie, weiß ich auch nicht, ‘ne Platte. Die hörst du gerne und hörst die zwei, drei Mal nacheinander durch und die Reihenfolge… wenn man eine Platte immer wieder nacheinander hört, dann ist die Reihenfolge auch beliebig. Die letzte Idee war eigentlich “Herzen machen bumm” als letzten Song zu nehmen. Das geht mir auf jeden Fall so: wenn ich den höre, hab’ ich sofort Bock wieder das Album zu hören. Das relativiert auch wieder das Listing.

OM: Es heißt im Titelsong: “Befreie dich vom Geld, lass’ dich neu frisieren.” Wie soll diese Frisur aussehen?

Schnalli: Das ist mal ‘ne gute Frage.

Siggy Rock: Da hab’ ich auch schon eine Vorstellung. Ich kann mich nicht genau äußern, mir fliegen so viele Frisuren durch den Kopf.

Schnalli: Es geht einfach nur darum: “Zack! Frisch, neu ans Leben.”

Fitten: Genau, es geht darum: “Lass’ die alten Kamellen!”

Siggy Rock: Ist schon ein Bisschen Endzeit. Mel Gibson bei Mad Max. Das müsste er machen.

Schnalli: Das müsste Mel Gibson mal auch heute noch machen. Man müsste eigentlich Mel Gibson die Haare mal wieder machen.

Siggy Rock: Ich glaub’ der Trend ist zu Locken.

OM: Dauerwelle? Oder Dampfwelle?

Fitten: Lieber Minipli.

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