Der Herbst ist zurück! Emilie Autumn zieht das Publikum in eine bizarre und schaurig schöne Atmosphäre – Korsagen, Kunstblut und Kreischgesang


Strahlender Sonnenschein, keine einzige Wolke und super Stimmung vor der Matrix in Bochum. Vor dem Eingang hat sich schon gegen 18 Uhr eine Schlange gebildet. Vor allem junges Publikum mit beachtlichen Outfits wartet ungeduldig auf den Einlass. Nach und nach kommen mehr Leute und es beginnt das Showlaufen. Viele tragen fast identische Emilie Autumn Bekleidung und haben sich selbst ein kleines Herz unter ihr Auge gemalt. Irgendwie eine Mischung aus Rocky Horror Picture Show und Lolitas. Vor all den faszinierenden vielen Details der verschiedenen Konzertgänger öffnen sich um Punkt 19 Uhr die Tore der Matrix.

Ich habe Glück und kann mir einen guten Platz sichern. Innerhalb kürzester Zeit sind die vorderen Reihen belegt und das erste Gedränge geht los. Die Luft wird immer stickiger und ich bemerke, dass das Publikum wirklich sehr jung ist. Vorne stehen die ca. 15-18jährigen, hinten die Ü-30-Fraktion. Das Alter zwar sehr gestreut, aber dennoch sind sich die Fans einig, was das Aussehen betrifft.

Die Spannung steigt. Inzwischen befinden sich ca. 200 Leute in dem gedrungenen Raum. Die Bühne hat eine sehr düstere Dekoration. Hinten ein riesiger Spiegel, an den Seiten viele kleine Accessoires, vorne die Mikros, an denen jeweils eine nackte Plastikpuppe am Ständer befestigt ist.

Es ist 20 Uhr. Bislang hat sich noch nichts auf der Bühne getan. Dafür sind schon die ersten Mädels rausgezogen worden. Die stickige Luft, die Aufregung und ihr wahrscheinlich erstes Konzerterlebnis waren wohl die Ursachen hierfür.

Irgendwann wenig später beginnt dann das Intro. Kreischende und brüllende Fans komplettieren den dröhnenden Sound. Minuten vergehen. Nebel steigt auf und die ersten Silhouetten sind hinter dem Spiegel zu erkennen. Nach und nach erscheinen die Bloody Crumpets, aus dem Englischen übersetzt „blutige Teekuchen“, die Tänzerinnen, Bühnenbegleiterinnen, Backgroundsängerinnen und Asylum-Mitbewohnerinnen von Emilie Autumn. Insgesamt vier Frauen stehen nun vorne an der Bühne und heizen die Menge mit ihren mechanischen und bizarren Bewegungen an.

Mit dem Beginn des Liedes „4 O´Clock“ erscheint die Silhouette von Emilie hinter dem Spiegel. Die Menge ist nun kaum mehr zu halten. Alle „Kostüme“, die sie trägt, schneidert sie selbst. Faszinierende Outfits und ein düsteres Bühnenspektakel leiten das Konzert ein.

Bei dem dritten Stück „Liar“ ist das Publikum am Siedepunkt angelangt und heizt der Band ordentlich ein. Ein Stimmabtausch der besonderen Art, erst Emilie Autumn und dann das Publikum schreien: „Liar, Liar, Liar…“

Den besonderen Auftritt bietet dann eine der vier Bloody Crumpets, die nach permanenten „I Love You“-Publikumsrufen mit einer sehr heißen Reaktion antwortet. Die Mädels, die in der ersten Reihe stehen, wurden von ihr geküsst. Kein kurzer Kuss auf die Wange – ein Zungenkuss, der bei einigen die pure Euphorie entfachte.

Nach dem fünften Stück, „Innocence“, gibt es eine kurze Pause. Die ersten Reihen werden aber nicht verlassen. Gespannt harren die Fans in der schwülen Luft aus. Mit „Shalott“ steigen Emilie Autumn wieder mit voller Energie ein.

Die Texte sind sehr düster und die Stimmung schwankt in verschiedenen Extremen. Wenn Emily die Violine spielt, durchdringen schräge und kreischende Töne den Raum. Stellenweise für mich kaum zu ertragen, für die Fans aber purer Musikgenuss.

Der Konzertauftritt wird bestimmt von alten und neuen Liedern, mit Lied 14 ein Violinensolo. Sehr abwechslungsreiche Bühnenshow. Und vor allem die Korsagen, Stoffe, das Make-up, alles sehr spektakulär. „Bohemian“ ist Lied 16. Für die Jüngeren wahrscheinlich kein Coversong, aber schon die ersten Klänge bestätigten meinen Verdacht. Das Queen – Cover bekam den typischen Emilie Autumn – Schliff. Mit dem letzten Stück, „Always Look On The Bright Side“, ebenfalls ein Cover, das nicht nur Monthy Python – Freunden bekannt sein dürfte, runden die Fünf ein gelungenes Konzert ab.

Ein interessantes Konzert mit vielen Details. Der Sound war klasse, und auch, wenn die Luft ein wenig unangenehm war, hat die Stimmung davon abgelenkt – Korsagen, Kunstblut und Kreischgesang.

Nach dem Konzert gab es noch ein Meet und Greet, Emilie Autumn haben sich wirklich noch viel Zeit genommen, um Autogramme zu geben und persönliche Geschenke anzunehmen. Gegen 0.30 Uhr neigte es sich dann wirklich dem Ende entgegen.

Setlist:

  • 01 Intro/4 o´clock
  • 02 Opheliac
  • 03 Liar
  • 04 Suicide
  • 05 Innocence
  • 06 Shalott
  • 07 Dominant
  • 08 God Help Me
  • 09 Unlaced
  • 10 Dead
  • 11 I Know Where You Sleep
  • 12 306
  • 13 Misery Loves Company
  • 14 Violin Solo
  • 15 Mad Girl
  • 16 Bohemian
  • 17 Thank God I´m Pretty
  • 18 Always Look On The Bright Side

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