OM: Hallo Albert!

Erstmal Glückwunsch zum exzellenten „III: So Long Suckers“ Album, das aber leider auch eure allerletzte Veröffentlichung überhaupt ist, da ihr euch quasi schon aufgelöst habt. Da REVEREND BIZARRE somit jetzt praktisch Geschichte sind, gib uns doch einen schnellen Überblick über die Geschichte und Karriere der Band.

Albert: Das wäre ganz schön viel, alles zusammen zu fassen, was in all diesen langen Jahren passiert ist seitdem wir als Band zusammen waren. Unsere Anfänge sind leicht in Magazinen und im Internet nachzulesen und unsere Alben kann man zumindestens in besser sortierten Plattenläden finden. Um es also abzukürzen, wir hatten unsere Probleme, aber auch eine klare Vision, die uns zum Erfolg auf bestimmten Ebenen geführt hat. Wir können die Szene glücklich verlassen. Als wir angefangen haben, lebten wir alle in Lohja und nun bin ich dorthin zurückgekehrt, womit sich der Kreis in dem Sinne auch wieder schließt.

OM: War bereits anfangs so geplant, REVEREND BIZARRE nur eine zeitlich limitierte Existenz zu geben oder ist dies eine Entscheidung basierend auf bestimmten Entwicklungen und Ereignissen? Was sind die Gründe für das Ende der Band? Denkst du, dass du “nicht mehr zu sagen hast”, was eure Musik angeht?

Albert: Es gäbe soviel zu sagen, aber es ist besser für uns, uns nun auf verschiedenen Wegen und an verschiedenen Orten auszudrücken. Was die Band tötete, waren die Probleme innerhalb der Band, die Schwierigkeiten diese monströse Musik zu produzieren, der Zeitaufwand um alles am laufen zu halten und meine persönlichen Probleme. Von der Musik selbst hatten wir nie genug. Aber wir ahnten bereits bei unserem zweiten Album, dass wir den Zeitpunkt erkennen mussten, wenn alles ein Ende haben wird und wir entschieden, dass dies das Jahr 2009, nach unserem fünften Album, sein wird. Nun ist es aber anders verlaufen und bald sind wir von der Bildfläche verschwunden.

OM: Als ihr in mit “Teutonic Witch” in die finnischen Charts eingestiegen seit (immerhin ein 16-Minuten Song!), konntest du glauben was da gerade passiert? Hast du deswegen jemals darüber nachgedacht, doch nicht mit der Band aufzuhören?

Albert: Nein, ich konnte es nicht glauben. Aber noch verwirrender war, dass unsere zweite Single eine Nummer Eins wurde und unser letztes Album auf Platz sechs der Charts landete. Finnland ist ein kleines Land und diese Positionen bedeuten keinesfalls große Verkäufe, aber trotzdem fühlt es sich ein wenig surreal an. Wir gehören einfach nicht in diese Welt, auch wenn es amüsant war, kurz ein Teil davon zu sein. Diese Art von kommerziellem „Erfolg“ kann nie die Art wie ich arbeite oder wie REVEREND BIZARRE gerarbeitet hat beeinflussen. Ich bin arm wie eine Ratte, diese Charts-Geschichte half mir nicht wirklich viel und Kunst muss für mich rein sein. Ich lasse keine Einflüsse von außen zu.

OM: Euer letztes Album trägt den Titel „III: So Long Suckers“, euer zweites hieß „II: Crush The Insects“. Hattest du etwas besonderes im Hinterkopf eure Alben „II: …“ und „III: …“ zu nennen, ein Konzept oder sowas in der Art? Oder ist es einfach eine Nummerierung wie es z.B. LED ZEPPELIN in ihren ersten Jahren gemacht haben? Und warum gibt es kein offizielles „I: …“ Album? Ich denke, es müsste euer Debüt „In The Rectory Of The Bizarre Reverend“ sein, richtig?

Albert: Die Idee kam nach der “Harbringer Of Metal” CD, die zwar 74 Minuten lang ist, aber kein Album im eigentlichen Sinne. Wir wollten dies in irgendeiner Weise unterstreichen und wegen LED ZEPPELIN und DANZIG entschieden wir uns zur Nummerierung. Die Nummer Eins ist natürlich unser Debüt. Wenn ich mich richtig erinnere, hatten ZEPPELING und DAZIG ihre ersten Alben auch nicht nummeriert. Es erstreckt sich auch ein loses Konzept über unsere Alben, aber das hat mehr mit den Traditionen von Heavy Metal und weniger mit irgendeiner Sache in den Songtexten zu tun. Das finale Album ist über das Ende und das erste führte in gewisser Weise die Leute in unsere Welt ein. „Crush…“ und „Harbringer…“ waren voll Hass und Gewalt. Man kann es als eine lange Reise ansehen.

OM: Die Songs auf „III: So Long Suckers“ sind sehr lang, selbst für eine Doom Metal Band. Wie habt ihr diese Songs komponiert? Sind sie das Ergebnis intensiver Jam Sessions oder steckt eine besondere Bedeutung hinter der Länge?

Albert: Wir haben nie gejammt und vor den Aufnahmen des letzten Albums haben wir nicht mal richtig geprobt. Wir haben diese Song zuvor nie zusammen gespielt, bis auf “Funeral Summer”, der seit den frühsten Tagen Teil unserer Setlist auf Konzerten ist. Natürlich steckt eine bestimmte Bedeutung hinter der Länge, wie alles seine Bedeutung hat bei dem was wir tun. Die Songs sind so lang wie sie es verlangen. Wir ließen niemals irgendwelche kommerziellen Gedanken in unser Songwriting einfließen. Sicherlich hätten wir mit kürzeren Songs mehr verkaufen können, aber wir folgen unserer Wahrheit.

OM: Was sind deine Pläne für das Leben nach REVEREND BIZARRE? Bist du immer noch an Doom Metal interessiert oder möchtest du was komplett Neues beginnen?

Albert: Als Fan interessiert mich Doom Metal immer noch, auch wenn ich in letzter Zeit kaum Doom gehört haben, wenn wir mal Klassiker wie TROUBLE oder THE OBSESSED außen vor lassen, die ich mir hin und wieder mal anhöre. Aber als Musiker werden ich reinen Doom Metal in naher Zukunft wohl nicht machen. Meine neue Band THE PURITAN ist zwar langsam und heavy, aber nicht das, was Doom Metal für mich bedeutet. Ich bin außerdem auch Mitglied der Black Metal Band ARMANENSCHAFT. THE PURITAN veröffentlichen bald ihre zweite 12“ und die erste LP von ARMANENSCHAFT kommt auch bald. Peter (Peter Vicar, Gitarre) spielt weiterhin Doom mit seiner neuen Band LORD VICAR und seine Progressive Rock Band wird in naher Zukunft ihr zweites Album veröffentlichen.

OM: Da wir REVEREND BIZARRE niemals mehr live erleben werden, hast du vielleicht noch ein paar letzte Worte an eure Fans?

Albert: Ich denke, ich sollte mich nur tausendfach bedanken!!

Es war für uns alle eine große Erfahrung all dies zu erschaffen und mit euch zu teilen.

OM: Vielen Dank für das Interview und viel Glück mit deinen neuen Projekten!

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