OM: Hallo zusammen! Ihr habt grade euer achtes Album „Caledonia“ veröffentlicht. Wie verliefen die ersten Reaktionen?

SuidAkrA: Die Reaktionen waren gerade nach dem letzten Album seitens der Presse und Fans überraschend positiv. Ich denke vielen gefällt die Tatsache, dass „Caledonia“ viel folkiger und ausgereifter als ihr Vorgänger klingt. Schade finde ich persönlich dass wir im Rock Hard Soundcheck trotz Guter Einzelkritik (8,5 Punkte) mal wieder im letzten Drittel gelandet sind.

Nach 8 Alben weiß ich auch nicht was wir machen sollen, um besser abzuschneiden.

OM: Euer letztes Werk „Command To Charge“ war sehr modern geprägt und wurde nicht von wenigen Stimmen als Metalcore betitelt. Auf „Caledonia“ vernimmt man jetzt jedoch wieder eine erstarkte, folkloristische Prägung, die an die älteren Tage erinnert. In welchem Zusammenhang steht dieses mit dem Wiedereinstieg eures alten Gitarristen und Sängers Marcel?

SuidAkrA: Nachdem wir mit dem Vorgängeralbum „Command To Charge“ einen gewissen Abstand zum eigentlichen Sound hatten, konnten wir so neue Energie und Ideen, vor allem im folkigen Bereich schöpfen.

Wobei ich die Bezeichnung Metalcore für dieses Album völlig unzureichend finde, es kann durch aus sein dass, das eine oder andere Element in die Musik eingeflossen ist, jedoch klingt „Command To Charge“ für mich nach SuidAkrA.

Die Resonanzen des letzten Albums hatten in keinster Weise etwas mit der musikalischen Ausrichtung auf „Caledonia“ zu tun, weil wir nach wie vor hinter diesen Album stehen. Man kann sagen dass es ohne „Command To Charge“ kein „Caledonia“ gäbe.

Marcel bringt sicherlich, allein durch seinen Gesang und Melodien, wieder verstärkt den Folkeinfluss in unseren Sound mit ein. Allerdings bietet uns ein Konzeptalbum natürlich die Möglichkeiten viele Folkelemente in unseren Sound mit einzubauen. Es hat sich schon recht früh abgezeichnet dass „Caledonia folkiger ausgefallen wird.

OM: Das aktuelle Cover erstellte Kris Verwimp, der auch schon den alten Covers durch zauberhafte Fabel-Darstellungen eine schöne Hülle verlieh.

Wie wichtig ist euch ein gutes Cover als Spiegel des Albums?

SuidAkrA: Das Cover eines Albums ist für uns genau so wichtig wie die Texte und die Musik. Es dient als eine Art Aushängeschild des Albums. Wenn die Leute das Artwork sich ansehen, sollen sie in etwa schon wissen was sie erwartet.

Bei „Caledonia“ z.B. stellt die vordere Figur einen Piktischen Gott dar und zeigt deren Naturverbundenheit. Kris hat mit den Energiestrahlen mehr Bewegung in das Cover gebracht und somit zusätzlich eine mystische Atmosphäre geschaffen. Im Hintergrund sieht man klein aber detailliert das angreifende Römische Reich. Meiner Meinung nach, hat sich Kris mal wieder selbst übertroffen

OM: Caledonia erzählt vom (kulturellen) Kampf der schottischen Pikten, die ein kleines und naturliebendes Volk sind, gegen das große römische Imperium. In wie weit kann oder soll man eure Gedankengänge zu diesem Thema auf die aktuelle Weltsituation projizieren? Auch hier wird Welt- und Großmächten nachgesagt, sie würden kleine Völker überrennen und auch der Konflikt der Kulturen wird immer wieder erwähnt.

SuidAkrA: Das finde ich ja toll dass das auch mal jemand fragt! Gerade der Punkt macht das Thema so spannend – finde ich. Denn es gibt einem schon viel Stoff zum Nachdenken: warum wiederholen sich solche Dinge, ist die Vorherrschaft der römischen Kultur, die ja beachtlichen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung Europas hatte, vielleicht der Grundstein gewesen für viele Soziale und kulturelle Probleme die wie jetzt haben? Man findet beim genaueren Hinschauen viele wohlbekannte Mechanismen wieder: eine extremes Ausmaß an Korruption, die Überzeugung die einzig wahre Lebensweise zu haben, also nichts anderes wie die Verblendung der Amerikanischen Regierung, die glaubt im nahen Oste die Demokratie durchsetzen zu können, oder die Manipulation der Massen durch Ablenkung von den wichtigen Themen. Letzteres funktioniert auch heute noch wunderbar – ich glaube viele Menschen würden sich viel mehr engagieren wenn sie nicht von der medialen Flut so zugedröhnt würden. Damals hiess das Konzept „Brot und Spiele“ und sollte die Aufmerksamkeit der Massen auf die Spiele in der Arena lenken und „Brot“ steht heutzutage für unseren Wohlstand, den wir, trotz allem Jammerns, immer noch haben – was uns wiederum träge und teilnahmslos macht. Das alles geht schon sehr ins Detail, aber z.B. der Text von „On Torrid Sand“ geht auf diese Themen schon etwas konkreter ein… Dieser Aspekt ist allerdings nur ein Teil des Themas, weil auch die Kultur der Pikten, oder das was noch bekannt ist, ein Interessanter Punkt ist – und auch hier habe ich es mir nicht nehmen lassen die Unterschiede klar zu machen. Einfach weil es spannender ist Gegensätze zu zelebrieren – genau wie in unserer Musik.

OM: Nach Last Episode und Century Media beheimatet euch mit Armageddon Music jetzt das dritte Label. welche Konsequenzen habt ihr aus den eher schlechten Erfahrungen der Vergangenheit gezogen?

SuidAkrA: Also bisher haben Armageddon Gute Arbeit für uns gemacht. Wir sind auf jeden Fall mehr zufrieden, als mit „Century Media“, weil uns einfach mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ich habe durch die Labelwechsel gelernt dass man tierisch auf die Schnauze fallen kann. So habe ich z.B. früher unsere Labels immer gelobt und dann sind wir auf die Nase gefallen, daher bin ich da vorsichtig geworden. Aber ich kann dich beruhigen, bisher ist bei uns alles im grünen Bereich! Ich meine wenn wir nicht zufrieden wären, hätten wir kein weiteres Album aufgenommen.

OM: Was haltet ihr von Religionen? Ist der mythologische Teil eurer Texte eine Fantasie, oder steckt dahinter auch ein „Fünkchen“ Glaube?

SuidAkrA: Ich bin kein religiöser Mensch – Religion ist für mich nur eine Lebenshilfe und ein Versuch die Welt zu erklären, was sich notwendigerweise in Kulturen gebildet hat.

Ich glaube die Faszination zur Mythologie ist eher eine Sehnsucht oder eine Verherrlichung des Zustands der Unwissenheit. Ich bilde mir ein, dass das Leben damals intensiver war weil man viel weniger von unwirklichen Dingen abgelenkt war, die das heutige Leben so sehr ausfüllen. Und ich spiele gerne mit dem Gedanken, dass man auch glücklich sein kann ohne das Streben nach mehr Wissen und die Erforschung der Natur. Die Naturvölker, die heute noch irgendwo leben sind schließlich auch glücklich – also ich würde jetzt nicht mit ihnen tauschen wollen aber letztendlich ist ihr Leben genauso lebenswert wie unseres. Jeder weiss dass die technologischen Errungenschaften auch ihren Preis haben und dass wir uns langsam überlegen müssen ob wir wirklich bereit sind diesen Preis zu bezahlen. Das hört sich vielleicht etwas nach Träumerei an, aber ich bin mir durchaus bewusst, dass das Leben damals alles andere als Zuckerschlecken war – nicht umsonst war die durchschnittliche Lebenserwartung nur bei 35 Jahren!

Also kurz gesagt: die Mythologie in unseren Texten übt einerseits Kritik am Fortschritt und soll andererseits die Schönheit des Unerklärlichen zeigen.

OM: Über die so genannte Pagan-Metal-Szene tauchen immer wieder Gerüchte auf, dass sie recht viele rechtsextreme Bands beheimate. Habt ihr schon Erfahrungen mit derlei Bands oder Fans gemacht?

SuidAkrA: Glücklicherweise bisher noch nicht.

Uns ist aber bewusst dass es diese Bands und Fans gibt. Wir machen Musik, weil wir Spaß am kreativen Prozess und an der Darbietung auf der Bühne haben, ohne eine spezielle Aussage damit treffen zu wollen. Zwar findet sich auch das aktuelle Weltgeschehen, meist im übertragenen Sinne, hin und wieder in unseren Texten wieder, aber dabei geht es eher um das Leben an sich, als um eine politische Aussage. Es ist eher störend, wenn sich eine Band über politische Aussagen definiert, besonders wenn es sich um eine radikale Aussage handelt, da aus unserer Sicht das Wichtige doch immer noch die Musik sein sollte. Im Endeffekt muss das jede Band selber entscheiden.

OM: Ihr habt live auch schon mit der Vegan Straight Edge-Band Maroon gespielt. Prallen dort Welten aufeinander, oder sind es auch ganz „normale“ Metal-Heads?

SuidAkrA: Hmm. Irgendwie hast du da falsche Informationen 😉

Ich kenne die Band da ich mit einen von ihnen Kontakt hatte, aber bisher haben wir nie so richtig mit ihnen gespielt, ausser auf dem Summer Breeze, aber bei solchen Festivals würde ich nicht von zusammenspielen sprechen hahaha. Ich habe sie dort leider verpasst sowohl back als auch on-stage. Ich bin da aber sehr offen, nur weil sie andere Musik machen heisst es nicht dass sie keine normalen Metal Heads sind.

OM: Was macht ihr so in eurer Freizeit? Gibt es vielleicht Nebenprojekte?

SuidAkrA: Ich bin Student und bis auf Marcus, der einen normalen Job hat hat sich der Rest Selbstständig gemacht. Lars der als Drummer und Drumtech arbeitet spielt neben SuidAkrA in einer Rock ‚n Roll Band namens „Hellviks“.

Ich bin gerade dabei einige Synthesizer Sachen für mich aufzunehmen, dam ich klassische Musik sehr interessier, aber die meiste Zeit geht dann doch für SuidAkrA drauf.

OM: Ihr habt jetzt schon vielen Festivals und Gigs für das Jahr 2007 zugesagt. Wie verhalten sich Live-Auftritte und Studio-Alben auf der Waagschale?

SuidAkrA: Wir freuen uns immer wieder aufs Neue ins Studio zu gehen, aber genauso geht es im Livesektor zu. Nach einem Studiobesuch sind wir sehr heiß das neue Material live zu spielen! Wir wollen nächstes Jahr auf dem

Live Sektor richtig loslegen. Geplant sind zahlreiche Konzerte im Ausland, sowie eine 10-tägige Tour durch

Russland. Leider wurde die geplante Wacken Road Show 2007 abgesagt, also werden wir in Deutschland

nur einige Einzelgigs spielen, bevor es dann auf die Sommerfestivals zugeht. Wir werden natürlich

versuchen so oft wie nur möglich „Caledonia“ live zu präsentieren.

OM: Zunächst möchte ich noch ein kleines, bekanntes Spiel anzetteln! Ich nenne euch fünf Begriffe und ihr sagt, was euch spontan dazu einfällt:

Braveheart: Genialer Film, hat seine Oskars verdient.

Asatru: Sehr Interessante polytheistische Religion, vor allem Interessant wegen ihrer Naturverbundenheit.

Casting-Shows: Wenn man sie nicht ernst nimmt dann ist es lustiger als die meisten Comedy Shows in Deutschland.

Met: Lecker, aber nicht unser Ding… Dann eher Jacky Cola !

Emo(core): Ist nicht ganz unser Ding daher kann ich nicht viel zu sagen. Ist wie alles im Leben Geschmackssache

OM: Zu guter letzt gehört natürlich euch das Wort. Ich bitte um eine poetische Meisterleistung!

SuidAkrA: Ein fettes „Danke“ an Dich und alle, die SuidAkrA bis hierhin unterstützt haben!

Jeder, der sich irgendwann in den vergangenen 12 Jahren mit SuidAkrA identifizieren konnte, sollte in

„Caledonia“ auf jeden Fall reinhören!

Wir sehen wir uns sicher bei einem unserer Gigs in 2007.

…Na wenn das keine poetische Meisterleistung ist 😉

OM: Doch, definitiv! 🙂

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die weitere Zukunft!

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