OM: Hi Bony und vielen Dank für deine Zeit!

Starten wir gleich mit der ersten Frage: Was hat euch damals zur Musik gebracht?

BONY: Es gab leider keine andere Entfaltungsmöglichkeit, da von uns niemand besonders gut malen, Fußball spielen oder schnell Auto fahren kann.

OM: Warum hat sich Grindcore als euer Medium herauskristallisiert?

BONY: Unser Medium ist wenn dann überhaupt der Grindpunk. Es ist nicht so, dass wir den Grindcore für uns entdeckt haben, der Grindcore hat eines Tages eher uns entdeckt.

OM: Gibt es Idole, die euch zu dem verleitet haben, wer ihr heute seid?

BONY: Idole nein. Man wird immer das, was man ist, indem man hasst. Abschreckende Beispiele sind viel toller als Idole. Besser, man weiß, wie man es NICHT machen soll.

OM: Wie geht man als sozialkritischer Künstler mit dem irren Trouble des Musikbusiness um?

BONY: Indem man sich ihm komplett entzieht. Wir müssen den Hochglanzmagazinen nicht in den Arsch kriechen oder unserer Plattenfirma hinterher telefonieren. Einer der großen Vorteile bei Jaka ist, dass man nicht freundlich zu Arschlöchern sein muss.

OM: Seid ihr immer noch die selben geblieben Privat? Geht ihr einem Beruf nach?

BONY: Nein, wir leben mittlerweile ausschliesslich von der Band, nehmen horrende Konzertgagen und bieten unser Merchandise zu exorbitanten Preisen an. Davon lebt man ganz gut. Ich habe mir heute morgen erst einen Plasmafernseher gekauft.

OM: Wie gut lässt sich das Verhältnis von Privatleben und Bandleben (inkl. Touren etc.) in Einklang bringen?

BONY: Schlecht. 4 von sechs Bandmitgliedern sind mittlerweile komplett zerstritten. Während der Pausen bei den Bandproben schweigt man sich eisig an. Damit kann man aber leben, wenn am Ende das Geld stimmt.

OM: Wieso ist das Cover so Gelb?

BONY: Gelb ist das neue Schwarz.

OM: Die Songs auf diesem Album prangern diverse Missstände der Gesellschaft an, aber ihr bietet keine Vorschläge zur Verbesserung der Umstände. Was kann man zur Verbesserung tun?

BONY: Natürlich bieten wir keine Lösungen an. Wir können nur auf Zustände aufmerksam machen. Die Lösung muss der Hörer dann selbst finden.

OM: Wollt ihr als Band einer, sogenannten, Untergrundmusikrichtung aufrütteln?

BONY: Wir wollen vor allem stören, verstören und zerstören. Es macht uns beispielsweise großen Spaß, auf Festivals vor überwiegend ahnungslosen Menschen aufzutreten, die dann denken: „Scheiße, wer sind den DIE Idioten?“

OM: Welche Aussichten versprecht ihr euch in einem Genre, das in den Medien einen mehr als schlechten Ruf innehat und deren Anhänger als sozial abseitige gelten?

BONY: Wir versprechen uns gar nichts davon. Welchen Ruf das Genre hat, ist uns scheißegal. Vor 10 Jahren hat man uns gesagt, mit einem solchen Bandnamen in Verbindung mit dieser nervösen Musik und dann auch noch deutschen Texten kämen wir nirgendwo hin. Wir sind aber immer noch da, dürfen Platten aufnehmen und veröffentlichen, und manchmal kommen zu unseren Konzerten sogar richtig viele Leute. Als sozial abseitig würde ich Grindpunk-Hörer nicht bezeichnen. Ich sehe bei unseren Konzerten stets adrett gekleidete Personen, die sich meisst alle als sehr höflich und intelligent herausstellen. Auch die weiblichen Konzertbesucher sind wesentlich attraktiver als im Bereich der kommerziell erfolgreichen Bands. Zumindest habe ich auf Jaka – Shows noch nie fettige Kackbratzen mit Blind Guardian-Pulli und Jogging-Hose gesehen.

OM: Wo wir gerade bei den Medien sind: In dem Song „18:45:39“ geht es um die schizophrene Berichterstattung des Fernsehens, in dem Leid und Glamour permanent abwechseln. Sollte das Fernsehen mehr Mitgefühl zeigen?

BONY: Nö! Wer keinen Bock drauf hat, soll seinen Fernseher wegschmeißen. Klaus (Gitarre) und Christof (Drums) haben das bereits getan.

OM: In „Leute ohne Lust“ sprecht ihr die Lustlosigkeit und Automatisierung der Menschen an. Sind die Emotionen und das Individuum in euren Augen tot?

BONY: Nicht zwingend, aber wenn man morgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, drängt sich dieser Eindruck schon auf.

OM: Welche Bedeutung hat der Song „Böses Blut“? Ich bin nicht dahinter gestiegen.

BONY: „Böses Blut“ ist einer Person gewidmet, die uns mal ganz heftig ins Knie gefickt hat. Und diese Person wird auch wissen, wer gemeint ist, wen sie den Song hört.

OM: Im Song „Rauchen und Yoga“ heißt es:

„Die Kopie die du da gerade kopierst, ist eine vielfach kopierte Kopie einer Kopie!

Sprecht ihr dabei von dem Raubkopieren? Und was würdet ihr davon halten wenn euer Album sich online gratis verbreiten würde, eher als auf CD?

BONY: „Kopie“ bedeutet im Titelsong eher das Leben anderer Leute kopieren, sprich: so aussehen wollen, wie alle anderen aussehen, das gut finden was alle gut finden und sich schön der Masse zu unterwerfen.

Das sich unsere CD online gratis eher verbreitet als auf legal erworbenem Wege, ist eine Tatsache. Kann man im Moment nichts gegen machen und wir haben uns auch nie drüber beschwert. Zumindest wird unsere Musik so ohne finanziell aufwändigen Promoscheiss an die Leute gebracht. Von CD-Verkäufen lebt heute eh kaum noch eine Band. Live – Gagen und T-Shirts sind gefragt.

OM: „Komm wir drehen einen Porno“ ist schließlich eine Anspielung auf den Voyeurismus und den Exhibitionismus des sog. Internets 2.0. Verrohen die Menschen zusehens und denken mittlerweile mehr mit dem Geschlechtsteil als mit Herz oder Hirn?

BONY: Ich wünschte, manche Leute würden mehr mit dem Schwanz denken, als ständig alles kaputt zu diskutieren, zu

hinterfragen, Leute von vermeintlichen Podesten zu stoßen. In dem Song selber sehe ich die Aussage: warum nicht mal Pornos drehen, die das wahre Leben widerspiegeln: wo die Frau scheiße aussieht und der Typ einen kleinen Schwanz hat und keinen hochkriegt?

OM: Könnt ihr die Message eures in einem Satz zusammenfassen, oder wollt ihr das euren Fans und Hörern überlassen?

BONY: Ich weiß selber gar nicht so genau, was unsere Message ist. Soll der Hörer selbst entscheiden.

OM: Ich bedanke mich für eure Zeit und eure Antworten!

BONY: Keine Ursache. Dank zurück!

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