OsnaMetal.de (OM): Hallo erst einmal und willkommen in Osnabrück. Zum Anfang möchte ich erst einmal wissen, wie weit eure Erfahrungen mit Osnabrück bereits gediehen sind. Seid ihr zum ersten Mal hier? Und was habt ihr bisher von der Stadt gesehen?

Sankt Brandanarius (BR): Durchgefahren sind wir hier schon mal, aber sonst waren wir hier noch nicht.

Steffano di Pannoptico (ST): Und gesehen haben wir hier auch noch nichts. Wir werden wahrscheinlich ein paar Menschen hier sehen, hoffentlich. Aber von der Stadt werden wir leider, leider nicht viel zu sehen kriegen, weil wir ums eins schon wieder weiterdüsen. Wir müssen morgen in Dresden spielen.

BR: Also ich hab erst einmal da oben auf der Mauer gestanden (Anm. d. Verf: gemeint ist das Heger Tor), mich einmal im Kreis gedreht und gesehen, dass hier drei Türme spielen, oder Kirchen. Das war’s aber auch schon.

OM: Warum verschlägt es euern Tourauftakt gerade nach Osnabrück? Wer hat euch hier hergelotst?

BR: Der Steuermann hielt das Ruder Richtung Westen, könnte man sagen.

Ne. Weil wir ne Deutschlandtour machen. Und Osnabrück ist auf der Karte ganz günstig gelegen, dann sind wir hier mal vorbeigeschneit.

ST: Tja, Osnabrück scheint einfach eine Menge sehr netter und fröhlicher Menschen zu haben, weil diese netten und fröhlichen sich gedacht haben: „Mensch, die holen wir jetzt mal nach Osnabrück, damit wir hier ordentlich abfeiern können. Und anscheinend hat das gewirkt. Jedenfalls sind die Menschen gut gelaunt, wir hoffen, dass das heute Abend auch so bleibt und deswegen sind wir hier.

OM: Beschreibt doch einmal wie Leute wie mich, die euch noch nie live gesehen haben, was sie heute hier erwartet bzw. was sie sich entgehen lassen.

ST: Brachial-lyrisch-gute Rock’n’Roll – Mittelaltergemisch – Musik, wenn ich das jetzt in einem Wort mal zusammenfassen darf. Musik die sowohl tanzbar als auch hörbar ist. ..

BR: Was sich ja manchmal ausschließt!

ST: Unserer Musik wird ja oft nachgesagt, dass zum Beispiel Texte fehlen oder ein Sänger oder so. Das ist bei uns nicht so, wir haben unter anderem Lieder, wo viel gesungen wird, wo auch alle Musiker singen und das ist jetzt das Gemisch, das wir jetzt gerade haben. Es ergibt sich so die Musik, die das Publikum erwartet. Also ruhig aber auch tanzbar und auch hart und laut.

Tja, und wir gehen also auf Kaperfahrt im Moment, das ist also das Thema, und es gab mal Kollegen, die haben diese Art von Musik sehr schön umschrieben mit Brachialromantik. Ich weiß gar nicht mehr, wer das war, aber ich glaube, das trifft es. Es wird also auf historischen Instrumenten gespielt, aber auch so, dass man dabei ein bisschen mit den Beinen zappeln und gute Laune haben kann.

OM: Zählt das für euch denn noch zur Mittelaltermusik dazu?

ST: Doch, doch, wir machen auch Mittelalterband, aber das lässt dann ja auch sehr viel Variationsmöglichkeiten zu. Wir probieren alles! Wir machen alles, wir dürfen alles – und jeder muss sich überraschen lassen.

OM: Man hört ja immer wieder, dass bei euch der Hauptteil eines Auftrittes aus der Show besteht. Welchen Stellenwert nimmt dabei für euch noch die Musik ein?

ST: Die Musik ist schon das Hauptthema, deswegen machen wir das Ganz ja. Wir stellen uns aber nicht wie historische Bands oder Gruppen auf die Bühne und machen da feine Kammermusik, wo man gepflegt hinter dem Notenständer sitzt, sondern wir machen schon ordentlich Bambule da auf der Bühne.

Das heißt, es wird ne Menge Action, es gibt auch was für’s Auge, wir haben auch schöne Tänzerinnen dabei und geben uns Mühe, auch selber nicht ganz doof auszusehen.

Es gibt einfach was fürs Auge.

OM: Cultus Ferox heißt ja „Wilde Lebensart“. Das entspricht dann sozusagen auch dem Programm, was ihr auf der Bühne habt..

ST: Der Name ist Programm!

OM: Es geht euch also letztendlich nur darum, auf die Pauke zu hauen und Spaß zu haben?

ST: tsächlich ja! Es gibt auch ab und zu mal einen Moment, wo man eventuell mal ne Träne im Knopfloch hat vor Rührung oder irgendwas, aber geht hauptsächlich darum, gute Laune zu verbreiten.

Aber man darf dabei auch nicht ganz vergessen, dass wir historische Musik machen und historische Instrumente spielen und so weiter – dass das auch vermittelt wird. Das soll halt auch für heute Verhältnisse verständlich gemacht werden.

BR: Es sind im Grunde unsere Kollegen und wir selber, die wild sind und auch ein bisschen verrückt, und daher der Name und auch die Musik. Wir sind alle ein bisschen wild auf unsere eigene Art und Weise und daher passt es halt mit dem Namen und mit der Rolle auf der Bühne dann auch. Du kannst niemanden in eine Rolle stecken, in der er sich nicht wohl fühlt, aber wir fühlen uns in dieser Rolle ja wohl, und von daher passt der Name genau wie die Musik, das Outfit und die Show.

OM: Habt ihr Erwartungen an euren Tourauftakt heute Abend?

ST: Also diese Tour, die „Rum – Tour“, hat ja hier ihre Premiere in Osnabrück. Wir sind die ganzen letzten Jahre ja viel unterwegs gewesen, auf Mittelaltermärkten, auch in Konzertsälen, aber für dieses neue Programm ist dies die Premiere. Wir freuen uns, dass wir hier in einem schönen Saal sind mit schönen Menschen und einer schönen Atmosphäre, und es wird hoffentlich eine schöne Premiere. Bisher haben wir gute Erfahrungen gemacht, und was das neue Programm betrifft, werden wir ja sehen, wie Osnabrück das gefällt.

OM: Wie viel Leute erwartet ihr denn zu euern Konzerten im Hinblick auf eure bisherigen Auftritte?

BR: Es wird BRECHEND voll!

ST: Ja, ich will mal den Mund nicht zu voll nehmen. Im Prinzip ist es ja egal, weil jetzt ist eh alles zu spät. Jetzt sitzen wir im Bus oder auf dem Kahn und schippern rum, und dann ist es uns auch egal. Wenn zehn Leute vor der Bühne stehen, dann machen wir erst recht Bambule, weil das gilt nicht! Wir machen auf jeden Fall Stimmung. Und wenn zu wenig Leute da sind, dann müssen wir das eben selber ausgleichen und machen selber Stimmung.

OM: Ihr habt ja auch einen eigenen Fanclub. Nimmt der für euch eine besondere Rolle ein?

ST: Der ist sehr wichtig. Die organisieren ja fast schon unser Leben, und unterstützen uns sehr. Also zumindest die Leiter dieses Fanclubs sind immer mit uns in Verbindung, wir feiern ganz oft zusammen und haben auch ein sehr warmes Verhältnis miteinander.

BR: Der Ideenreichtum ist auch wichtig! Also da kommen Ideen zustande über die Leute, die diesen Fanclub leiten und über die Leute, die da in diesem Fanclub drinne sind, also über die kommen Ideen zustande, was man machen kann, wie man so eine Tour im Detail machen kann.

ST: Also sie kümmern sich sehr rührend. Die haben auch sehr viele eigenen Ideen und der Club kümmert sich um seine Mitglieder, um die Fans …

OM: Wie viele Mitglieder hat der Club den ungefähr?

ST: Ich glaube, so um die 90.

OM: Und wo kommen die alle her?

ST: Aus ganz Deutschland! Ne, aus Belgien auch und aus Schweden auch… also doch sehr breit gefächert.

OM: Wisst ihr, ob von denen jemand hierher gereist ist heute?

ST: Irgend jemand kommt, meine ich. Ich glaube, ich hab auch schon irgendwen gesehen.

OM: Ihr habt ja im Juni 2005 das Kurzalbum „Aufbruch“ veröffentlicht. Das galt ja als Vorgeschmack auf euer neuestes Album und auf diese Tour…

ST: Ja, das war sozusagen die Singleauskopplung vorher. Leider hat das dann mit dem folgenden Album ein bisschen länger gedauert wegen personeller Veränderungen.

Das war damals zwar die Singleauskopplung, aber wir haben dann extra noch ein paar Titel mehr draufgemacht, als es normalerweise üblich ist für eine Single, damit wir nicht ganz so in diese Schiene reinfallen „Single und dann Album“. Aber das Album „Unbeugsam“ ist jetzt raus und drei Titel von der Single sind auch darauf vertreten, noch einmal ein bisschen überarbeitet.

OM: Und thematisch steht das in Zusammenhang mit dieser Tour und „Unbeugsam“?

ST: Ja, ja, das ist ein Themenkomplex. Der Themenkomplex heißt Freibeuter, Piraten und andere Halunken, und – tja, das ist das, was wir gerade machen. Was wir leben.

OM: Du hattest es schon mal erwähnt – wieso ist das neue Album nun so verspätet draußen? Es sollte ja dem Vernehmen nach bereits am 25. Februar erscheinen?

ST: ES sollte eigentlich ursprünglich schon vor einem halben Jahr herauskommen. Es hat damit zu tun, dass wir personelle Veränderungen hatten. Es sind zwei Mitglieder aus der Band ausgestiegen, wir haben andere Mitglieder, die neu dazugekommen sind. Das war zwar fließend, aber damit hat sich halt innerhalb der Band und musikalisch so viel verändert, dass man sagen kann, dass wir mit dem ursprünglichen Material, welches wir für das Album hatten, dieses nicht mehr herausbringen konnten. Es stimmte nicht mehr und deswegen hat das halt alles ein wenig länger gedauert. Im Endeffekt hat das aber alles geklappt, jetzt ist es da und wir sind alle sehr happy damit, sehr zufrieden mit der Arbeit von allen Beteiligten.

OM: Und was geschieht nun mit dem Material, das ursprünglich auf das Album sollte und das nun rausgenommen wurde?

ST: Wir haben sowieso so viel auf der Warteschleife irgendwo rumliegen inzwischen.. die kommen dann entweder mal später raus auf einem anderen Album oder auch gar nicht oder es wird ein bisschen auf einem Mittelaltermarkt gedudelt.

OM: Man hört ja in letzter Zeit häufiger, wie sehr in der Mittelalterszene abgekupfert wird und dass wenig eigenes produziert wird – wie steht ihr zu der „Mittelalterszene“ als solcher?

ST: Ja… immer wieder ein beliebtes Thema und dazu könnte ich jetzt einen anderthalbstündigen Vortrag halten, zu kopieren, Ursprüngen. Weil wir auch selber in der Band Menschen dabeihaben, die wirklich ganz von Anfang an dabei waren und wir auch wissen, wo es herkommt.

Also, wie gesagt, ich könnte da einen langen Vortrag drüber halten, tu ich jetzt aber nicht! Ich sag einfach mal, jeder muss wissen, was er macht und was gut ist, setzt sich durch!

OM: Aus aktuellem Anlass noch eine Frage zu einem ganz anderen Thema: Was haltet ihr von dem neuerlichen Hype um „Deutschland sucht den Superstar“

ST: DA sag ich einfach mal das gleiche – jeder muss selber wissen, was er macht. Und mehr muss man dazu auch nicht sagen, oder? NE! Ich würde mir gerne so einen Truck mieten mit einer Riesenanlage darauf und würde solchen Menschen wie Dieter Bohlen gerne überall hinterherfahren und 24 Stunden am Tag meine CD total laut spielen. Weil der Mist, der überall gespielt wird – egal wo du hinkommt, du kannst dich dem ja gar nicht mehr entziehen, egal ob man den Fernseher anmacht, Radio – überall, überall läuft immer dieser Mist. Und das halte ich für Terror. Und die Menschen, die so etwas rausbringen, würde ich auch gerne einmal terrorisieren, nur damit sie mal wissen, wie das ist. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

OM: Fein. Das wäre es dann auch gewesen, erst einmal herzlichen Dank für eure geopferte Zeit. Traditionellerweise gehen die letzten Worte an die Künstler, also wenn ihr noch ein Wort verlieren wollt…

BR: Tja, wird ne coole Tour, toller Auftakt hier in Osnabrück. Gut, Superstars hatten wir gerade erledigt.. also auf dass wir alle wieder heil und gesund an Land ankommen, würde ich sagen und viel Spaß und Laune verbreiten. Das soll das Schlusswort sein!

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