OM: Hey Eugen und danke für deine Zeit!

Fangen wir gleich an: Wieso das Comeback? Welche Gründe gab es? Seid Ihr von der derzeitigen Deutschpunkgeneration enttäuscht?

E.B.: Nach unserem Split im Jahre 2000 kam Rudi, einer unserer Gitarristen, auf die Idee, eine Jubiläumstour zum 20 jährigen Bestehen der Skeptiker spielen zu wollen. Wir fanden den Gedanken auf Anhieb sehr charmant, und sagten spontan alle zu. Das Ganze war als einmalige Aktion geplant, sollte also keine Reunion sein. Während der Jubiläumskonzerte baten uns die Fans allabendlich, unbedingt weiter zu machen und auch wieder neue Songs zu veröffentlichen. So kam es also zu der aktuellen Best of, unserer momentanen Tour durch Deutschland und der Vorbereitung eines neuen Studioalbums.

An der derzeitigen Punkgeneration ist erfreulich, dass immer noch rebellische Geister nachwachsen, die sich mit Punk identifizieren können und nicht alle auf den Zug der “Spaßgesellschaft”, die das kapitalistische System nicht ist, aufspringen.

OM: Wie verortet ihr euch selber in der Geschichte des Deutschpunks?

E.B.: Ich denke schon, dass DIE SKEPTIKER einen wichtigen Beitrag zum Deutschpunk geleistet haben. Nicht umsonst sind unsere Songs auch nach zwanzigjähriger Existenz nach wie vor aktuell in ihren Aussagen, was nicht gerade von einem guten Zustand der Welt zeugt.

OM: Was wird aus den Nebenprojekten der Skeptiker? Ist mit einem weiteren Album von Rotorfon zu rechnen?

E.B.: Für Rotorfon war im letzten Jahr und auch 2007 keine Zeit, da wir für die Skeptiker 2006 die Jubiläumstour vorbereitet und absolviert haben, danach unser Best of Album “DaDa in Berlin” einspielten und momentan auch wieder auf Tour sind. Es war aber anno 2006 ein drittes Rotorfon Album in Vorbereitung, welches noch veröffentlicht werden soll. Ob das allerdings für 2008 schon klappt, kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen, da wir zur Zeit, zwischen den Konzerten, an einem neuen Studioalbum für die Skeptiker werkeln,

welches im Herbst nächsten Jahres veröffentlicht werden soll.

Tom Schwoll spielt ansonsten noch bei Jingo de Lunch und Kumpelbasis, Andy Laaf schwingt bei Mad Sin die Trommelstöcke und Lars Rudel ist bei Cultus Ferox zu erleben.

OM: Welche Bindung habt ihr zum Dadaismus? Wie kam sie zu stande und inwiefern seht ihr euch in der Tradition des Dada?

E.B.: Der DaDaismus war eine kurze aber interessante Kulturepoche, da er während und nach dem Ereignis des 1. Weltkrieges alle bis dato vermittelten Werte des alten Kaiserreiches in Frage stellte, mit dem Ziel etwas Neues zu schaffen durch Zertrümmerung aller Konventionen, sowohl kulturell als auch politisch.

Für mich persönlich war die Zeit der Berliner DaDaisten die spannendste, da durch ihre Protagonisten wie John Haertfield, Wieland Herzfelde, Georg Grosz und John Hülsenbeck, um nur die Wichtigsten zu nennen, diese kulturelle Strömung eine radikal politische Botschaft bekam, weg vom reinen Klamauk, der DaDa anfangs auch war.

Die Zertrümmerung nicht funktionierender oder falscher, oder überholter Werte mit der Option dafür etwas Neues zu erschaffen, korrespondiert für mich eindeutig auch mit der Punkbewegung.

OM: Seht ihr eure alten Stücke auch heute noch als relevant an oder sind sie vielleicht doch schon überholt?

E.B.: Ich glaube nicht, dass unsere Stücke heutzutage überholt sind, denn dann würden keine jungen Leute zu unseren aktuellen Konzerten kommen und die Texte lauthals mitsingen. Letztendlich sind ja viele unserer behandelten Themen nach wie vor existent, als da wären, Machtmissbrauch, Korruption, Umweltvergehen um nur einige zu erwähnen.

OM: Welche Nachrichten wollt ihr heutzutage den Leuten mit auf den Weg geben?

E.B.: Man soll als junger Mensch unbedingt versuchen seinen Weg zu gehen, egal welche Widerstände es zu überwinden gilt, denn lieber im Versuch scheitern, als aus Verzagtheit untätig zu sein.

OM: Wie kommt es zu der Radikalität der Texte?

E.B.: Wenn man in bedrohlichen Umständen lebt, steht einem nun mal nicht der Sinn nach Schmuseballaden.

Des weiteren habe ich mal einen guten Satz gehört, bei dem ich allerdings nicht mehr weiß, wer ihn geprägt hat, der da lautet: Popmusik geht davon aus, dass die Welt in Ordnung ist, wie sie ist, Rockmusik geht davon aus, dass die Welt nicht in Ordnung ist, wie sie ist.

Ich gehe also eindeutig von der zweiten Variante aus und formuliere entsprechende Texte.

OM: Wie kamt ihr auf so einen Song wie “Der Rufer in der Wüste schweigt”, der sich doch ziemlich von eurem sonstigen Material unterscheidet?

E.B.: Textlich gesehen ist er ein Substrat verschiedener Einflüsse: einem Gemälde von Karl Hofer – Der Rufer, einem Gedicht von Friedrich Nietzsche, der Bibel und natürlich eigenen Befindlichkeiten.

Die musikalische Umsetzung finde ich sehr gelungen, wobei ich nicht mehr zu sagen weiß, ob erst der Text vorhanden war, oder als erstes die Musik entstand.

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