OM: Hallo Herr Zander! Am Anfang wünsche ich Ihnen nachträglich alles Gute zu ihrem Geburtstag. Sie sind jetzt 65 Jahre alt geworden. Heute zählt dieses Alter noch als Rentenalter. Wie sieht es denn in Ihnen aus, denken sie schon an den Abschied vom Musikbusiness oder haben sie sich darüber noch keine Gedanken gemacht?

Exklusiv-Interview mit Frank Zander vom 07.03.2007

Exklusiv-Interview mit Frank Zander vom 07.03.2007

Frank Zander: Na klar habe ich mir Gedanken gemacht, aber bestimmt nicht darüber, wann ich aufhöre mit der Musik, sondern was man Neues produzieren kann. Das Alter spielt für mich keine Rolle, sondern nur die Lust und die ist es dann auch, die mich heute noch fit im Kopf hält.

Ich muss heute keinem mehr was beweisen oder nem Major was abliefern – ich mache in erster Linie einfach das, was Spass bringt und zu mir passt.

OM: Wie sieht denn ein ganz normaler Tag im Leben von Frank Zander aus?
Frank Zander: Naja, morgens ´n Apfel, dann N24, meine Webcam (ibiza-sunset.com) steuern und dann entweder Vorbereitung auf einen bevorstehenden Live- oder TV-Auftritt (meist auf dem Dachboden – dort habe ich mir
ne kleine Bühne gebaut) oder in meinem Studio und an neuen Ideen basteln, Videos fürs Internet schneiden, meinen Sohn im Musikverlag anrufen und, und, und. Langweilig wird es nie!

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OM: Welche Musik favorisieren Sie denn im Alltag oder sind Sie aufgrund der langen Zeit, die sie im Musikgeschäft sind, allmählich „amtsmüde“?

Frank Zander: Na, Ihr habt ja ne Vorstellung vom Älterwerden – das ist keine Krankheit 😉 Ich höre sehr viel unterschiedliche Musik, von Hip-Hop bis Hardrock. Am liebsten mit Bild, also sehe ich viel MTV oder stöbere bei Youtube. Ich stehe auf die Songs von Annette Luisan genauso wie auf das aktuelle Album von Prinz Pi – mit dem ich
gerade ein Duett aufgenommen habe!

OM: Sie tanzen ja auf mehreren Hochzeiten wie TV, Synchronisation und ihrer Idee mit den Geburtstags-CDs. Sind sie der Meinung, dass man als Profimusiker auch andere Standbeine haben sollte?

Frank Zander: Nein, das ist bei mir extrem. Es sind ja auch nicht alles „Standbeine“, sondern mehr Projekte und Ideen. Ein paar davon laufen kommerziell gesehen gut, einige nicht so, ich versuche meine Ideen umzusetzen, egal ob sie Geld bringen oder nicht, das unterscheidet mich von Herrn Bohlen, der tut alles nur für Kohle – das finde ich zum Kotzen !

OM: Könnten Sie eventuell auch jungen Bands, die überregional noch nicht sehr bekannt sind, einige wichtige Tipps geben?

Frank Zander: Ja, fragt bitte nicht jeden nach seiner Meinung – macht Euer Ding und steht dazu, sonst entsteht nie etwas Neues und wirklich Innovatives. Die meisten Plattenfirmen wollen Bands die so sind wie……! Ihr müsst so sein wir Ihr und nicht wie die anderen!
OM: Wie haben Sie denn den Durchbruch geschafft?

Frank Zander: Indem ich so war wie ich wollte: authentisch – ohne Rücksicht auf Verluste!

OM: Ich vertrete die These, dass es heutzutage dank dem Internet einfacher geworden ist bekannt zu werden. Im Gegenteil dazu, ist es aber schwieriger einen Plattenvertrag zu bekommen. Was denken Sie zu diesem Thema?

Frank Zander: Das Internet ist gut und man bekommt tierisch schnell Feedback aber in den seltensten Fällen wird man allein durch das Web bekannt. Du musst dir ein Live-Publikum erspielen, das halte ich für viel wichtiger. Schaut Euch Rammstein oder Rosenstolz an, die haben es allein durch ihre Live-Performance geschafft. Erst viel später kamen dann die lukrativen Plattenverträge.

OM: Müssen Sie auch in Bezug auf ihr Schaffen immer mit Einnahmeeinbußen beklagen? Oder haben Sie eine treue Fanschar, die trotz Musikportale noch beständig CDs kaufen?

Frank Zander: Wenn wir rumsitzen und warten würden, dann müsste ich klagen, aber wir bewegen uns und nutzen auch
die neuen Kanäle wie Download, I-Tunes und eben auch Personalisierung von CDs. So können wir ein wenig gegensteuern. Allerdings sind die Single- und Album-Verkäufe heute fast lächerlich, zu denen in der 70ern oder 80ern.

Jeder konsumiert heute Musik, aber immer weniger wollen dafür bezahlen. Es bleibt das Live-Geschäft, denn Originale kann man nicht ersetzen oder kopieren. Davon profitiere ich heute.

OM: Frank Zander: Was halten Sie von den Fernsehformaten wie „DSDS“? Werden die jungen zum Teil sehr talentierten Künstler auf Kosten der Produzenten verheizt? Kann man den Künstlern dann aufgrund einer Top 10 Platzierung schon von Erfolg sprechen?

Frank Zander: Man ja, diese Sendung ist clever gemacht und ohne den pöbelnden Bohlen wäre sie auch nur halb so erfolgreich. Die Kandidaten sollten eigentlich nach der x.ten Staffel wissen, was auf sie zu kommt. So eine Top 10 Single ist ein guter Karriere Start – mehr nicht. Die Leute kaufen die DSDS Singles mehr als Fan-Artikel oder Merchandising als aus musikalischen Gründen. So ein Karriereschub kann auch tödlich sein, denn Du steckst in einer Schublade fest – du bist für alle Zeit der aus der Superstars-Sendung. Genügend Beispiele gibt es ja.

OM: Jetzt lieber wieder zurück zu ihrer Person. Sie haben sich im Laufe ihrer Musikerkarriere, wie man so schön sagt, neu erfunden und sich damit eine gewisse Unberechenbarkeit zugelegt. Spüren Sie dadurch mittlerweile einen gewissen Druck, weil von Ihnen jetzt irgendwas „Verrücktes“ erwartet wird?

Frank Zander: Ich spür nur Druck von mir selber, mal wieder was Neues machen zu müssen. Erst wenn der da ist, entsteht auch was wirklich Abgefahrenes oder komplett Neues.

OM: Ihr letztes musikalisches Lebenszeichen war die CD „Rabenschwarz“, bei der sie bekannte deutsche Schlager in ein erträgliches musikalisch Kostüm gesteckt haben. Wie haben denn die gecoverten Musikerkollegen darauf reagiert, die sie zum Großteil doch bestimmt persönlich kennen?

Frank Zander: Ich werde nie vergessen, wie ich im Zug mit meinem Sohn saß und wir beide Tränen gelacht haben über den Slogan der 1. Rabenschwarz CD: „Das Ende des deutschen Schlagers“. Das war ein großer Spass, den meine Kollegen ein wenig neidisch betrachteten, denn wer darf schon einfach eine ganze Musikrichtung beerdingen. Ein bisschen Provokation muss sein und wer das alles bierernst genommen hat, der hat´s nicht verstanden. Viele Fans und Redakteure haben mir geschrieben und gesagt: „das darf nur einer – Du, Frank“!

Wir haben die CD zu Udo Jürgens, Roland Kaiser und Peter Maffay geschickt, leider hat uns keiner verklagt, denn die Musiker haben erkannt, dass die Songs wirklich geil umgesetzt und zerschreddert wurden.

OM: In Anlehnung an „Rabenschwarz“, welche eigenen Stücke könnten Sie sich denn in Form von Punk oder Heavy Metal Liedern vorstellen?

Frank Zander: Von meinen eigenen Stücken eignen sich kaum welche, denn nur ernstgemeinte Schnulzen funktionieren mit harten Riffs. Es sind ja die Gegensätze also die eigentlich süßlichen Melodien oder schleimigen Texte in Verbindung mit Brachialgrooves und Gothicatmo, die richtig funktionieren.

OM: Zum Abschluss möchte ich noch von Ihnen wissen, ob sie wussten, dass man Mitte der Neunziger ihre CDs sogar im Virgin Megastore oder im WOM-Laden (ich weiß nicht mehr ganz genau den Namen) am New Yorker Timessquare kaufen konnte? Mein Freund, der das gesehen hat, hat damals noch ein Foto als Beweis gemacht.

Frank Zander: Hey, das ist ja Wahnsinn – das wusste ich nicht, aber immerhin gehören ja meine neuen (alten) CDs (Wahnsinn / Zanders Zorn) lt. Media Control zu den 25 erfolgreichsten deutschen Alben aller Zeiten.

OM: Ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen noch alles Gute für die Zukunft!

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Datum: 07.03.2007
Autor: Striker


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