OM: Hey Hirsch! Fangen wir gleich mal an!

Wie lang gibt es euch bereits?

H: Seit Ende 2003 sind wir unterwegs, vor 1,5 Jahren erschien unser erstes Album „Alles auf Schwarz“ und nun das aktuelle „Die schönste Sprache der Welt“.

OM: Wie viele Konzerte spielt ihr so durchschnittlich im Jahr?

H: Letztes Jahr waren es 100, dieses Jahr sind ist auch wieder so 100 angepeilt oder 80, können auch 180 werden.

OM: Welche musikalischen Vorbilder habt ihr? Gibt es allgemein welche? Ich fühle mich zum Beispiel wenn ich Max auf der Bühne sehe doch ziemlich an Bela B. erinnert.

H: Nee, also er ist eher wirklich im Metal zu hause. Ich kenn ihn relativ lange und damals als Teenager war er riesengroßer Metallica Fan. Ich glaub es ist eher Lars Ulrich den du da siehst statt Bela B. Ich hab letztes Jahr Metallica zum ersten Mal gesehen und dachte so „Ah, ok, daher hat Max das“. (lacht)

OM: Und derRest der Truppe hat welche Vorbilder?

H: Jonas und ich hören eher Clash, NOFX, Terrorgruppe, WIZO, halt eher so Punkrock.

OM: Ich habe gelesen ihr wart auf Tour mit der Bloodhound Gang oder seid auf Tour mit der Bloodhound Gang oder ihr werdet auf Tour mit der Bloodhound Gang sein, ich bin mir da grad nicht sicher.

H: (lacht) Im Herzen sind wir immer auf Tour mit der Bloodhound Gang

OM: Also die Tour war jetzt schon?

H: Sie war letztes Jahr für 20 Konzerte in Deutschland und Osteuropa, dieses Jahr spielen sie ja nur noch drei mal in Deutschland und man kennt sich dann halt irgendwie und die haben uns dann gefragt ob wir Bock haben wieder mitzuspielen und natürlich nehmen wir, mit Kusshand, das Angebot an. Ist auch immer ein riesengroßer Spaß. Eine der sympathischesten Bands die wir je getroffen haben.

OM: Was mir bei euch auffällt ist das ihr mehr das MTV Publikum bedient. War das von Anfang an euer Ziel?

H: Naja, du gehst nicht in den Proberaum und denkst „So jetzt mach ich Musik für 15jährige“ sondern so langsam christalisiert sich bei uns raus das es wohl eher das jüngere Publikum ist. Wobei wir auch wirklich so’n 2 Klassen Publikum haben, also du hast vorne die jungen und hinten stehen dann sehr oft Altpunks so um die 40 die sagen „Joa ist ja so wie früher hier.“ Weil es gibt ja in Deutschland, find ich, wenig Punkbands, deutschsprachige Punkbands. Also natürlich gibt es viele: Popperklopper, A.C.K., Fahnenflucht und hasse nicht gesehen aber ich meine die, die diesen melodiösen Poppunk möchte ich’s mal nennen, machen Das Feld ist dünn besiedelt. Weil so Fahnenfluchtfans erkennst du sofort am Bahnhof. (lacht)

OM: Hättest du mich jetzt erkannt?

H: Dich hätte ich tatsächlich nicht als Montrealsympathisanten erkannt, nein. Ich hätte gedacht „ Ok, der kommt grad vom Wacken und wollt noch grad nen Konzert besuchen“.

OM: Dabei war ich noch nie in Wacken…

H: Nicht? Ach komm, oh man.

OM: Nee, ohne scheiß, meine wilde Metalzeit ist jetzt auch schon 6 Jahre her mittlerweile.

H: Und die Hauptband da? Jetzt stell ich hier mal die Fragen.

OM: Die Metalband bei mir? Ganz klar Iron Maiden!

H: Echt? Wir sind zum Beispiel auch riesen Scorpions Fans. Deshalb war auch letztes Jahr Wacken natürlich, Scorpions spielen alte Lieder, ein großer Moment. Da saß die Träne locker im Knopfloch (lacht). Hey, wir driften ab zum Metal aber is ja auch ne Metalseite (lacht)

OM: Kommen wir mal zum nächsten Punkt: Die Hamburger Punkszene so allgemein. Wenn ich an Hamburg denke, denke ich zuerst an so Sachen wie Oma Hans (bzw. Jens Rachut so allgemein) oder eben auch Turbostaat…

H: Wobei Turbostaat ja eigentlich aus Flensburg kommen….

OM: Naja, Norden halt (lacht) aber so die Spaßpunk Hochburg ist Hamburg ja nicht. Gibst da denn noch mehr?

H: Also man hat Kontakt, kennt einander. Zum Beispiel Schrottgrenze ist ja auch aus Hamburg, na ja, aus Peine ursprünglich, ich will hier ja keinen entlarven aber SIE SIND AUS PEINE! Genau wie ZSK auch aus Göttingen kommen und nicht aus Berlin. Schrottgrenze, ne große Band, auf jeden Fall aber sonst, Hamburg, na ja, es kommt oft die Frage mit der Szene aber wir sind so selten in Hamburg das da gar kein Szenegefühl aufkommen kann so richtig. Wir haben nen Proberaum zusammen mit One Fine Day und, wie gesagt, die Hamburger Szene ist mir scheißegal. Mittlerweile ist es so, dass man, egal wo man ist in Deutschland du triffst halt immer die Bands. Sondaschule zum Beispiel aussem Ruhrpott. EL*KE aus Berlin das sind so die Bands mit denen man zum großen Teil rumhängt, wo wir uns gerne das Konzert dann auch einfach angucken. Hamburger Szene ist mir ein wenig zu verkopft, ehrlich gesagt.

OM: Genau darauf wollte ich hinaus. Die Hamburger Schule ist ja wirklich sehr kopflastig ausgelegt und ihr seid da ja so ein bisschen…

H: Also nicht das wir jetzt die Doofen sind. Ich muss nicht nach Außen kehren das ich hier das geile Abitur geschrieben hab oder ich weiß nicht was.

OM: Bei euch fällt mir auf das ihr nen ziemlichen Wortwitz am Start habt, grad bei….

H: “Die schönste Sprache der Welt” Eine Metapher jagt die nächste (lacht)

OM: Merkt man daran auch die Verbundenheit zum Hamburger Hip Hop?

H: Tatsächlich, ich höre tatsächlich viel Beginner und Jan Delay, dessen neue Platte auch großartig ist. Ich hör also tatsächlich viel Hip Hop, deutschsprachigen Hip Hop. Ich hör mir auch Bushido und Co. an. Man kann sagen „Ok, das ist asig“ aber die sind wirklich authentisch in ihrem Stil und sie haben geile Rhymes und geile Wortwitze, find ich.

Natürlich heutzutage sind alle Lieder irgendwie schon geschrieben worden, jedes Thema wurde tausendmal besungen und da kannst du als einziges neue Wortspiele, neue Variationen reinbringen und das ist das was wir hauptsächlich machen wollen.

OM: Auf der ersten Platte gibt es ein Stück namens „Solang die Fahne weht“ welches mir als nette Szeneverarsche vorkam, war das auch die direkte Intention?

H: Ja.

OM: Also haltet ihr auch nichts vom Szenedenken so ganz allgemein?

H: Nö. Was heißt Szenedenken? Also die, die am lautesten Szene schreien sind es am wenigsten. Die Leute die einfach die Schnauze halten, einfach machen, Leute bei sich pennen lassen, einfach rumhängen und gute Veranstaltungen machen, das ist die Szene aber dieses ganze aufgetakelte Tralala und überhaupt ist es nicht. Man erlebt das auch so, wir haben zum Beispiel Konzerte gespielt die von Punks organisiert wurden und wir bei denen inner Wohnung gepennt haben. Bei mir ist es so, bei mir pennen auch oft Bands, zum Beispiel Days in Grief aus Köln wenn die in Hamburg sind, dann pennen die in meinem Bett und ich penn bei meinem Mitbewohner auffem Sofa oder auffer Matratze und da war das so das er so sagt „Ja hier, ihr könnt euch auffen Fussboden packen mit euern Schlafsäcken“ und er schläft in diesem riesen Dreimeterbett und ich so „Ey, mir persönlich ist es egal, ich penn auch mit dir in einem Bett, können wir uns nicht einfach darein legen?“ und er „Nö, läuft hier nicht.“. Das ist nicht der Gedanke und deswegen muss man sich lösen von diesem äußeren Denken, du musst mit Leuten reden, 10 Minuten und dann weißt du ungefähr wo es hin geht aber nicht nach Haarfrisuren oder Gürtelfarben gehen.

OM: Euer Schlagzeuger Max Power ist ja quasi ne Kultfigur. Wie kam es dazu?

H: Er ist einfach schon eine Größe als Mensch und wir kennen uns auch schon sehr lange. Und wir haben gesagt, als wir mit dem Banddingen angefangen haben, wir wollen den, der einfach der coolste Hund ist, in den Vordergrund treten lassen und das ist oft in der Band der Schlagzeuger. Der Schlagzeuger kommt immer ein wenig kurz und wir brechen da eine Lanze für alle Schlagzeuger in diesem Land, stellvertretend dafür ist Max Power der Bandleader bei Montreal.

OM: Ihr spielt dieses Jahr ja zusammen mit Juli auf dem Serengeti Festival in Schloss Holte…

H: Klar, du spielst irgendwie schon so Sachen mit irgendwie Bands wo du denkst „Oh man, muss das sein? Sind die cool? Nee, sind sie nicht.“ (lacht) Am Ende des Tages geht es uns darum möglichst viel zu spielen und möglichst viele Leute zu erreichen und wenn wir den ein oder anderen Juli Fan dazu bekehren, dass er über uns, was ja auch noch relativ harmlosen Punk auch ist, dass er über uns mal ne Punkrockplatte kauft, dann ist schon einiges erreicht. Und da spielt man halt so Festivals wo auch Juli spielen oder…

OM: H-Blockx…

H: Ich will jetzt hier nicht dissen aber klar, es gibt diese ganzen großen deutschen Bands, die auch zurecht groß, bekannt und berühmt sind aber es ist halt Radiomusik. Wir sind halt keine Radiomusik, wir sind Clubmusik.

OM: Ihr spielt ja auch öfter mal im Eishockey bzw. Footballstadion, wie ich das gesehen hab.

H: Bei den Seadevils, solche Dinge machen wir mit aber das ist halt das Spiel. Aber das macht sogar Spaß, bei den Seadevils haben wir letztes Jahr auch gespielt und es war ein extrem lustiger Samstag Nachmittag. Abgesehen davon möchte ich mal allen Lesern hier sagen, dass Football so ungefähr das komplizierteste und langweiligste Spiel ist was ich je gesehen hab.

OM: Aber um mal zu Frage zurück zu kommen: Welche Festivals sind dieses Jahr bei euch noch drin?

H: Ich hab keine Ahnung, ich hab echt keine Ahnung. (lacht) Es wird alles bei www.montrealmusic.de zu sehen sein aber jetzt weiß ich echt nicht.

OM: Ihr spielt hier ja jetzt zum ersten Mal im Rahmen einer Visionsparty. Was ist das für ein Gefühl?

H: Es ist was anderes. Du hast wahrscheinlich auch gesehen, es waren drei Stoner Rock Bands und wir passten wirklich gar nicht rein aber es war für uns auch schön zu sehen, dass viele Leute Montreal kannten und uns gut fanden. Auf jeden Fall wurden wir selten so gut behandelt als Band und vom Drumherum, Visionsparty die wissen auf jeden Fall was sie machen und wir würden es auch jederzeit wieder machen und es kommt auch nicht so auf die Bands an weil am Ende des Tages zählt nicht die Musikrichtung sondern ob die Leute einfach offen sind und ob sie merken die Band meint es ernst oder nicht. (sein Handy klingelt, eher bittet um 5 weitere Minuten)

OM: Ah, das große Warten auf die Groupies?

H: Nee nee, wir doch nicht. Wir sind doch Hamburger Schule. Ich glaub aus der kompletten Hamburger Schule…Es hat noch nie irgendwer gebumst aus der Hamburger Schule, Punkt.

OM: Und damit fallen jetzt ganz viele Konzerte in Hamburg weg…(lacht)

H: Ja, aber ich weiß ja auch wie die über einen reden in der Hamburger Schule: „Ja, das sind Montreal mit ihrem blöden Spaßpunk.“ Deswegen tschüß, schönen Tag noch, es ist egal, ich zum Beispiel mag die alten Tocotronic Alben, liebe Schrottgrenze. Gut, Tomte konnt ich mich nicht für erwärmen aber Thees Uhlmann hab ich nen paar mal getroffen, ist ’n ganz netter Typ, hat ’n Kind bekommen, alles Gute wünsch ich und so aber diese Hamburger Schule, Hamburger Szene an sich ist einfach nicht unser Ding.

OM: Bei der neuen Platte ist mir aufgefallen, das ihr anfangt auch Beziehungsstücke drauf zu packen, was ihr bei der ersten Platte nicht gemacht habt. Woran liegt das? Eigene Erfahrung? Einfach Bock auf so ein Stück gehabt?

H: Was willste erwarten mit Mitte 20, Mitte 25? (lacht) Naja, teils teils sagt der Fachmann und der Laie wundert sich. Bei „Ende der Ballonfahrt“ war es zum Beispiel so, klar spielen unterbewusst diese selbst erlebten Sachen mit aber da war’s so das Sondaschule Sänger Costa Canabis und ich im regen Funkkontakt stehen und wir uns, wenn wir in der Phase sind Alben zu schreiben, ähm, wir haben ein Spiel entwickelt: jeder schickt dem anderen ein Wort pro Tag per SMS wo der andere dann einen Song draus machen muss. Und das erste Wort was er mir geschickt hat war „Ballonfahrt“. Und dazu wurde dann innerhalb von 10 Minuten „Ende der Ballonfahrt“. Ich hab ihn angerufen und vorgespielt und er so „Ey, das klingt wie Maja Hi. Maja Hu“ und ich so „Ja, whatever, scheiß drauf, muss jetzt, muss so“ Und „Ende der Ballonfahrt“ ist natürlich so halb aber andererseits versucht man nicht seinen persönlichen Kram zu sehr rauszukehren aber es ist schon eins der ernsten Montreal Lieder, also es ist ernster als „U-Bahn Linie 2“ um es mal so zu sagen.

OM: So, dann bin ich jetzt auch mit meinen Fragen durch und sage Danke und weiterhin viel Erfolg.

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