OM: Seid gegrüßt. Seit dem Release ist zwar schon etwa ein Jahr vergangen, aber nachträglich auf jeden Fall noch einmal Herzlichen Glückwunsch zum Debüt. Wie waren denn die allgemeinen Reaktionen darauf? Und wie wart ihr selbst mit der Platte zufrieden?

K: Hallo auch!…und vielen Dank! Allgemein war das Feedback zur Platte an sich sehr gut, beziehungsweise besser als erwartet. Wir haben uns darüber im Vorfeld auch keine allzu großen Hoffnungen gemacht, dass wir als unbekannte kleine Schweizer Metal-Punk-Band gleich so viele positive Reviews erhalten würden. Aber natürlich hat uns diese Tatsache sehr gefreut da es ja natürlich immer gut tut, wenn man gelobt wird. Selbst waren und sind wir auch immer noch sehr zufrieden mit der Scheibe und der Zusammenarbeit mit V.O. Pulver und Franky Winkelmann…auch, wenn ich weiß, dass ich gewisse Passagen heute etwas anders singen würde…

OM: Bleiben wir beim Thema: Hatte die Scheibe “What do you live for?” die erhoffte Wirkung? Sprich: viele Auftritte. Ich konnte bisher leider – zugegeben unerwarteterweise – nur von wenigen Auftritten lesen.

K: Nun, in Sachen Feedback können wir uns grundsätzlich nicht beklagen, da die Kritiken zum Album durchs Band recht positiv ausgefallen sind. Was die Resultate – sprich Auftrittsmöglichkeiten – angeht, hätte es allerdings besser laufen können. Aber aller Anfang ist schwer, und wir hatten in diesem Jahr auch mit diversen, band-internen Organisationsproblemen zu kämpfen. Diese konnten aber inzwischen beseitigt werden, weshalb wir für die Nahe Zukunft sehr zuversichtlich gestimmt sind.

OM: Oder ist der schweizer Metalmarkt vielleicht sogar übersättigt?

K: Das ist schwer zu beurteilen. Ich denke allerdings, dass das Problem weniger auf eine Übersättigung zurückzuführen ist, als dass in der Schweiz einfach alles vollkommen überreguliert ist. Es erstaunt mich eigentlich, dass man hier noch keine Erlaubnis braucht, um in der Öffentlichkeit Furzen zu dürfen! Es wird einfach immer schwieriger, ein Konzert auf die Beine zu stellen, was in Sachen Kulturförderung und Freizeitangebot für Jugendliche und Junggebliebene sehr traurig ist. Dazu kommt dann, dass es alleine in der Region Basel über 120 Rockbands gibt…da muss man sich erst mal nach Oben kämpfen, und das braucht so seine Zeit.

OM: Persönlich überrascht für ein Debüt war ich von der Kooperation mit den Gurd- Mitgliedern V. O. Pulver und “Franky”. Seid Ihr “alte Bekannte” oder woraus resultierte die Wahl der Produzenten?

K: Nun, das ist damals wohl auf meinem Mist gewachsen. Es gab da bis vor ein paar Jahren eine sehr geile Basler Band namens “Pornchild”, deren Sänger ich sehr gut kenne. Als die Jungs ihr erstes Album aufgenommen hatten, traute ich meinen Ohren nicht, da es wirklich überraschend fett produziert war. Als ich dann erfuhr, dass dieses Album namens “Have you ever…?” bei den gurD – Leuten aufgenommen wurde, wollte ich als schon damals bekennender gurD-Fan – sollte ich jemals mit meiner Band ein Album aufnehmen – unbedingt in das gleiche Studio gehen. Bei den Aufnahmen zu unserer ersten richtigen Demo-CD “Security Warning” war es dann auch soweit, wobei ich den anderen das Studio quasi aufgedrängt hatte…ich kann halt sehr stur sein. 😉 Allerdings hat es dann aber allen sehr viel Spaß gemacht, und das Resultat war für uns selbst verblüffend gut…also stellte sich 2 Jahre später die Frage nach dem Studio gar nicht mehr und wir haben dann einfach direkt wieder beim Littlecreek Studio angeklopft.

OM: Kurz zu euren Texten. Eigentlich sind sie selbsterklärend. Aber sind sie – ohne persönlich werden zu wollen – als eher biographisch oder abstrahiert anzusehen? Songs wie “Guilty” oder “Break Up” gelangen immerhin schnell zu einem sehr privaten Punkt.

K: Ich würde sagen…die Texte sind biographisch und abstrahiert zugleich. Einerseits sind es ganz klar meine persönlichen Erlebnisse, welche in den meisten Texten verarbeitet werden, aber andererseits versuche ich immer etwas Interpretationsspielraum zu lassen. Man erkennt zwar, worum es mit großer Wahrscheinlichkeit geht, aber man kann diese Aussagen meistens auch auf ganz andere Arten von Erlebnissen beziehen. Aber grundsätzlich stimmt es, dass es um eher private Dinge geht und ich doch eher eine direkte Formulierung bevorzuge. Erst bei den neueren Songs – welche erst auf dem nächsten Album sein werden – benutze ich hin und wieder sehr subtile Formulierungen. Grundsätzlich handelt es sich bei den persönlicheren Texten um “gefühlsmäßige Momentaufnahmen”.

OM: Ganz allgemein gefragt: Wie wichtig sind Euch Texte musikalischer Gruppierungen? Seien es nun Eure eigenen oder die anderer Bands. Meint Ihr, Texte von Metalbands werden vom Publikum überhaupt wahrgenommen?

K: Da kann ich nur für mich persönlich sprechen. Für mich sind die Texte meist das wichtigste Element! Klar gibt es auch viele Musikstücke, bei denen die Aussage zweitrangig ist, aber ich befasse mich mehr mit Bands und Songs, welche entweder eine gute Aussage beinhalten oder sonst irgendwie faszinierende Texte haben.

Was das Publikum angeht, denke ich dass der Anteil der Text-Analysten eher die Minderheit darstellt…aber das ist für mich auch in Ordnung. Nur wenn ich das Gefühl hätte, dass niemand mehr auf irgendwelche Texte achtet, wüsste ich nicht mehr, wozu ich überhaupt noch Sänger in einer Band sein sollte und müsste dann wohl auf ein Instrument umsatteln…denn ohne Musik geht einfach nicht!

OM: Schreibt Ihr selbst erst die Lyrics oder die Musik? Oder passiert dies beim Songwriting je nach Laune?

K: Das läuft mehr oder weniger parallel ab. Ich schreibe immer dann Texte, wenn ich eine Idee habe. Dabei habe ich eigentlich auch immer schon eine Vorstellung davon, wie der Song klingen muss, damit er zur Aussage passt. Jo, Marcel, Philipp und vor allem Tillian machen das grundsätzlich ähnlich: jeder erarbeitet für sich seine Ideen. Wenn wir dann zusammen im Bandraum sitzen, spielt jemand eine Riff-Idee oder ein geschriebenes Intro vor, und dann versucht jeder dazu etwas zu spielen. Ich überlege dann, welche Art Text dazu passt, und irgendwie haben wir dann plötzlich einen Song, an dem dann eigentlich nur noch über Wochen geschliffen wird, bis wir finden “Okay, der wird beim nächsten Gig mal getestet”. Natürlich kommt es auch vor, dass von den bereits geschriebenen Texten keiner so richtig passen will, und dann schreibe ich den im Nachhinein…ich könnte allerdings nicht sagen, was einfacher oder schwieriger ist.

OM: Euer musikalischer Grundstil umfasst zwei Genres, welche sich ansonsten eigentlich eher selten so direkt und unverfälscht kreuzen. Kamen die Einflüsse, welche Eure Musik im Laufe der Zeit metallastiger gemacht haben, wirklich nur im Zuge neuer Bandmitglieder, oder steckt nicht doch vielleicht ein wenig Kalkül dahinter, um Eure Musik “seriöser” bzw. “erwachsener” klingen zu lassen? Gerade Punk steckt schließlich voller Klischees.

K: Da kann ich mit reinem Gewissen ganz klar sagen, dass da nicht das geringste Kalkül dahinter steckt! Im Gegenteil: wir spielen einfach drauf los, und da jeder seine eigenen Präferenzen hat, entsteht daraus automatisch dieser Mix. Natürlich wollten wir von Anfang an keinen reinen, klassischen Punk spielen. Das aber eher weil wir wussten, dass die Gefahr dann groß wäre, uns eben in diesen typischen Klischees zu verlieren, da wir in der damaligen Besetzung doch alle irgendwie aus der Punkrock-Ecke kamen. Und, wenn alle dasselbe hören, fängt man automatisch an Bestehendes zu kopieren, statt einen eigenen Weg zu gehen. Das wollten wir natürlich vermeiden und haben bewusst versucht, etwas Eigenständiges zu machen. Dass dabei aber ausgerechnet eine Mischung aus Punk und Metal entstehen würde, erkannten wir erst viel später. Und wäre der Hintergrund reine Berechnung, dann müssten wir die Formeln nochmals überarbeiten, denn einfacher hat man es nicht wirklich, wenn man zwischen den Stühlen sitzt. Allerdings bleiben wir dennoch bei der eingeschlagenen Richtung, denn es macht Spaß, wenn verbohrte Metalheads und Punks zuerst ungläubig und sehr kritisch zuhören, um 5 Minuten später zu Bangen und zu Pogen. Außerdem fühle ich mich selbst auch an Konzerten beider Genres sehr wohl und brauche auch immer wieder mal eine Abwechslung dazwischen…was in meinem CD-Wechsler schon immer so war, haben wir mit unserer Band einfach in einzelne Songs verpackt.

OM: Was hört Ihr privat, wenn Ihr gerade nicht als Secondhand Child Musik macht?

K: Verschiedenes. Am allerliebsten “System Of A Down”, aber auch “Disturbed”, “Lamb Of God”, “Marilyn Manson”, “Slipknot”, “Die Ärzte”, “Billy Talent”, “Goldfinger”, “Bloodhound Gang”, “Seeed” und noch vieles mehr…sogar die “Erste Allgemeine Verunsicherung” hat – vor allem, weil ich die Texte liebe – immer einen Platz in meinem CD-Regal.

OM: Was erwartet Ihr vom Jahr 2008 und wann wird man plattentechnisch wieder Neues von Euch hören können?

K: “Erwarten” ist so ein forderndes Wort…ich erwarte 200 Auftrittsmöglichkeiten vor ausschließlich ausverkauften Hallen mit kreischenden Girls die uns haufenweise BHs auf die Bühne werfen und unseren Tourbus in Extase umkippen, nur um danach völlig ausgepowert in Ohnmacht zu fallen…oder so ähnlich. 😉

Nein, im Ernst: wir arbeiten daran eine kleine Tour zu machen und wollen unseren Namen in der Schweiz, in Deutschland und vielleicht auch in Frankreich so bekannt machen, wie möglich. Außerdem sind wir dabei, neue Songs zu schreiben und wollen nächstes Jahr wieder ins Studio, um den Nachfolger von “What do you live for?” einzuspielen. Dank unserem Manager und Mentor Nando Rohner haben wir auch einen sehr motivierten Mann an Bord, der uns in allen Belangen sehr stark unterstützt.

Man darf also gespannt sein, und sollte den Namen “Secondhand Child” im Auge behalten.

OM: Vielen Dank für Eure Antworten. Gibt es noch letzte Worte von Euch?

K: Sicher, vielen Dank für das Interview und die positive und erfreuliche Review bei Euch!!!

Ich muss zugeben, dass ich Eure Seite vor einem Jahr noch nicht kannte, aber nachdem Ihr unsere CD besprochen hattet und ich deswegen zufällig bei Euch gelandet bin, schaue ich immer wieder gerne vorbei und erkundige mich über Neuigkeiten aus der Rockszene.

Und ich kann allen Lesern nur empfehlen das Gleiche zu tun: Es lohnt sich! 🙂

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