OM: Hey Malvin und The Dark Decade!

Vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt, um uns euch eure intimsten Geheimnisse zu entlocken!

Im Rahmen von OsnaMetal.de`s ROCK THE NIGHT 2 fand am 11.3.06 die Metamorphose von Spirit Corpse in The Dark Decade statt.

Erzählt doch mal was euch dazu bewogen hat, euch vom Spirit Corpse Zombie-Image zu trennen.

Malvin: Im Prinzip hatten wir echt eine Menge Spaß mit diesem Zombie-Image. Es hat sich relativ banal entwickelt, von einer in manchen Augen vielleicht bemitleidenswerten Nägel- und Kunstblutnummer bis hin zum Halloweengig – Verkaufsschlager. Wer einmal Gene Simmons auf seinen ersten Gigs gesehen hat, versteht vielleicht, was man im Laufe der Zeit aus einem aufgeschminkten Batman-Zeichen alles machen kann.

Insgesamt betrachtet war das eine klasse Sache.

Alles kann jedoch aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden: Als „frische“ Band spielt man besonders oft in Jungendzentren und auf Konzerten unter öffentlicher Trägerschaft. Die Sozialarbeiter wussten dann oftmals nicht, wie sie die Geschichte angehen sollten.

Wo wir für einige andere Bands vielleicht nicht erst genommen wurden, weil wir musikalisch gesehen nicht hart genug für das Outfit waren, war es bei den Veranstaltern genau das Gegenteil: wir waren zu extrem und so etwas wollte man den Jugendlichen zu Zeiten der Killerspiele und allgemeinem Fanatismus nicht anbieten. Wir bekamen dann gar nicht erst die Chance, zu spielen, obwohl unsere Musik bereits in Kneipen, Radios und Discotheken in ganz Deutschland lief.

Das Problem dabei: Ein vernünftiges Album aufzunehmen kostet eine Menge Geld, ebenso der ganze Promo-Kram. Wenn man dann nur selten einen Gig bekommt, ist das wirklich verdammt teurer Idealismus, der nur in gewissen Maßen zu ertragen ist.

Seit „Lordi“ könnten wir richtig gute Gigs bekommen, würden uns aber als Plagiat nicht wirklich toll fühlen. Zudem haben wir gar nicht die Leute und das Geld, um eine solche Show aufzufahren…

OM: Man hat allerdings das Gefühl, dass es seitdem etwas still um TDD geworden ist.

Mit Spirit Corpse ward ihr auf einem sehr guten Wege…

Denkt ihr im Nachhinein, der Image-Wechsel hat euch eher geschadet?

Malvin: Natürlich ist es still um uns geworden. Wenn soll es denn ansonsten wundern, wenn es plötzlich gehörig kracht?

Aber mal im Ernst: Wir arbeiten an unserem neuen Material, dass wir dann im Heim der Trolle bei Obertroll Sieve einspielen werden. Da bleibt keine Zeit, um zu kokettieren. Wir wollen erstmal ein solides Album hinlegen und dann sehen wir, was passiert.

Ob uns der Image-Wechsel geschadet hat? Ich fürchte, dass ist noch nicht absehbar. Letztendlich müssen wir erst einmal mit The DARK DECADE richtig loslegen. Wir haben Mail von Fans bekommen, die unseren Imagewechsel etwas enttäuscht zur Kenntnis genommen haben. Das bedeutet uns sehr viel und wir werden Alles tun, um mit The Dark Decade eine neue Bande zu knüpfen.

OM: Ihr musstet in der TDD Phase auch Besetzungswechsel hinnehmen. Gründungsmitglied Adrian hat die Band verlassen und auch Gitarrist Sebastian ist nicht mehr dabei.

Ist zwar immer eine blöde Frage aber: Wie kam es dazu?

Malvin: Auch unser Gitarrist Tim hat sich verabschiedet. Einen Gitarrenposten können wir also noch vergeben.

Ich würde gerne von irgendwelchen spektakulären Skandalen berichten, aber die Sache ist ganz einfach: Die meisten von uns sind/waren am Ende ihres Studiums. Nun entscheiden sich eben manche, andere Wege zu gehen und den regelmäßigen (Zusatz-) Stress zu vermeiden. Es ist ein starker Umbruch im Leben, ein neuer Abschnitt verbunden mit Existenzängsten und vielen unsicheren Faktoren.

Eine Band geht meistens an sich selbst zu Grunde, aber ich denke, das ist nicht unser Weg. Solange auch nur einer die Colour trägt, wird gekämpft.

OM: Es gab Gerüchte, dass ihr die Chance gehabt hättet, den diesjährigen Vorentscheid zum „Wacken Metal Battle“ in Osnabrück bestreiten zu dürfen, dies aber abgelehnt habt, da ihr grad mit der Produktion einer neuen Scheibe beschäftigt seid. Was ist an den Gerüchten dran und wieso habt ihr euch so entschieden? Schließlich kann´s für eine Band da weit gehen, wie schon regionale Bands wie DRONE 2006 vormachten.

Malvin: Wir haben uns wirklich in den Arsch gebissen. Es stimmt, dass wir mehrfach eingeladen wurden, an diesem Metal-Battle teilzunehmen.

Aber es handelt sich um eine Battle und lass es mich so formulieren: Ich führe meine Krieger auf ein Schlachtfeld, nicht auf eine Schlachtbank. Es wäre uns eine Ehre gewesen, dort spielen zu dürfen, aber wir waren noch nicht bereit. Durch den Besetzungswechsel waren wir einfach nicht in der Lage, den Ansprüchen zu genügen, den die anderen (und den wir selbst) an uns stellen.

OM: Kommen wir mal zum geplanten Album, welches Mitte 2007 veröffentlicht werden soll. Könnte ihr unseren Lesern schon einen kleinen Einblick geben?

Malvin: Also als erstes steht es an, einen neuen Gitarristen zu finden. Es ist unglaublich schwer, an jemanden zu geraten, der wirklich mitziehen will. Die meisten hauen bereits in den Sack, wenn sie hören, dass zweimal die Woche gemeinsames Proben (mal ganz abgesehen von Songwriting und eigener Übung am Instrument) das Minimum sein sollte.

So gesehen ist Mitte 2007 ein bislang realistisches, aber doch eben nur grobes Ziel.

Sicher ist: Wir sind bereits bei der Vorproduktion und echt begeistert von dem neuen Material. Ein Titel für die neue Scheibe steht noch nicht fest, aber die alte Tradition bleibt: 8 Songs, die durchschnittliche Songlänge liegt bislang bei gut 7 Minuten. Je nach Papierkrieg legen wir auch wieder einen Coversong obendrauf.

Nach den schlechten Labelerfahrungen bei unserer EP werden wir es dieses Mal wahrscheinlich in Eigenproduktion versuchen. Wir haben in der Vergangenheit eine Menge gelernt und werden nun das Beste daraus zu machen.

Viele werden sich fragen, ob sich an der Musik etwas ändert. Das bleibt im Prinzip bei so vielen neuen Musikern nicht aus. Alles in Allem würde ich behaupten: Der offensichtliche Party – Charakter ist mit den Zombies verschwunden. Die Energie ist geblieben.

Diejenigen, die „Spirit Corpse“ musikalisch mochten, werden daher vielleicht anfangs etwas vor den Kopf gestoßen werden. Aber soviel sei versichert: Wer die neuen Tracks hört, wird wissen, mit wem er es zu tun hat.

OM: Man konnte euch einige Zeit nicht mehr in Osnabrück bewundern, das letzte Mal war, wie angesprochen, im März 2006. Was denkt ihr generell über die Osnabrücker Metal-Szene, die ja, gerade auf Konzerten, eher als „vorsichtig abwartend“ eingestuft wird.

Malvin: Ich habe den Eindruck, es wird insgesamt immer schwieriger, eine feiernde Meute vor sich zu haben. Das heißt nicht, dass sie undankbarer oder weniger begeistert sind.

Wir, und da möchte ich uns insgesamt nennen, werden alle verschlossener und misstrauischer. Was ist denn noch in Ordnung? Wer die Augen aufmacht kann erkennen, dass sich die ganze Welt etwas vorspielt. Es naht eine Klimakatastrophe von ungeahntem Ausmaß und so langsam ahnt auch der letzte Depp, dass wir in keiner Demokratie mehr leben. Die Pressefreiheit ist abgeschafft, sobald es ans Eingemachte geht. Wir werden alle überwacht und die mächtigen Arschlöcher da oben lachen über uns. Ich weiß wovon ich rede… Wir haben uns selbst eingekesselt und ich möchte behaupten, dass sich der ganze Mist nur durch einen kompletten Neuanfang wieder richten lässt.

Aber um den Bogen zu schlagen: Du wirst als Metal-Fan oft mit der totproduzierten Musik verarscht, darfst fressen, was dir die fetten Label vorsetzen. Der ganze Label-Vertriebs- und Gemamist ist ein Haufen verfilzter &%§)&)/%, von dem man trotzdem stark abhängig ist. Selbst gestanden Musiker müssen von Sozialhilfe leben, und Veranstalter müssen regelmäßig draufzahlen.

Alles was jetzt noch passiert, passiert aus Idealismus. Woran soll der Fan noch glauben? Warum soll er sich noch eine Kutte nähen? Warum soll der Metaller ein paar wenigen reichen Bastarden mit seinem letzten, zusammengekratzten Euro noch ein weiteres Haus in Spanien finanzieren?

Der Metal steht und stand immer für eine große Familie. Nicht für einen großen )/&/(/&%§, den alle Metaller immer und immer wieder lecken dürfen.

Wir müssen jedem, der noch vor der Bühne steht, mag er noch so zurückhaltend sein, unseren Dank aussprechen und uns freuen, das er überhaupt noch Bock hat, irgendwohin zu gehen. Genauso dankbar sind wir allen kleinen Veranstaltern und Minilabeln, die an ihrem Idealismus zu Grunde gehen.

OM: Wann wird man euch wieder live in der Gegend sehen können?

Malvin: Nach Beendigung des Albums werden wir uns in der unmittelbaren Umgebung „warmspielen“, und auf jeden Fall ein Release Konzert u.a. mit Bitter Piece spielen.

Das sind übrigens auch die netten Kollegen, mit denen wir uns für den Herbst eine Mini-Tour durch Deutschland und eventuell durch die Nachbarländer vorstellen können. Aber wir warten einfach mal ab, was sich so ergibt und versuchen momentan, die gemeinsamen Ziele abzugleichen.

OM: Mal weg vom Regionalen und hin zum „World Metal“. Was haltet ihr von der zunehmenden „Kommerzialisierung“ des Metal? Stichwort: LORDI spielen bei „The Dome“, RTL macht Werbung für die neue Metallica DVD…

Malvin: Kommerz ist eine Frage der Auffassung. Nichts macht uns zufriedener, als wenn Leute unsere Musik mögen. Und natürlich „arbeiten“ wir damit. Es wäre idiotisch, eine Menge Kohle für die Produktion einer CD auszugeben, gekoppelt mit der Vorannahme, dass man diese gar nicht verkaufen kann oder will.

Allerdings sollte man sich vielleicht fragen: „Wer sind die Menschen, die meine Musik mögen?“ Und weiter: „Müssen diese Leute meine Musik um jeden Preis mögen?“

Wenn sich ()%)() in diesen %&% Castingshow für Gothic-Rock oder Metalbands bewerben, dann….bekomme ich das nicht mit. Ich habe wirklich keine Ahnung. Ich habe es erlebt, dass ich zu Besuch bei jemandem bin, der Sendungen wie DSDS laufen hat und behauptet, man könnte ja so toll drüber lachen, „wie doof die Typen alle sind“. Niedlich. Aber WIR machen die Quoten. Wer hinterher darüber meckert, hat das System nicht geschnallt.

Die Leute halten uns mit diesem Quatsch zum Narren, beleidigen uns förmlich mit ihrer schamlosen Einfältigkeit, und wir fühlen uns unterhalten?

Vielleicht können wir de facto nichts dagegen machen, aber der Anstand gebietet es uns, einfach abzuschalten und diesen Bullshit zu ignorieren anstatt ihn durch unsere Aufmerksamkeit zu fördern.

OM: OK Jungs, die letzen Worte gehören nur euch!

Was wollt ihr der Welt da draußen sagen?!

Malvin: Passt auf euch auf, denn es wird einen Feuersturm geben.

Dass ist kein Witz.