OM: Hallo, Marta und Ralph. Wie geht’s euch?

Ralph: Mir geht es gut. Ich komme gerade von der Massage, weil ein Bekannter von uns ist Masseur und der hat jeden von uns 30 Minuten durchgeknetet.

Marta: Gut soweit… mit ist nur ein bisschen kalt (fröstelt)

OM: So kalt ist es hier aber wirklich nicht!

Marta: (lacht) Ich bin ein Mädchen!

OM: Wie gefällt es euch denn sonst auf der Maiwoche? Ihr wart ja schon einmal hier…

Marta: Wir waren schon oft hier, und auch ganz am Anfang. Damals war auch die Plattenfirma hier, die uns unter Vertrag nehmen wollte, und da waren wir schon ganz schön aufgeregt. Da spielten wir vor diesem riesigen Platz vor anfangs nur ganz wenigen Leuten, denn es war noch voll früh und die ersten Leute kamen gerade erst herein.

Ralph: Aber den Vertrag haben wir dann bekommen.

OM: Seitdem hat sich hier ja einiges verändert am Herrenteichswall..

Marta: Also dieses Zelt da draußen, das ist gigantisch. So habe ich so etwas noch nirgendwo gesehen, und das ist auch alles voll schön geworden.

OM: Ist es für euch Bands denn auch anders als in den letzten Jahren, als ihr hier wart? Wurdet ihr anders aufgenommen?

Ralph: Eigentlich nicht, die Leute sind alle sehr freundlich…

Marta: Nur der Backstagebereich ist schöner geworden. Hier sind jetzt richtige Sofas! (strahlt)

OM: Ihr wart letzten Herbst erst im Osnabrücker „Hyde Park“. Wie war das? Machen euch solche Auftritte mehr Spaß, oder steht ihr eher auf Open Airs, wie es die Maiwoche eigentlich ist?

Marta: Der Auftritt war klasse, und ich habe auch viele Gesichter wiedererkannt. Das ist im Laufe der Zeit so, dass man sich viele Gesichter aus dem Publikum merkt.

Ralph: Es ist eigentlich immer so, dass man gerade dass will, was man nicht haben kann. Also wenn man viel draußen spielt, auf Festivals oder so, will man wieder mal einen Auftritt in einer Halle haben – und umgekehrt.

OM: Euer aktuelles Album „No nuts, no glory“ kam ja Ende letzen Jahres heraus. Dafür habt ihr ein eigentlich schon fertiges Konzept über den Haufen geworfen, nachdem euch ein von euch komponiertes „Initialstück“ veranlasst hat, das Album gradliniger, straighter zu machen, als es ursprünglich geplant war.

Aber: Wo sind die Stücke, die ihr schon hattet? Bekommt man die noch einmal zu hören oder sind die auf ewig verbannt?

Ralph: Auf der Festplatte.

Marta: Ob wir die noch einmal benutzen, weiß man nicht. Meistens werden die verbannt.

OM: Zusammen mit euerm Debutalbum soll „no nuts, no glory“ euer wichtigstes Album sein…

Ralph: Das kann man so nicht sagen. Jedes Album ist wichtig, jedes Album ist eine Momentaufnahme von der Situation, in der man gerade ist. Das wichtigste Album ist immer das, was man gerade schreibt.

OM: Damit relativiert ihr ein wenig eure Aussage kurz nach dem Erscheinen von „No nuts no glory“, dass dieses mit euerm Debut euer wichtigstes Werk ist. Seht ihr das also heute mit ein wenig Abstand anders?

Ralph: Wir sind jetzt im Kopf natürlich schon wieder beim Songwriting für die nächste Platte. Deshalb war es im letzten Jahr, als man die Frage gestellt bekam, auf jeden Fall das wichtigste Album, das wir mit dem ersten geschrieben haben.

Marta: Es war insofern das wichtigste Album für uns – nach dem Debut, weil das Debut ist immer wichtig – weil wir, als wir angefangen haben, das letzte Album zu schreiben, nicht unbedingt wussten, wohin. Wir waren als Band wie in einer Beziehung, die gerade sehr viel Stress hat, wo man sich lieber nicht sieht.

Was Ralph schon angesprochen hat, wir sind alle ein wenig weggezogen. Die Jungs wohnen zusammen in Berlin, ich in Hamburg, und wir haben das letzte Album kaum im Proberaum geschrieben. Wir haben jeder zu Hause vorm Rechner gesessen und uns die Lieder geschickt und es ist alles ein wenig unpersönlicher geworden. Und bei diesem Album war es uns sehr wichtig, dass es wieder so wird, wie beim ersten, was letztendlich auch gelungen ist – zum Glück.

Diese Zeit im Proberaum, als wir zusammen gesessen haben, haben wir auch menschlich wieder zusammengefunden. Wir haben uns sozusagen frisch ineinander verliebt.

(lacht) Das ist natürlich schon eineinhalb Jahre her, jetzt treten wieder die ersten Probleme auf … wie immer.

OM: Dann wird es ja Zeit für das nächste Album, damit eure Beziehung stabil bleibt. Wann kommt denn das?

Marta: Ja, nächstes Jahr hoffentlich.

OM: Hoffen wir das.

Jetzt genug von euch, reden wir lieber von mir – ich habe euch nämlich noch nicht einmal live gesehen, wie ich zugeben muss…

Ralph: Dann wird’s Zeit!

OM: In der Tat. Warum soll sich das denn für mich heute Abend lohnen, wenn ich mir nach dem Interview noch das Konzert ansehe?

Marta: Weil du bestimmt so eine Band mit so einer Sängerin noch nie gesehen hast. Wir sind eine sehr fröhliche Rockband. Es gibt sehr viele Bands, die böse gucken auf der Bühne. Und wir haben auch ein paar Balladen und ich singe supergern und …

Ralph: Das hängt natürlich auch von dir ab, welche Musik du gerne hörst.

Marta: Das musst du hinterher selber beurteilen, ob sich das gelohnt hat oder nicht.

OM: Von CD aus sollte es da keine Probleme geben. Aber wo du, Marta, schon von dir anfängst, dass du so gerne singst und so: Ist dir eigentlich bewusst, dass du für viele Männer und auch Frauen, die eigentlich längst aus der Teenieschwärmzeit heraus sind, immer noch so etwas wie ein Schwarm bist?

Marta (überlegt): Ach jaaa…

Ralph: Wow!

Marta: Ja… man merkt es ja auch so ein bisschen. Das ist ziemlich lustig manchmal!

OM: Woran merkst du das?

Marta: An den Blicken! Und ich bekomm auch manchmal so lustige E-Mails.

OM: Und woran liegt das – deiner Meinung nach?

Marta: So eine Bühne gibt einem Menschen ein Art Selbstvertrauen, mehr als man normalerweise im Leben hat. Dabei sollte man aber nicht superarrogant sein, wenn man auf die Bühne geht, denn dann wird man unerträglich auf der Bühne! Ich glaube deshalb, wenn ich das so über die Jahre beobachte, dass ich für viele Mädchen so eine Art Vorbild bin, als eine starke Frau. Wobei die nicht wissen, dass ich auch eine große Heulsuse bin.

Und auf der anderen Seite haben die Männer Angst vor mir. Wir haben uns mal darüber unterhalten, wie Frauen von Männern angenommen werden, und früher, als ich eine Zeit Single war und auch mal nette Männer kennenlernen wollte, haben die alle Angst gehabt, auf mich zuzukommen, nur weil ich auf der Bühne stand.

Zu mir kamen dann die 17jährigen, die sich dann Mut angetrunken haben: (lallt) „Halloo, Maarda…“ und die Erwachsenen kamen höchstens, um mir einen Handschlag zu geben und sind dann wieder gegangen.

Man darf halt auch nicht den Menschen hundertprozentig so nehmen, wie er ist auf der Bühne, wie gesagt, die Bühne gibt einem so einen Schuss Selbstbewusstsein, man steht natürlich auch höher als alle anderen und die hören alle zu, weil ich nun einmal ein Mikrofon habe und lauter bin als alle anderen.

OM: Kann das nicht auch am Optischen liegen, oder, anders gefragt: würdest du dich als „schön“ bezeichnen?

Marta: Ganz ehrlich? Ich glaube, in diesem Zimmer hier sind alle schöne Menschen. Ich glaube, es gehört sehr viel dazu, nicht ein schöner Mensch zu sein, und ich finde es auch interessant, dass ganz viele Menschen, die eigentlich nicht so schön sind, durch ihre Ausstrahlung superschön werden können! Mir ist es schon passiert, dass ich eine Frau gesehen habe, wo ich dachte „Oh mein Gott, ist die hübsch!“ und als ich sie auf einem Foto gesehen habe, war sie nicht mehr so hübsch – die Ausstrahlung, wenn man so voreinander steht, ist dann doch anders. Deswegen sage ich: Ja, ich bin ein schöner Mensch, und…

Ralph: Das sage ich übrigens auch!

OM: Über Marta oder über dich?

Ralph: Nein, über sie! (lacht)

Marta: Die Frauen, die auf mich stehen, sind nicht alle lesbisch, deswegen glaube ich nicht, dass es unbedingt etwas mit Schönheit zu tun hat. Und ich geh ja auch nicht oben ohne auf die Bühne, deswegen…

OM: Bist du denn schön, Ralph – deiner Meinung nach?

Marta: (lacht)

Ralph: Also meine Freundin und der Spiegel sagen es, ja!

Meine Freundin hat vor kurzem etwas lustiges gesagt: Auch innerhalb der Beziehung ist es, glaube ich, sehr wichtig, sich schön zu finden. Sie hat gemeint, es gibt nichts schlimmeres, als wenn man mit seinem Partner streitet und ihn nicht einmal schön findet – weil dann ist auch die Beziehung kaputt. Also so ein Schönheitsbild vom Partner und auch von sich selber ist bestimmt ganz gut!

Marta: Eine Erkenntnis, zu der ich auch damals in der Schule gekommen bin. Da haben wir Mädels uns unterhalten, welche Jungs uns gefallen haben. Und als wir Abi gemacht haben, habe ich mich mit den Mädels noch einmal unterhalten, so „Kannst du dich erinnern, wie wir den hübsch fanden? Boah, ist der ekelig!“ Andere mochten wir erst nicht und dachten „na ja, der geht so.“ und plötzlich war es der Schönste für uns. Also da gehört viel mehr dazu. Ein wunderschöner Mensch kann so scheiße sein, dass man ihn einfach nicht mehr angucken möchte, weil er einfach Bosheit ausstrahlt. Dann gibt es noch Menschen, die geil aussehen und noch ne geile Ausstrahlung haben. Ich glaube, es gibt kaum hässliche Menschen, es sei denn, sie unterstützen ihre Hässlichkeit.

OM: Hattest du denn, Marta, auch schon Erlebnisse mit zu zudringlichen Fans?

Marta: Ach ja… es gibt so E-Mails, auf die ich nicht antworte. Wie der Typ, der mir geschrieben hat, dass er mich so liebt und seine Freundin sei nur ein schlechter Ersatz für mich, er würde mich gerne in den Arm nehmen und streicheln. Da kriegt man dann doch Angst und freut sich, dass die eigene Adresse nicht öffentlich ist – genau aus diesen Gründen. Ich habe eine Freundin, die hat tatsächlich einen Stalker, der einmal zu Hause bei ihr saß. Der sagte ihrer Mutter, er sei ein guter Freund, und sie kommt rein und dieser Typ sitzt da, der jeden Tag vor ihrer Kölner Wohnung saß. Da habe ich noch Glück gehabt.

OM: Das stimmt, solche Erfahrungen sollte man keinem wünschen!

OK, damit sind wir auch schon fast fertig – wir haben hier noch das für OsnaMetal.de obligatorische Wortspiel: Ich nenne euch einen Begriff und ihr sagt spontan, was euch dazu einfällt.

Der erste Begriff ist „Osnabrück“.

Ralph: Maiwoche!

Marta: Bei „Osnabrück“ denke ich immer an diese Statue mit dem Hammer, wo Wasser spritzt…ich weiß nicht, wie das heißt!

OM: Das ist der Harmannsbrunnen!

Marta: Dann mein ich den!

OM Das nächste Wort: Maiwoche!

Ralph (lacht): Osnabrück!

Marta: Plattenvertrag!

OM: Eurovision Song Contest!

Marta : Eurovision…Eurovision…warte… das ist das, wo ich nicht mitgemacht habe!? Tschechien nie dabei!

Ralph: Wir wurden schon ein paar Mal gefragt, da mitzumachen, aber wir werden das auch weiterhin jedes Jahr ablehnen.

OM: Aus welchen Gründen?

Ralph: Die schlechtesten Songs, die es auf der Welt gibt, die werden da präsentiert!

Marta: Das stimmt allerdings!

Ralph: Bis auf Roger Roger Cicero, die deutsche Vertretung dieses Mal, die war wirklich gelungen und hat mir persönlich auch sehr, sehr gut gefallen. Aber der Rest, den man da hört, da denkt man sich: „Mein Gott, was für Leute sitzen da dran und schreiben die Songs, was für Bands gibt es?“ Das ist, ich sage es jetzt mal von oben herab, eine Anhäufung der schlechtesten Songs und der schlechtesten Bands, das kann ich mir nicht angucken!

OM: Wäre es kein Ansporn für euch, das Niveau dort zu heben?

Marta: Wer weiß…

Ralph: Also für mich im Moment nicht, ehrlich gesagt. Wir werden innerhalb der Band, wenn mal wieder die Anfrage kommt, diskutieren – aber für mich ist das nichts.

OM: Okay. Dann der letzte Begriff: HipHop!

Marta: Geht so. Ich bin nicht der größte HipHop-Fan, ich steh eher auf Pop – HipHop, also so etwas wie die Fantas oder Fettes Brot. Aber wenn der HipHop zu sehr rappig wird oder zu sehr Brüste, goldene Ketten und dicke Autos im Vordergrund sind, dann geh ich.

Ralph: Das Problem, das ich mit HipHop habe, ist ganz einfach die Attitüde, die manche HipHop-Künstler an den Tag legen. Damit kann ich…das gibt mir nichts.

Marta: HipHop ist nicht mehr das, was er mal war, weil HipHop und Rap waren damals zwei unterschiedliche Sachen. HipHop war damals.. nicht funky, aber so… düdüdüdüdü (trällert vor sich hin). Rap war so (böses Trällern).

Ralph: (lacht)

Marta: Also diese Attitüde „ich hab n größeren Schwanz und deine Freundin ist hässlich und ich fick deine Mutter“ und was weiß ich… das kann ich mir nicht anhören. Und auch nicht „Mein Block, mein Stift“ und so etwas. Das liegt daran, dass ich kein Fan davon bin. Ich bin ein Mädchen und mit Rockmusik aufgewachsen und… das liegt nicht mal an den Künstlern. Wenn, dann steh ich eher auf Pop-HipHop – wie eben die Fantas.

OM: Das wars dann auch von uns. Wir können euch jetzt nur noch einen schönen Auftritt wünschen, und wir sehen uns draußen!

Ralph: Vielen Dank!