OM: Hallo Mat. Zunächst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview mit OsnaMetal genommen hast.

Und das obwohl du im Moment sicherlich ganz schön viel Arbeit an den Hacken hast. Neues Album in den Startlöchern, Single und Video schon draußen. Dazu noch deine anderen beiden Bands Primal Fear und Shiva. Kommst du bei dem ganzen Stress überhaupt noch dazu vernünftig Weihnachten und Silvester zu feiern?

Mat: Na klar, Familie muss ja auch sein! Ich hatte es in den vergangenen Jahren immer zu wichtig mit dem Business und habe andere wichtige Dinge zu sehr vernachlässigt. Für Primal Fear steht momentan das Songwriting zur neuen Produktion im Vordergrund, mit SINNER die Interviews und die Vorbereitung zur Tour. Arbeit ist genug vorhanden! Silvester feiert der harte Kern, wie fast schon traditionell bei Tom!

Dann lass uns aber auch gleich mal zu der neuen Scheibe kommen. Angefangen habt ihr in den 80ern als klassische Heavy Metal Combo. Gerade euren letzten Veröffentlichungen waren aber immer mehr vom Power Metal Primal Fearscher Machart geprägt. Was dürfen wir musikalisch auf „Mask Of Sanity“ erwarten?

Mat: Die neue Produktion ist eine Rückbesinnung an alle und auch alte SINNER Traditionen. Wir hatten immer wieder Gespräche, Mails etc etc. mit Fans, Freunden und auch unserem Fanclub, dass die Die Hard SINNER Fans eine waschechte SINNER Platte wollen und keine Anpassung an Trends, den Markt oder dass die Band zu sehr nach Primal Fear klingt. Nach der 3 ½ jährigen Pause haben wir uns zum Ziel gesetzt eine CD zu produzieren, die all diese Kriterien vereint! Wir sind dem Fanwunsch gefolgt und haben eine Back To The Roots Platte geschrieben, die aber frisch und fett produziert klingt!

OM: Und worum wird es inhaltlich gehen? Gibt es so etwas wie einen roten Faden oder steht jeder Track für sich?

Mat: Bei SINNER geht es inhaltlich eigentlich immer um eine persönliche Verarbeitung der vergangenen Jahre. Genau hinhören ist angesagt, manchmal mehr, manchmal weniger!

OM: Auch bei diesem Album arbeitest du wieder mit einer anderen Besetzung zusammen als beim letzten. Christof Leim ersetzt Henny Wolter und für Fritz Randow kam Klaus Sperling. Woran lags?

Mat: 3 ½ Jahre sind eine lange Zeit. Henny funkt derzeit auf einer anderen Wellenlänge und ich hätte ihn liebend gern dabei gehabt, aber wir haben privat noch immer einen guten Draht und das ist mir das wichtigste. Mit Fritz hatte ich auch noch bis vor kurzem Kontakt, aber nach seinem Split mit Saxon ist er enttäuscht vom Business und seine Vision ist eben mit der Lockerheit einer SINNER Produktion schwer zu verknüpfen. Für Klaus war die Tür offen. Er hat schliesslich schon oft in der Vergangenheit bei SINNER ausgeholfen und seit dem Split von Primal Fear im Frühjahr 2003 wollten wir schon lange wieder etwas zusammen machen!

OM: Bist du denn bis jetzt mit der Arbeit deiner neuen Weggefährten zufrieden?

Mat: Klaus hat auf der Produktion sensationell getrommelt und sich auch charakterlich bestens eingefügt. Christof hat (noch) als Gast auf unserer Comebackshow am 07.10. in Stuttgart seinen ersten Gig mit uns gespielt und hat uns restlos überzeugt. Ihm zu Gute kommt, dass er nicht der klassische Metal Gitarrist ist, sondern mehr der Rocker. Das passt auch zu SINNER sehr gut und auch als Typ passt der prima in die Truppe.

Und wie sah der Songwriting-Prozess aus? Hast du das größtenteils alleine gemanagt oder hatten auch die Neuen Möglichkeiten sich einzubringen?

Mat: Die Songwriting hat eigentlich ohne die Mitwirkung der „Neuen“ stattgefunden. Teilweise allein, teilweise mit meinem Songwriting Partner Ronny Milianowicz, Tom hat ein paar reinrassige Riffs dazu beigetragen und einen Song (Diary Of Evil) habe ich zusammen mit meinem Kumpel Roy Z. geschrieben.

OM: Jetzt sei mal ganz ehrlich: Ist es in der Promo-Phase nicht auch hilfreich mit Christof jemanden an Bord zu haben, der auch schon musikjournalistisch gearbeitet hat und das bis heute tut?

Mat: Das ist für uns absolut kein Thema und juckt Jungs wie Tom und mich, die schon seit über 20 Jahren im Business sind überhaupt nicht. Christof zählt für uns als Player und als Mensch. Ob der Profi Fussballer ist, Pommes verkauft oder an einem Schreibtisch sitzt ist uns völlig egal, Hauptsache der Spirit stimmt!

OM: Im Vorfeld der Veröffentlichung habt ihr auch einen neuen Vertrag bei MTM unterschrieben und euch damit ähnlich wie mit Primal Fear von Nuclear Blast verabschiedet. Wart ihr nicht mehr zufrieden mit der Arbeit der Donzdorfer?

Mat: Nuclear Blast ist ein fantastisches Label, aber es gibt bei den meisten Bands einen Knackpunkt, ab dem es besser ist wenn ein Top motiviertes Label an einen neuen Release rangeht., dass sich mit der Musik und der Band auch 100% identifizieren kann. Ich denke, dass die neue SINNER besser zu MTM passt und wir besitzen bei dem Label auch einen ganz anderen Stellenwert, als bei NB.

OM: Viele Fans werfen gerade diesem Label Kommerzialisierung und vor allem Unfreundlichkeit vor. Wie stehst du, der du jahrelang mit diesen Leuten zusammen gearbeitet hast, dazu?

Mat: Kommerzialisierung ist völliger Nonsens. Wenn Du für 75 Arbeitsplätze verantwortlich bist, dann hast Du eine grosse Verantwortung, basta. Scheuklappen darf es deswegen auch nicht geben. Augen & Ohren nach allen Seiten offen halten und Toleranz zeigen! Mehr möchte ich an dieser Stelle zu dem Thema auch nicht sagen!

OM: Im März geht ihr dann auch auf Tour. Was erwartet uns, wenn ihr auf die Bretter tretet?

Mat: Einen schönen musikalischer Mix aus Klassikern, Specials und natürlich einen grosszügigen Pack der neuen Platte – gepaart mit ehrlichem Schweiss und Rock’n Roll. Wir haben riesigen Bock auf die Tour und auch wieder jede Menge Bock, die alten Klassiker rocken zu lassen!

OM: Begleitet werdet ihr von Vengeance und Chinchilla. Kanntet ihr die Bands vorher schon, oder wie ist diese Mischung zustande gekommen?

Mat: Klar kennen wir uns. Vengeance liebe ich und habe auf ihrer Comeback CD 4 Songs für sie geschrieben. Musikalisch passt das super zu SINNER. Chinchilla sind langjährige Kumpels von uns und wir wollten eine Tour haben, auf der die Bands sich auch untereinander respektieren und miteinander Spass haben!

OM: Ich nehme an ihr freut euch schon drauf endlich wieder raus zu kommen?

Mat: Richtig erkannt. Wir freuen uns riesig die neuen und alten Songs live zu präsentieren!

OM: Lass uns doch mal kurz ein wenig abschweifen und auch über deine erfolgreichste Band reden: Primal Fear. Zur Zeit genießen ja anscheinen Sinner die höchste Priorität. Wann dürfen wir mit den nächsten Neuigkeiten von dir, Ralf und Co. hoffen?

Mat: Wir sind gerade in der Endphase des Songwritings und werden am 09.02. mit der neuen Produktion im Studio starten. Das ganze wird sich wahrscheinlich bis zum Mix und Mastern bis Ende April ziehen, so dass wir Ende August mit dem Release rechnen dürfen!

OM: Das letzte Primal Fear Album „Seven Seals“ war wesentlich abwechslungsreicher und dynamischer als seine Vorgänger. Wie habt ihr diesen qualitativen Quantensprung geschafft?

Mat: Danke und wir werden auch genau in dieser Richtung weiterarbeiten, weil wir ja von dem leichten Change der musikalischen Direction auch überzeugt waren. Wir haben einfach die musikalische Messlatte etwas höher gelegt und waren in jeder Hinsicht mutig! Das werden wir auch bei der nächsten Platte sein!

OM: Ich will dir mit dem Primal Fear Thema auch nicht zu lange auf die Nerven fallen. Darum die letzte Frage dazu: Wie seit ihr mit dem großen Erfolg dieser Platte klargekommen?

Mat: Das nervt mich nicht 🙂 ….. das Feedback der Fans auf Seven Seals war der Knaller und das freut einen umso mehr, weil man ja ein wenig etwas anderes ausprobiert hat und auch damit hätte auf die Nase fallen können! Klarkommen müssen wir mit Erfolg nicht, sondern das motiviert uns umso mehr. Keine der Primal Fear Produktion war bislang nicht erfolgreich, deswegen war es auch – ohne hier jetzt arrogant rüberzukommen – kein Unterschied. Wir sind so lange im Geschäft, dass uns nichts mehr umhaut und über Erfolge und tolles Feedback freuen wir uns umso mehr!

OM: Lass uns abschließend noch mal einen kleinen Blick zurück in der Zeit werfen. Du hast die Metal Szene in Deutschland von ihren Anfängen in den 80ern bis heute aktiv miterlebt. Was ist deiner Meinung nach kennzeichnend gerade für die deutsche Szene?

Mat: In den 80ern gab es nicht so krasse Unterscheidungen im Metal. Da war es eine verschworene Community, die Konzerte besuchten und die Platten kauften. Heute ist es eher eine durch 100 verschiedene Stilrichtungen im Metal geprägte Gemeinschaft, die sich durch Toleranz oder strikte Abgrenzung kennzeichnet! Der fan an sich ist überdurchschnittlich loyal, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass die kommerziellen Medien (TV, Radio) weiterhin Metal strikt versuchen zu ignorieren.

OM: Man hört ja auch oft Stimmen, dass „früher alles besser“ gewesen wäre. Wie stehst du dazu? Waren die 80er – nur weil Metal hier kommerziell erfolgreicher war – besser oder freust du dich im hier und jetzt zu leben?

Mat: Ich kann es nicht ändern und deswegen gehe ich realistisch mit der Tatsache um. Ich habe mit meinem Buch (The Book Of Seven Seals) auch für mich die letzten Jahre verarbeitet und gehe auf diese Themen ein. Ewig der Vergangenheit nachzujammern bringt null und deswegen werde ich positiv nach vorn schauen!

OM: Du bist dieser Musik jetzt schon seit fast 30 Jahren treu. Was fasziniert dich so am Metal?

Mat: Das ist ein Lifestyle. Entweder man steht drauf und lebt die Musik, Konzerte, Fans und alle ihre positiven und negativen Impulse, oder man sollte sich einen anderen Job suchen. Für mich ist Metal ein grosser Teil meines Lebens!

OM: Dabei wirst du selber leider nicht jünger. Hast du die schon einmal überlegt jetzt mit dem musizieren, zumindest in dieser professionellen Form, aufzuhören?

Mat: Solange ich so klasse Teams wie bei Primal Fear und SINNER am Start habe und noch derart motiviert bin um Songs zu schreiben und im Studio zu produzieren, gibt es keinen Grund.

OM: Und wie stellst du dir dein Leben vor, wenn du irgendwann tatsächlich nicht mehr dazu in der Lage sein solltest?

Mat: Dazu verschwende ich gerade keine Sekunde!

OM: Dann bedanke ich mich bei dir für dieses Interview und hoffe dich nächstes Jahr auf Tour sehen zu können.

Mat: OK, danke auch und wir sehen uns!

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