OM: Hallo Redeema. Zum Einstieg wäre es nett, wenn ihr euch mal kurz

vorstellen würdet.

Redeema: Na gut, ich habe irgendwie vergessen wie man sich als Band

vorstellt. Hallo mein Name ist Redeema und ich bin irgendwann im August

2002 geboren. Ob ich ein Junge oder ein Mädchen bin weiß ich nicht so

genau, irgendwas dazwischen denk ich. Ich bin ziemlich laut und

aggressiv, kann aber auch lieb und knuddelig sein. Mittlerweile besuche

ich schon die Schule und bin gerade in die 2 Klasse gekommen, das ging

alles ziemlich schnell, kein Wunder, ich habe den Kindergarten

übersprungen. Meine Eltern heißen Basti, 19 Jahre, ziemlich laut und

ungemütlich und kann Tiergeräusche nachmachen; Sängerin Sonia, 24 Jahre,

wirkt lieb und nett und kann ganz toll singen; Gitarrist Buzzti und

gleichzeitig Bruder von Basti, er kann dieses Ding mit den sieben Saiten

bedienen und das ziemlich kreativ; David, 27 Jahre, besitzt ähnliche

Fähigkeiten und spielt deshalb auch Gitarre; Olaf , 29 Jahre, hat das

gleiche Gerät mit dickeren Saiten; Robert, 22 Jahre, zweckentfremdet

Plattenspieler und hat viele weitere lustig leuchtende Spielsachen;

Tilman, 23 Jahre, haut völlig sinnlos und geisteskrank auf Trommeln rum.

Also

insgesamt recht lustige Familienverhältnisse.

OM: Wie habt ihr euch denn getroffen und entschlossen als

Band zu fungieren?

Redeema: Sicherlich auf ungewöhnliche Art und Weise. Die beiden

Bastis und David kannten sich schon aus früheren gemeinsamen Projekten.

Olaf wurde in einem Berliner Undergroundclub aufgegabelt. Robert und

Tilman wurden durch Zufall in der zweiten Hand entdeckt. Sonia wurde von

Basti aus seinem Gospelchor mitgebracht. Alle Bandmitglieder sind

eigentlich über die ganze Stadt verteilt, was das kuriose Zusammenkommen

unterstreicht.

OM: Euren Bandnamen finde ich persönlich recht gut. Gibt es

eventuell eine Geschichte dahinter oder ist er in einem „Brainstorming“

entstanden?

Redeema: Leider war ich bei der konkreten Entstehung nicht dabei und

es bleibt die Frage, was zu erst war, der tolle Bandname oder die mehr

oder weniger alberne Geschichte dazu. Ich denke der besondere Reiz

besteht darin, dem geneigten Fan die Interpretation selbst zu

überlassen. Nur soviel sei

gesagt, es hat nichts aber auch gar nichts mit der UT Waffe zu tun.

OM: Damit Personen, die euch noch nicht kennen, einen

Einblick in eure Musik erhalten. Wo würdet ihr denn eure Musik

einsortieren? Und was sind eure Haupteinflüsse?

Redeema: Musik einsortieren ist ja eigentlich verpönt, warum weiß

ich nicht, deswegen mache ich es trotzdem. Unsere Musik kann man getrost

als eine weitere Form des Nu Metal bezeichnen was ich im Gegensatz zu

vielen anderen als Lob empfinde. Obwohl wir dementsprechend nicht

wirklich etwas Neues entdeckt haben, gibt es interessante

Besonderheiten. Die Kombination aus weiblichem Gesang und maskulinen

Shouts ist vielleicht die wichtigste. Instrumental halte ich die

besonders kontrastreiche Kombination aus harten Riffs, Moshparts auf der

einen, sowie melodiöse und ruhige Parts auf der anderen Seite für

erwähnenswert.

OM: Seit Anfang Oktober habt ihr eure zweite CD draußen. Wie

lange habt ihr denn an ihr gewerkelt bis sie gepresst werden konnte?

Redeema: Eigentlich hat es nicht wirklich lange gedauert, vielleicht

3-4 Monate insgesamt. Das Abmischen und das ständige nicht Einig werden

haben den größten Teil der Zeit in Anspruch genommen. Ursprünglich

sollte es auch eigentlich nur ein kleines Demo Album sein. Wenn man sich

das Ergebnis

anguckt, stellt man fest, dass es doch mehr geworden ist.

OM: Habt ihr dabei alles alleine gemacht oder hattet ihr

Unterstützung? Wie sieht es denn mit einem Vertrag aus?

Redeema: Eigentlich haben die zwei Dinge ja nichts miteinander zu

tun. Zum ersten, wir hatten durchaus Unterstützung von diversen Leuten,

die aber entweder zum Management oder zu unserem engeren Freundeskreis

gehören. Externe Hilfe gab es eigentlich nicht. Umso intensiver und

produktiver war die Zusammenarbeit innerhalb der Band, da haben wir uns

gewissermaßen gegenseitig unterstützt. Zum Thema Vertrag kann ich

eigentlich nur sagen, dass ich sowohl den Begriff als auch dessen

Mystifizierung ziemlich übertrieben finde. Da wird man immer gefragt,

habt ihr denn schon einen Plattendeal, und dann antworten man mit ja und

alle freuen sich. Ich glaube die wenigsten (mich mit

eingeschlossen) wissen was das wirklich bedeutet im negativen wie im

positiven Sinne.

OM: Mit euren sieben Mitgliedern kann ich mir gut

vorstellen, dass es einige Schwierigkeiten beim Schreiben von neuen

Songs gibt? Wie ist den der Ablauf bei der Entstehung?

Redeema: Da gibt es eigentlich wenig Probleme. Basti, einer unser

Gitarristen kommt mit einem tollen Riff und wir basteln dann gemeinsam

den Song dazu. Das Grundgerüst steht dann meistens sehr schnell und die

Feinheiten dauern dann meistens deutlich länger, schließlich muss der

Song allen 7 Bandmitgliedern gefallen und das ist oft gar nicht so

einfach. Am Ende dieser Prozedur steht dann aber ein Song, der ganz

sicher ziemlich gut ankommen wird.

OM: Wer schreibt denn die Texte und worüber handeln sie

hauptsächlich?

Redeema: Ich würde jetzt natürlich gerne eine ebenso spektakuläre

Antwort geben damit sich die Frage auch lohnt und behaupten, unsere

Texte seien verkappte Bauanleitung für Sprengsätze oder Ikea Regale. Das

ist natürlich gelogen, ich konnte sie mir ehrlich gesagt noch nie so

richtig durchlesen, da ich nicht des Lesens mächtig bin. Sie sind jedoch

sicher lesenswert.

OM: Bei zwei Sängern, interessiert mich die Aufteilung der

Gesangsparts. Entscheiden das die Sänger untereinander oder haben die

anderen Bandmitglieder Mitspracherecht?

Redeema: Die Sänger geben uns immer dass Gefühl wir hätten ein

solches Mitspracherecht und das befriedigt uns Instrumentalisten

scheinbar hinreichend. In Wirklichkeit ist das deren Entscheidung und

das können die denk ich auch am besten.

OM: Außerdem habt ihr mit Sonìa eine Sängerin dabei. Das

kommt ja recht selten vor bei einer Band eures Musikstils. Wie ist es

auf Konzerten, sind da die gerade unter Alkoholeinfluss sehr beliebten

Schlachtrufe wie „Ausziehen“ zu hören? Und wie reagiert ihr darauf?

Redeema: Solche Schlachtrufe sind in unseren Fankreisen offenbar

nicht üblich, wir sollten vielleicht die Musikrichtung wechseln. Ich

kenne Sonia mittlerweile sehr gut und vermute, sie würde ganz cool mit

einem ebenso proletarischen Spruch kontern. Außerdem könnten solche

primitiven Aufforderungen auch an Basti adressiert sein, dann hoffe ich

auf eine ähnlich ablehnende Haltung.

OM: Dass ihr live überzeugt, habt ihr ja beim Emergenza

Festival bewiesen, wo ihr als Sieger die Bühne verlassen habt? Wie sind

eure Erinnerungen daran?

Redeema: In der Columbia Halle zu spielen war für uns alle die

bisher größte Live Erfahrung überhaupt. Als ich mich im Backstagebereich

aufhielt ging mir durch den Kopf, wer hier wohl schon alles hingekotzt

hat, beeindruckend. An jenem Tag haben wir Blut geleckt, das spornt uns

zu immer kühneren Taten an.

OM: Ist es aus eurer Sicht der größte Erfolg als Band oder

stuft ihr z.B. die Veröffentlichung eurer CDs als größeren Erfolg ein?

Redeema: Der Erfolg war groß, doch war es für mich keine echte

Errungenschaft. Immerhin mussten über 300 Leute unsere Karten kaufen. Es

war eher eine taktische und kaufmännische Meisterleistung. Eine eigene

CD zu produzieren ist echte Handarbeit und eher ein Erfolg, auf den man

stolz sein kann.

OM: Was waren aus eurer Sicht denn bis jetzt eure besten

Auftritte?

Redeema: Die Auftritte in der Berliner Underground Szene gehören

zweifelsfrei zu den besten. Ich kann mich an Knaack Auftritte erinnern,

wo der Schweiß wieder von der Decke getropft ist, das war toll. Der oben

erwähnte Auftritt in der Columbia Halle war für sich natürlich einzigartig.

OM: Sind denn nach dem Release schon Konzerte oder eventuell

eine kleine Tour geplant?

Redeema: Sehr rhetorische Frage, ja da ist eine kleine mit Konzerten

gespickte Tour geplant, so wie sich das gehört. Nein, so

selbstverständlich war die Tour natürlich nicht. Es ist den großartigen

organisatorischen Talenten unseres Managements zu verdanken, unsere

erste Tour antreten zu können.

OM: Bevorzugt ihr die Liveauftritte oder ist für euch

vielleicht sogar die Studioarbeit schöner?

Redeema: Ich denke wir sind eine absolute Live Band. Das ist aber

bei der Musik der Normalfall. Ein großer Teil unseres Erfolges lässt

sich sicher auf unsere Live Performances und unsere sympathische

Ausstrahlung zurückführen. Irgendwie haben wir es wohl verpasst, uns

irgendein dämliches Image aufzuzwingen. Wir verkleiden uns auch nicht

als Wikinger oder drohen dem Publikum mit einer als Kettensäge

verkleideten Heckenschere.

OM: Ihr kommt aus Berlin. Von uns aus ist das eine ganze

Ecke entfernt und leider habe ich in Berlin keine Bekannten mehr.

Verständlicherweise kann ich deshalb schlecht einschätzen wie es bei

euch um die Szene bestellt ist. Wie würdet ihr sie denn einschätzen?

Redeema: Obwohl ich denke, dass die Szene der Stadt entsprechend

deutlich größer und auch professioneller sein könnte, bin ich eigentlich

froh, hier meine Band gefunden zu haben. Ich kann nur jedem nicht

Berliner empfehlen, hierher zu kommen, das Knaack oder das SO 36 zu

besuchen und so richtig abzurocken. Die Stadt lebt einfach 24 h am Tag

und die vielen Facetten Berlins können jedem Geschmack etwas bieten.

OM: Könnt ihr uns einige lokale Bands empfehlen?

Redeema: Das fällt mir leicht. Harvest, Zenzei und Jigsaw sind für

mich ganz klar die Spitze des Eisberges, wenn es um die härtere Richtung

geht. Es gibt auch viele Bands der gemütlichen Gangart, deren Namen mir

so ganz spontan nicht einfallen.

OM: Zum Abschluss noch eine Frage. Einige Bandmitglieder

machen bei dem 60-Mann-Projekt „Berlin Allstars“ mit. Was kann ich mir

darunter vorstellen?

Redeema: Das ist ein einzigartiges Projekt, in dem 60 Männer und

ebenso viele Frauen in ungewöhnlichen Konstellationen die Hits unserer

Vorbilder covern, und das meist ziemlich gut. Die Veranstaltung findet

jedes Jahr vor Weihnachten im SO 36 statt und ist sehr beliebt.

Organisiert wird das ganze von Koenig, der, wie ich finde, großen

Respekt dafür verdient.

OM: Danke für das Interview und ich wünsche Euch noch viel

Erfolg. Vielleicht habe ich ja mal das Vergnügen euch live zu sehen.

Redeema: Ich danke ebenfalls, es war mir eine Ehre.

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