OM: Hi Rickard! Danke, dass Du dir für uns Zeit genommen hast!

Sabaton: Immer gern!

OM: OK, starten wir also gleich mit der ersten Frage! Gibst immer du die Interviews oder wechselt ihr euch dabei auch mal ab?

Sabaton: Nein, normalerweise mach schon ich die Interviews, aber es ist immer ein bisschen schwierig, da ich zwar die Interviews gebe, sie aber nicht organisiere. Da kommt es schon mal vor, dass es plötzlich, kurz bevor ich auf die Bühne gehe, heißt: „Ach ja, nach der Show hast du ein Interview mit jemandem!“ „Ah, gut zu wissen.“

OM: Ja, so ähnlich lief es auch. Es hieß nur: Nach der Show am Merchandisestand!

Sabaton: Ja, wir verkaufen selber unsere eigenen Klamotten, so dass nach der Show auf jeden Fall immer einer von Sabaton am Stand anzutreffen ist.

OM: Verteilt ihr auch während der Show Sachen aus eurem Merchandise, wie z.B. Cds oder beschränkt ihr euch auf den Verkauf nach der Show?

Sabaton: Normalerweise machen wir das nicht, da wir schlechte Erfahrungen damit hatten. Cds gehen oft kaputt, wenn sie in die Masse geworfen werden und davon hat keine Seite was, weder die Fans, weil sie sie nicht hören können, noch wir, die die Produktion davon bezahlen. Sollte es aber dann doch mal vorkommen, dass eine Cd gefangen wird ohne zu zerdeppern, besteht die Gefahr von Kämpfen um dieses gute Stück.

OM: Habt ihr öfters Probleme mit wildem Publikum und Kämpfen in der Masse?

Sabaton:Klar, jederzeit, wo immer wir spielen!!! (lacht!)

OM: Kommen wir zu der Show hier in Osnabrück. Wie hat die Band den Auftritt empfunden und was denkt ihr über das deutsche Publikum?

Sabaton: Die Konzerte haben sich im Laufe dieser Tour stetig verbessert. Am Anfang bekamen wir noch relativ wenig Unterstützung von Seiten des Publikums, aber dadurch, dass über uns berichtet wurde und die Leute die Möglichkeit hatten etwas über uns in Magazinen, Zeitungen, etc. zu lesen, wuchsen die Zuschauerzahlen beständig und die Konzerte wurden besser und besser. Ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, aber vor ein paar Tagen haben wir in einer Stadt gespielt und es war schier unglaublich!

OM: Köln? Oberhausen?

Sabaton: Ja, genau! Oberhausen! Das war’s. Da haben wir in riesiges Feedback von den Leuten erhalten und alle sind gut mitgegangen. An diesem Tag passte einfach alles! Die Kombination der Bands, wir hatten das Glück, dass viele der Anwesenden unsere Texte kannten, so dass sie mitsingen konnten und wir als Band erwischten auch einen ziemlich guten Tag an unseren Instrumenten. Es hat einfach riesigen Bock gemacht dort zu spielen.

In anderen Ländern auf dieser Tour waren wir total unbekannt. Man hatte nie von uns zuvor gehört, keine Informationen über die Band geschweige denn mal einen Artikel über uns gelesen oder auf einem Tourplakat gesehen. War teilweise sehr merkwürdig. Aber genau das ist auch der Grund, warum wir immer gerne wieder nach Deutschland kommen und hier spielen. Die Leute hier kennen uns, mögen unsere Musik und gehen gut mit. Was will man mehr?

OM: Also gab es zu Beginn nur wenige Menschen, die wirklich wussten wer ihr ward und was ihr für Musik macht?

Sabaton: Ziemlich genauso war es. Nur wenige kannten uns wirklich, haben jedoch ihre Freunde und Bekannten mitgebracht und diese haben sich nach einer gelungenen Show, dann auch schon mal eine CD an unserem Stand gekauft, um uns näher kennen zu lernen. Diese Freunde und Bekannten spielen die CD dann wieder anderen Freunden vor, usw.

Das ist mitunter die beste Werbung.

OM: Ich hab ein paar Typen gesehen, die nach der Show eure CD gekauft haben. Werden bei so einem Verkaufsgespräch auch schon mal Kritiken von Fans an euch herangetragen oder beschränkt ihr euch ausschließlich auf den Verkauf, damit kein Gedränge entsteht?

Sabaton: Nein. Wenn wir unser Merchandise verkaufen, geht es uns nicht darum möglichst viel Kohle zu machen und deshalb die begehrenden Käufer abzufertigen. Wenn Fragen aufkommen oder einfach nur ein nettes Gespräch entsteht, nehmen wir uns gerne Zeit für unsere Fans. Schließlich sind sie es ja, die uns zu dem machen was wir sind. Auch Kritik sowohl positiv als auch negativ wird gerne entgegengenommen, obwohl wir meistens nur zu hören kriegen: Jungs, ihr seid richtig gut (lacht)!

OM: Also verbringt ihr den gesamten restlichen Abend an eurem Merchandisestand oder guckt ihr euch auch schon mal die anderen Bands auf der Bühne an?

Sabaton: Um ehrlich zu sein: Nicht wirklich!

Ich höre Abend für Abend die gleichen Songs. Beide Bands haben den einen oder anderen guten Song dabei, aber so langsam wird das ein bißchen eintönig, weshalb ich mich nach unserer Show meist sofort unter die Dusche verziehe und danach wieder zu unserem Stand gehe, um ein Bierchen zu trinken und mit jedem zu quatschen, der mit mir quatschen will.

OM: Was ist, wenn dann die gesamte Show zu Ende ist und alle Bands ihre Auftritte absolviert haben? Packt ihr dann sofort eure Siebensachen zusammen und fahrt zur nächsten Stadt oder schmeißt ihr euch vor Ort noch ins Nachtleben und bleibt über Nacht?

Sabaton: Wenn der Weg nicht so lang ist, bleiben wir vor Ort und fahren am nächsten Tag weiter. Manchmal gehen wir noch los in eine Kneipe, aber meistens beschränkt es sich darauf den ganzen Krempel wieder zusammen zu packen und zu verstauen, damit es am nächsten Tag pünktlich losgehen kann. Wir trinken dann noch ein paar Bier im Bus und das wars!

Manchmal haben wir sehr lange Strecken vor uns z.B. von Italien nach Madrid. Die Fahrt dauert ca. 2 Tage und man kann sich vorstellen, dass das mit 16 bis 17 Leuten in einem Bus nicht immer nur Spaß macht. Man will schlafen und andere unterhalten sich permanent. Man will Fernsehen gucken, aber es ist zu voll um etwas zu sehen. Ist nicht wirklich einfach!

OM: Ihr seid jetzt seit Januar auf Tour. Macht ihr zwischendurch auch mal für 2 bis 3 Tagen Pause um euch zu erholen?

Sabaton: Wir hatten bislang noch keine 2 Tage Pause. Es gibt mal 1 Tag Pause zwischendrin, aber der ist dann auch wirklich zur Erholung gedacht. Einige gehen in ein Hotel, um mal wieder in einem richtigen Bett schlafen zu können, andere bleiben im Bus und erholen sich anderweitig, aber niemand geht aus und feiert wilde Parties.

OM: Also seid ihr bis jetzt seit Januar durchgehend jeden Tag auf Tour gewesen?

Sabaton: So sieht es aus. Und wenn diese Tournee beendet ist, kehren wir wieder zurück nach Hause und beginnen die Arbeiten an unserem neuen Album, das im April 2007 (Anmerk. d. Red.: „Attero Dominatus“, VÖ: bereits 27.7.2006) auf den Markt kommen soll, spielen noch ein paar Festivalshows und planen und buchen bereits unsere nächste Tournee im Frühjahr.

OM: Plant ihr auch für Festivals in Deutschland?

Sabaton: Wir werden auch einige Termine in Deutschland wahrnehmen, ja. Nach Osnabrück kommen wir leider nicht, aber in die Nähe. (Anmerk. d. Red.: 17.08.2006 – Datteln, 18.08.2006 – Soest)

OM: Macht es Spaß in Deutschland auf der Bühne zu stehen?

Sabaton: In Deutschland spielen wir sehr gerne, da wir hier bereits eine Fangemeinde am Start haben und eine entsprechende Unterstützung erhalten. Wir kommen auf unserer nächsten Tour auf jeden Fall wieder! Schottland ist auch ziemlich cool, weil die Leute dort einfach durchgeknallt sind und abgehen wie Teufel! Es war auch eine ziemliche Ehre im London Astoria aufzutreten, dass schon Größen wie Steve Vai etc. gesehen hat. Einzig allein die Kälte war ätzend, weil wir zuvor in Portugal waren und dort die Sonne geknallt hat.

OM: Wann ward ihr in Portugal?

Sabaton: Vor ungefähr 3 Wochen. Man konnte mit einem T-Shirt rumlaufen ohne dass es einem kalt wurde. Das war in London und Deutschland bekanntermaßen nicht drin.

OM: ds stimmt leider. Nun zurück zur Musik: Euer neues Album „Primo Victoria“ handelt überwiegend von Kriegsszenarien…

Sabaton: Stimmt. „Metal Machine“ stand als erstes. Wir hatten ausschließlich die Musik (ohne Gesang) als wir uns hinsetzten und überlegten in welche Richtung das Ganze laufen soll. Ein zweiter Song mit Kriegstext entstand, weil es die Musik hergab. Letzten Endes sagten wir uns: „Hey, lasst uns doch gleich ein ganzes Album aufnehmen, was sich ausschließlich mit diesem Thema befasst.

OM: Warum genau habt ihr euch dafür entschieden?

Sabaton: Das kann ich dir ehrlich gesagt nicht 100%ig beantworten. Wir haben versucht für uns einen eigenen Stil zu entwickeln. Es gibt Bands, die über dies und das singen, aber wenn du Sabaton hörst, dann denkst du an Krieg!

OM: Also kein politischer Hintergrund sich mal über die momentane Lage in der Welt auszulassen?

Sabaton: Nein, nicht im Geringsten! Es sind lediglich unsere Lieder. Es wird immer Texte geben, in die man dies und jenes interpretieren kann, aber letztendlich ist es nur ein Song, der zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer bestimmten Stimmung geschrieben wurde, jedoch bei jedem unterschiedlich ankommen kann. Musik ist eben eine Gefühlssache und keine programmierbare Matrix. Klar mögen auch wir Terroristen nicht, aber mit unseren Songs hat das keine direkte Verbindung.

OM: Ich dachte es wär als Warnung an die Welt gedacht: Hört auf mit dem Scheiß!!!

Sabaton:Nein. Keiner kann den Krieg leiden, weil Menschen sterben, oft auch Unschuldige. Eine wirklich schlimme Sache, aber jeder verfolgt ihn am Fernseher, engagiert sich für eine der beiden Seiten oder diskutiert mit anderen darüber. Krieg hat uns in unserer Geschichte schon viel beschäftigt, da es so eine unglaublich kraftvolle Waffe ist. Manche hat dieses eben auch inspiriert…

OM: Gab es auch Leute, die sich mit den neuen Songs aufgrund ihres Inhalts nicht so sehr anfreunden konnten?

Sabaton: Innerhalb der Band?

OM: Nein. Ich meinte eher Politiker oder Freunde.

Sabaton: Es gibt immer Leute, die an dem rumnörgeln, was man gerade geschaffen hat. Wir könnten ja auch über Saufgelage und Motorräder schreiben, aber wir sind uns sicher, dass diese Texte besser zu der Musik passen und die guten Kritiken bestärken uns darin.

OM: Ein einziger Song fällt aus dem Rahmen, da er keine Kriegsszenarien heraufbeschwört. Man könte ihn eher aufgrund seiner Lyrics als eine Hommage an die Größen des Rock und Metal bezeichen.

Sabaton: Ja, das ist bei „Metal Machine“ der Fall. Wir hatten bereits auf unserem ersten Album einen Track mit dem Namen „Masters of the world“, der eher fröhlich mit lustigem Text daherkam und wir entschieden für jedes unserer Alben einen solchen Song zu schreiben, das wir veröffentlichen. Wir versuchen damit die Möglichkeit einzuräumen von der gesamten Kriegsszenerie wieder runterzukommen und einen harmonischen Ausklang zu finden, wie bei einem bösen Traum mit Happy End.

OM: Viele Leute sind der Meinung, dass, wenn man Sabaton mit Sonata Arctica vergleicht einem schon Gemeinsamkeiten auffallen, was ihren Werdegang betrifft, mit dem Unterschied, dass Sonata Arctica bereits einen festen Stand in Schweden und auch anderen Teilen Europas haben. Wie siehst du das?

Sabaton: Das ist eine interessante Theorie, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Allerdings kann ich eh wenig dazu sagen, da ich mich mit Sonata Acrtica nicht viel auseinandersetze und noch nie ein Lied von ihnen gehört habe, zumindest nicht bewusst. Kann schon sein…

OM: Okay. Meiner Meinung nach spielt ihr Symphonic Metal. Kannst du mir das bestätigen?

Sabaton: Man kann es nennen wie man will. Egal, wo man hinkommt, überall wird es anders genannt. Ich nenn es zum Beispiel gerne schlicht Heavy Metal, doch was genau ist schon Heavy Metal? Mal ist es melodiös und ruhig, ein anderes Mal schnell und bretthart. Wieder ein anderes Mal ist es dann schnell und melodiös usw. Die Leute sollen die Musik einfach genießen und Spaß dran haben und sich keine Gedanken über irgendwelche Schubladen machen!

OM: OK, Rickard! Dann danken wir Dir für deine Zeit und dein Bier und wolen dich dann mal wieder zu euren Fans in die Halle lassen.

Sabaton: Jau, auch einen großen Dank an euch!

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