OM: Hi Udo und vielen Dank für deine Zeit!

Zunächst einmal möchte ich was zum Neuen Album Mastercuter erfahren. Was für Erwartungen hattet ihr persönlich in dieses Album gesetzt?

Udo Dirkschneider: Ja, was hatten wir für Erwartungen? Hoffen, das es gut ankommt, ganz vereinfacht gesagt. Da wir ja doch einige Sachen… verändert haben, in einer gewissen Form. Sprich: Der Sound, den haben wir ein bisschen anders arrangiert als bei anderen Songs, wir haben andere Effekte benutzt. Im Prinzip haben wir für uns schon einiges umgestrickt und gehofft das, das gut ankommt. Und das scheint der Fall zu sein.

OM: Ja allerdings, Ich hab reingehört und mir gefiel auch was ich hörte. In wie weit waren diese Veränderungen Herzenssache?

Udo Dirkschneider: Ich sag es mal so, wir sind ein bisschen gebranntmarkt mit dem letzten Album Mission No. X. Im nachhinein haben wir uns ein bisschen geärgert, das wir das so schnell gemacht haben. Da war ich natürlich auch Mitschuld, aufgrund der Accept Festival Geschichte, die da stattgefunden hat. Eigentlich war geplant 2005 ganz in Ruhe ein Album zu machen und dann mussten wir aber aufgrund dieser Geschichte, eigentlich direkt nach der Thunderworld Tour, mit diesem Album anfangen. Im Nachhinein hätte man sich durchaus mehr Zeit lassen können, aber da kam dann doch viel Druck von der Plattenfirma, etc. ich sag mal, das ist alles History. Aber nach dieser Geschichte haben wir uns gesagt, Okay, bei dem neuen Album wollen wir mal ein bisschen anders arbeiten und mehr Einflüsse von Außen kommen lassen. Denn es hat sich ja in der Zwischenzeit doch einiges getan bei uns: wir haben wieder ein Management, wir haben wieder eine Booking Agency und das live Sound Engenieering hat rumgemeckert, wir sollen was soundtechnisch tun, da wir live ja auch ganz anders klingen, wesentlich moderner klingen, und dann haben wir ihn, als wir begannen zu recorden, mit ins studio genommen und gesagt „Mach mal“, dann ist er bis zum Schluss geblieben. Und mit einem Sound, mit dem wir zufrieden sind. Er hat uns ein paar neue Möglichkeiten eröffnet und dadurch sind wir enthusiastischer für U.D.O. geworden, wie zu einem neuen Aufbruch „auf zu neuen Ufern“, auch wenn das vielleicht blöd klingt. Und da sind dann so einige neue Sachen reingekommen, die wir so, mit U.D.O. gar nicht gemacht hätten. Zum Beispiel Master of Desaster wäre so, unter anderen umständen gar nicht entstanden oder auf das Album gekommen.

OM: Also ist Mastercuter wirklich so eine Message „der Aufbruch in das 21te Jahrhundert“ um ein anderes Fachmagazin zu rezitieren

Udo Dirkschneider: (lacht)Ja, so ungefähr!

OM: Ok. Dieses Jahr jährt sich U.D.O. ja auch zum 20ten Mal…

Udo Dirkschneider: Mit Unterbrechungen, ja. Kann man sagen. Ich mein, das ist schon ne lange Zeit und, ich sag mal, es sieht so aus das, das noch sehr lange gehen wird. Bei uns ist der Plan bis 2010 schon gemacht und da ist noch einiges zu tun.

OM: Dann hoffen wir mal, das es noch ein 30 Jähriges Jubiläum geben wird. Wo wir grad beim Alter sind, könnte man sagen, ihr seid die deutschen Motörhead…

Udo Dirkschneider: Ja, kann man sagen.

OM:…wenn auch in einer komplett anderen Schublade. Dieses Schubladendenken ist ja sehr beliebt. Ihr werdet ja zum Power Metal gesteckt, wollt ihr euch überhaupt in diese Schublade schieben lassen?

Udo Dirkschneider: Ne. Schubladendenken mag ich gar nicht. Das ist mir zu kastenmäßig gedacht. Wir machen Musik, wir versuchen gute Songs zu schreiben. Und ob und wie das heißt ist eigentlich egal. Ich hasse es wenn man da versucht was in irgendeine Schublade zu pressen.

Wir versuchen, wie gesagt, einfach gute Musik zu machen. Klar, wir machen Heavy Metal, oder klassischen Heavy Metal, oder wie auch immer man das nennen will, und ich denke da sind einige Bands nicht glücklich, mit diesem Schubladendenken. Und wir lassen uns jetzt auch nicht plötzlich von so was beeinflussen, ich mein (lacht) wir werden jetzt nicht auf einmal Tango oder Blues Musik machen. Musikalisch ist ja unsere Basis Metal geblieben, auch wenn wir uns nun mal verändert haben. Aber wir haben in solchen Schubladen überhaupt kein Interesse und da wehr ich mich auch immer gegen.

OM: Ist ja auch ganz richtig so. Um wieder auf das Album zurück zu kommen, wie sah es mit der Inspiration für das neue Album aus, Private oder Öffentliche Ereignisse? Ozzy Osbourne als Beispiel hat ja nun ein Album veröffentlicht, in dem er sich über die aktuelle Weltlage auslässt. War das für euch auch ein Ansporn was dazu zu sagen, bzw. zu singen?

Udo Dirkschneider: Sicherlich, nimm allein One Lone Voice. Da geht es um unsere Natur, mit der wir ja nicht nur aktuell, sondern schon länger Schindluder treiben. Das Thema ist aber nur aktuell sehr hochgespült worden. Aber diese Situation ist ja nicht eben erst seit gestern. Wir haben auch, wie immer eigentlich schon, politische Sachen dabei. Denn wir schreiben eigentlich immer Sachen aus dem Leben, die sich grade abspielen. Wir sind weltweit unterwegs, wenn du da mit offenen Augen durch die Gegend läufst, siehst du was passiert. Wenn du die Medien verfolgst, dann bist du ja auch schon aktuell auf dem Stand. Wir schreiben halt nicht aus der Antike, wir schreiben aus dem Jetzt. Was um uns herum passiert, das haben wir aber schon immer gemacht.

OM: Was euch ja auch auszeichnet, wenn man sich die Konkurrenz anguckt. Besonders die aus dem hohen Norden die in Europa ja sehr viel Konkurrenz macht und vielfach mit mittelalterlichen Themen auseinandersetzt. Seid ihr euch bewusst, das ihr da ziemlich aus der Art schlagt?

Udo Dirkschneider: Ja, schon, dafür waren wir ja schon mit meiner anderen Band Accept bekannt, das wir unsere Texte anders gelagert haben. Es ist ja nichts schlimmes wenn Bands über das Mittelalter etwa schreiben. Machen wir halt nicht und das hebt uns sicher ab, das stimmt.

OM: Seid ihr euch eigentlich bewusst, dass ihr gewissermaßen Metalgeschichte geschrieben habt?

Udo Dirkschneider: Das ist mir schon bewusst, ja.

OM: Wie geht ihr damit, diesem Ruhm, um?

Udo Dirkschneider: Ja, Leute fragen mich auch immer wie man sich fühlt als lebende Legende, der Grandfather des Metal und was weiß ich was für Bezeichnungen es da noch gibt. Klar, dir ist schon bewusst geworden, das man in dem Business was erreicht hat, das man andere Bands beeinflusst hat, nicht nur mit Accept, auch mit U.D.O. Ich versuch dann eigentlich immer down to earth zu bleiben, so wie wir alle in der Band. Ich war noch nie der Typ der gesagt hat „Ich bin der Größte, der große Rock n Rollstar“ das ist nicht meine Welt. Also, wie gesagt, ich bin da sehr down to earth. Es macht mich stolz, es wäre gelogen wenn ich was anderes behaupten würde, das man da was gemacht hat was seine Spuren hinterlässt. Aber damit nun hausieren zu gehen, den großen Rock n Rollstar raushängen zu lassen. Das ist nicht mein Ding.

OM: Womit ich mal auf dich als Person kommen will, bist du dann auch jemand der seine Privatssphäre sehr schätzt? Würdest du private Details wie etwa deinen Familienstand verraten?

Udo Dirkschneider: Och, mit meinem Familienstand hab ich überhaupt kein Problem, das ich verheiratet bin, zwei Kinder hab. Also die Privatsphäre, die pflege ich schon. Ich würde zum Beispiel niemals so eine Homestory oder Realityshow machen.

OM: Wie etwa „die Osbournes“?

Udo Dirkschneider: Ganz ehrlich, das würde ich nie tun.

OM: Ich auch nicht. Es ist aber dennoch immer wieder interessant womit Musiker sich neben der Musik beschäftigen. Wie kommst du nach einer längeren Tour wieder runter?

Udo Dirkschneider: Da braucht man schon einige Tage, da sich auf Tour ja der ganze Tagesablauf verändert hat, bis man wieder im normalen Leben ist. Das geht aber sehr schnell wenn man zwei schulpflichtige Kinder hat. Zuhause pflege ich ein recht gutbürgerliches Leben: da gibt’s Schulprobleme, da gibt’s Tierprobleme und da bist du eigentlich wieder am Boden der Realität wenn man zuhause eine Familie hat. Das hilft dann schon sehr.

Ich sag mal, auf Tournee, wenn man unterwegs ist, da führt man schon ein anderes, Rock n Roll Leben. Das heißt nicht das man jeden Tag betrunken ist oder solche Geschichten, aber es läuft halt anders ab. Mit dem Leben zuhause hat das kaum noch was zu tun.

OM: Wann kann man denn mal wieder damit rechnen, das deine Familie auf dich verzichten muss, sprich: Wann tourt ihr?

Udo Dirkschneider: Wenn wir Mitte – Ende September wieder auf Tour gehen und dann bin ich mit Sicherheit bis Mitte Dezember so gut wie nicht zuhause. Klar, die kommen, wenn man mal nicht zu weit weg ist, zu ner Show und dann sieht man die Familie schon wieder oder wenn ich mal einen Day Off habe, dann fahr ich schon mal nach hause. Komplett verschwunden ist man nicht.

OM: Wie steht es mit Fankontakten bei euch?

Udo Dirkschneider: Wie gesagt, es ist vieles Neues passiert. Durch das neue Booking stehen wir in Kontakt mit wirklich aktiven Fanclubs, was uns eigentlich schon immer wichtig war, was aber zuvor immer so eine Zeitfrage war. Aber nun haben wir halt jemanden gefunden, der sich wirklich damit beschäftigt, es gibt nun Fanmagazine, es wird reger Kontakt gehalten und wir haben einen neuen Webmaster, da unsere alte Seite wie Tot war. Es sind wirklich viele neue Sachen passiert. Die Meinung der Fans ist uns sehr wichtig, man unterhält sich nach Konzerten. Aktuell machen wir ein Voting auf der Seite zu den Stücken des neuen Albums, welche sie denn gerne hören möchten. Wobei da ja was sensationelles passiert ist. Kein Mensch hätte damit gerechnet, das da jetzt Tears of a clown auf Nummer eins steht.

OM: Den find ich aber auch ziemlich gut, den Song.

Udo Dirkschneider: Ja, ist auch ne schöne Nummer. Aber wir haben nicht damit gerechnet, das, das an Stelle Eins kommt. Das ist schon sehr interessant, da sagt man sich dann „Aha“ und man weiß, damit kann man auch etwa 80% der Fans mit bedienen. Oder anders gesagt, Fangerecht arbeiten.

OM: Schließlich sind Konzerte ja auch nur zum einen für den Musiker und zum anderen für Die Menge, die Fans

Udo Dirkschneider: Ich würd mal sagen, hauptsächlich für den Fan. Natürlich macht man auch Musik für sich selbst, es muss einem ja auch selbst gefallen, was man da macht. Aber ein Programm für eine Show aufzustellen, das ist eine Sache die auf die Fans zugeschnitten sein sollte. Ok, wenn man elf U.D.O. Alben hat und dann noch zehn Accept Alben ist es wahrlich nicht einfach mit 21 Alben eine einzelne Setlist aufzustellen. Wir werden es, glaube ich, niemals schaffen sämtliche Fans zufrieden zu stellen. Dann müssten wir mit einem fünf bis sechs Stunden Programm auftreten. Wir versuchen es immer so gut wie möglich hinzukriegen und wir bauen ein Set auch immer so auf, das wir einen Block haben in den wir alle ein bis zwei Tage die eine oder andere neue Nummer einbauen und so die ganze Sache auch interessanter zu gestalten. Für sich selber und besonders für die Fans. Wir ändern auch einiges, wenn wir merken das die Nummern nicht so gut rüberkommen wie wir uns das gedacht haben. Wir sind da sehr flexibel, wir können ja auch wirklich aus dem Vollen schöpfen. Wenn wir wollten könnten wir eine ganze Hitparade machen, das wäre nicht das Problem (lacht).

OM: Achtet ihr dabei auch darauf mit wem ihr tourt?

Udo Dirkschneider: Das ist ja auch nie so einfach. Wir achten schon immer darauf eine interessante Band mitzunehmen. Am besten was neues, ein heißer Act, wie man so schön sagt, aber da spielt auch das Geld eine Rolle. Bands heutzutage können sich teilweise gar nicht leisten eine ganze Europatournee mitzumachen. Leider wie man sagen muss. Manchmal muss man dann zwei, drei Bands mitnehmen und sagen „die spielt da mit, die andere da“ und danach muss man sich wieder ne Neue suchen. Das ist für die gar nicht anders zu finanzieren. Von den Plattenfirmen ganz zu schweigen, da kommt auch nicht immer die Hilfe, damit man es sich leisten kann zu touren.

OM: Also da spürt man dann schon die Kaufkraftarmut in unserer Metalszene?

Udo Dirkschneider: Wenn du das so sagen willst, ja schon. Oder anders gesagt, die Unterstützung der Plattenfirmen ist heute nicht mehr so wie sie früher mal war. Der Support, über einen längeren Zeitraum hinweg Geld in eine Sache reinzustecken ist sehr sehr zurück gegangen seitens der Plattenfirmen. Da gibt es nur noch ein paar Ausnahmen. Da müssen die sich schon immens viel von der Band versprechen, aber da nehmen die dann nicht U.D.O., sondern versuchen die dann bei irgendeiner Riesenband unterzubringen.

Ich sag dir, das ist nicht einfach. Da tun mir manchmal die Bands leid, die gerne möchten aber nicht können. Und da ist dann immer so dieses große Spiel, wer kommt mit, wer kann sich das leisten.

OM: Das liegt mit Sicherheit aber auch an der aktuellen Situation der Musikwelt. Wie siehst du das? Es gilt ja im Moment ein regelrechtes „Friss oder Stirb“ und andererseits werden immer mehr Massenprodukte auf den Markt geschmissen.

Udo Dirkschneider: Ja, sicher. Im Metalbereich haben wir ja noch das große Glück, das der Fan, der Metalfan, das Original in den Händen halten will. Wir haben also nicht das ganz große Downloadproblem, aber das wird sich auch verändern. Ich tippe mal darauf, in drei bis vier Jahren wird es auch im Metalbereich soweit sein, das man gegen Geld alles downloaden kann. Der eigentliche Plattenladen, der wird in gewisser Form verschwinden oder es wird weniger geben. Es wird zwar selten ausgesprochen, es weiß ja wohl wirklich jeder, das der CD Verkauf immens zurückgegangen ist. Ist ja nicht mehr wie früher wo du sagen konntest „Buff, da haben wir mal eben 100000 Stück verkauft“ die Zeiten sind mit Sicherheit vorbei. Sieht man schon daran, das mittlerweile 100000 verkaufte CDs Gold ist. Da kann man dann schauen wo die ganze Sache hingeht. Für die alten Recken wie wir, wir haben das Glück, wir können eigenständig weltweit touren, wir sind nicht unbedingt auf diesen CD Verkauf angewiesen.

Aber eine junge Band ist schon noch darauf angewiesen, das sie genügend verkaufen um überhaupt auf tour gehen zu können. Damit sie überhaupt gefragt werden, damit sie überhaupt ne Gage kriegen um überleben zu können.

OM: Ist das nicht traurig?

Udo Dirkschneider: Das ist wirklich traurig. Meiner Meinung nach ist das aber auch so ein Ding, was die Plattenfirmen selbst verursacht haben, indem alles nach dem Lotterieprinzip „Wir nehmen mal 10 Bands unter Vertrag und eine wird wohl funktionieren“ läuft, und die anderen gucken in die Röhre. Es wird kein Geld mehr richtig investiert um eine Band aufzubauen. Und grade im Popgeschäft ist das ja ein kommen und gehen, aber im Metalbereich haben wir mit Sicherheit genügend junge gute Bands, nur, da muss ein Aufbau sein, das die sich ein oder zwei Jahre so entwickeln können, das sie im Business bestehen können. Das braucht ein bisschen länger halt. Aber diese Zeit haben die Bands heute nicht mehr. Bei uns war das damals so, als wir angefangen haben, da hat die Plattenfirma gesagt „Wenn sie dann mal nach fünf Jahren langsam schwarze Zahlen schreiben, dann ist das okay“ Ich glaub den Spruch wirst du heute nicht mehr hören.

OM: Ja, mit Sicherheit nicht, das ist sehr unwahrscheinlich.

Udo Dirkschneider: Ja klar, aber damals in den Achtzigern gabs ja auch nicht so viele Bands, im Gegensatz zu der Flut an Bands heute. Aber da sollten die Plattenfirmen auch ein bisschen sortieren. Denn da ist auch viel Müll auf dem Markt. Sag ich mal so.

Da kommt aber noch ein anderer Aspekt hinzu. Wenn ich technisch so versiert wäre, könnte ich mich hier unten, in meinem Haus, meinem kleinen Studio hinsetzen und mit einigen Tools ein Album produzieren, das der Hammer wäre. Da bräuchte ich so gut wie gar keine Musiker mehr für.

Und da hab ich schon viele Sachen gesehen bzw. Alben von Bands gehört, wo ich dachte Wow und dann hab ich mir dieselben Bands noch mal live angeschaut… da hab ich dann nicht mehr Wow gesagt. Die konnten das Live gar nicht mehr rüberbringen weil sie das Handwerk gar nicht mehr beherschen, vielleicht den Computer besser aber nicht ihre Instrumente.

Das macht mich dann auch wieder traurig, da geht viel verloren. Aber das wird wohl auch wieder so ein Kreislauf werden, denn wenn heute eine Band ein Album produzieren muss, soll oder darf, müssen die das mit einem Budget machen, mit dem du eigentlich kein Album produzieren kannst. Das ist eigentlich so niedrig, das du dich besser mit der Technik auskennen musst. Dadurch kann man auch günstiger produzieren, aber das Handwerk geht verloren. Es ist halt sehr einfach sich da hinzusetzen und zu meinen „Ach du, ich kopier das da noch ein bisschen und die Gitarre ist fertig“ oder so, aber das ist ein anderes Thema (lacht) Kann man lange drüber reden.

OM: Allerdings. Meinst du ihr hättet, wenn ihr heute noch mal so angefangen hättet wie damals, den selben Erfolg gehabt?

Udo Dirkschneider: Ich glaube… hm… schwierige Frage… vielleicht, denn man darf eines nicht vergessen. Ich will mich jetzt nicht selbst beweihräuchern, aber du stichst immer noch heraus wenn du einen Sänger hast, bei dem du weißt, wenn du die CD einlegst und den ersten Ton hörst, wer das ist. Also das ist auch ein ganz großes Glück. Mit der Stimme mag das sein, vielleicht. Aber nicht diesen Durchbruch oder diese Größe die wir erreicht haben mit U.D.O. sodass es noch weiter nach oben geht. Das ist ne gute Frage… die kann man nicht so recht beantworten aber wahrscheinlich wären wir nicht so bekannt.

OM: Also deine Stimme ist mit Sicherheit eines der herausstechenden Elemente eurer Musik, auch auf diesem Album und auch bei Accept damals.

Udo Dirkschneider: Bestes Beispiel war damals Eat the Heat (mit Gesang von David Reece Anm. d. Red.). Bestimmt kein schlechtes Album, der Sänger ist eigentlich auch hervorragend. Aber es war nicht mehr Accept.

OM: Muss man zugeben, hast gefehlt.

Udo Dirkschneider: Das hat gefehlt, das ist der Punkt. So´n Sänger ist schon ein wichtiger Punkt in einem Bandgefüge. Es gibt so viele tolle Bands, die haben so gute Sänger. Nur wenn du das dann hörst weißt du auch nicht wer das ist und musst das erst mal nachlesen. Und das ist der Vorteil wenn du einen Sänger hast der eben hörbar und markant ist. Das ist ein sehr, sehr großer Vorteil.

OM: Was sind eure nächsten Ziele? Du hast schon gesagt, ihr macht mit U.D.O. mindestens bis 2010 weiter. Was kommt noch? Vielleicht noch was mit Accept?

Udo Dirkschneider: Ne, mit Accept kommt jetzt erst mal gar nichts. Jetzt kommt erst mal eine lange Tour mit U.D.O. bis etwa März/April 2008. Da werden wir einmal komplett die Welt bereisen. Und dann wird es davon eine DVD geben, nächstes Jahr. Die ist auch schon lange fällig. Und dann sind da noch ein, zwei Sachen geplant mit U.D.O., aber darüber kann ich jetzt noch nichts sagen. Man soll ja nicht über ungelegte Eier reden…

OM: Top Secret?

Udo Dirkschneider: (Lacht) So´n bisschen. Und dann werden wir mit Aufnahmen anfangen, damit so spätestens im Herbst 2009 ein neues Album kommen kann. Und dann sind wir ja schon fast da, wo ich vorhin sagte, bei 2010 angelangt. Und dann gucken wir mal was so alles passiert.

OM: Also nicht zu weite Blicke?

Udo Dirkschneider: So´n Dreijahresplan musste heutzutage schon haben, wenn du Marketing- und Businesseffektiv arbeiten willst. Drei Jahre sind so schnell um, so schnell kannste gar nicht gucken. Das geht alles so schnell. Ich will ja nicht abstreiten, das ich, wenn die Zeit es zulässt, noch ein paar Konzerte mit Accept machen würde, das kann ohne weiteres passieren. Aber wie die Leute immer sagen „Da kommt sicher noch eine Reunion“ die wird mit Sicherheit nicht stattfinden. Reunion heißt für mich neues Album, neue Stücke und eine Tournee. Und das wird es mit Accept nicht mehr geben.

OM: Du bist also kein Fan vom aufwärmen alter Geschichten?

Udo Dirkschneider: Ne, ich habe eine effektive Reunion hinter mir. Die hat mir gezeigt, dass es nicht funktioniert. Rein musikalisch, persönlich haben wir immer noch sehr, sehr guten Kontakt. Da gibt es keine bösen Geschichten, wie man sich manchmal liest, das ist alles dummes Zeug auf das man nicht hören sollte. Accept noch mal aufleben lassen… ich muss sagen, dafür ist U.D.O. eine viel zu etablierte, feste Größe geworden. Warum sollte ich das aufgeben? Das würde keinen sinn machen. Es wäre sehr Dumm das aufzugeben, für eine Sache die vielleicht nicht mal funktionieren würde.

OM: Was ja die Frage wäre, wobei man ja wieder bei der Leichtlebigkeit der Musikwelt wäre

Udo Dirkschneider: Ein Beispiel: Stell dir mal vor ich mach jetzt ne Reunion mit Accept, mach ein Album und stell dann fest, das läuft gar nicht so wie ich mir das vorstelle. Dann kriegste doch das Große heulen (lacht). Und ich glaube das muss ich auch alles nicht mehr tun. Das sollte man auch beruhen lassen, denn es macht viel mehr Spaß so ein paar Konzerte zu machen, wo man ohne Druck einfach Spaß hat und die Leute auch Spaß haben und dann ein Hitparadenprogramm abfeuert und dann ist gut.

Dann sollte man vielleicht mal auf einen Knopf drücken und das ganze dokumentarisch festhalten. Das wäre vielleicht eine Maßnahme.

OM: Genau, auf DVD.

Udo Dirkschneider: Ja, das, was wir bei der 2005er Geschichte verpasst haben. Aber das lag auch nicht in meiner Hand.

OM: So? In wessen denn?

Udo Dirkschneider: Du, eigentlich in der Hand, dessen, dem der Name auch gehörte, Wolf Hoffmann und dem damaligen Management. Da hab ich eigentlich weniger mit zutun gehabt. Aber Egal, vielleicht kriegen wir das auch noch mal irgendwann geregelt, das wir noch mal irgendwie was machen und dann gibt’s davon dokumentarisches Bildmaterial.

OM: Also können wir uns neben einer Live DVD von U.D.O. auch auf eine Live DVD von Accept freuen?

Udo Dirkschneider: Da könnte man sich mit Sicherheit drauf freuen, denn das kann ne interessante Sache sein sich das anzugucken. Schlecht ist das nicht. Wenn du ganz ohne Druck arbeiten kannst, dann macht das schon ne Menge Spaß. Aber das ist halt eine Sache, die man wirklich nur nebenbei machen kann. Und ob das überhaupt passieren wird, in der Form, das werden wir noch sehen.

OM: Dann bedanke Ich mich für das Interview und viel Glück für die Zukunft und das neue Album.

Udo Dirkschneider: Gern geschehen und danke.

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