OM: Hallo Zak. Als erstes möchte ich für dieses Interview mit OsnaMetal.de bedanken. Wie geht’s Dir heute?

Zak: Sehr gut. Vielen Dank.

OM: Könntest Du für unsere Leser, die die Band noch nicht kennen, kurz die Geschichte von Circle II Circle zusammenfassen?

Zak: Circle II Circle wurden vor sechs Jahren gegründet. 2001 brachten wir unser erstes Album „Watching In Silence“ heraus, nachdem ich Savatage verlassen hatte. Ich gehörte neun Jahre zu dieser Band. Wir warteten damals auf ein neues Savatage Album, das immer noch nicht heraus gekommen ist. Allerdings haben wir in der zwischenzeit drei Circle II Circle Alben herausgebracht. Das dritte war „Burden Of Truth“ und das zweite „Middle Of Nowhere“.

Also: Hier sind wir!

OM: Könntest Du als nächstes die musikalische Ausrichtung der Band beschreiben?

Zak: Es ist Power Metal, Melodic Metal, auf eine eigene Art und Weise postmodern. Wir benutzen Elemente aus dem traditionellen Metal, die wir in ein modernes Songwriting verpacken. Wir sind immer noch melodisch, immer noch kraftvoll, aber wir haben jetzt viele verschiedene Geschichten in unserer Musik. Der Stoff dazu kommt aus allen Bereichen.

OM: Die Band wurde gegründet, als sich Savatage eine Auszeit nahmen. Wie viel von Deiner früheren Band kann man im Material von Circle II Circle finden?

Zak: Es wird immer dieses Savatage Element geben. Ich arbeitete meine melodische Power Metal Stimme bei Savatage aus und die wirst du so oder so immer bei Circle II Circle finden. Aber eigentlich besteht die Band nur aus mir und den Jungs, die zusammen Songs schreiben. Und das sind die eigentlich wichtigen Bestandteile von Circle II Circle. Das ist es, was wir sind, ist die Art und Weise, wie wir Songs schreiben. Aber in meiner Stimme wird es sicherlich immer eine Anlehnung an Savatage geben.

OM: Lass und jetzt mal zu den Vorkommnissen der Gegenwart kommen. Ihr habt eure Europa Tour gestern in Flensburg gestartet. Wie wars denn?

Zak: Es war gut. Eine kleine Halle, mit einer guten kleinen Zuschauerschar. Man könnte es vielleicht mit der Situation von heute vergleichen. Es war sehr energiegeladen. Wir haben ein großartiges Set. Wir haben kleine musikalische Zwischeneinlagen, die auf dem Album nicht auftauchen, aber dort durchaus hätten stehen könnte. Das kann man also nicht erfahren, wenn man nicht eine unserer Shows gesehen hat.

OM: Welchen Eindruck hast Du bis jetzt von Deutschland und den deutschen Fans?

Zak: Immer einen sehr guten. Es ist immer so, als wenn ich zu einer alten Familie zurückkehre. Ich bin schon viele Jahre immer wieder hier gewesen. Ich habe 1993 angefangen nach Europa zu kommen und seitdem ist es für mich wie eine Familie. Und natürlich bin ich auch glücklich darüber viele neue Gesichter zu sehen. Leute, die wir erst mit den letzten beiden Circle II Circle Album gewonnen haben und die nicht einmal wissen, wo ich her komme, wenn wir einige Savatage Songs einstreuen.

OM: Mit euch auf der Straße ist die neue Band vom ehemaligen Blind Guardian Drummer Thomen Stauch. Kanntest und mochtest Du ihn und seine Musik bereits vorher?

Zak: Ja; ich kenne alle Blind Guardian Sachen.

Er ist ein großartige Schlagzeuger, ein netter Mensch. Ich konnte ihn die letzten Tage näher kennen lernen und er ist wirklich nett. Wir haben gerade zusammen gegessen, ich denke wir sind gehen ab jetzt zusammen essen und lästern über das Catering. Aber er ist ein toller Mensch und es ist toll ihn jeden Abend zu sehen. Ich bin froh, dass er dabei ist.

OM: Und wie ist das Tourleben mit diesen Jungs bis jetzt?

Zak: Schön!

Es sind nur tolle Leute mit uns unterwegs. Jeder ist sehr entspannt. Es ist ein wenig eng. Auf Tour musst du immer zusehen, dass du den anderen aus den Weg gehst. Aber bis jetzt mussten wir das noch nicht machen. Ich mache das schon seit 15 Jahren und deshalb wissen wir auch, wie wir dafür sorgen, dass sich jeder so gut wie möglich entspannt. Wir haben einfach eine großartige Zeit!

OM: Lass uns weiter gehen zu eurem neuen Album „Burden Of Truth“.

Wie sind die Reaktionen bis jetzt ausgefallen?

Zak: Großartig! Es waren die besten Reaktionen, die wir jemals auf ein Circle II Circle Album bekommen haben. Einige Magazin von überall auf der Welt kürten es zum besten Metal Album des Jahres 2006. Das könnte auch daran liegen, dass das Konzept eine große Kontroverse beinhaltet. Aber ich wollte der Welt einfach zeigen, wie großartig unsere Musik sein kann, wenn wir das Einfluss auf unser Songwriting nehmen lassen. Das bekommt man auf „Burden Of Truth“, man geht tiefer in die Materie hinein. Ich denke, dass auch das nächste Album ein Konzept Album werden wird, weil wir einfach starke Gefühle auch gegenüber anderen Themen haben.

OM: Das Konzept hinter dem Album steht in Zusammenhang mit Dan Browns Buch „Sakrileg“.

Was hat euch so an diesem Thema fasziniert, dass ihr Musik darüber geschrieben habt?

Zak: Wir haben darüber nachgedacht, wie wir reagieren würden, wenn jemand zu uns kommen und uns sagen würde, er habe den genetischen Beweis dafür, dass einer von uns der Sohn von Jesus und Maria Magdalena sei und er würde mit ihm über gewisse Dinge reden wollen, weil er gewisse unentdeckte Kräfte habe, die man brauchte. Das ist der Punkt, an dem das Album einsetzt. Du bist der eine, der auserkoren ist die Welt zu retten. Es gibt eine Menge Probleme auf dieser Erde. Aber du hast bis jetzt nicht gewusst, was du für Kräfte hast. Und das ist ziemlich faszinierend. Du findest heraus, dass du dazu beitragen kannst, dass diese Welt einen anderen Weg geht, weg von der Zerstörung, nur durch das, was du bist. Es ist eine lange Geschichte, die so viele Enden haben kann. Es gibt Millionen Möglichkeiten, wie sie ausgehen kann und auch das war für uns sehr faszinierend.

OM: Hast Du den Film gesehen? Und mochtest Du ihn?

Zak: Wir haben uns den Film mit der ganzen Band angesehen. Und wir haben ihn uns im Tour Bus noch einmal angesehen. Alles fing eigentlich an mit dem Buch „Holy Blood Holy Grail“, das 1982 erschien. Das Ganze ist also schon über 25 Jahre alt. Es ist keine neue Sache, aber wir haben ihr eine neue Wendung gegeben. Und unser Album haben wir gemacht als eine Art musikalische Ergänzung zu dem Film „The DaVinci Code“. Allerdings mit dieser kleinen Wendung. Nachdem ich „Holy Blood Holy Grail“ gelesen und den Film gesehen hatte dachten wir: Wow!

An diesem Punkt können wir mit einer kompletten neuen Geschichte ansetzen. Und können sie in Musik verpacken, obwohl es wie ein Film wird. Jeder Song auf dem Album ist wie eine Filmszene. Wir haben also an dem Punkt angesetzt, an dem „The DaVinci Code“ endete.

OM: Die katholische Kirche mag weder das Buch noch den Film. Kannst Du ihre Sichtweise verstehen?

Zak: Natürlich. Das verstehen wir. Wir denken, dass das etwas ist, was durchaus einige gute Argumente aufweist. Keiner kann das alles beweisen. Das wissen wir. Es ist bloß eine gute Theorie. Wir wussten, dass das alles ziemlich kontrovers ist. Ich bin selber ein Baptist, ein Christ. Manchmal ist es schwierig meiner Frau zu erklären warum ich dieses Album schreibe, während wir zur Kirche gehen. Aber ich mache es weil es wert ist darüber nachgedacht zu werden. Und das ist der beste Weg, um gute Musik zu bekommen.

OM: Lass uns für einen Moment auf Savatage zurück kommen. Dies ist das erste Circle II Circle Album, auf dem Jon Oliva nicht am Songwriting beteiligt war. Warum hast Du Dich dafür entschieden dieses Mal alleine zu arbeiten?

Zak: Das gehört einfach zu der Entwicklung dazu. Diese ersten beiden Alben habe ich mit Jon Oliva und Chris Caffery geschrieben, weil wir das schon machen wollten, als wir noch bei Savatage waren. Wir hatten uns immer gesagt, dass es cool wäre, gemeinsam an etwas zu arbeiten. Das war eine tolle Zeit. Aber jetzt war es an der Zeit sich weiter zu entwickeln. Wir haben das zweite Album in derselben Besetzung und erreichen langsam eine Stabilität. Deshalb wollten wir weiter gehen und das neue Album selber schreiben. Darum bin ich auch sehr glücklich darüber, dass einige Leute denken dies sei das beste Album, das wir heraus gebracht haben. Jetzt wissen wir, dass wir das Zeug dazu haben und gehen die nächsten Schritte. Ich bin so glücklich darüber diese Leute in der Band zu haben, die dieses Zeug geschrieben haben.

OM: Glaubst Du, dass das auch der Grund ist, warum „Burden Of Truth“ weniger nach Savatage klingt?

Zak: Ja. Sicherlich. Man hat mehr Savatage Einfluss, wenn Jon und Chris an den Arbeiten beteiligt sind. In diesem Album steckt wesentlich mehr von mir. Wenn die Leute meine Stimme hören werden sie zwar immer noch sagen: „Das klingt wie Savatage.“, aber das ist in Ordnung, da mache ich mir nichts draus. Aber du hast Recht. Dieses Album ist das, was von diesem Einfluss weg geht.

OM: Jon hat gesagt, dass Savatage in naher Zukunft ein endgültiges Ende finden werden. Bist Du traurig darüber diese Band zu Grabe zu tragen?

Zak: Wir machen vielleicht noch dieses Reunion-Ding für ein oder zwei Shows. Wir hoffen, dass wir wenigstens noch für einen Gig als alte Freunde wieder zusammen kommen können. Denn das ist es, was wir sind: Alte Freunde! Also würden wir gerne noch einmal zusammen kommen. Sogar als wir die Memorial Show zum zehnten Todestag von Chris Oliva spielten, beugte Jon sich Bass spielend zu mir rüber und sagte: „Das fühlt sich an wie früher!“ Das ist wirklich gut. Er sagte das während des Auftritts und ich wusste, dass er Recht hatte. Und darum geht es wirklich. Natürlich ist es traurig aber hoffentlich werden die Kräfte die es gibt uns noch mal für diese letzte große Party zusammen kommen lassen.

OM: Weißt Du, ob es eine Abschieds-Tour oder einen Abschieds-Gig geben wird, wo die Fans euch ein letztes Mal zusammen sehen können?

Ich hoffe es. Wir haben viel darüber gehört, aber ich treffe diese Entscheidung nicht. Das werden wahrscheinlich Jon Oliva und Paul O’Neil machen. Aber sogar Paul hat in letzter Zeit Schwierigkeiten gehabt mit ihm zu sprechen. Ich hoffe wirklich, dass es etwas wird.

OM: Du arbeitest auch noch am Trans Siberian Orchestra mit. Welche Pläne hast Du mit dieser Band?

Zak: Ich habe an einigen Songs gearbeitet, die sich gerade in der Vorproduktion befinden. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube nicht, dass es ein Weihnachts-Album wird. Das wird dann das zweite nicht Weihnachts-Album von TSO. Sie machen gerade die Vorproduktion in Tampa, im selben Studio in dem wir „Burden Of Truth“ aufgenommen haben. Vielleicht bekomme ich eine E-Mail von Paul wenn ich nach Hause komme, um an weiteren Songs zu arbeiten, über die wir gesprochen haben. Hoffentlich wird es passieren. Wenn nicht, dann war irgendjemand zu beschäftigt, genau wie ich jetzt mit Circle II Circle. Aber es macht immer Spaß daran zu arbeiten. Ich liebe es!

OM: Wie erklärst Du Dir selber den enormen Erfolg dieser Band in Amerika?

Zak: Das ist Wahnsinn!

Ich ging zur Eröffnungsveranstaltung der letztjährigen Weihnachts-Saison in Lakeland, Florida. Das war eine kostenlose Veranstaltung, bei der sie alle Einnahme an die Opfer des Hurrikans gaben, der vor zwei Jahren über Florida gewütet hat. Das war phantastisch. Aber das Verrückteste für mich ist, wenn ich mich umsehe und alle diese verschiedenen Altersgruppen sehe. Ich saß in der Mitte der zweiten Reihe, genau vor der Bühne. Ich konnte Al Petrelli sehen, Paul und die Band und zu meiner Linken, nur um dir ein Beispiel zu geben, saßen meine Frau und ein 16 jähriger, zu meiner Rechten ein 68 Jahre alter Mann. Das ist Erfolg, wenn man viele unterschiedliche Generationen erreichen kann. Natürlich ging das 68 jährige Paar, als sie die Pyroeffekte zündeten, weil sie mit der Hitze nicht klar kamen. Denn wenn du direkt vor der Bühne sitzt kannst du die Hitze auf deinem Gesicht fühlen. Aber es war einfach großartig Backstage rum zu hängen und wieder mit den Jungs zu reden. Sogar das ist wichtig, um wieder etwas auf dem Savatage Level zu machen. Es gibt zwei verschiedene Line-Ups. Jon und Al Petrelli spielten in dem, das ich gesehen habe. Aber auf der anderen Seite hast du Alex Scornick und Chris Caffery in dem anderen Line-Up. Man kann immer nur eins zur Zeit sehen. Wir haben damals das Line-Up für die Westküste gesehen. Das für die Ostküste hat Caffery und Alex Scornick. Es war eigenartig, dass das Westküsten Line-Up die Eröffnung an der Ostküste gemacht hat. Aber sie hatten enormen Erfolg.

OM: OK. Dieses Interview nähert sich seinem Ende. Aber bevor ich mich von Dir verabschiede möchte ich noch das weltberühmte OsnaMetal Assoziations-Spiel mit Dir spielen!

Ich sage Dir ein paar Wörter und Du sagst mir einfach, was Dir gerade dazu einfällt:

Metal: Diese Tour.

Fans: Brilliant.

Deutschland: Schön.

Bier: Sehr gut. Ich warte aber lieber erst das Ende der Tour für eine definitive Aussage ab. 🙂

Savatage: Familie, tolle Erinnerungen, tolle Musik.

Jon Oliva: Mein Metal-Vater, mein Kreativitäts-Vater.

Bücher: Etwas um mich im Bus abzulenken. Ich lese viel.

Familie: Das ist das Wichtigste für mich. Ich habe zwei Töchter. Zoe, 3 und Cathy, 9 und meine Frau sind zu Hause. Sie müssen einige Wochen ohne den Chef auskommen, aber das werden sie schon schaffen.

Band: Die Band ist Familie und Kreativität.

Ruhm: Ruhm ist etwas, das, wenn es wegen etwas kommt das du liebst, großartig ist. Du kannst ihn nicht erzwingen. Du musst machen, was aus deinem Herzen kommt und wenn er kommt, dann ist er nur ein Nebenprodukt deiner Kreativität.

OK. Das war´s.

Gut gemacht.

Danke schön!

Bitte 🙂