Wer sich heutzutage an großartigem Humor amüsieren will, ist stattdessen oftmals auf eher schal wirkende Blödeleien diverser TV-Comedians angewiesen. Allenfalls bleibt noch die Realsatire in Form von „Dr. Sommer“ oder der BILD-Zeitung, wenn man Erheiterndes sucht.

Oder aber wir besuchen ein Konzert. Kein x-beliebiges, sondern eines von denen, wo man auf intellektuell über Kellerniveau sitzenden Humor vertrauen darf. Die Rede ist, jeder der dort Anwesenden wird es erkannt haben, vom Faun – Konzert im Haus der Jugend am Samstag, den 28. März.


Keineswegs darf davon ausgegangen werden, dass die vier Musiker auf der Bühne (Elektroniker Niels hielt sich im Hintergrund, da es ja ein Akustik-Set war) sich hohlem Witz prostituieren oder gar für diesen ihre musikalischen Ansprüche senken. Ganz im Gegenteil bildeten die Ansagen von Sänger (und Spieler der Harfe und diverser anderer Instrumente) Oliver Pade ein Rahmenprogramm, das neben erheiterndem auch allerhand Nachdenkliches bot und vielfach tief in die Geschichten und Hintergründe der einzelnen Musikstücke eintauchte. Insgesamt gelang es Faun, eine ruhige, stimmungsvolle, fast möchte man sagen: romantische Atmosphäre zu schaffen, bei der der programmatische Schwerpunkt immer eindeutig auf der Musik lag.

Bei dieser handelt es sich um eigene Lieder sowie alte Stücke und ältere Gedichtvertonungen aus aller Herren Länder in verschiedenen Sprachen (die die Gruppe, wie sie freimütig eingestand, zum Teil selbst nicht versteht). So kam nach dem Stück „Sao Roma“, einem Volkslied der Roma, der Titel „Herr Heinerich“ an die Reihe, in welchem der Umgang mit Trollweibern gelehrt wird. Hörenswert war ebenso das folgende „Von den Elben“, ursprünglich ein mittelhochdeutsches Gedicht von Heinrich von Morungen aus dem zwölften Jahrhundert.

Das Besondere bei der Darbietung dieser Stücke ist der umfassende Fundus mittelalterlicher Instrumente aus diversen Ländern, die dem durchschnittlichen Musikkonsumenten wohl oftmals nicht nur gänzlich unbekannt sind, sondern die man auch so schnell nicht wieder sehen wird. Neben Laute, Fiedel und Dudelsack, die ebenso wie die Harfe bei einer Mittelalterband nicht unbedingt verwundern, zählt zum Repertoire der Gruppe die griechische Bouzouki, die klarinettenähnliche Chalumeau aus dem Barock, die türkische Saz und diverse andere. Untermalt wird dies durch die Stimme von Sänger Oliver, dem imposanten Doppelgesang der Sängerinnen Fiona und Sandra sowie der eindrucksvollen Percussion-Untermalung des vierten im Bunde, Rüdiger.

Die Vielfalt unterschiedlichster Einflüsse unterscheiden Faun von anderen der typischen „Mittelalterbands“ und begeisterte auch den vollbesetzten Saal im Haus der Jugend. Die meiste Zeit lauschten die Gäste gespannt dem akustischen Spektakel, das die vier virtuosen Musiker ihnen lieferten, und das nur unterbrochen wurde von zwischenzeitlichem Applaus, den eindringlich vorgetragenen Ansagen von Sänger Oliver und dem daraus resultierendem Gelächter.

So geschehen bei der Ankündigung, dass der folgende Song zu Missverständnissen mit der NPD Göttingen geführt habe, da diese sich durch „Der König von Thule“ angesprochen gefühlt hätte. Allerdings handelt es sich dabei um ein vertontes Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, und Faun kommentierten: „Wir wussten gar nicht, dass Goethe schon ein Nazi war.“

Eine weitere humoristische Spontaneinlage rief die Forderung des Publikums nach einer Zugabe hervor: „Könnt Ihr nicht was Lustiges spielen?“ Antwort der Band: „Hö? Ich dachte, ihr seid Grufties?“

Statt dessen klang mit den Stücken „Rosmarin“ und „Der König von Thule“ der Abend ruhig aus, bevor mit dem Stück „Fort“ die Musiker ihr Publikum höflich, aber bestimmt auf das endgültige Ende des Auftrittes hinwiesen.

Dieser macht Appetit auf mehr und bilded so einen perfekten Vorgeschmack auf die beiden nächstliegenden mittelalterlichen Ereignisse in Osnabrück: Die Prima Nocte von OsnaMetal.de mit u.a. Rabenschrey, Ingrimm, Narrenfrey und den Sackratten am 04. April sowie auf die selbstbetitelten „Könige der Spielleute“, ‚Corvus Corax, die am 11. April in der Hasestadt gastieren.

Setlist Faun

  • 01Satyros
  • 02 Ne Aludj El
  • 03 Sao Roma
  • 04 Herr Heinerich
  • 05 Von den Elben
  • 06 Karuna
  • 07 Sigurdlied
  • 08 Der Wilde Wassermann
  • 09 Da que deus
  • 10 Urschrei
  • 11 Erkenekon
  • 12 Brücke über den Main
  • 13 Tinta
  • 14 Cuncti Simus
  • 15 Avrix
  • 16 Rosmarin
  • 17 Der König von Thule
  • 18 Fort

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