Das Party.San Metal Open Air öffnet seine Pforten seit 1996 in Thüringen für ein Wochenende im August. Musikalisch liegt die Ausrichtung bei Thrash-, Death- und Black Metal sowie Grindcore. Bis 2010 wurde das Festival am Segelflugplatz Bad Berka veranstaltet. Der schwierige Untergrund zwang allerdings die Veranstalter dazu, das Metal-Festival ab 2011 auf dem Flugplatz Obermehler-Schlotheim stattfinden zu lassen, welcher sich zwischen Sonders- und Mühlhausen befindet.

Die Zahl der Festivalbesucher stieg stetig an, sodass in den letzten Jahren bis zu 15.000 begeisterte Metal-Fans anwesend waren. Leider ist das Festival schon oft von extremen Wetterereignissen betroffen gewesen, sei es Starkregen und Sturm in den Jahren 2002, 2004, 2007 und 2010 oder der diesjährigen zweistündigen Unterbrechung wegen eines Sandsturms am Donnerstag.

Etwas ganz Besonderes ist die Positionierung des Festivals gegen politischen Extremismus. Auf der Homepage des Veranstalters wird auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bei Tragen von Symbolik von NSBM- oder NS-Bands sowie das Abspielen dieser Musik am Gelände dies sofort zum Ausschluss führt. So ist es auch eine logische Schlussfolgerung, dass sich die Festivalveranstalter 2005 der Initiative „Metalheads Against Racism“ anschlossen.

Das Flakgeschütz „Esmeralda“ eröffnet das Party.San Festival

Festivalbericht Party.San Open Air 2018 – Mehr Extreme Metal geht nicht!

Festivalbericht Party.San Open Air 2018 – Mehr Extreme Metal geht nicht!

Eines ist sicher, wenn Flakgeschütze schießen und zum Appell rufen, dann ist es wieder so weit, eines der größten Extreme Metal-Festivals startet: Das Party.San Open Air, was 2018 zum 24. Mal stattfand. Was dieses Festival so einzigartig macht, liegt klar auf der Hand: Entspannte Festivalbesucher, faire Preise sowie um die 50 Bands, die ordentlich für Lärm und Stimmung sorgen. Für jene, die noch nie auf diesem Metal-Festival waren muss erwähnt werden, dass es insgesamt zwei Bühnen gibt, und zwar eine Haupt- sowie eine Zeltbühne. Auf Letzterer sind ab spätem Nachmittag einige Undergroundbands zu hören, bei denen es sich wirklich lohnt, dabei zu sein.

Das eigentliche Festival fand zwischen 9. Und 11. August 2018 statt, wobei viele der Festival-Besucher bereits am Mittwoch dem 07.08.2018 anreisten. Ab Mittwochabend bis Sonntagmorgen war auch kulinarisch alles geboten was das Metal-Herz begehrt und das alles zu vernünftigen Preisen.

So genug Vorgeplänkel, jetzt geht’s um die Bands.

Donnerstag – Trotz kurzer Unterbrechung bangen, bis der Arzt kommt

Der erste Festivaltag wurde pünktlich mit zwei Schüssen aus dem Geschoss „Esmeralda“ eröffnet. Als erste Band standen die Österreicher Our Survival Depends On Us auf der Hauptbühne. Ihre Melodien entführten gedanklich in die Alpen und wurden durch Fuchskopf, Geweih und Ästen unterstützt. Leider kam es zu einigen Soundproblemen, die jedoch schnell wieder behoben wurden. Der letzte Song Angel Ranger wurde von lautem Mitgegröle der Festivalbesucher begleitet, bevor der erste Gig für den heutigen Tag zu Ende ging.

Als zweite Band betraten Gruesome aus den USA die Bühne. Ihre Musik holte auch die Death-Metaller und die Grinder vor die Hauptstage. Der dreckige Death Metal Tribut an die Band Death mit ihrem Mastermind Chuck Schuldiner, war mehr als nur ehrenvoll. Die Stimme von Matt Harvey kommt dem Original so nahe, dass es einem eine Gänsehaut der Extraklasse bereitete. Die Setlist enthielt unter anderem den Song „A Waste Of Life“ aus dem Album Twisted Prayers, welches 2018 erschienen ist. Auch das mit Vorfreude erwartete Death-Cover „Pull The Plug“ war natürlich mit von der Partie und erfreute die Festivalbesucher besonders.

Grim van Doom, eine Metal-Band aus Wuppertal, eröffneten an diesem Tag die Zeltbühne. Das Partyzelt begann unter dem hardcorelastigen Gesang und dem schnellen Gitarrensound zu beben.

Party.San 2018 - Sandsturm

Party.San 2018 – Sandsturm

Auf der Hauptbühne fanden sich als Nächstes die Griechen von Dead Congregation ein. Der bösartige Death Metal der Band beschwörte leider einen Sandsturm herauf, der die Veranstalter dazu gezwungen hatte, das Festivalgelände für etwa zwei Stunden aus Sicherheitsgründen zu schließen. Zuvor jedoch zelebrierten die Griechen ihre Musik in Perfektion. Besonders der Drummer Vagelis Voyiantzis beherrscht sein Handwerk wie kaum ein anderer in der Metal-Szene. Auch die diabolisch klingenden Gitarren sowie die durch Mark und Bein gehende Stimme des Frontmanns Anastasis Valtsanis beim vorzeitigem letzten Song Only Ashes Remain, machten dieses Konzert unvergesslich.

Nach der etwa zweistündigen Unterbrechung wurde wieder durch einen Signalschuss von „Esmeralda“ zur Bühne gebeten. Weiter ging es dort mit der englischen Band Anaal Nathrakh, die mit einer irren Mischung aus Grindcore, Black Metal und Industrial Samples für einen ordentlichen Circle-Pit und mächtige Nackenschmerzen bei den Headbangern sorgten.

Derweil tobten auch im Zelt Gutrectomy aus Deutschland und die Festivalbesucher zeigten sich ziemlich unbeeindruckt vom Wetter und erzeugten selbst einen stürmischen Mosh-Pit, der den zuvor aufkommenden Sandsturm ziemlich lächerlich erscheinen ließ.

Weiter ging es im Partyzelt mit der Band Endseeker die als Zeltheadliner einen Garant für guten Death Metal darstellten. Die Setlist startete mit“ Into The Fire“, gefolgt von dem Song „Flesh Hammer Prophecy“ aus ihrem aktuellsten Album, dessen Riffs tief unter die Haut gingen. Mit jederMenge Power und Grimassen hatte der charismatische Sänger Lenny die Festivalbesucher voll im Griff. Der Auftritt verging wie im Flug und endete mit „Possessed By The Flame“.

Emperor, die heutigen Headliner auf der Hauptbühne, gaben hier das einzige Deutschlandkonzert in diesem Jahr und nicht nur das machte es zu einem ganz besonderen Erlebnis. Obwohl sie im Vergleich zu den anderen Metal-Bands eher nicht so nach Bosheit aussahen, machten allein die atmosphärische Stimmung sowie die Dunkelheit ihren Auftritt unvergesslich. Die Setlist beinhaltete unter anderem „The Loss And Curse Of Reverences“ und „Ensorcelled By Khaos“. Das Einzige was die Band etwas weniger imposant wirken ließ als erwartet, war, dass der Sound teilweise schlecht abgemischt wurde, was allerdings definitiv nicht an den Tontechnikern, sondern am Wetter lag. Nichtsdestotrotz war die Menge fleißig dabei mitzumachen und genoss den Auftritt in vollen Zügen.

Party.San 2018 Video vom Goreminister bei YOUTUBE ansehen:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=hkKEUYeY5t8

Freitag – Ein Highlight jagte das nächste

Party.San Open Air 2018 - Obermehler

Party.San Open Air 2018 – Obermehler

Der Freitag begann standesgemäß mit einem zum Leben erweckenden Auftritt der Band Guineapig, die tatsächlich ein wenig so klangen, wie der Bandname es verrät. Pünktlich um 12 Uhr weckten sie die müden Lebensgeister und fanden großen Anklang bei den Besuchern, die bereits jede Menge Spaß beim Circle-Pit zeigten.

Das Black Metal nicht immer satanisch sein muss, bewies The Committee eindrucksvoll. Das Bühnenbild war geprägt von Uniformen und schwarzen Masken gemäß ihres Albums Power Through Unity. Mit den eingängigen Riffs, einem stimmigen Schlagzeug, großartigen Songs und einer grimmigen Stimme, schaffte die Band, die als Herkunft lediglich International angibt, alle Festivalbesucher mitzureißen und sogar Jungs der Security tauten auf.

Die Franzosen von Benighted waren top an ihren Instrumenten und überzeugten mit Lärm und Geballer das Publikum. Der aufkommende Mosh-Pit wollte gar nicht mehr enden, was verständlich war bei Songs wie „Asylum Cave“ oder dem Sepultura Cover „Biotech Is Godzilla“.

Danach lieferten die US-Amerikaner von Pillorian eine überzeugende Show mit atmosphärischen Black Metal ab. Der erfahrene Frontmann John Haughm wusste genau, wie er das Publikum zu nehmen hatte und nach einem kurzen Boxenausfall, der schnell wieder behoben wurde, war der grandiose Sound wieder voll da.

Der nachfolgende Auftritt der japanischen Band Coffins ließ diese, trotz erneuter technischer Probleme, nicht aus dem Konzept bringen und spielte ihren Death Doom erbarmungslos weiter, obwohl teilweise die Gitarre gar nicht mehr zu hören war. Die sympathische Truppe fand mit diesem Konzert auf jeden Fall viele neue Freunde und würdigte es mit viel Fannähe.

Das nächste Highlight bahnte sich mit der Band Ram an, die die Massen absolut begeisterte. Das schwedische Quartett rund um den Sänger Oscar Calquist zerlegte die Bühne und bot mit ihrer Setlist einen repräsentativen Querschnitt ihrer bislang veröffentlichten Alben. Auch wenn die Band an sich nicht jedem gefiel, so rockten sie live mehr als amtlich.

Im Zelt spielten in der Zwischenzeit Goath, die statt gut gelauntem und mitreißendem Heavy Metal Gehässigkeit verbreiteten. Die deutsche Band bestach mit rasenden bzw. schnellen Riffs und Fans von Belphegor hatten ihre wahre Freude an diesem Auftritt. Obwohl der Sound teilweise etwas verwaschen klang, genossen die Fans das Konzert in vollen Zügen.

Als Nächstes traten auf der Hauptbühne The Black Dhalia Murder mit melodischen Death Metal auf. Die Spielfreude und die Energie der Jungs aus Detroit brachte die Matten der Festivalbesucher ordentlich zum wehen. Zum wiederholten Male bewies die Band, wie gut sie miteinander harmonieren und hinterließen nichts außer kochendem Asphalt vor der Hauptbühne.

Ein wahrliches Highlight an diesem Tag war der Auftritt der Thüringer Deserted Fear, der zahlreiche Metalheads anlockte. Ein absolut souveräner Auftritt mit jeder Menge Pyro, die mehr oder weniger geplant abgefackelt bzw. abgeschossen wurde. Trotz der etwas zu Beginn aufgeregten Bandmitglieder hatte sowohl die Band als auch das Publikum jede Menge Spaß am Auftritt und lauschten bis zum letzten Song Head bangend vor der Bühne.

Exhorder zeigten eindrucksvoll, wie trotz fehlender Neuveröffentlichungen das gesamte Infield zum Beben gebracht werden konnte. The Spirit aus Deutschland, die bisher eher als Geheimtipp gehandelt wurden, legten einen Auftritt hin der seinesgleichen suchte. Das Konzert ließ sich mit jeder Menge Gänsehaut, grandiosester Musik, Headbangen und eine unglaubliche Atmosphäre zusammenfassen.

Die zuverlässigen Schweden von Unleashed lieferten eine überzeugende Performance ab, wo keiner mehr stillstehen konnte. Egal ob „Death Metal Victory“ oder „Black Horizon“ ein Mosh-Pit jagte den anderen und davon zeigten sich auch die Wikinger rund um den Sänger Johnny Hedlund gerührt.

Der Headliner des Tages Venom begann mit dem brachialen und simplen „Black Metal“ und spielte erbarmungslos seine Setlist mit Klassikern und neueren Werken ab. Alles in Allem war der Auftritt der Engländer sehr gut, und auch wenn die Ausleuchtung an diesem Abend vielleicht nicht immer ideal war, so überzeugten sie soundtechnisch umso mehr.

Party.San 2018 Video von Totgehoert bei YOUTUBE ansehen:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=_x3hRYk1P_s

Samstag – Last, but noch least

Party.San Open Air 2018

Party.San Open Air 2018

Punkt 11 Uhr rockten Gorilla Monsoon aus Deutschland das Partyzelt und rollten schwermütig durch ein grenzgeniales Set, was von den Fans gebührend honoriert wurde. Um 12 Uhr war es Zeit für Grindcore aller erster Güte. Razorrape sorgten mit ihrer Performance für jede Menge Spaß und einem kunterbunten Treiben vor der Bühne mit jeder Menge Pits.

Die Spanier von Graveyard luden zu einem heftigen Kopfnicken ein und die Festivalbesucher vor der Bühne genossen den Auftritt und entließen die Band frenetisch nach diesem überzeugenden Gig. Die Finnen von Wolfheart ließen auch die letzten Kritiker mit ihrem eingängigen melodischen Death Metal verstummen.

Theatralisch schön spielte die österreichische Band Harakiri For The Sky und schaffte mit dem gefühlvollen Geschrei von Jimbo Jones eine angenehme Dosis Entspannungsmusik, die zum Träumen einlud. Der eher schüchtern wirkende Frontmann sorgte nicht nur in den ersten Reihen für einen Gänsehautmoment nach dem anderen.

Carpathian Forest aus Norwegen zeigte eine Stilwandlung von Black Metal in Black’n’Roll mit Songs wie „Rock’n’Roll Gloryhole“, einem The Cure Cover und dem Hit „All My Friends Are Dead“ von Turbonegro. Die Performance war zwar anders als gedacht bzw. gewohnt aber dennoch sehr gut.

Das italienische Trio von Hierophant zwang einem mit langsameren Parts und sattem Bass geradezu mit der Musik mitzugehen. Mit diesem Auftritt hatten sie sich auf jeden Fall für höhere Weihen empfohlen.

Sadistic Intent zählen im Underground zu einer der Kultbands und bewiesen auch auf dem Party.San Open Air, woher dieser Ruf kam. Voller Energie und aktiv wurde das gesamte Publikum von den US-Amerikanern in den Bann gezogen.

Tribulation zeigten wie schöne Melodien in hartes Gewand gekleidet werden konnte. Die Schweden die wie Vampire geschminkt waren, spielten unter anderem „Strange Gateways Beckon“ und „Melancholia“. Im Partyzelt spielte währenddessen die Band Essenz eine Mischung aus Doom und Black Metal. Die boshaft tiefe Stimme des Frontmanns erzeugte eine Kälte, wie es sie auf diesem Festival bisher noch nicht gegeben hatte.

Umringt von Kerzen schreiteten die Belgier von Possession auf die Zeltbühne und starteten eine Zeremonie, die der Teufel persönlich herbeigerufen haben konnte. Fiese Black-Thrash Gesänge, schnelle Gitarrenriffs und ein knüppelndes Schlagzeug sorgten für eines der Highlights des diesjährigen Party.San Metal Open Airs.

Das Festival neigte sich schon langsam dem Ende zu, doch zuvor steckten die Schweden von Watain noch einmal die Bühne in Brand. Das Flammen schlagende Bühnenbild, gepaart mit rotem Licht und perfektem Sound, machte den Auftritt legendär. Eine großartige Setlist mit neuen und alten Songs zogen die Festivalbesucher in ihren Bann. Es blieb nicht mehr viel zu sagen, als dass Watain einen absolut würdigen Festivalabschluss darbot.

Das Party.San ist mittlerweile zu einer festen Größe in der Death- und Black Metal-Szene geworden. Es überzeugt mit einer super Organisation und einer stressresistenten sowie gut gelaunten Crew, die auch auf Katastrophen wie den Sandsturm gut vorbereitet ist. Die Bandauswahl war wie jedes Jahr brillant und es bleibt nur noch zu sagen, wer sich keine Tickets für 2019 besorgt, ist selber Schuld.

Vorschau auf das Party.San Metal Open Air 2019 – Nach dem Festival ist vor dem Festival

Wie bereits in den Vorjahren findet auch das Metal-Festival 2019 zwischen dem 08. Und 10. August 2019 am Flugplatz Obermehler in Schlotheim statt. Der Vorverkauf der Tickets ist im Oktober geplant. Die Kosten hierfür stehen bis jetzt noch nicht fest, doch 2018 kostete ein 3-Tages-Ticket 89,10 Euro, was in Hinblick auf das was geboten wird, ein unschlagbarer Preis ist. Mit inbegriffen ist in dem Preis auch das Camping. Zudem gibt es auch die Möglichkeit im Vorhinein eine Campingfläche für über 30 Personen zu reservieren. Gegen eine geringe Gebühr dürfen die Autos auch auf dem Campinggelände neben dem Zelt abgestellt werden.

Einige Bands wurden bereits für das Metal-Festival 2019 bestätigt: Craft, Gutalax, Ascension, Vomitory, Belphegor, Testament, Solstice sowie Firtan. Das Party.San ist eines des besten Festivals dieses Genres und gehört auf jeden Festivalplatz eines Death-, Black- und Thrash-Metal Fans.

—————————————

Autor: Pratolina


Wie hat Dir der Artikel auf metaller.de gefallen?

Festivalbericht Party.San Open Air 2018 – Mehr Extreme Metal geht nicht!: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne5,00von 5 Punkten, basieren auf 1abgegebenen Stimmen.
Loading...