Das Summer Breeze 2011 ist Geschichte und gerade deswegen gibt es ein paar Geschichten zu erzählen, die von Hitze und Donner, von Metal und Bier und allerhand Verrücktem berichten. Hier ist unser Eindruck:


Ab dem 18. August war es wieder soweit, das Summer Breeze öffnete seine Tore und es fluteten unzählige Headbanger bereits am ersten Tag auf das Gelände bei Dinkelsbühl.

Nach einem eher durchwachsenen Sommer sah aber gerade in diesen Tagen Petrus mit einem wohlwollenden Auge auf die Schar von Lang- und Kurzhaarigen und schenkte Sonne satt. Manchem mag das vielleicht sogar zuviel des Guten gewesen sein, aber dafür gab es dann morgens auch mal ein Donnerwetter, das sehr zur Abkühlung beitrug.

Wie immer war das Festival prächtig organisiert und so blieben nicht viele Wünsche offen. Lediglich ein Wehrmutstropfen ist zu verzeichnen, da in den ersten Tagen die Toilettensituation eine Katastrophe war. Zu wenig Dixies für zu viele Leute, zuviel was raus musste und einfach nicht mehr in die überlaufenden Blaueinheiten rein wollte. Allerdings entspannte sich die Situation doch zum Festival hin.

Was aber am wichtigsten war, das sind die Bands und hier konnte das SB einige namhafte Acts verpflichten.

Donnerstag, 18.08.2011

Nicht ganz so bekannt, aber dennoch sehenswert waren Ranz Boellner And The Heavy Metal Warriors, die meinen Festivalauftakt darstellten. Ganz im Retro-Stil der 80er präsentierten die Jungs echten True Metal mit einem riesigen Augenzwinkern. Gekleidet in engen Spandecks, lange Perücken und falsche Bärte sorgten sie für eine Menge gute Laune und viele Lacher auf der Camel-Stage.

Gefolgt wurden diese von der Ac/dc Coverband Ac/dx, die eine nahezu perfekte Illusion der Männer um die Youngs vorgaukelten. Groovig, präzise und verdammt nah am Original konnte man nicht anders als vor der Bühne abrocken und lauthals „Thunderstruck“ und „TNT“ mitjodeln. Schöne Sache!

Eine bis dato mir unbekannte Band erregte beim zufälligen vorbeischlendern an der Pain Stage meine Aufmerksamkeit: Comeback Kid, eine Hardcore Band aus Kanada, die ordentlich was auf der Bühne abriss. Starke Darbietung, die sich mit guten Songs vermischte machte deren Auftritt für mich zu einem Geheimtipp, selbst wenn die Combo schon lange kein Geheimnis mehr ist.

Wer natürlich immer auf meinem Speiseplan steht, das sind Arch Enemy. Diese spielten eine solide Show und präsentierten viel Neues von ihrem aktuellen Album. Geplagt durch einen entzündeten Zahn, ließ sich Angela Gossow jedoch nichts anmerken und überzeugte. Bedauerlich war nur, dass sie jedoch zu leise abgemischt war und ihr Organ nicht so zur Geltung kam, wie man sich das gewünscht hätte. Und dennoch, Arch Enemy stehen bei mir leider immer im Ruf Live nie so stark zu sein, wie auf ihren Alben.

Freitag, 19.08.2011

Klug ausgedacht war der Veröffentlichungstermin des neuen J.b.o. Albums „Killeralbum“, den man auf den Tag des Bandauftritts auf dem Summer Breeze legte. Garniert wurde die Menge mit kleinen rosa Fähnchen, die jeder beim Gagfeuerwerk der Franken schwenken sollte und wollte. Ein Fan ließe es sich sogar nicht nehmen seine Freude über diesen Zustand auf die Art und Weise auszudrücken, dass er nackt über den Platz lief, mit nicht mehr als einem Fähnchen bekleidet, das er dort „verankerte“, wo die Sonne niemals scheint. Der Auftritt der Band war wie gewohnt ein Heidenspaß und ließ an gern gehörten Songs keine Wünsche offen. Doch auch Ansagen wie „..lieber Bier und Metal als Wine und House, das kann nämlich tödlich enden“ sorgten für schallendes Gelächter.

Über Turisas und deren Art der Metalinterpretation kann man vortrefflich streiten. Entweder liebt man es oder man hasst es. Zu letzterer Fraktion gehöre nun auch ich, was mich dennoch nicht davon abhielt, mir die Band einmal anzusehen. Was ich zu sehen bekam, war nett, aber auch nicht mehr. Keine besondere Bühnenpräsenz der Band war zu verzeichnen, man machte seine Sache aber auch nicht schlecht. Dennoch, den Fans schien es zu gefallen und darauf kommt es ja schließlich an.

Eine Rammstein Cover-Band namens Weissglut hatte sich ebenfalls auf das SB verirrt und durfte sich beweisen. Sowohl im Spielerischen als auch im Druck der Musik können sich Weissglut durchaus rühmen ihren Vorbildern nahe zu kommen. Songs wie „Asche zu Asche“ oder „Du riechst so gut“ haben wunderbar funktioniert und das Publikum sehr gut unterhalten. Lediglich die Kostümierung könnte noch leicht optimiert werden und der Sänger war für meinen Geschmack etwas zu „hölzern“ auf der Bühne, selbst wenn er stimmlich überzeugt hat.

Eine Band, die stets professionell und über jeden Zweifel erhaben ist, sind Bolt Thrower. Mit einem Mix aus altem und „neuem“ Songmaterial tischten sie dem SB ein buntes Potpourri ihrer Klassiker auf. Dargeboten in einer authentischen und unterhaltsamen Show war es auch kein Wunder, dass der Platz vor der Main Stage brechend voll war. Mitgrölhymnen wie „No Guts, No Glory“ oder „For Victory“ wurden ebenso frenetisch gefeiert wie das beinahe epische „When Cannons Fade“. Alles in allem ein sehr gelungener Auftritt einer Ausnahmeband.

Als alter Fan der Band Amorphis war der Freitagabendtermin vor der Painstage quasi Pflicht für mich. Dennoch ging man mit gemischtem Gefühl dorthin, weil der Sound eventuell qualitativ nicht so gut sein konnte und weil Amorphis in den letzten Jahren nicht das glücklichste Händchen für ihre Setlist hatten. An diesem Abend wurden jedoch beide Zweifel schnell ausgeräumt, da der Sound ansprechend war und die Band tief in die Klamottenkiste der Alben griff. Die Show war so, wie man sich das von Amorphis wünscht: Atmosphärisch und blau. Und gerade dieser Atmosphäre, die durch die Musik und eine eindrucksvolle Lichtshow entstanden war, konnte sich erst durch die Dunkelheit des Abends entfalten.

Leider gibt es auf Festivals immer Überschneidungen und so kann man nicht alles Bands. Immer voll genießen. Deswegen kam ich spät aber gerade noch rechtzeitig zu Neaera, die gerade ein riesiges Circle-Pit im Zirkuszelt der Party-Stage bei der Menge in Auftrag gaben. Auch die folgenden Songs wie „Spearheading the Spawn“ waren Garant für eine Bombenstimmung und so wurden Neaera kräftig vom Publikum gefeiert.

Mit einem leichten Anflug von Hochmut machte ich mich auf, meine „Helden“ aus längst vergangenen Zeiten zu sehen, die ich irgendwann zu Belächeln angefangen hatte. Die Rede ist von Hammerfall, die für mich irgendwann in den 90ern cool waren, deren Musik aber doch recht schnell schal wurde. An diesem Abend ließ ich mich jedoch eines Besseren belehren und stellte fest, dass aus der Band, die ich 1998 in Probstried, einem Ort in der Einöde an der Grenze zu Österreich, doch eine stattliche Live-Band gewachsen war, die durchaus Spaß machte. Auch wenn sie viel neues Material spielten und das Publikum gerne mehr von Glory to The Brave gehört hätte, so kam deren Auftritt doch hervorragend an und auch ich bin nun einer Erfahrung reicher.

Ein permanenter Sympathieträger sind auch Kataklysm, die spät, aber nicht zu spät am Freitag spielten. Da die Band 20jahriges Jubiläum dieses Jahr feiert, gab es auch einen Querschnitt der gesamten Schaffensperiode, was gerade für Fans der ersten Stunde ein Leckerbissen war. Bühnenpräsenz, Sound und Sympathiewert sind bei dieser Band stets hervorragend und so macht deren Auftritt stets Spaß.

Einige Jahre lang hatte ich mich immer wieder geärgert die Stuttgarter niemals live gesehen zu haben. Umso erfreuter war ich, als ich im Vorfeld auf dem Festivall Billing die Farmer Boys entdeckt hatte. Auch bei derber Hitze ließ ich mir dieses Spektakel nicht entgehen und wurde nicht enttäuscht. Schöne Songauswahl und sehr viel gute Laune bleiben das große Fazit der Show. Letztendlich bleibt nur zu hoffen, dass die Jungens wieder ein neues Studioalbum runterreißen und man sie in Zukunft öfter sieht.

Selbiges Glücksgefühl hatte ich, als ich auf dem Billing God Dethroned entdeckte, die leider ihre letzte Show in Deutschland spielen würden. Da ich sie vor zwei Jahren schon verpasst hatte, ließ ich mir die Gelegenheit sie diesmal zu sehen auf keinen Fall entgehen. Die Band feuerte einen Salvensong nach dem anderen ab und ließ die Menge kaum zum Durchatmen kommen. Lediglich später bastelte man ein paar Midtempotracks in die Setlist ein, sodaß etwas Raum blieb, um zu verschnaufen. Die Songauswahl war gut, jedoch hätte ich mir persönlich ein paar neuere Sachen wie „2014“ oder „Loyal to the Crown of God Dethroned“ gewünscht. Dennoch bleibt es ein durchaus würdiger Abschied einer großartigen Band.

Alles in Allem muß wieder einmal gesagt werden, dass das Summer Breeze ein hervorragendes Festival ist, das weder zu groß noch zu klein, das facettenreich in der Musik ist und doch nicht unschön die Grenzen einer bestimmten Musikkultur überschreitet, wie andere Festivals das heute tun. Jederzeit wieder!

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