Das ursprünglich mal als Irish Folk in Erlangen gegründete Projekt hat nun schon über 20 Jahre Bandgeschichte hinter sich gebracht, die eine Entwicklung mit sich bringt, die stets kontroverse Züge hatte. Fragen wie: Machen die überhaupt noch Folk? Ist das nicht schon Punk oder Ska? Wo sind die traditionellen Texte hin und warum gibt es jetzt so viel E-Gitarrensound? Zugegeben, diese Fragen sind alt, ca sieben Jahre. Aber eines steht fest: “Winners And Boozers” geht konsequent den Weg der Entfremdung von den Wurzeln weiter. Ska, Punk, Reggae, größtenteils schön schnell und schön laut mit ein bisschen Folkinstrumenten zur Rechtfertigung im Hintergrund – wie gut, dass es mit Speedfolkpunk ein eigenes Genre dafür gibt. Dazu kommen noch einige Westernthemen und die Kuschelrocknummern, sogar Sprechgesang ist dabei. “The More The Merrier”, Song 7 auf diesem Album, bringt das Motto des Albums damit ja schon ziemlich gut auf den Punkt.

Es mag daran liegen, dass ich die Jungs zu oft auf Festivals oder Konzerten gesehen habe, aber es kommt keine Stimmung für mich auf. Sicher, es sind die typischen Tracks dabei, die live Laune machen könnten, “A Night In Dublin” oder “Old Dun Cow” zum Beispiel, aber keiner ist wirklich der Killer aus der Liga von “Mary Mack”, “P Stands For Paddy” oder “Bugger Off”, und da liegt das Problem. Die 16 Songs von “Winners And Boozers” tröpfeln vorbei, hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. Aber die Ahnung bleibt im Hinterkopf, es handelt sich um Fiddler’s Green, auch wenn man nicht mehr den Titel im Kopf hat. Sämtliche Charakteristika sind vorhanden, aber nie sticht ein Song aus der Masse, es wirkt viel mehr wie eine Compilation aus Unreleased Tracks. Songs, die einfach nicht auf eines der vorherigen Topalben passten und unter den Tisch fielen.

Ich kann noch nicht einmal genau den Finger auf die Wunde legen: der Gesang von Pat und Albi ist fast wie immer, war aber schon mal besser. Die Musik ist fast wie immer, war aber schon mal schneller, zwingender, verspielter etc. Die Lyrics sind mittlerweile, wie bereits oben erwähnt, Eigenkreationen, waren aber auch schon mal eingängiger. Die Produktion ist gut, keine Beschwerden an dieser Stelle. Man hört einfach zu und fragt sich, wann die Jungs endlich die Handbremse lösen, aber es kommt einfach nichts.

Ich habe verschiedene Reviews anderer Magazine gelesen und frage mich, ob ich die gleiche Promo bekommen habe. Dort rutscht “Winners And Boozers” knapp an der Höchstpunktzahl vorbei und wird über den Klee gelobt. Das kann ich nicht nachvollziehen. “Winners And Boozers” klingt stark nach beginnendem Burn-Out, und es ist bedenklich, wie eintönig eine Veröffentlichung von so einem sonst so unterhaltsamen Live-Act wirklich sein kann.

Trackliste:

  • 01. A Night In Dublin
  • 02. A Bottle A Day
  • 03. No Lullaby
  • 04. Old Dun Cow
  • 05. We Don’t Care
  • 06. Raise Your Arms
  • 07. The More The Merrier
  • 08. Buccaneer
  • 09. Never Hide
  • 10. Song For The Living
  • 11. No More Pawn
  • 12. Maria
  • 13. Blacksmith Reel
  • 14. Don’t Look Back
  • 15. Old Polina
  • 16. Into The Sunset Again

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