Wertung: 9 von 10

Die Mutter Thors zeigt sich avantgardistisch und wagnerianisch veranlagt. Daraus entsteht ein wahrhaft beklemmendes Album.


Die letzten Stunden der Menschheit – ein ausgeschlachtetes Thema. Und auch der Titel „Genesis 2.0“ des ersten Tracks, der als Intro fungiert, mag nicht gerade einfallsreich sein. Dafür ist es die Musik umso mehr. Und schon bald erkennt man hinter den folgenden Titeln die Intention.

In nicht mal drei Minuten schaffen es Fjoergyn mit „Genesis 2.0“ das komplette erste Buch Mose zu vertonen. Ein Gewimmel an Instrumenten wie beim Stimmen im Orchestergraben und klare Chorstimmen erzählen die Schöpfungsgeschichte, lassen die Sintflut, Sodom und Gomorra und auch den Turmbau zu Babel nicht aus. Wie wichtig Stimme, Sprache ist vertont hier jedes einzelne Instrument.

Während „Betonlethargie“ dann zeigt, dass auch Metal auf „Monument Ende“ vertreten wird, schafft es „Leiermann“ die Komponenten Metal und Klassik miteinander zu verbinden. Die Gastsängerin Katrin Lindner verleiht dem Song einen Hauch Wagnerismus. Und neben dem Metal bleiben die Wangnerklänge auch im „Monolog des Antichristen“.

Einen Track weiter wettert dann der Gott des Todes aus der griechischen Mythologie mit bombastischen Klangwänden, die so hoch und gewaltig sind, dass selbst „Thanatos“ kein Ausdruck für diese ehrliche Hyperbel ist.

Der „Antimensch“ erinnert stark an Holsts „Planeten“ Mars und Neptun. Schnell geht es aber auch ab zum Black Metal, dessen Dramatik durch einen Chor unterstützt wird. Die Cleanstimme zerstört leider die Düsteratmosphäre.

Mit „S.I.N.“ gibt es dann eine Rückbesinnung auf den assyrischen und auch babylonischen Mondgott. Der Eindruck, dass es sich tatsächlich um eben diesen handelt, und nicht gar um die Sünde, wird verstärkt durch mutmaßliche, hörbar gemachte Planetengeräusche, die den Übergang zu „Kyrie Eleison“ bilden. Auch hier lässt sich ein Anklang der christlichen Religion nicht bestreiten. Getreu des Titels wird hier gefleht, Hoffnungslosigkeit hält Einzug. Die Planeten kreisen weiter, der Song klingt leise aus.

In über zwölf Minuten ist der Titeltrack dann einfach nur noch Metal. Hier gilt es, die Weiten einer Gitarrenlandschaft in sich aufzunehmen. Die letzten Hoffnungen gehen in den Symphonic Metal ein, ein letztes Aufbäumen vor dem unüberwindbaren Ende. Dieses trifft mit der passenden Bezeichnung „-„ dann auch ein: Die Menschen sind weg. Klavierklänge und Geige zeigen die unendlichen Tiefen des Universums auf. Eine neue Landschaft erblüht. Trotz des Verschwinden der Menschen singt ein Chor – ein Hoffnungsschimmer?

Wer dieses Album hört, der braucht Zeit und Intelligenz. Dieses Album gibt Denkanstöße und Anregungen zum eigenen Forschen. Die Wagnermomente sind neben der Erinnerung an den Komponisten Holst ein Höhepunkt auf „Monument Ende“. Der Cleangesang nimmt den Songs zwar letztendlich das Böse, die Zerstörung, Beklemmung allerdings bleibt.

Tracklist

  • 01. Genesis 2.0
  • 02. Betonlethargie
  • 03. Leiermann
  • 04. Monolog des Antichristen
  • 05. Thanatos
  • 06. Antimensch
  • 07. S.I.N.
  • 08. Kyrie Eleison
  • 09. Monument Ende
  • 10. –

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