Das Cerebellum in Korova (mehrheitlich überhörter „Avant-garde“ Metal-Kult der 90er) und Korovakill, Chrystof Niederwieser, kehrte nach zehn Jahren Veröffentlichungsabstinenz im vergangenen September mit dem Album „PhantasmaChronica“ als Chryst zurück und soeben mit ein paar Antworten auf Fragen.


OM: Ein herzliches „Servus“ in die Stadt der Musik. Chrystof, eine geschlagene Dekade ohne musikalisches Lebenszeichen deinerseits war verstrichen, als sich im letzten Jahr endlich die frohe Kunde der Rückkehr Korovakills verbreitete, modifiziert zu Chryst. Mit dem Magazin Avantgarde-Metal.com schenktest du Freunden des Experimetal derweilen eine eigene Internetpräsenz, mit „PhantasmaChronica“ nun eine ganze Welt. Gab es tatsächlich eine Periode in der deine Instrumente von Malträtierung komplett verschont blieben sowie dein Geist von lyrischer und klanglicher Inspiration?

CN: Gott zum Gruße, Ingo! Ja, solche Phasen der Ruhe vor der Musik sind wichtig. Es gibt schließlich auch noch andere schöne Dinge auf Erden, die Zeit brauchen. Aber natürlich war ich selbst in dieser Dekade nicht ganz untätig, sondern habe eine Reihe von musikalischen Sträußen vorbereitet. Doch dazu werden wir später noch kommen…

OM: Der Name Chryst ist so einfach wie erstaunlich und bietet genügend künstlerischen Spielraum, stiftet möglicherweise Verwirrung und Stutzigkeit bei Ersthörern. „PhantasmaChronica“ wurde kurz vor Erscheinen noch unter dem Namen Korovakill angekündigt. War der Namenswechsel eine kurzfristige Entscheidung oder einfach nur Teil einer bedachten Umgewöhnungszeit für die Anhängerschaft?

CN: Der Name stand schon lange fest, aber der Transformationsprozess musste nachvollziehbar bleiben. Leider braucht man ja einen Namen, auch wenn dieser nur Schall und Rausch ist. Und jeder Rausch verirrt die Sinne.

OM: Hast du, abgesehen von Pressereaktionen, viel Feedback bekommen? Gibt es Leute deren Erwartungen enttäuscht wurden? Kann man von Chryst überhaupt etwas erwarten, außer größtmöglichen Nonkonformismus mit Stromgitarren?

CN: Die Rückmeldungen waren bislang durchaus erfreulich. Natürlich gibt es immer ein paar Vorstellungen und Erwartungen, die nicht erfüllt werden, in welche Richtung auch immer. Aber grundsätzlich sind gerade die alten Jünger von KOROVA/KOROVAKILL sehr angetan von „PhantasmaChronica“, welches in einer großen Synthese Elemente aller KOROVA/KOROVAKILL Alben in sich vereint und auf eine neue Ebene transportiert. Größtmöglicher Nonkonformismus ist dabei nicht das Ziel, sondern das Ausloten der Freiheitsgrade im Erschaffen von musikalischen Klangwelten. Da muß nicht unbedingt eine Stromgitarre im Spiel sein.

OM: Neben Härte und Komplexität fallen manches Mal – gerade auch „Dead Like An Angel“ bot dieses Element – geradezu poppige Melodien auf. Bist du mit 80er Popmusik aufgewachsen? In früheren Interviews fiel häufiger der Name Adam And The Ants. Wie und wann hast du Metal für dich entdeckt?

CN: Definitiv ist 80er Synthie-Pop ein großer Einfluss. Das ist die Musik, mit der für mich alles begonnen hat, mit der ich aufgewachsen bin. Ich bin immer noch angetan von der kalten, melancholischen Atmosphäre dieser Ära. Adam Ant ist dabei ein Spezialfall, weil er musikalisch weit über die Keyboard-Konservenkorsette der damaligen Synthie-Pop-Welt hinausragt. Sein Vorbild hat in mir sicherlich den Experimentiertrieb verstärkt, sowie einen gewissen Hang zur Exzentrik.

Mit Metal hat es dann 1990 begonnen, also direkt als das Jahrzehnt des 80er Pop per Definitionem zu Ende gegangen war. Da habe ich mich in Popper-Montur auf einem Saxon-Konzert in London verirrt. Und dann ist das Popper-Outfit innerhalb eines Jahres fließend in ein Punk-Metal Outfit hinübergeglitten.

OM: Du sagtest mal, das Komponieren und Texten würde dir leicht fallen, zumal du ja nun auch Engel und Erzengel an deiner Seite wusstest. Wie gestaltete sich hingegen der Aufnahmeprozess? Bist du manchmal an dem „unzähmbaren Biest“ verzweifelt oder war es nur ein zeitaufwändiges Vergnügen?

CN: Die Engel und Erzengel, aber auch die Teufel und Dämonen standen mir wohlwollend zur Seite mit Rat, Tat und Ideen. So war es in erster Linie ein zeitaufwändiges Vergnügen, welches mir zur Entspannung und Meditation diente. Erst mit dem Mix ging die rigoros geplante Arbeit los, welche mir häufig Löcher in die Nächte fraß. Aber es hat sich gelohnt. Nur das zählt.

OM: Was kannst Du zum lyrischen Konzept sagen? Es beginnt ja damit, dass einem Menschenkind etwas immer schon vorhandenes, doch unerkanntes in sein Bewusstsein dringt, den Weg in das Inversum öffnend. Wo Zeit und Raum sich verflüchtigen. Es tun sich zur „inneren Einkehr“ so allerlei Dinge auf bis zum Urknall zur geistigen Freiheit.

CN: Der Text zu „PhantasmaChronica“ ist sehr metaphorisch gehalten, damit jeder die Bilder seines eigenen Unbewußtseins zu Bewußtsein bringen kann, damit jeder sein eigenes Inversum aus dem Konzept erschaffen kann. Mehr darüber zu sagen wäre Frevel. Das steht nur dem Leser und dem Hörer zu.

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