Wertung: 7 von 10

Das norwegische Funeral Doom-Urgestein Funeral legt mit „Oratorium“ ihr sechstes Album vor und entführt mit ihrer Musik wieder in die tiefen Abgründe einer stickigen dunklen Gruft.


Düster und langsam schleppt sich der Leichenzug über den Friedhof – growlige Vocals lösen sich mit mehrstimmigen gleichförmigen Gesängen ab, die entfernt an betende Mönche erinnern, die nicht erkennen lassen, ob um das verlorene Leben getrauert wird oder ob das eigene Noch-Leben verflucht wird. Tiefes Schwarz, ein rauer Wind und selbst die Schreie klingen gequält von der Lebenslast, verzerrte Gitarren und eine jammernde Orgel begleiten den Leichenzug. Das für den Funeral Doom typische Downtempo durchzieht die Scheibe. Manchmal unterbrochen von ruhigen ambientartigen Passagen, die jedoch sofort wieder durch die Doomgitarren zerschlagen werden – sie bringen der nicht endenden Trauer, den für den Funeral Doom typischen Trotz entgegen.

Die fünf-Mann-Band Funeral gründete sich schon im Jahr 1993, als die Bezeichnung Funeral Doom noch neu war. Eine Extremrichtung des Doom, die von Skandinavien insbesondere Finnland ausging und immer mehr Bands mit in den Sog des Abgrunds zog. Die dunklen kalten Winternächte dort scheinen irgendwie eine solche Musik hervorbringen zu können. Nicht umsonst lautet eine wichtige Regel des Doom: „57. Most importantly, and I can’t stress this enough: Be from Finland!“

Tja, mit ihrer Herkunft aus Norwegen hat die Band die Regel nur knapp „verpasst“. Jetzt aber im Ernst – der skandinavische Bereich hat zahlreiche herausragende Funeral Doom-Bands hervorgebracht und die Band Funeral gehört auch zu den Bands der ersten Stunde. Von der ursprünglichen Besetzung ist allerdings nur noch der Schlagzeuger Anders Eek übrig geblieben.

Die Scheibe ist stimmungsvoll und die Funeral Doom-Thematik rund um den Tod, Trauer und Einsamkeit insgesamt gekonnt umgesetzt,auch wenn stellenweise die Mehrstimmigkeit nicht ganz gelungen erscheint. Außerdem setzt die Band auf bewährte Rezepte, so dass ich wenig Innovation erkennen kann.

Tja, die Musik ist keine leichte Kost und für Hörer fröhlicher Musik sicherlich vollkommen ungeeignet – wer sich aber gern einmal von Musik in schwarze Abgründe entführen lassen will, der sollte bei der Scheibe zuschlagen und sie an einem dunklen, kalten Herbst- oder Winterabend genießen.

Trackliste

  • 01. Burning with regret
  • 02. Hate
  • 03. Break me
  • 04. Song of the knell
  • 05. From the orchestral grave
  • 06. Making the world my tomb
  • 07. Will you have me

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