Wertung: 3 von 10

Wer, wie ich z.B., sein kleines Latinum an einer Bushaltestelle verloren hat und das große nach dem Mittagessen in der Keramikschüssel, konsultiert, um wirklich allen Messen Papst Benedikts XVI. folgen zu können, aus der Not heraus, bereitwillig den Google Übersetzer.


So auch geschehen nach Wahrnehmung des Bandnamens Furor Gallico, bei dem der wirklich hundertprozentig empfehlenswerte Google Übersetzer, mit dem, der deutschen Sprache nicht mächtige, Musikhorden bevorzugt Reviews aus hiesigen Gefilden zu entschlüsseln versuchen, bei Kleinschreibung „gallischen Wut“ ausspuckt. Interessant wird es, tippt man Combobezeichnung bzw. Albumname mit groß geschriebenen Anfangsbuchstaben ein. Da wird aus dem Sammelbegriff für acht italienische Folk-Metal-Musiküsse schnell eine Literaturkritik zu Charlotte Roches neuestem Roman, ein Special-Interest-Programmkinostreifen oder ein wesentlich besserer Bandname, nämlich: „Französisch Madness“ (ja, deutsche Übersetzung). Wesentlich langweiliger klingt da, meiner Meinung nach, die, dem Google Übersetzer grammatikalisch kaum gewachsene, Presseinfo: „Furor Gallico ist die Bezeichnung der Römer für die keltischen Krieger, die sich auf die Schlacht vorbereiteten, bereit um für ihr Volk und Land zu sterben…dies sind die Barden welche die alten Legenden der keltischen Welt wieder zum Leben erwecken im Folk Metal Gewand!“

Bei mir, als wirklich ungeheuer alte Legende der keltischen Welt, ist es so, dass ich mich nach einem stets langen, ja stets langweiligen Tag, in meinen Schaukelstuhl mit Schaukelstützen begebe, um beim Konsum einer zünftigen Metallscheiblette ein Stückchen Abwechslung vom tristen Alltag zu erfahren. Die Kinder sind längst aus dem Haus, der Kontakt abgebrochen. Sie schämen sich für das peinliche, pseudo-journalistische Geschreibsel ihres Vaters, für ein aber unumstößlich berechtigt unter Intellektuellen zutiefst verehrtes Onlinemagazin. Frau entlaufen, der Weg zum Seniorentreff in der Kirchengemeinde zu beschwerlich. Einsam.

Also sieht ein normaler Tag vor dem allabendlichen Heavy Metal Breakdown in etwa folgendermaßen aus: Der Radiowecker dringt in der Gestalt von Radio Niedersachsen in meine Blumenkohlohren (Ex-Kirmesboxer). Mithilfe meines prallgefüllten Katheters schaukele ich mich zur Blutdruckregulierung in Sitzposition. Dreimal Schwung nehmen und schon flitze ich mit dem Rollator ins Badezimmer um meine Zähne aus der Corega-Tabs-Lösung zu fischen. Brisk in die nicht zu bändigende Mähne geschmiert, mit der Toilettenspülung die Geheimtür betätigt und schön über die dortige Rampe schließlich aus dem Besenschrank der Kombüse rollen. Dort angekommen, entsorge ich zunächst das Mittagessen, Schwarzwurzelpüree von Essen auf Rädern, um anschließend Zeitung lesend abwechselnd an einer tschechischen Mettwurst und einem Bund Dill zu knabbern. Wenn nach etwa vier Dosen dänischen Exportbiers, um den Mettwurstfett bedingten Durst zu stillen, der Beinbeutel überläuft, ist es Zeit , den erwähnten Schaukelstuhl aufzusuchen und die innerhäusliche Botanik zu versorgen. Der Moment, die Gleichförmigkeit meiner letzten Lebenstage mit pfiffigen Headbangers‘ Finest Hymnen zu durchbrechen.

Doch vor einigen Tagen, während mein flockiger Urin in die Erde der Ficus Benjamina sickerte, wollte sich einfach keine Stimmungsaufhellung einstellen. Schuld daran waren eben Furor Gallico, mit ihrem selbstbetitelten Debüt. So verhasst mir auch diese ganze Pagan/Folk-Scheiße ist, Arkona haben vor Kurzem irgendwie funktioniert. Ich bin tatsächlich zum Teil anfällig für, äh, volkstümlichen Metal-Sound. Das mag daran liegen , dass ich mit Dschingis-Khan angefangen habe Musik als Kunstform wahrzunehmen. Doch Furor Gallico haben keinerlei schmissige Attribute. Muss auch nicht. Aber sie nölen und grunzen so bedächtig vor sich hin (mehr Schnarch als Grunz). Einfach mal die verwendeten Instrumente aufgezählt: Gitarre, Bass, Schlagzeug (ach nee), keltische Harfe, Violine, Flöte, Bouzouki und die gute alte Sackpfeife. Was hätte man damit alles veranstalten können. Sicherlich mehr als dieses belanglose Gedudel mit Metal oder umgekehrt, welches hunderte andere besser und vor allem spannender zu vertonen wissen. Was man ihnen zu gute halten kann: Sie sind keine Animateure für Methornschlürfer.

Nun lieg‘ ich hier auf meinem rattenumringten Sterbebett. Und bereue so Vieles in meinem Leben. Ein wenig Zeit bleibt mir, um dennoch Frieden zu finden. Aber diese 58 Minuten musikalische Einfallslosigkeit, in der einfach mal so gar nichts zündet, jedes Lagerfeuer sich eigenhändig eine gehörige Tonne kühles Nass über die Flammen kippt. Diese 58 Minuten habe ich mir mehrfach einverleibt und werde es noch im Jenseits bereuen. Da hätte ich mir stattdessen lieber mal eine Folge „S.O.S. Garten“ reingezogen. Und wenn ich einst musizierend auf einer Wolke sitze, dann ganz bestimmt ohne Sackpfeife.

Tracklist:

  • 01. Intro
  • 02. Venti di Imbolc
  • 03. Ancient Rites
  • 04. Cathubodva
  • 05. The Gods Have Returned
  • 06. Golden Spiral
  • 07. Curmisagios
  • 08. Miracolous Child
  • 09. Medhelan
  • 10. Bright Eyes
  • 11. La Caccia Morta
  • 12. Banshee
  • 13. The Glorious Dawn

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