Wertung: 9 von 10

Sanfte Gitarrenklänge versetzen mich in eine Art Trancezustand und lassen mich von Walen träumen, die mit niedlichen Delphinen spielen. Die neue Isis? Nix da, die aktuelle Scheibe von Glass Casket! Und das war auch nur das scheinheilige Intro, denn nun schnappt sich der Wal den lästigen Flipper und spielt mit ihm Wasserball.


Wow, wer hätte das gedacht!? Gerade einmal zwei Jahre nachdem Glass Casket ihr sehr rohes Mathcore-Debüt „We Are Gathered Here Today“ veröffentlicht haben, legen die aus North Carolina stammenden Amerikaner mit „Desperate Man’s Diary“ ordentlich Holz nach. Nach einem sehr träumerischen Intro, mit in den Raum hauchenden Gitarren, holen sie sofort den Knüppel aus dem Sack und schmettern dem, noch entspannten, Zuhörer den ersten Blast Beat ins Gesicht. Vorbei ist der Verdacht, sie hätten sich einer „Emoisierung“ des musikalischen Bewusstseins hingegeben. Das Debüt erinnerte vom Sound her noch sehr an die deutschen „Mathe-Fetischisten“ von Time Has Come – das ist nun nicht mehr ganz der Fall. Bedingt durch eine fette Produktion, die gleichzeitig auch noch eine hohe Transparenz erzeugt, klingen Glass Casket jetzt nicht mehr stumpf nach überzogenen Taktwechseln und Gitarren aus dem Off. Man kann jetzt klar erkennen, dass mit Dusty Waring (Gitarre) und Blake Richardson (Drums) zwei großartige Musiker der amerikanischen Progressive-Corer Between The Buried And Me am Werke sind.Möchte man „Desperate Man’s Diary“ mit aktuellen Bands vergleichen so fallen einem bekannte Namen wie The Red Chord oder All Shall Perish ein, doch dieser Vergleich funktioniert nur oberflächlich. Die Dynamik, die auf diesem Album entsteht, ist der, der eben genannten Bands weit voraus. Denn durch eine enorme Erweiterung der musikalischen Inhalte kommt hier nie Langeweile auf. Die Instrumenten-Fraktion kann einen von Anfang an in ihren Bann ziehen, auch ohne dass man sich auf den Mikrokosmos eines mathematischen Genies einlassen muss. Ein Blast Beat scheint den nächsten zu jagen, aber das Erstaunliche ist, dass es Glass Casket schaffen, auch für genügend Auflockerungen zu sorgen. So folgt der Prügelwut beispielsweise ein melodisches Metalriff, oder aber eine langsame Passage in Form eines Mosh-Parts oder Beat-Downs. Adam Cody brilliert durch eine erstaunliche Gesangsvielfalt. Vom tiefen Grind-Grunzen, über metalcoretypische Screams, hin zu mehreren Sprechpassagen und einem Versuch zu Singen greift er so ziemlich alles ab, was auf dem derzeitigen Markt angeboten wird. Meine lieben Damen und Herren, das ist ganz großer Metal, der hier zelebriert wird!Wer Glass Casket mal antesten möchte, sollte sich den Song „Post Traumatic Death“ reinziehen. Dieser Song repräsentiert beinahe alles, was auf diesem Album geboten wird. Erst wird dir die Seele aus dem Leib geprügelt, dann malträtieren sie dich mittels eines Hammers von Mosh-Part…ja, und dann kommt es! Ein, mit einem Keyboard unterlegtes, Gitarren-Tapping, dass an die jüngeren Dimmu Borgir(!) erinnert. Wer all diese Punkte (die eindeutig für den Kauf dieses Meisterwerks stimmen) nicht glaubt, wird ein sehr, sehr gutes Metal-Album verpassen – vielleicht sogar das beste Album des Jahres innerhalb dieses extremen Bereichs

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