Gothicmusik Genre: Welche Gothic Musikformen und Musikrichtungen gibt es?

Wie alle Musikformen und Musikrichtungen dieser Welt bestechen natürlich auch oder sogar vor allem Rock und Metal durch seine verschiedenen Sounds, ein unterschiedliches Publikum und eine Vielfalt an Genres. Diese Genres lassen sich selber ebenfalls in viele verschiedene Unterkategorien ordnen. Eine bekannte und oft diskutierte Form des Rocks ist der sogenannte Gothic Rock, der sich selber ebenfalls nochmal in viele verschiedene Bereiche unterteilen lässt. Diese Bereiche sind sich trotz ihrer Vielseitigkeit sehr ähnlich und haben darüber hinaus eine gleiche Vergangenheit oder Entstehungsgeschichte. Manchmal unterscheiden sie sich nur aufgrund eines geringen Details wie einer anderen Thematik oder eines leicht modifizierten oder spezialisierten Sounds.

Gothicmusik Genre – Musikformen

Gothic Mode bei EMP
Gothic Mode bei EMP *

In diesem Text werden der Gothic Rock, der Post-Punk, der Death Rock, Electro Wave und Minimal Electro, der Depro-Punk, der Horrorpunk, Gothabilly, Cold Wave, Ethereal, die Neoklassik, die Neue Deutsche Todeskunst und Gothic Industrial vorgestellt und miteinander verglichen. Dabei wird bereits schnell deutlich, dass sie sehr viele Gemeinsamkeiten haben und manchmal fast gar nicht voneinander zu unterscheiden sind.

Gothic Rock

Der Gothic Rock ist der mehr oder weniger allgemeine Begriff für alle Musikrichtungen, die in das Umfeld des Gothic passen. Musik und Anhänger werden gerne vereinfacht und zusammengefasst als „Gothic“ bezeichnet.

Dieser mittlerweile sehr bekannte Stil der Rockmusik ging Ende der 1970er aus dem Post-Punk hervor und wurde durch viele ähnliche Bewegungen sehr populär. Bis Anfang der 1990er Jahre war der Gothic Rock eher eine allgemeine Bezeichnung für bis dato eher unbekannte Arten des Rocks, aber die Fangemeinden und Anhänger wuchsen mit der Zeit um ein Vielfaches.

Der Gothic Rock ist mit sehr vielen anderen Arten des Rocks verwurzelt und besticht vor allem durch seinen teilweise sehr schmutzigen und düsteren Sound, der so vorher nicht zu finden gewesen ist. Die Bassgitarren sind in dieser Hinsicht ein sehr wichtiger Faktor, da sie so tief heruntergestimmt werden, dass ihr Sound einen sehr schweren und schleppenden Sound annimmt. Außerdem werden sie so oft und gezielt eingesetzt, dass sie als der E-Gitarre gleichwertig angesehen werden.

Dadurch, dass der Gothic Rock einige Wurzeln des Punks in sich verinnerlicht hatte, war sein Sound anfangs noch sehr stark mit diesem Stil verwandt. Erst in den 1980er Jahren versuchten die Bands, dem Gothic Rock einen eigenen Klang zu geben und diesen immer weiter zu perfektionieren.

Die Bands, die Gothic Rock praktizieren, sind in ihrer Besetzung meist sehr einfach gehalten. Sie beschränken sich auf den allgemeinen Standard, der aus Gesang, Bassgitarre, E-Gitarre und einem Schlagzeug besteht. Da die Bassgitarre beim Gothic Rock als sehr wichtiges Instrument gilt und der E-Gitarre damit ebenbürtig ist, verzichten die meisten Bands darauf, einen zweiten Gitarristen zu integrieren.

Bekannte Bands, die Gothic Rock praktizieren oder praktiziert haben, sind zum Beispiel „The Cure“, „Dead or Alive“, „Alien Sex Fiend“ oder „Fields of the Nephilim“. Allerdings ist der Sound dieser Bands dermaßen vielseitig, dass sie auch in einige Unterkategorien des Gothic Rock passen.

Anfangs wurden alle Arten des Rocks, die sich am Gothic Rock orientiert haben, noch als eine Unterkategorie des Punks angesehen, da der Sound sehr ähnlich war. Erst Mitte der 1980er Jahre hat sich der Sound spezifisch entwickelt und den Gothic Rock geprägt.

Der Gothic Rock zeigt sich allerdings nicht nur in der Musik, sondern auch in der Mode und Kleidung. Anhänger des Gothic Rock ziehen sich gerne sehr auffällig an, vorzugsweise schwarz, um ihre Ideale in der Öffentlichkeit deutlich machen und verbreiten zu können. Auch die Themen, über die sie sprechen, sind ein Teil des Gothic Rock. Die sogenannten Gothics bezeichnen sich gerne als „schwarze Philosophen“ und reden über den Tod und über ein mögliches Leben nach dem Tod.

Gothic bei EMP
Gothic bei EMP *

Gothicmusik Genre: Post-Punk

Der Post-Punk ist die hauptsächliche Quelle des Gothic Rock und entstand aus der großen Bewegung des Punkrock, weswegen er anfangs vor allem in Großbritannien vorzufinden gewesen ist. Dieser Trend zeichnete sich Ende der 1970er Jahre und Anfang der 1980er Jahre aus. Deswegen bezeichnet sich dieses Genre auch als „Post-Punk“, was so viel heißt wie „später Punk“. Hierbei handelt es sich um eine Bezeichnung, die auch viele andere Genres beschreibt.

Beim Post-Punk handelt es sich um einen eher kleinen Zweig der Punkmusik, der vor allem durch Bands wie „Gang of Four“, „The Birthday Party“, „Death in June“, „The Sisters of Mercy“ oder „Foetus“ bekannt geworden ist. Heutzutage wird der Post-Punk für einige bekannte Bands wie „Franz Ferdinand“ oder „Arctic Monkeys“ gebraucht und für ein breites Publikum zugänglich gemacht.

Der Sound des Post-Punk gilt in erster Linie als sehr dunkel und rau, was im Volksmund gerne und oft als „schmutziger“ Sound tituliert wird. Allerdings gab und gibt es auch relativ poppige Sounds, die dem Post-Punk angehören, weswegen sich eine genaue Einordnung ziemlich schwierig gestaltet.

Der Post-Punk ist in erster Linie mit vielen bekannten anderen Genres, wie zum Beispiel dem Punkrock, verwandt und hat zur Bildung weiterer Sounds und Genres beigetragen. So weisen Genres wie der Alternative Rock, Independent, New Wave oder sogar Pop ebenfalls einige Parallelen zum Post-Punk auf, weswegen sie auch heute noch sehr geläufig sind und mit einigen bekannten Bands assoziiert werden. Der Alternative Rock wird stellenweise sogar als „Wiedergeburt des Post-Punk“ bezeichnet, da er diesem Genre wohl am ehesten und meisten ähnelt.

Das wohl bekannteste mit dem Post-Punk verwandte Genre dürfte der Grunge sein, der vor allem durch Kurt Cobain und seine Band „Nirvana“ bekannt geworden ist. Der ehemalige Schlagzeuger der Band „Nirvana“, Dave Grohl, hat diese hohen Wiedererkennungswerte verinnerlicht und bei den „Foo Fighters“, eine von ihm gegründete Band, in der er selber als Gitarrist tätig ist, wieder aufleben lassen. Ansonsten wird der Begriff des Post-Punk fast nur noch für die Beschreibung der alten Zeiten gebraucht, zumal der Punkrock durch einige Bands modernisiert und reaktiviert wurde.

Gothicmusik Genre: Death Rock

Der Death Rock ist praktisch zeitgleich mit dem Gothic Rock und dem Post-Punk, also in den späten 1970er Jahren, entstanden. Allerdings beschränkte sich dieses Genre fast ausschließlich auf die Vereinigten Staaten, wo die Sounds sich je nach Ort anders angehört hatten. So hatten Bands der Westküste eine vollkommen andere Auffassung von Death Rock als Bands der Ostküste, weswegen der Death Rock nicht gänzlich zu kategorisieren war. Dieser Umstand hat sich darüber hinaus bereits früh in den verschiedenen Sounds der ersten Künstler gezeigt.

Bei dem sogenannten Death Rock handelt es sich ebenfalls um eine Musikrichtung, die nur schwer einzustufen und zu kategorisieren ist. Der Death Rock enthält sowohl Einflüsse aus dem Punkrock, weswegen er des Öfteren auch Death Punk genannt wird, als auch Einflüsse aus dem Gothic Rock und Metal. Obwohl die Namen stark miteinander verwandt sind, hat der Death Rock jedoch nichts mit dem Death Metal zu tun oder gemeinsam. Der Death Rock trägt diesen Namen eher aufgrund seiner Einflüsse aus und Verbindungen zu Hardcore Punk, Heavy Metal, Gothic Rock und Hard Rock. Ein weiterer Grund ist, dass die Songtexte, die in diese Musikrichtung eingestuft werden können, des Öfteren über Horrorfilme oder Grausamkeiten handeln und damit ziemlich schwarze Themen behandeln. Deswegen wird der Death Rock des Öfteren auch scherzhaft als „Horrorpunk“ bezeichnet.

Der Death Rock wurde vor allem von Künstlern wie „Black Sabbath“, „Led Zeppelin“ (beide Hard Rock), „Alice Cooper“ (Metal) oder „The Velvet Underground“ (Punkrock) inspiriert, bildete aber relativ schnell einen eigenen Sound, der alle Einflüsse in sich verinnerlicht, der allerdings mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt wurde.

Obwohl der Death Rock anfangs fast nur in den Vereinigten Staaten existierte, wanderte der Sound schon relativ bald über den großen Teich nach Europa. Vor allem in Deutschland und Großbritannien wurde der Sound, der im allgemeinen Volksmund als „American Gothic“ bezeichnet wurde, kurz darauf schon relativ bekannt. Trotzdem hielt sich die Popularität in Grenzen, weshalb nur wenige Bands aus Großbritannien und Deutschland versuchten, diesen Sound zu verinnerlichen, zu perfektionieren, nachzuahmen oder zu verbreiten. Deswegen stammen die bekanntesten Vertreter des Death Rock – unter ihnen Bands und Künstler wie „Cinema Strange“, „The Deep Eynde“ oder „The Naked and the Dead“ – allesamt aus den Vereinigten Staaten.

Electro Wave und Minimal Electro

Da der Gothic Rock über einige Wege mit der New Wave verwandt ist und ein paar Elemente aus dieser enthält, gilt die sogenannte Electro Wave, die vollständig Electro(nic) Wave heißt, ebenfalls als eine Unterordnung des Gothic Rock.

Die Electro Wave bildete sich Mitte der 1980er Jahre hauptsächlich im mittleren Teil von Europa und bezeichnete dabei bereits bestehende Sounds der New Wave, die sich vor allem aufgrund ihres basslastigen Sounds und ihrer düsteren und dunklen Klänge eher in die Richtung des Gothic Rock bewegten. Trotz dieses faktischen Umstandes gehört die Electro Wave eher in die Kategorie de Genres Techno oder Dance.

Die Electro Wave hat zwar durchaus einige Erkennungsmerkmale und umfasst eine breite Palette von Künstlern und Bands, aber dennoch gab es nur wenige Musiker, die sich voll und ganz auf dieses Genre konzentriert haben. Deswegen gilt die Electro Wave weniger als eigenständiges Genre, sondern eher als eine Art Subgenre, dessen Sound in vielen anderen Genres zu finden und wiederzuerkennen ist.

Ein weiteres Subgenre der elektronischen Musik ist das sogenannte Minimal Electro – ein Subgenre, welches sich ebenfalls Mitte der 1980er Jahre herausgebildet hat und manchmal auch unter dem Namen „Flexipop“ zu finden ist. Wie der Name dieses Subgenres schon sagt, werden elektronische Einflüsse hier so minimal wie möglich gehalten. Im Gegensatz zur basslastigen und düsteren Electro Wave klingen diese Einflüsse allerdings viel heller und heiterer.

Wie die Electro Wave ist auch Minimal Electro kein Genre, auf das sich Bands, Musiker oder Künstler spezialisiert haben, sondern lediglich ein Ableger, der einige andere Bereiche umfasst oder nach seinen eigenen Vorstellungen ergänzt. Beispiele hierfür sind der Post-Punk, der mittels der elektronischen Einflüsse zum Electro Punk wird oder auch die New Wave, die durch die elektronischen Einflüsse zur bereits erwähnten Electro Wave mutiert. Ein paar Merkmale der Electro Wave oder des Minimal Electro sind allerdings auch im heutigen Pop oder der Neuen Deutschen Welle zu finden.

Depro-Punk

Der Depro-Punk ist ein Subgenre des Punkrocks, der seine Wurzeln fast ausschließlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz, also im kompletten deutschsprachigen Raum, besitzt. Er entstand Anfang der 1980er Jahre und gilt als musikalische Besonderheit. Der Depro-Punk taucht unter einigen weiteren Namen auf, so wurde er in seltenen Fällen zum Beispiel schon als Düster-Punk, Doom-Punk oder Depri-Punk bezeichnet. Da er trotz allem kein prägendes Genre entwickelt hat, wird der Depro-Punk heutzutage fast nur noch als Bindeglied zwischen Gothic Rock und Punkrock erwähnt.

Wie man an dem Namen des Genres und an dessen Abwandlungen erkennen kann, werden in den Songs, die dem Depro-Punk angehören, meist negative Themen wie Tod, Trauer, vergebliche Liebe oder Depressionen behandelt, was durch eine deutliche, negative, brutale, traurige und nicht selten aggressive Sprache deutlich gemacht und ausgedrückt werden soll.

Um allerdings auch dem Punkrock gerecht zu werden, wurden auf der anderen Seite natürlich auch viele sozialkritische und politische Themen in die Songs aufgenommen. Deswegen ist es kein Wunder, dass sich einige Bands dieses Genres in der DDR gefunden haben, von denen die meisten damals allerdings verboten worden sind oder gar nicht erst zugelassen wurden. Deswegen bildete sich bei einigen Bands eine durch Rhetorik und Metaphern geprägte Bildersprache, in der die wirkliche Welt als negativ und die ideale Welt als Utopie beschrieben wird. Diese Sprache sollte die Seitenhiebe auf die DDR und ihre Politik verschleiern und das Denken der Zuhörer sogar teilweise in eine andere Richtung lenken.

Der Sound des Depro-Punk orientiert sich stark an dem des Gothic Rocks und teilweise auch an elektronischer Musik. Er ist sehr basslastig, wobei die Bassgitarren allerdings des Öfteren sehr monotone Melodien spielen. Die Bassgitarre wird der E-Gitarre hier also nicht gleichgesetzt, sondern dient fast ausschließlich dazu, die drückende und teilweise depressive Stimmung der jeweiligen Songs zu unterstreichen. Um diese Stimmung hervorzuheben, werden manchmal auch sehr ungewöhnliche Instrumente wie Geigen, Klarinetten, Saxophone oder Synthesizer benutzt, die für dieses Genre im Allgemeinen eher untypisch sind. Deswegen besitzt der Depro-Punk auch ein paar Parallelen zu elektronischer Musik.

Cold Wave

Der Begriff Cold Wave beschreibt zwei verschiedene Genres, nämlich ein Subgenre der Dark Wave, eine Musikrichtung, die zehn Jahre lang vor allem in Frankreich sehr populär gewesen ist, und den sogenannten Industrial Rock, der in den 1980er Jahren im englischsprachigen Raum entstanden ist. Zwischen Dark Wave und Industrial Rock besteht allerdings keinerlei Zusammenhang.

Die Cold Wave ist verwandt mit Genres wie der Electro Wave, Minimal Electro oder dem Post-Punk. Es gab viele Musiker des Post-Punk, die ihre Lieder durch Keyboards, Pianos und Synthesizer ergänzt und dabei einen relativ kühlen Sound gewählt haben, wodurch der Name Cold Wave zustande gekommen ist. Dieser kühle Sound bezog sich dabei allerdings ausschließlich auf den Klang und nicht auf die persönliche Empfindung eines jeweiligen Zuhörers.

Der Begriff Cold Wave war allerdings nur in Frankreich ziemlich geläufig, in anderen Ländern wurde diese Art von Musik trotz des teilweise sehr ähnliches Klanges unter verschiedenen Namen veröffentlicht. So wurde das Genre meist unter „Dark Wave“ oder einfach nur unter „Wave“ zusammengefasst, was die Verwandtschaft mit dem Gothic Rock in den Vordergrund stellen sollte. In Deutschland wurde das Genre schlicht und einfach „Wave“ oder „Gitarren-Wave“ genannt. Deswegen hat sich der Begriff „Cold Wave“ nie über die französischen Grenzen bewegt oder durchsetzen können.

Der Industrial Rock hingegen hat mit Gothic Rock wenig bis überhaupt nichts gemein. Hier liegen die Ursprünge eher in Thrash Metal oder Hardcore Punk. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass auch beim Industrial Rock gerne mal Pianos, Keyboards oder Synthesizer zum Einsatz kommen.

Gothicmusik Genre Ethereal

Ähnlich wie Cold Wave ist auch Ethereal ein Subgenre der Dark Wave und überwiegend in den Vereinigten Staaten verbreitet. Wie man am Namen des Genres erkennen kann (ethereal = „ätherisch“), wird hier vor allem auf eine spezielle Atmosphäre eines jeweiligen Songs geachtet. Die Klänge der Gitarren werden durch Effektgeräte entfremdet, sodass sie eher sphärisch klingen und somit einen eher elektronischen Eindruck machen. In Verbindung zu diesen speziellen Klängen werden oft weibliche Stimmen genommen. Ein Beispiel ist der Song „Dalarna“ von der schwedischen Band „Mando Diao“. Hier kommt lediglich eine Gitarre zum Einsatz, die durch einige elektronische Klänge unterstützt wird. Hinzu kommt, dass bei diesem Song ausschließlich Frauenstimmen zu hören sind, obwohl die Bandbesatzung von Mando Diao nur Männer enthält.

Eigentlich ist auch das Ethereal ein Subgenre des Gothic Rock. Anders als bei seinen elektronischen Verwandten steht bei Ethereal allerdings das sphärische Klangbild und nicht der basslastige und düstere Sound im Vordergrund. Deswegen kann man sagen, dass Ethereal über einige Umwege mit dem Pop verwandt ist.

Ethereal war in den Vereinigten Staaten vor allem Ende der 1980er Jahre dermaßen beliebt, dass viele Bands sich ausschließlich auf dieses Genre spezialisiert hatten. Anders als bei ähnlichen Genres wurde hier also wirklich versucht, Ethereal zu einer komplett eigenständigen Musikrichtung zu formen. Anfangs schien dieses Vorhaben Früchte zu tragen und tatsächlich zu funktionieren, und mit der allseits bekannten Band „My Bloody Valentine“, deren Genre als „Shoegazing“ bezeichnet wurde, erlebte Ethereal Anfang der 1990er Jahre den Höhepunkt seiner Popularität. Dieser Höhepunkt hielt aber nur knapp zehn Jahre an. Am Ende der 1990er Jahre schon verschwand das Genre mehr oder weniger wieder und wurde seitdem nur noch von wenigen Bands praktiziert.

Gothicmusik Genre Neoklassik

Wie der Name dieses Subgenres bereits verrät, handelt es sich einmal mehr um eine Mischung zweier Musikrichtungen. Hier wird die Klassik auf den Gothic Rock bezogen, wodurch sich die Neoklassik, also die sogenannte „neue Klassik“ ergibt. Deswegen werden hier einige Elemente aus der klassischen Musik aufgegriffen und modernisiert vorgetragen. So macht sich die Neoklassik vor allem weiblichen Gesang zu Nutze, der dem einer Oper nachgebildet wurde. Auch die Themen sind nicht mehr düster und schwarzromantisch, sondern eher fröhlich und klassisch gehalten. Zwar wird auch in der Neoklassik des Öfteren über Liebe und Romantik gesungen, aber eher auf der normalen und klassischen Ebene. Ab und zu werden dabei sogar Elemente und ganze Themen der klassischen Musik nicht nur aufgegriffen, sondern komplett neu interpretiert und damit auf eine ganz neue Art und Weise ausgedrückt. Das heißt aber nicht, dass die Neoklassik frei von ernsten Themen ist. Ganz im Gegenteil, durch die klassischen Variationen werden des Öfteren auch bekannte Elemente aus der Epoche des Barock aufgegriffen.

Diese neuen Interpretationen alter Werke sind allerdings eher selten der Fall, meist handelt es sich bei den Songs der Neoklassik um eigenständige Werke, die sich einfach nur sehr stark an der klassischen Musik orientieren. Aufgrund dieser klassischen Orientierung werden bei Songs, die der Neoklassik angehören, des Öfteren auch Instrumente aus dem Orchester eingesetzt. Vor allem Geigen, Cellos, Oboen und Blechblasinstrumente wie Trompeten, Posaunen und Tubas sind in dieser Hinsicht sehr beliebt.

Der Sound der Neoklassik ist dabei einmal mehr elektronisch und irgendwo zwischen Gothic Rock und Post-Punk einzuordnen. Die Neoklassik entstand allerdings erst am Ende 1980er Jahre und damit im Gegensatz zu den anderen Genres eher spät, weswegen es nicht sonderlich viele Vertreter dieser Musikrichtung gegeben hat oder gibt.

Neue Deutsche Todeskunst

Die Neue Deutsche Todeskunst, abgekürzt NDT, ist ein Subgenre des Gothic Rock, dass sich, wie der Name schon sagt, ausschließlich auf Deutschland spezialisiert. Der Name lehnt sich stark an Bezeichnungen anderer deutscher Genres, wie die „Neue Deutsche Welle“ (NDW) oder die „Neue Deutsche Härte“ (NDH) an. Der Name dieses Subgenres wurde allerdings erst später gewählt.

Die Neue Deutsche Todeskunst entstand erst am Ende der 1980er Jahre bis zum Anfang der 1990er Jahre und kann damit als deutscher Gegensatz zur Bewegung der Cold Wave in Frankreich angesehen werden. Allerdings haben auch andere Subgenres zur Entstehung der Neuen Deutschen Todeskunst beigetragen, darunter die Neoklassik, der allgemeine Gothic Rock und die Electro Wave.

Die Neue Deutsche Todeskunst kann vor allem thematisch als Nachfolger des Depro-Punk angesehen werden, da die Intentionen der einzelnen Musiker und Bands hier stark vergleichbar oder zumindest ähnlich sind. So setzt sich auch die Neue Deutsche Todeskunst mit größtenteils negativen Themen auseinander, zu denen unter anderem bestimmte Mottos und die Symbolik aus der Epoche des Barock („Memento Mori“ – „Bedenke, dass du sterben wirst.“, Vanitas, Vergänglichkeit und Vergänglichkeitsbewusstsein, Todesangst) gehören. Außerdem werden auch hier ausschließlich die negativen Seiten der Welt dargestellt und beschrieben, zu denen zum Beispiel Tod, Krieg, Schmerz, Gewalt, Politik, Religion, Nihilismus und die Ohnmacht des einzelnen Menschen zählen. Dabei ist es auffällig, dass viele Bandnamen, Song- oder Albumtitel lateinische Namen tragen. In manchen Fällen wurden sogar ganze Verse eines Songtextes oder der komplette Songtext in der lateinischen Sprache geschrieben.

Um den Bezug der Neuen Deutschen Todeskunst zur Neoklassik noch weiter zu verdeutlichen, gaben sich viele Musiker, Bands und Künstler Namen berühmter Mottos, Dichter, Bilder, Werke oder Elemente.

Bekannte Vertreter der Neuen Deutschen Todeskunst waren unter anderem „Lacrimosa“, ein Name, der eine Verbindung zum Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart darstellt, „Das Ich“, „Gothes Erben“, „Mental Inquisition“, „Relatives Menschsein“, „Misantrophe“, „Endraum“, „Sanguis et Cinis“, „Leib und Seele“ oder „Leichenblass“. An den gewählten Namen kann man deutlich sehen, dass die Grundeinstellung zu den Menschen und ihren Funktionen in der Welt negativ gewesen ist.

Die Neue Deutsche Todeskunst hat die Besonderheit, dass sie nicht nur aus der Musik besteht, sondern auch andere Formen der Kunst in sich trägt und mit der Musik vereinigt. Dieser Umstand hat wahrscheinlich auch dazu beigetragen, dass der Begriff „Kunst“ im Namen vorkommt. Um bestimmte Mottos oder Themen der Neuen Deutschen Todeskunst besser und ansprechender ausdrücken zu können, wurden des Öfteren bekannte Bilder, Stillleben oder Vanitas-Symbole aus der Epoche des Barock genommen. Ein beliebtes Motiv ist in dieser Hinsicht die Vergänglichkeit der Schönheit, die nur eine Maske ist und vom Tod höchstpersönlich getragen und präsentiert wird.

Gothic Industrial

Gothic Industrial ist einmal mehr eine Verknüpfung von zwei verschiedenen Genres. Auf der einen Seite steht der Gothic Rock mit seinem düsteren und basslastigen Sound und auf der anderen Seite steht die Musikrichtung Industrial, die vor allem durch elektronische Klänge geprägt ist und dadurch auch Merkmale des Techno in sich vereint. Das Interessante bei Gothic Industrial ist, dass die Sprache keine Rolle spielt und ein Teil des Spiels ist. Dennoch werden vorzugsweise englische, deutsche, französische und manchmal sogar lateinische Klänge gewählt.

Die Anhänger dieses Subgenres haben ein hohes Vergänglichkeitsbewusstsein, sind den sogenannten „schwarzen Philosophen“ aber sehr ähnlich und beschäftigen sich gerne mit dem Sterben und mit einem möglichen Leben nach dem Tod. Deswegen interessieren sie sich auch für einige Figuren, Monster, Geschöpfe oder Gestalten, die sie aus der menschlichen Geschichte oder aus Fantasy-Romanen kennen. Die Anhänger dieser Musikrichtung veranstalten des Öfteren auch Treffen, die ausschließlich auf ihre Vorlieben und ihre Musikrichtung ausgerichtet sind. Treffen dieser Art zeichnen sich nicht nur durch ihre meist schwere, düstere und dunkle Atmosphäre aus, sondern auch durch die vielen verschiedenen Verkleidungen der Teilnehmer. Viele verkleiden sich in dunklen Anzügen und erinnern damit an Totengräber oder Vampire, andere hingegen übertragen Themen, Bilder und Figuren aus dem Mittelalter. Aus diesem Grund wird oft betont, dass der sogenannte Mittelalter-Rock mit dem Gothic Rock verwandt ist.

Der Gothic Rock ist also nicht nur eine Musikrichtung mit vielen Subgenres, sondern auch eine Jugendkultur, der aus dieser Musik hervorgegangen ist. Der Gothic Industrial bietet interessierten Jugendlichen die Möglichkeit, ihre düsteren Interessen mit Musik, Literatur und sonstiger Kultur zu verbinden und ihre Persönlichkeit in dieser Richtung zu entfalten.

Dark Wave Gothic

Vertreter des Dark Wave – auch unter der Bezeichnung Gothics (zuweilen auch etwas abwertend Gruftis) bekannt – tauchen sporadisch in Fußgängerzonen oder auf ausgewählten Partys auf. Sie ziehen auf Grund ihres dunkel bis düsteren Erscheinungsbilds die Aufmerksamkeit unweigerlich auf sich und manch ein Passant älteren Semesters nimmt erschreckt die kindliche Begleitung noch fester an die Hand. Doch wer sind sie eigentlich und warum erregt ihre Anwesenheit ein so großes irritierendes Interesse? Hervorgegangen sind die ersten Dark Waver aus der Post-Punk-Bewegung, die Mitte der 1970er ihren Ausklang fand und die zunächst unter dem Namen „New Wave“ bekannt wurde – auch wenn Bezeichnungen wie New Romantics oder Goths ebenfalls gebräuchlich sind oder waren.

Wandel der Stile

So sehr sich die „Dark Wave“ aus einer fest umrissenen musikalischen Haltung heraus definierte, so sehr hat sich das äußere Erscheinungsbild des Dark Wave gewandelt. Standen anfänglich solche Bands wie The Cure, die Sisters of Mercy oder Joy Division und insbesondere Bauhaus noch für die Optik und Ausrichtung Pate, haben sich die Grenzen der Dark Wave-Bewegung in einem schier unüberschaubarem Maß bis in unsere Tage verschoben. Allen Dark Wavern ist allerdings eine gewisse Insichgekehrtheit, ein diffuses Weltschmerzgefühl sowie ein besonderes Interesse für mystische Verklärung, Esoterik und eine ebenso melancholische Todessehnsucht gemein. Dark Waver sehen sich gewissermaßen als eine Bewegung, die einer von Konsum- und Vergnügungslust getriebenen Gesellschaft den Spiegel ihrer sozialen Entfremdung und Kälte entgegenhält. Wenngleich eine Vielzahl heutiger Dark Waver sicher nichts mehr mit der Trostlosigkeit zu Beginn der 1980er Jahre zu tun haben, bleiben aber einige gewisse Wiedererkennungskonstanten, die das äußere Erscheinungsbild von Dark Wavern in besonderer Weise prägen. Auch wenn hier modebedingte Veränderungen sowie die Verschiebung des jeweiligen Zeitgeistes für gewisse Entwicklungen und Veränderungen sorgen.

Düsterer Auftritt

Ein zentrales visuelles Merkmal ist sicher die betont dunkle Kleidung, die mit zum Teil starkem Make-Up-auftrag sowie entsprechend auffälligen Frisuren für eine gewisse Wiedererkennbarkeit sorgt. Doch Obacht! Ob sich ein Dark-Waver eher dem Neofolk, der Cold Wave, dem Gothic-Real oder dem Ethereal verbunden fühlt, kann zum Teil stark über entsprechend abweichende Details in der Kleidung ausgedrückt werden – hier sind die Grenzen teils fließend. Und hier zeigt sich auch die Schwierigkeit Dark Waver über einen „Kamm zu scheren“: Die Szene weist ein äußerst heterogenes Bild auf; die unglaublich große Anzahl unterschiedlicher Musikstile sowie der jeweils repräsentativen Bands macht eine kategorische Systematisierung schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Diesen Umstand kann man übrigens als Anzeichen für eine äußerst kreative und dabei sich immer neu wandelnde Bewegung verstehen, die auch unter dem Sammelbegriff „Schwarze Szene“ kategorisiert wird.

Cybergothic

Die Abgrenzungen unter sich ähnelnden Kultur- und Musikszenen sind nicht immer einfach zu definieren. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Cybergoths nicht nur irrtümlich diesen Namen tragen, sonder außerdem fälschlicher der Gothicszene zugerechnet werden. Sind die Vertreter der eigentlichen Gothicszene für ihre eher melancholisch bis düstere Erscheinung bekannt, bildet der gemeinsame optische Bogen bei den Cybergoths wohl eine futuristische Anmutung, die sie in rein visueller Weise besonders von den als „Goths“ bekannten Dark Wave-Adepten abgrenzt. Insgesamt sind Cybergoths darüber hinaus um ein Vielfaches weniger anfällig gegenüber esoterischen Strömungen – vielmehr ist eine große Nähe zur Rave- und Technoszene erkennbar, groteske Accessoires wie Gasmasken oder künstliche Dreadloks siedeln sie fast näher zum Industrial-Rock an.

Industrial Goth?

Doch gerade die Unterscheidung in Hinblick auf die musikalischen Einflüsse ist hier von ausschlaggebender Bedeutung. Während viele Dark Waver in mehr oder minder direkter Weise auf Bands wie The Cure, Joy Division oder The sisters of Mercy verweisen, sind Cybergoths besonders der Techno- und Ravebewegung zugetan. Repräsentative Bandnamen innerhalb dieser Szene sind beispielsweise Angelspit, Esenfunk, Feindflug oder Chombichrist und Noisuf-X, um nur einige zu nennen – allesamt Bands, die sich durch einen ravenden und technoziden Charakter auszeichnen und kaum ein Massenpublikum außerdem der Cybergoth-Szene erreichen. Für den Auftritt in besonders unter Cybergoths bekannten Szenetreffs legen diese und ihre Fans aufwändige Ver-Kleidungen an, mit denen sie außerhalb dieser Szene kaum öffentlich in Erscheinung treten.

Futuristisches Statement

Darüber hinaus entleihen Cybergoths teilweise ihren Kleidungsstil der so genannten Visual-Kei-Mode – eine asiatische Ausprägung einer besonders bunten und auffälligen Modeerscheinung, die für Cybergoths in dieser extremen Form kaum relevant ist, auch wenn ihnen die Glam-Rock-Attitüde der siebziger Jahre und teils Manga-Charakter anhaftet. Wer im Auftreten von Cybergoths nach sozialkritischen Statements sucht, wie sie eher im Dark Wave zu finden ist, wird eher auf indirekte Art fündig. So lassen sich die teils sehr befremdenden und entrückten Outfits durchaus als trüber Ausblick in eine mechanisierte Zukunft deuten, in der der sich der Mensch der nuklearen Bedrohung ausgesetzt sehen wird. Die Musik betont diese Zukunftsausrichtung ebenfalls durch eine aggressive Grundspannung, die sich teilweise aus Technobeats nähert aber sich auch mit befremdend-agressivem Gesang vermischt. Doch auch unter Cybergoths selbst lassen sich – jenseits der eigentlichen Outfits – undeutliche Position ausfindig machen: Während ein großer Teil von Cybergoths ihre Nähe zum Dark Wave schlichtweg bestreiten würde, fühlen sich wiederum andere der Gothicszene durchaus zugehörig.

———-

Autor: ArchiVader
19.06.2013

Auch interessant:
Project Pitchfork - Die Gothic Band unter dem Dreizack
Scroll to Top