Wertung: 8 von 10

Schon etwas länger ist sie draußen, die neue Scheibe der amerikanischen Schlachtgruppe GWAR.

Drei Jahre und ein Labelwechsel sind seit dem letzten Album der Splatter-Band vergangen, deren Mannen nicht nur Instrumente, sondern auch tödliche Waffen mit auf die Bühne bringen.


Berühmt sind GWAR vor allem durch Ihre bluttriefenden Bühnenshows geworden, bei denen diverse Plastikmonster genüsslich geschlachtet und ausgeweidet werden. Das Publikum wird hierbei stets mit Unmengen von Kunstblut geflutet, ergänzt wird mit Kunstsperma und Kunstkotze. Eine GWAR Live-Show ist ohne Zweifel ein unvergessliches Erlebnis, die Frage ist, ob die Musik, die die fünf Herren in Plastikrüstungen fabrizieren, auch ohne Live-Gemetzel taugt. Ich kenne die alten Platten der Band nicht, aber was „War Party“ angeht, so ist meine Antwort ein klares ja!

Kommen wir mal zu den einzelnen Songs…

Das Album beginnt mit dem schnellen „Bring Back The Bomb“. Ein Intro gibt’s bei dem Song nicht, man wird sofort gegen eine Soundwand geschmissen und in eine brennende Apokalypse gestoßen. Nach den ersten beiden Strophen hat man endlich die Zeit Luft zu holen, das Tempo wird runtergeschraubt, zum Ausgleich wird man bis zum Ende des Songs von messerscharfen Riffs zersägt. Textlich werden einem übrigens die Vorteile einer atomaren Verdampfung dargelegt.

Song Nummer 2, genannt „Krosstika“, überspringe ich schnell, denn er hat keinerlei Eindruck bei mir hinterlassen. Vielleicht lag es daran dass ich keine Ahnung habe was „Krosstika“ bedeuten soll, vielleicht ist der Song aber auch nur langweilig. Gehen wir also schnell zu Nummer 3 über…

„Womb With A View“ – Gebärmutter mit Aussicht, na geil, ich mag ja eklige Texte. Der Song geht gleich mit ´nem abgefahrenen Solo los, dann steigt Sänger „Oderus Urungus“ mit seinen üblen Texten ein, die den Unterleib einer nicht näher bezeichneten Dame recht unschön dastehen lassen. Sau rockig, und geht sofort rein. Den bösen Song hab’ ich mir sofort dreimal hintereinander angehört – den Ohrwurm habe ich bis heute noch.

„Decay Of Grandeur“ ist der ruhigste Song auf dem Album, aber nicht der schlechteste. Seine Stärken liegen eindeutig im melodischen Refrain und in den textfreien Passagen ungefähr in der Mitte des Stücks.

Es folgt der Song der dem Album den Namen gibt – gute Wahl übrigens, denn das Stück gehört zu den besten Titeln des Albums. „War Party“ kommt mit einem tragisch anmutenden Refrain mit absolutem Mitgröhlfaktor – wer keinen Ohrwurm bekommt muss taub sein. „Oderus Urungus“ schreit mit zynischem Beiklang das unvermeidliche Schicksal eines GI’s im Auslandsdienst heraus, der eigentlich ein Held sein wollte. Wer hat schon eine Chance gegen einen Mob mordgieriger Extremisten?

Der unantastbare Kracher des Albums ist „Bonesnapper (The Faces Of The Slain)“. Man höre sich mal dieses geile akustische Intro mit plätscherndem Regen im Hintergrund an. Klingt zunächst wie eine Ballade, doch der Spannungsbogen wird geschickt aufgebaut und dann entlädt sich das ganze in einer Kakophonie des Hasses, die noch mal übertroffen wird von dem boshaften Refrain, der reinhaut wie ein Schlagring in die Fresse. Aber das war noch nicht alles, als finishing move wird ein Solo angesetzt, das auch dem letzten Zweifler den Kiefer brechen sollte.

Nach diesem Hammer wirken die nachfolgenden Songs recht harmlos, bei „Lost God“ wird bei langsamem Tempo über die Unsinnigkeit von Göttern philosophiert, bei „The Reaganator“ wird böse über die amerikanische Militärpolitik hergezogen. Beide Songs reißen zwar nicht wirklich mit, aber anhören kann man sie. „The Bonus Plan“ hingegen hätten sich GWAR besser komplett sparen sollen: den 1:16 Track hätte niemand vermisst. Bassist „Beefcake The Mighty“ kreischt irgendwas auf Französisch durch die Gegend, es klingt einfach nur schlecht.

Zeit für einen Lichtblick: die letzten beiden Songs sind wieder erstklassig. Bei „You Can’t Kill Terror“ zeigen die Jungs an den Gitarren was sie so anstellen können – und sie legen sich wirklich richtig ins Zeug. Das Solo kurz vor Ende reißt alles ab was noch steht. Der letzte Song, „Fistfull Of Teeth“ ist das „Liebeslied“ des Albums (selbstverständlich stirbt die Braut durch die Hand des Bräutigams). Nicht nur der Text ist klasse – und super witzig wenn man schwarzen Humor besitzt – sondern die gesamte Songkonstruktion. Ein krönender Abschluss. Erwähnen sollte ich noch das auf der CD enthaltene Musikvideo, das einen blutigen Einblick in eine GWAR Live-Show erlaubt. Netter Bonus.

Wertung: Zugegeben, es sind nicht nur gute Sachen auf der Scheibe, aber die guten Sachen sind dafür umso besser. Daher gibt’s von mir vier Gitarren. Come join the war party…!

Anspieltipps:

– Bonesnapper (The Faces Of The Slain)

– Womb With A View

– War Party

– You Can’t Kill Terror

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