Gleich vorab sei zu sagen, dass ich die Aufnahme von 1991 nicht kenne. Ich kann also nichts dazu sagen wie der Unterschied ausfällt und ob es überhaupt einen gibt. Qualitativ fällt mir kein Makel auf, den man bei einer Aufnahme von Anfang der 90er erwarten würde.

Was hier abgeliefert wird ist keinesfalls für Freunde des Speed oder Power Metals, obwohl bei der Onlinerecherche einige Male eben diese Genre aufkamen. Nein, die 12 Tracks tröpfeln in maximalem Mid Tempo dahin, belohnen aber, dank zweier Gitarristen, mit satten Gitarrenmauern, die auch gern mal den Sänger Brian Thomas in den Hintergrund verbannen. Dieser scheint ständig zwischen relativ blassem (Sprech-)Gesang mit wenigen Höhepunkten und gellenden Schreien zu schwanken. Je häufiger das Album bei mir aus den Boxen röhrte, desto weniger interessierten mich Text und Gesang. Und dabei scheint Thomas eine Menge erzählen zu wollen, und vielleicht wird er deshalb nur musikalisch unterlegt.

Die besten Stellen, und die dominieren glücklicherweise das Album, sind die Non-Vocalparts. Hier ist reine Spielfreude am Werk. Feinste Gitarrensoli und guter alter Heavy Metal-Sound entschädigen alle mal für die Schwächen des Gesangs. Wobei ich, um mich nicht dem Vorwurf des „Sängerbashings“ auszusetzen, die Ballade “The Death of Love” als einen der stärksten Tracks auf “No One Gets Out” erachte, und hier zeigt Thomas, dass er weitaus mehr kann als er zuweilen auf dem restlichen Album darbietet.

Atmosphärisch wird versucht mit dem Einspielen einer düsteren Stimme, die wohl die innere Stimme eines Jungen mit psychischen Problemen (wenn ich “Sanity in Danger” richtig interpretiere) sein soll, sowie diversen kleineren Soundeffekten, Bedrohung, vielleicht sogar etwas wie Horror, zu kreieren. Dafür ist dieses Album einfach nicht gut genug gealtert, dafür haben dieses Genre in den vergangenen 22 Jahren andere Bands deutlich besser bedient und dafür wirken die Effekte einfach zu künstlich. Stellenweise wirkt das Album wie ein Trash-/Horrorfilm aus den Siebzigerjahren auf DVD gepresst – kultig und man schätzt die Handarbeit bzw. den Mangel an digitaler Bearbeitung, aber dennoch bewegt einen das Ergebnis weit weniger als es zum Zeitpunkt der Erscheinung getan hätte.

Verglichen mit dem Stand von 2013 wirkt “No One Gets Out” alt, und eine geremasterte Aufnahme aus 1991 ist eben keine Neuaufnahme. Für Fans der Band und des Genres ist es eine Gelegenheit, der Sammlung eine weitere und solide Platte hinzuzufügen, also keinesfalls eine Anschaffung, die man bereuen wird. Ich würde aber nicht so weit gehen, es einen Pflichtkauf zu nennen.

Tracklist

  • 01. No One Gets Out
  • 02. If I Die You Die
  • 03. Crawl to the Altar
  • 04. 7 Years
  • 05. The Death of Love
  • 06. Kings
  • 07. Sanity in Danger
  • 08. Miss Eerie’s Child
  • 09. The Thing That Creeps
  • 10. Halloween
  • 11. Detroit Rock City
  • 12. A.B.F.$.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen