Edelmetalle wie Gold und Silber üben seit jeher eine große Faszination auf den Menschen aus und haben deshalb einen bedeutenden Platz in der Kulturgeschichte eingenommen. Andere Edelmetalle scheinen dagegen ein Schattendasein zu führen. Zu diesen gehört neben Platin auch das Palladium. Dieses Metall spielt erst seit relativ kurzer Zeit eine Rolle für den Menschen. Entdeckt erst im Jahre 1804, hielt man es zuerst für eine Kuriosität und benannte es kurzerhand nach dem gerade vorbeigezogenen Kometen Pallas – Palladium.

Was ist Palladium?

Palladium ist, wie bereits erwähnt, ein Edelmetall und gehört hier zu den „großen Vier“ neben Gold, Silber und Platin. Es kommt auf der Erde zwar etwas häufiger vor als die restlichen Edelmetalle, seine Gewinnung ist aber umständlich. Heute zählen Russland und Südafrika zu den wichtigsten Förderländern, die gemeinsam etwa 80 Prozent des globalen Palladium-Angebotes unter sich aufteilen. Weitere Rohstofflieferanten sind die USA und Kanada. Zusätzlich wird durch Recycling Palladium aus alten technischen Verbundsystemen zurückgewonnen.

Der Anwendungsbereich von Palladium ist aufgrund seiner ähnlichen chemischen Eigenschaften dem des Platins ähnlich, deshalb kann dieses Metall Platin in der Technik zuweilen ersetzen. Einsatzgebiete des Palladiums sind Medizin, die Elektrobranche und Automobilindustrie. Allein für Katalysatoren werden zwei Drittel des weltweit verfügbaren Palladiums nachgefragt. Diese technische Abhängigkeit macht den Palladium aber auch anfällig für etwaige technische Innovationen: Zwar wird das Metall für wichtige Bauteile benötigt, dort aber nur für ganz bestimmte Zwecke. Fallen diese weg, bricht auch der Palladiumpreis ein. Doch es kann auch anders herum geschehen. Nachdem im Jahre 2015 die Abgasmanipulationen diverser Automobilhersteller aufgedeckt wurden, brachte dies die Diesel-Technologie allgemein in Verruf. Die Nachfrage nach Benzin- und Hybridfahrzeugen stieg und somit auch der Bedarf der Hersteller an Palladium für die Katalysatoren der Fahrzeuge. Der Palladiumpreis stieg in der Folge kontinuierlich an und überschritt gegen Ende 2017 / Anfang 2018 sogar die 1000 Dollar-Marke.

Eine weitere, aber sehr viel kleinere Rolle spielt Palladium bei der Schmuckherstellung. Für Weißgoldlegierungen kann es ebenso benutzt werden wie zur Münzherstellung, mit denen der Wert des oftmals verkannten Edelmetalls zur Geltung gebracht wird. Auf dem Münzmarkt spielen Palladiummünzen jedoch aufgrund ihrer fast immer sehr begrenzten Auflagen nur eine untergeordnete Rolle.

Handel mit Palladium

Der Palladiummarkt ist nicht unbedingt für Anfänger geeignet, da es hier einige Besonderheiten zu beachten gibt. Aufgrund des besonderen „Einsatzkorridors“ ist der Palladiumpreis aufgrund der häufigen Veränderungen von Angebot und Nachfrage sehr fragil. Er kann innerhalb sehr kurzer Zeiträume beträchtlich schwanken. Als international gehandelter Rohstoff wird der Preis für dieses Metall in US-Dollar notiert. Dabei ist die tendenziell negative Korrelation zum Dollar zu beachten. Der Palladiumpreis steigt häufig dann an, wenn der Dollarkurs fällt. Für Edelmetalle als investiver Sicherheitshafen durchaus nichts Ungewöhnliches. Im Gegensatz zu den etablierten Edelmetallen Gold, Silber und Platin ist der Palladiummarkt von jedoch im Unterschied zu diesen von geringerer Liquidität geprägt. Für Anlagemünzen aus Palladium besteht aufgrund der geringen Prägestückzahlen weniger Angebot aber auch im Vergleich zu den anderen Edelmetallmärkten eine deutlich geringere Nachfrage. Dies gilt analog für das Angebot an Zertifikaten auf das Metall, das weitaus geringer anfällt als bei den restlichen bedeutsamen Edelmetallen. Folge davon sind häufig höhere Handelsspannen an den Rohstoffbörsen sowie bei Münzhändlern, was von Investoren nicht gern gesehen wird, da sich höhere Handelsspannen für sie nachteilig auswirken können.

Für langfristig und strategisch aufgestellte Investoren kann der Palladiummarkt trotz alle dem dennoch von besonderem Interesse sein. Durch die speziellen Eigenarten dieses Marktes wird hier der Preis weniger von Spekulanten und aggressiven Tradern beeinflusst. Vermutlich ist der Palladiummarkt einfach nicht anziehend genug für diese Händlerspezies. Fließt dann doch einmal viel Kapital in einen so kleinen Markt, können die Preise für Palladium aber auch „explodieren“. Palladium wird deshalb nicht an allen Börsen dauerhaft gehandelt.

Die beiden größten Handelsplätze für den Palladiumhandel sind die Tokyo Commodity Exchange (TOCOM) und die New York Mercantile Exchange (NYMEX). Mit dem Währungskürzel XPD wird der Preis für eine Feinunze Palladium in US-Dollar angegeben, im Börsenhandel findet sich das Metall unter der internationalen Wertpapierkennnummer (ISIN) XC0009665529. Die geeigneten Zugangswege, um in Palladium zu investieren, bestehen zum einen in auf das Edelmetall ausgerichtete ETFs (börsengehandelte Fonds) oder ETCs (Exchange-traded Commodity, börsengehandelte Wertpapiere zur Investition in Rohstoffe) und zum anderen in Palladium-Aktien, also Wertpapiere von Unternehmen, die in die Palladiumförderung eingebunden sind. Daneben besteht natürlich immer die Möglichkeit, Palladium als Barren oder Münzen physisch zu kaufen und sie z.B. in einem Bankschließfach oder Hochsicherheitslager zu verwahren.

Die Anlagemöglichkeit in Rohstoffe durch ETCs wird auch als direkte Anlagemöglichkeit bezeichnet, da den Zertifikaten im Falle von Palladium reale Bestände des Metalls zugrunde liegen, durch welche das Investment abgesichert ist. Börsengehandelte Fonds (ETF) werden als indirekte Investments bezeichnet, da ihnen keine realen Bestände entsprechen müssen. Die Investition des Fonds können sich auf den Rohstoffpreis selbst, aber auch auf die Palladiumförderung, den Palladiumhandel oder die Palladium-Verarbeitende Industrie beziehen. Die Partizipation an der Entwicklung des Palladium-Preises findet also meist indirekt statt.

Im Bereich des Aktienmarktes sind vor allem die Aktien der Förderunternehmen für Palladium interessant. Hier sticht der russische Minenbetreiber Norilsk Nickel, der weltweit größte Palladium-Förderer, eindeutig heraus. Der Rohstoffkonzern ist nicht nur für beinahe ein Drittel der globalen Palladiumproduktion verantwortlich, sondern stützt seinen Konzernumsatz in ungefähr dem denselben Anteil auf das edle Metall. Das Unternehmen betreibt neben seiner Minen in Russland auch in Botswana und Südafrika Rohstoffförderung. Angemerkt an dieser Stelle sei noch, dass Investitionen in russische Konzerne besondere Eigenarten mit sich bringen. So verhalten sich die russischen Rohstoffproduzenten gegenüber der Umwelt oft wenig zimperlich bis rücksichtslos. Die Folge sind extreme Umweltschäden. Des Weiteren spielt hier die große Weltpolitik mit. Im gegenwärtigen Spannungsfeld zwischen den USA und Russland mit begleitenden US-Sanktionen können Auswirkungen auf die Kurse der Norilsk-Konzernaktie nicht ausgeschlossen werden, bzw. kamen in der Vergangenheit zum Leidwesen der Anleger als Kurseinbrüche bereits vor, auch wenn die Erholung rasch einsetzte.

Investieren in Palladium

Wem ein Investment in einen Konzern, der für extreme Umweltverschmutzung in Gebiet um die Stadt Norilsk verantwortlich gemacht wird, nicht zusagt, kann auf Alternativen am Aktienmarkt ausweichen. Die südafrikanische Anglo American Platinum ist die große Nummer Zwei auf dem internationalen Palladiummarkt. Zwar ist das hauptsächliche Standbein des Konzerns die Platin-Produktion (in diesem Bezug ist das Unternehmen Weltmarktführer), doch spielt er auch bei Produktion und Rückgewinnung durch Recycling von Palladium auf dem Palladiummarkt ganz vorne mit. Das Unternehmen besitzt mehrere Minen, Raffinerien und Schmelzhütten in Südafrika und kann auf bedeutende Platin-Lagerstätten zugreifen, die zudem auch Nebenprodukte wie Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium abwerfen.

Sozusagen als Geheimtipp wird der kanadische Rohstoffkonzern North American Palladium gehandelt. Seine Besonderheit besteht darin, dass sich der Unternehmensfokus ausschließlich auf Palladium richtet. Mit seiner Mine Lac des Iles verfügt das Unternehmen über eine erstklassige Lagerstätte für das edle Metall und hat sich zum Ziel gesetzt, die Palladium-Produktion kostengünstig und nachhaltig zu prägen. Der Nachteil dieses Geheimtipps besteht in Zusammenhang mit den anfälligen Kursen von Palladium. Wie bereits erwähnt, kann es hier leicht zu starken Schwankungen kommen, die ein ausschließlich auf das Metall konzentriertes Unternehmen besonders hart treffen können.

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Autor: Ksander


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