Ich muss ja leidlich gestehen, dass diese Band, trotz ihrer zehn Vorgängeralben in knapp 16 Jahren bis jetzt völlig an mir vorbeigegangen ist. Dieses muss aber nicht unbedingt schlecht sein, weil ich somit vollkommen unvoreingenommen und mit nicht den geringsten Erwatungen ans Werk gehen kann. Fangen wir also an:Der Titeltrack „Human Nature“, welcher auch gleichzeitig ist ein langsamerer Midtempo-Rocker. Hier kommen auch gleich die Trademarks der Band, welche sich über das ganze Album hinziehen zur Geltung. Wunderbarer mehrstimmiger Gesang, vornehmlich in den Refrains, die allesamt Ohrwurmcharakter besitzen. Gefolgt wird mit „Next time around“, welches mich stark an Werke von Jaded Heart oder eben Michael Bormann als Solokünstler erinnert. Der nächste Track fängt mit etwas groovigeren Riffs an, wechselt aber in den Strophen zu einem balladesken Musikstil, der schon fast Ähnlichkeiten mit Bryan Adams hervorruft. Im Refrain wieder etwas härter, und, wie nicht anders zu erwarten, mehrstimmiger Gesang. „Reality“ geht zum ersten Mal etwas flotter ab, und beweißt damit, dass Harem Scarem auch richtig rocken können. Für mich bis jetzt das beste Stück der CD. Was einem am Anfang von „Hanging on“ entgegen schallt, lässt einen unweigerlich beschließen, dass man die erste Ballade des Albums gefunden hat. Mehr gibt es hierzu auch nicht zu sagen. Eingeleitet von einem kurzen Drum-Soloteil beginnt „Don´t throw it away“. Hier geht es wieder etwas schneller zur Sache, aber immer noch nicht so rockig wie bei „Reality“. Doch dafür wieder mit einem herrlichen Refrain, und interessanter Solo-Gitarren-Arbeit.Kommen wir also zur fiktiven zweiten Hälfte der CD. Hier erwartet uns als erstes „Give love/get love“, was so eindeutig nach Queen klingt, als hätte diese Band mit Harry Hess als Frontmann dieses Stück eingespielt. Aber wenn man schon einen vierstimmigen Gesang zur Verfügung hat, dann sollte man ihn auch mal testen. Ich denke, genau aus diesem Grund ist das Stück entstanden. Das nächste Lied mit dem wundersamen Namen „21“ beginnt mit ruhigen Gitarren, in die eine hauchende Stimme einsetzt. Man denkt wieder an Balladen, da wird man plötzlich förmlich aus dem Schlaf gerissen, denn nun unerwartet rocken sie wieder, die Leute von Harem Scarem. Hier befindet sich für mich der zweite Höhepunkt der Scheibe. Und noch ein klasse Stück folgt mit „Starlight“. Hier hatte wieder Herr Adams seine Hände als musikalisches Vorbild im Spiel. Es könnte aber auch „Bon Jovi“ gewesen sein. Nun kommen wir auch schon zum vorletzten Stück von „Human Nature“. Noch einmal Gute-Laune-Musik á la Harem Scarem. Abschließend eine weitere rockigere Nummer mit einem interessanten Gitarrensound. Wieder absolut hörenswert. Die Scheibe ist durchweg gut und drückend produziert. Hier sind wahre Musiker am Werk gewesen. Allerdings kann man dieser CD eine gewisse Radiotauglichkeit und somit eine gewollte Einordnung in den Mainstream bescheinigen. Aber da es sich wohl als Hauptaspekt der Jungens erweist, muss dieses ja nicht unbedingt negativ behaftet sein. Also mich hat die Arbeit, welche Harem Scarem hier abgeliefert haben überzeugt. Es ist sicher kein Überalbum, dafür fehlt ein wenig die Eigenstämdigkeit und Abwechslung, aber dennoch ein gutes Album, was seinen Platz im CD-Regal von vielen Fans des softeren Hardrocks finden wird.