Was für eine Konzertwoche in Osnabrück. Zunächst zerlegen Sepultura und Co. am Mittwoch den Rosenhof in bester Thrash Metal Manier gepflegt in seine Einzelteile. Am Freitag kommen dann bei Iced Earth auch die Power Metal Fans voll auf ihre Kosten und am heutigen Samstag gibt es im Bastard Club dann den Abschluss mit den Mittelalter Rockern von Harpyie.


Dabei erscheint die familiäre Atmosphäre des Clubs als wie geschaffen für das Konzert, denn obwohl Harpyie erst jüngst mit ihrer Bewerbung für den Eurovision Song Contest auf sich aufmerksam gemacht haben sind die Katakomben des Bastards heute etwas spärlich besucht. Gut fünfzig Leute werden es insgesamt sein. Und die sehen zunächst die Deutschrocker Resomus aus Trier.

Die junge Band um Sänger Danny macht ihre Sache überaus gut und erntet dafür ordentlich Beifall von den Anwesenden. Ob es sich nun eher nachdenkliche Stücke wie zum Beispiel „Spiegel der Seele“ oder aber um rotzige Rock Nummern wie „Deutschrock ist die beste Medizin“ handelt ist dabei eigentlich egal. Die Stücke sind gut geschrieben, in sich schlüssig und kommen gut beim Publikum an. Musikalisch bieten die Songs aber noch weit mehr als man es von klassischen Deutschrockbands gewohnt ist. Immer wieder hört man den tief wummernden Bass und aggressive Gitarrenriffs, die die Songs in ein fast schon metallisches Gewand hüllen. Insgesamt eine gute talentierte Band, die sich nicht auf ein Genre reduzieren lässt und immer wieder Einflüsse aus anderen Bereichen zulässt. Weiter so.

Als dann nach kurzer Umbaupause das Intro zu „Aus den Schatten“ vom aktuellen Album „Willkommen im Licht“ aus der PA schallt drängeln sich plötzlich alle nach vorne vor die kleine Bühne und jubeln der Band zu. Die wiederum feuert enthusiastisch ein ums andere Stück ins Publikum. Man kann der Truppe aus Bad Oeynhausen wahrlich anmerken, dass sie Spaß am Live Auftreten haben, denn sie legen heute eine ungemeine Spielfreude an den Tag. Außerdem geben sie in ihrer mittelalterlichen Gewandung ein sehr gutes Bild ab. Hier stimmt der Gesamteindruck schon mal. Und auch wenn es um die musikalische Symbiose aus mittelalterlichen und rockigen Elementen geht beweist die Band ihr Können. Obwohl der Schwerpunkt ganz klar auf Gitarre, Schlagzeug und Bass liegt, werden auch Geige und Dudelsack sehr gut mit einbezogen haben ihren Platz und sorgen für die nötige Abwechslung. An dieser Stelle auch noch mal ein Lob für den Mischer, der seine Sache echt gut macht.

Erwartungsgemäß nehmen die Stücke des neuen Albums den größten Teil des Sets ein. Aber das ist auch gut so, denn sie sind so eingängig, dass die Band das Publikum damit im Nu in seinen Bann zieht und die Meute bei „Der letzte Held“ und „Ausgebrannt“ schon so richtig abfeiert. Auch die erste Single Auskopplung „Blutsbrüder“, zu der wohl eines der aufwendigsten Musikvideos der Mittelalter-Szene gedreht wurde, wird einwandfrei dargeboten und kommt gut an. Im Mittelteil werden mit „Hexe und Halunken“ und „Die tanzende Schlange“ noch zwei Stücke vom Erstlingswerk „Blindflug“ (2012) zum Besten gegeben, bevor die Band dann in den Finalteil einsteigt. Und hier hat der Sechser zunächst das großartige „Antarktika“ und den zugehörigen Epilog im Angebot. Das elektronisch angehauchte Lied, das aber dennoch über ein starkes Riffing verfügt gehört für mich zu den stärksten des neuen Albums und der darauf folgende sehr schöne und melodiöse „Antarktika Epilog“ schließt es würdevoll ab. Das wohl eingängigste und derzeit bekannteste Stück, welches auch zugleich zur Bandhymne werden könnte hat sich Harpyie dann für den Schluss aufgehoben. „Sturmvögel“ wird mit aller Macht in den tobenden Mob gefeuert. Und auch wenn es nur etwas fünfzig Nasen sind, hat das Ganze schon fast etwas von Stadion-Atmosphäre wenn die Metalheads auf des Sänger Aellos Frage: „Was wollt ihr sein?“ fast wie aus einem Munde „Sturmvögel“ schreit. Echt klasse. Für die Zugabe hat die Band dann den Song „Hunderdreyssig“ ausgewählt, bei dem auch Geigerin Mechtild Hexengeige noch mal ihr Gesangstalent unter Beweis stellen darf.

Und damit geht ein super Konzertabend mit zwei äußerst sympathischen Bands zu Ende. Nach dem Konzert stehen dann sowohl Resomus wie auch Harpyie noch für Gespräche, Autogramme und Fotos zur Verfügung. Das nenne ich mal echte Fan-Nähe und setzt einem guten Schlusspunkt unter ein tolles Konzert. So etwas hätte ich gerne öfter.

Setlist Harpyie:

  • 01.Aus den Schatten
  • 02.Willkommen im Licht
  • 03.Der letzte Held
  • 04.Ausgebrannt
  • 05.Blutsbrüder
  • 06.Diese eine Nacht
  • 07.Wir sterben nie
  • 08.Hexe und Halunken
  • 09.Die tanzende Schlange
  • 10.Antarktika
  • 11.Antarktika Epilog
  • 12.Jericho
  • 13.Blindflug
  • 14.Sturmvögel

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  • 15.Hunderdreyssig

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