„Hart rocken für Haiti“ hiess es am vergangenen Freitag. Timo Wenner von der bekannten Metallica-Coverband Nutellica hatte den Stein in’s Rollen gebracht, und zahlreiche Akteure zogen mit.


An vorderster Stelle dabei: der Osnabrücker Rosenhof, der auf sämtliche Eintrittseinnahmen verzichtete und den Ort des Geschehens stellte. Auch die Bands des Abends verzichteten auf ihre Gage und trugen so zum Gelingen bei.

Die erste dieser Bands waren die Osnabrücker von Minefields in Heaven. An vorderster Stelle dabei: Rockröhre Naddi, in vergangenen Zeiten Frontfrau von The Cutes, zwischenzeitlich der weibliche Part der Alternative-Cover-Band 30 cm Neuschnee und nun musikalisch auf neuen Pfaden.

Als „Metal / Screamo / Death Metal“ – Band outet sich die Gruppe auf ihrer MySpace-Seite, unbedarfte Gemüter nennen es vermutlich einfach Metalcore. Auf jeden Fall handelt es sich um eine druckvolle Klangwand, in der Fronterin Naddi ordentlich losröhrt. Unterstützt wird sie dabei an der Gitarre von Shorty und von Dom sowie von Julian am Bass und Chris am Schlagzeug. Wie sich dieser Haufen zusammengefunden hat, ist unbekannt, aber es scheint sich um einen Glücksfall für die Osnabrücker Musiklandschaft zu handeln. Nicht nur die zufriedenen Reaktionen des Publikums zeugen von hochwertiger Musik, auch das spannungsreiche Songwriting und ein brillantes Zusammenspiel begeisterten. Einfach sexy, diese Band.

Mit Speed Bump betrat nun eine ebenfalls recht junge Band die Bühne. Mit Gründungsdatum 2009 ist das mittlerweile bereits wieder ein Jahr her, in dem das Quintett sich einiges an Songmaterial hat einfallen lassen. Der Schwerpunkt lag ganz klar auf englischen Texten, aber auch Stücke wie der provokante „Pennersong“ finden sich im Repertoire.

Bei den Stücken handelt es sich um erdigen Rock mit starkem Punk-Einschlag, der von knackigen Gitarrenriffs lebt. Lebendig wurde es damit vor der Bühne, wo sich nicht weniger Musikbegeisterte einfanden als zuvor bei Minefields in Heaven. Insgesamt war es ein solider Auftritt, wenn den Jungens auch ein wenig mehr Bewegung auf der Bühne gutgetan hätte.

Es folgten Therapiezentrum. „Insgesamt kann man zu diesem Auftritt nur noch sagen, dass es zwar an Bühnenerfahrung mangeln mag. Gerade deswegen aber Hut ab für die Leistung, welche die Band hier voller guter Laune vollbracht hat!“. So schrieb ich 2006 ziemlich wohlwollend über einen der ersten, wenn nicht den ersten Auftritt der damals noch sehr jungen Schüler. Nun, was soll man sagen – nach vier Jahren Banderfahrung und einigen Besetzungswechseln kann man der Band bedenkenlos eine gelungene Entwicklung bescheinigen.

Beitragen dazu tut auf jeden Fall der Einsatz des neuen Schlagzeugers Toby, der seit Januar bei Therapiezentrum eingestiegen und bis dahin vor allem durch seinen Einsatz bei Your Hands Divine bekannt geworden ist. Aber die zunehmende Bühnenerfahrung zeigt sich auch bei den anderen Mitgliedern der Band, die professioneller und zugleich motivierter wirkten als je zuvor.

Pluspunkt der Band sind zunehmend die textlichen Qualitäten, als inhaltliche Perle ist hier „Kein Liebeslied“ hervorzuheben. „Ist das noch Rock?“ fragt sich da mancheiner und hat nur ein müdes Schmunzeln über. Aber: es ist Musik, die weitaus ernsthafter wirkt als prätentiöser Rotzpunk anderer Gruppen und die sich in vergleichbarer Form in Osnabrück nicht oder nur selten wiederfindet und die auch deutlich sichtbar ihre Freunde fand.

Hart, aber herzlich sollte es werden mit den folgenden Dirty Deeds. Der Name zeigt deutlich, in welche Richtung das Programm gehen sollte: Die Gruppe frönte ihren Helden von AC/DC‚ und kam dem Original dabei erstaunlich nahe. Schon bei „High Voltage“, dem ersten Stück ihres Auftrittes, starteten die Besucher vor der Bühne einen wahren Hexenkessel.

Philosophie der Gruppe ist es, möglichst authentisch die Stücke der Anfangsära von AC/DC zu spielen, in der Bon Scott Regie führte. Zu Gute kommt den Jungens, die diese Herausforderung immerhin seit elf Jahren immer wieder annehmen, dass dies die Stücke sind, mit denen sie aufgewachsen sind. Leadgitarrist Mark gab sich jugendlich-lebendig, zeigte bei Bad Boy Boogie auch mal kurzzeitig sein nacktes Hinterteil und rumpelte über die Bühne, dass sich manch Rocker von heute noch etwas abschauen konnte. Für Leute, die „dem ganzen modernen Kram nichts abgewinnen können“, wie es ein Besucher ausdrückte, absolutes Pflichtprogramm – für alle anderen keinesfalls uninteressant.

Das lässt sich auch über Nutellica sagen, die als Headliner den Abend beschließen sollten. Die erfolgreichste Metallica-Tribute-Band startete mit „Creeping Death“ ein umfassendes Set, das die Jünger von Metallica frenetisch abfeierten. Unbestritten gehören Metallica zu den einflussreichsten (manch einer sagt: besten) Metalbands der Musikwelt, und schon diese Tatsache schien zu reichen, um die Gäste des Rosenhofes zu willenlosen Groupies zu machen – zumindest beinahe.

Hinzu kam die Tatsache, dass das Osnabrücker Quartett es verstand, einen guten Job zu machen und mit „Seek & Destroy“, „One“ und „Enter Sandman“ auch einige der größten Erfolge ihrer Vorbilder präsentierten.

Mehr als 400 Gäste verfolgten das Spektakel zu Gunsten der Erdbeebenopfer an diesem Abend, fünf großartige Bands operten Zeit, Schweiß und Gagen zu diesem Zweck und zahlreiche ehrenamtliche Helfer trugen zum Gelingen bei. Obwohl bei Redaktionsschluss der Erlös des Abends noch nicht fesstand (über den OsnaMetal.de selbstverständlich zeitnah berichten wird), zeichnet sich bereits ab, dass „Hart rocken für Haiti“ ein Erfolg war. Zu Gute kommt er dem in Osnabrück ansässigen Kinderhilfswerk Terre des hommes, das mit den Erlösen in der Stadt Les Cayes im südlichen Haiti direkt vor Ort hilft. Weitere Informationen enthält der Spendenaufruf der Organisation.

Setlist Minefields in Heaven

  • 01 Intro
  • 02 Way of suffering
  • 03 Days without lies
  • 04 Take it or leave it
  • 05 Bloody desert
  • 06 I gotta feeling
  • 07 Never crying hearts
  • 08 Waiting for you

Setlist Speed Bump

  • 01 Wrong way driver
  • 02 Side by side
  • 03 Pennersong
  • 04 Raisins
  • 05 Zusammen
  • 06 Rage
  • 07 He’s stumped
  • 08 Paranoid
  • 09 Bobby

Setlist Therapiezentrum

  • 01 Nahezu perfekt
  • 02 Hallo hoffnung
  • 03 Blase im Schaum
  • 04 Hass mich
  • 05 Willenlos
  • 06 Reiz
  • 07 Ausgenutzt
  • 08 Kein Liebeslied
  • 09 Regenfeeling
  • 10 Orientierungslos
  • 11 Ich verzichte
  • 12 Mach die Augen auf

Setlist Dirty Deeds

  • 01 High Voltage
  • 02 Sin City
  • 03 Bad Boy Boogie
  • 04 Highway to hell
  • 05 Riff Raff
  • 06 Whole lotta Rosie
  • 07 Dirty deeds
  • 08 Let there be rock
  • 09 TNT

Setlist Nutellica

  • 01 Creeping Death
  • 02 Breadfan
  • 03 For whom the bell tolls
  • 04 The memory remains
  • 05 Master of puppets
  • 06 One
  • 07 The four horsemen
  • 08 Seek & Destroy
  • 09 Enter Sandman
  • 10 Whiskey in the jar

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