Eines wird direkt beim Opener „Sklave der Neuzeit“ klar. Der Besetzungswechsel hat sich positiv auf den Gesamtsound der Band ausgewirkt. Durch den Einsatz des Keyboards bekommen die Arrangements mehr Fülle und im Gesangsbereich fällt sofort die große Vielfältigkeit der Stimme auf. Vom bösen NDH-Gesang wie bei „Perfekt“ bis hin zum fröhlichen Pop-Geträller wie bei „Wann ist ein Mensch ein Mensch“ ist so gut wie alles dabei. Hinzu kommen teils ultra-coole Rockgitarrenriffs, die deutlich machen, wo die Wurzeln der Band liegen.

Dass Hassliebe musikalisch dem Heavy Metal entspringen lässt sich nicht übersehen und wird beispielsweise im sehr thrashigen „Krieg im Digitalverkehr“ mehr als deutlich. Und wer manchmal was fürs Herz braucht, der findet mit „Mut“ und „Ein-Bild(ung)“ zwei waschechte, schon fast kitschige Balladen auf der Platte. Dazu mischen die Jungs eine ordentliche Portion Punkrock und scheuen auch nicht davor Mainstream-Elemente in ihren Sound zu integrieren. Das geschieht aber auf eine derart unkonventionelle Weise, dass Hassliebe daraus kein Vorwurf gemacht werden kann. Tatsächlich sind die Jungs derzeit mit nichts zu vergleichen, was die Punk oder Deutschrock-Szene aufzubieten hat.

Ein weiterer Punkt, der die Eigenständigkeit der Band unterstreicht, ist das lyrische Konzept, das vollkommen ohne Peinlichkeiten auskommt, dafür aber ein hohes Identifikationspotential besitzt. In ihren plakativen Texten prangert die Band Missstände in der Gesellschaft an und ruft dazu auf, nicht gedankenlos jedem Trend hinterher zu laufen oder sich von den Medien beeinflussen zu lassen. Sehr treffend formuliert wird das in „Shit on TV (jeden Tag)“. Dabei gehen sie intelligent zu Werke und vermeiden jegliches Geschwafel von Pathos oder „uns geht es ja so schlecht und ihr seid alle Scheiße“ und setzen sich damit vom Gros der Deutschrock-Band ab.

Alles in allem ein klasse Album, das abwechslungsreich und anspruchsvoll ist. Hier wird eigentlich die ganze Bandbreite vom Heavy Metal bis zum Pop bedient. Dabei vertraut die Band auf ihre altbewährten Trademarks, geht aber auch neue Wege.

Tracklist:

  • 01. Sklave der Neuzeit
  • 02. Perfekt
  • 03. Deine Zeit (001)
  • 04. Wann ist ein Mensch ein Mensch
  • 05. Shit on TV (Jeden Tag)
  • 06. Mut
  • 07. Krieg im Digitalverkehr
  • 08. Alltagsprogramm (Es läuft) (002)
  • 09. Die Wolkenmaschine
  • 10. Ein-Bild(ung)
  • 11. 1321195.DE
  • 12. Vom Anfang bis zum Schluss