Wenn die Hörner rufen und die Schilde bersten, dann ist es wieder Zeit für eine gehörige Portion Heiden-Metal. Und die sollte es heute in der Oberhausener Turbinenhalle auch geben, denn mit Wintersun, Dornenreich und Todtgelichter sind gleich drei Special Guests dabei, die die Heiden-Krieger heute in die Verlängerung schicken.


Los geht’s bereits am frühen Nachmittag mit den Isländern von Skálmöld. Die Band spielt eine Mischung aus Folk- und Viking Metal und kommt damit beim Publikum extrem gut an. Die rauhe Stimme von Sänger Björgvin Sigurasson gepaart mit den groovenden Gitarren und dem stivoll eingesetztem Keyboard verleihen der Show eine ganz besondere Atmosphäre. Man wird von der Düsternis umfangen und lässt sich von der Folklore Islands begeistern. Die ausschließlich auf isländisch vorgetragenen Texte verstärken dieses Gefühl noch.

Apropos Düsternis. Auch in der Halle ist es schon jetzt richtig schön dunkel, sodass sich auch die Lichtshow voll entfalten kann. Erfreulich ist es auch, dass schon jetzt richtig viele Metaller vor der Bühne stehen und die Band abfeiern. Minuspunkte gibt es allerdings für den Sound der irgendwie matschig klingt. Allgemein ist der Sound heute, gerade bei den ersten Bands, eher durchwachsen. Aber auch die Headliner haben es nicht unbedingt mit optimalen Bedingungen zu tun.

Als zweite Band betritt Todtgelichter ganz in weiß die Bühne und sorgt gleich für Gänsehautstimmung. „Bestie“, „Blutstern“ und besonders „Neon“ ziehen das Publikum in ihren Bann und während die düsteren Melodien kalt und rau durch diese ehemalige Industriehalle schwingen könnte man meinen, dass der Herbst dieses Jahr ausfällt und direkt ein eiskalter Winter vor der Türe steht. Diese Band hat sich musikalisch eindrucksvoll weiterentwickelt und man darf wirklich sehr gespannt sein, in welche Richtung sich die nächste Scheibe entwickeln wird. Todtgelichter sollten nicht nur Fans des Avantgarde und Ambient Black Metals im Auge behalten.

Die Jungs von Trollfest sorgen dann wirklich für einen Heidenspaß. Direkt vom ersten Song „Die verdammte Hungersnot“ an geht es richtig zur Sache. Der als Bierflasche verkleidete Sänger Trollmannen rennt immer wieder von einer Seite der Bühne auf die andere und animiert das Publikum zum mitmachen. Der Funke springt sofort über und so entwickelt sich vor der Bühne ein ordentlicher Mob, welcher zu der Mischung aus Black Metal und Gypsy Punk eine amtliche Party veranstaltet. Den Höhepunkt erreicht die Stimmung dann bei „Der Jegermeister“; mit Wall of Death und Cicle Pit.

Ein Stück weiter nach Osten zieht uns dann Arkona. Die Russen versprühen einen ganz besonderen Charme und wissen das Publikum mit ihren markanten und tiefgehenden Kompositionen zu überzeugen. Hinzu kommt der starke, variable Gesang von Sängerin und Bandgründerin Maria Archipowa. Alles in allem geht es zwar etwas ruhiger zu als noch zuvor bei Trollfest, aber dennoch kann man hier keinesfalls von Langeweile sprechen. Neben den stilvoll vorgetragenen Balladen hat Arkona nämlich auch einige richtige Partyknaller im Gepäck zu der die Meute vor der Bühne ordentlich abgeht. Musikalisch ist hier alles sauber. Die Gitarren dominieren die Musik und werden gekonnt von Dudelsack, Pfeife und Co. unterstützt, sodass sich ein abwechslungsreicher Mix ergibt. Die stimmungsvolle, überwiegend in rot, grün und gelb gehaltene Lichtshow steuert dann ihr übriges zu einer gelungenen Show bei.

Vor der Bühne wird es nun erkennbar geräumiger, als Dornenreich mit 3 Leuten die Bühne betreten. Die meisten Besucher des Heidenfestes in Oberhausen können mit Dornenreich anscheinend nicht so viel anfangen und gehen erstmal an die Theke. Neben dem Violinisten und dem Schlagzeuger, welche sich eher im Hintergrund halten liegt der Fokus eindeutig auf Jochen Stock, der trotz des nachlassendem Interesses souverän sein Ding durchzieht. Der Hauptbestandteil dieser Show liegt eindeutig bei der „Her von welken Nächten“ (2001). Mit „Trauerbrandung“, „Wer hat Angst vor Einsamkeit“ und „Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz“ sind gleich 3 Songs von der subjektiv betrachtet besten Scheibe dabei, so dass zumindest der Autor bei der Setlist voll auf seine Kosten gekommen ist. Leider ist der Sound bei diesem Auftritt viel zu leise, und selbst die „lauter, lauter“ Sprechchöre nach den ersten Songs zeigen keine große Wirkung.

Weiter geht es dann mit etwas True Scotish Pirate Metal von Alestorm. Und tja, was soll man sagen… Einfach ein wahnsinnig geiler Gig. Die Umbaupause nach Dornenreich haben viele Leute genutzt um nach ganz vorne zu kommen. Schon bei den ersten Tönen herrscht ordentliches Gedränge bis auf die Höhe des Mischpultes und selbst danach stehen die Zuhörer dicht beisammen und machen bei den vielen Mitsingparts mit. Eröffnet wird mit „Back Through Time“ direkt gefolgt von „Shipwrecked“. Es werden also erstmal die neueren Sachen vorgestellt, welche auch ganz gut ankommen. Als es jedoch zu den älteren Klassikern geht, kocht die Stimmung fast über. Bei „Wolves of the Sea“ „Keelhauled“ und „Wenches and Mead“ heben sich die Fäuste durch die gesamte Turbinenhalle und es wird bis in die hinteren Reihen lauthals mitgesungen. Bei „Death Throes of the Terrorsquid“ ist dann noch ein zweiter Sänger auf die Bühne, der die Screamparts übernimmt und dabei sichtlich Spaß hat. Zum Abschluss gibt es dann noch „Rumpelkombo“ und der mit Abstand beste Auftritt dieses Tages ist leider viel zu früh zu Ende. Wenn diese Jungs so weitermachen dürfte eine angemessene Headliner-Spielzeit nur noch eine Frage von Monaten sein.

So. Jetzt noch mal schnell auf die Toilette, ein dezentes Corpse-paint in rot-schwarz aufgelegt und ab geht’s zu Turisas. Die Finnen bieten heute eine abwechslungsreiche Show, die deutlich mehr nach vorne geht, als noch auf der Support-Tour mit den Apokalyptischen Reitern in diesem Frühjahr oder auf dem Rockharz Open Air. Dies mag auch der leicht veränderten Setlist geschuldet sein. Neben den obligatorischen Songs „One More“ und „To Holmgard And Beyond“ vertrauen Turisas beim Heidenfest eher auf knallige Stücke wie „Stand Up And Fight“ und das Boney M. Cover „Rasputin“, was sich auch auszahlt. Die Stücke werden von der Halle begeistert mitgesungen und die weiter hinten stehenden haben es schwer die Bühne zwischen all den in die Luft gereckten Fäusten zu sehen. Leider ist auch hier der Sound, gerade im hinteren Teil der Halle nicht optimal. Die Geige hat vereinzelt Aussetzer und die Gitarren sind teilweise zu laut. Nichts desto trotz, ein sehr guter Auftritt. Weiter so.

Als Co-Headleiner dürfen wir uns nun über die Hummpa-Black Metaller Finntroll freuen. Während des instrumentalen Intros „Avgrunden öppnas“ betritt die Band die komplett verdunkelte Bühne und sofort läuft mir ein Schauer über den Rücken. Das scheint neben den Auftritten von Todtgelichter und Dornenreich einer der schwärzesten zu werden. Bereits beim Opener „Manniskopesten“ wird klar, dass das heute kein lustiges Hummpa-Gedudel wird sondern eine 1-A Black-Metal Show. Die Gitarren klingen böse und schrill und der krächzende Gesang sorgt für eine düstere Stimmung. Im weiteren Verlauf liegt der Schwerpunkt der Show auf den Klassikern von „Nattfödd“ (2004) und „Jaktens Tid“ (2001) vermischt mit neueren Songs wie „Solsagan“ und „Under Bergets Rot“. So recht überzeugen können Finntroll allerdings nicht und so wundert es auch nicht, dass man vor der Bühne nicht unbedingt Angst haben muss erdrückt zu werden. Einige Fans haben die Halle sicherlich schon verlassen und viele warten auf den Headliner Wintersun. Bevor die allerdings an der Reihe sind gibt es mit dem Coversong „The God that failed“ noch ein kleines Schmankerl für alle Metallica Fans. Und richtig ab geht es dann doch noch einmal bei „Trollhammeren“, bevor der Gig dann mit „Rivfader“ und der Zugabe „Jaktens Tid“ zu Ende geht. Alles in allem also eine solide Show, die allerdings Überaschungen und wirkliche Höhepunkte vermissen lässt.

Bei Wintersun frage ich mich heute ernsthaft, womit sie ihren Headliner-Status begründen. Sänger und Bandgründer Jari Mäenpää hat zwar vor mittlerweile sieben Jahren ein recht passables Album produziert, seither kam aber außer einer Menge Gerede nicht viel. Und auch heute gibt es nichts Neues von Wintersun zu berichten. Die Setlist hat sich gegenüber den Sommer-Festivals in keinster Weise verändert. Los geht`s mit „Beyond the Dark sun“, „Battle against time“ und „Sleeping Stars“. Tja und dann ist die erste halbe Stunde auch schon rum. Der Sound ist ok, aber nicht überragend. Spielerisch ist alles im grünen Bereich und der Großteil des verbliebenen Publikums scheint mit dem Auftritt soweit zufrieden zu sein. Wintersun zeigen sich motiviert, allerdings haben die meisten Metalheads schon das ein oder andere Bier zuviel getrunken und wirken irgendwie müde. Die Chor-parts werden zwar noch mitgesungen und vereinzelt hört man zwischen den Stücken auch Wintersun Rufe, insgesamt mag hier aber nicht so recht Stimmung aufkommen. Kurz vor Schluss wird dann noch das „neue“ Stück „The Way Of The Fire“ vorgestellt und nach dem obligatorischen „Starchild“ und dem Versprechen ganz bald mit einem neuen Album zurück zu sein ist dann Schluss. Viel mehr ist bei nur einem Album auch nicht drin. Schade, denn eigentlich kann Jari Mäenpää mehr. Das hat er seinerzeit bereits bei Ensiferum unter Beweis gestellt. Aus dieser Band kann wirklich mal was werden, wenn sie endlich ein neues Album raus bringen würden. Heute war es leider nicht so gut.

Abschließend noch einige allgemeine Bemerkungen zum Heidenfest in Oberhausen.

Die Location hat sich als äußerst angenehm dargestellt. Der Einlass verlief stressfrei und ohne größere Wartezeiten, negativ ist allerdings zu bewerten, dass es nicht gestattet war die Halle nach dem Betreten wieder zu verlassen. Wie bereits weiter oben beschrieben, war es bereits am Nachmittag gut verdunkelt und es gab einen Bereich vor der eigentlich Halle in der man sich mit Merchandise usw. versorgen konnte. Die Preise fürs Merchandise entsprachen dem Durchschnitt. Für ein Festivalshirt musste man beispielsweise 20,- Euro hinlegen. Die Auswahl war ok, obwohl die Händler wieder mit dem XXL Problem zu kämpfen hatten. Verpflegungstechnisch muss der Veranstalter fürs nächste Mal aber noch Nachrüsten. Das einzige Essen, dass angeboten wurde, war Bockwurst mit Toast. Für ein Festival, das über neun Stunden läuft erwarte ich da schon ein bisschen mehr. Auch bei den Preisen gibt es Abzüge in der B-Note. Dass man 2,50€ für einen 0,3l Becher Bier nimmt kann ich noch absolut nachvollziehen. Dass Antialkoholische Getränke allerdings genauso teuer finde ich dann schon wieder nicht so gut. Gerade Wasser sollte man meiner Meinung deutlich günstiger anbieten. Einen Witz finde ich es allerdings, dass einem für eine Bockwurst mit Toast auch 2,50€ abgenommen wurden. Das Bonsystem (man musste zunächst Getränkemarken kaufen, mit denen man dann an den Theken bezahlen konnte) war zwar gewöhnungsbedürftig und mitunter nervig, hat aber ganz gut funktioniert.

Alles in allem war das Heidenfest 2011 eine Reise und sein Geld wert. Der überwiegende Teil der Bands hat auf der Bühne echt alles gegeben und die Stimmung in der Halle war richtig gut. Ganz besonders die kleineren Bands konnten überzeugen. Es gab nur wenige Punkte, die es noch zu verbessern gilt, aber wenn das Heidenfest im nächsten Jahr ähnlich gut besetzt ist, dann sollte man durchaus darüber nachdenken, wieder hinzufahren.