Zur Wirkungsweise des Konterbiers gibt es mindestens zwei wissenschaftliche Theorien: Innerhalb der ersten Theorie wird der Hangover als erste Stufe eines Alkoholentzugs bezeichnet, der nur durch weitere Alkoholzufuhr gelindert werden kann. Ob ein, zwei, drei, vier oder mehr Konterbierchen – hier kann eine allgemeingültige Dosis nicht vorgegeben werden und dies ist die alleinige Schwäche sowohl des Konterbiers als auch der ersten Theorie.

Konterbier wissenschaftlich

Hilft ein Konterbier zur Regeneration nach durchzechter Nacht wirklich?

Hilft ein Konterbier zur Regeneration nach durchzechter Nacht wirklich?

Die zweite Theorie schreibt dem Hangover eine ganz leichte Alkoholintoxikation zu, die die menschlichen Gehirnfunktionen und das allgemeine Wohlbefinden sogar für bis zu drei Tage zu beeinträchtigen in der Lage ist. Hauptursachen sind die Stimulierung und Denaturierung körpereigener Eiweiße durch das Ethanol-Abbauprodukt Acetaldehyd sowie eine durch den Alkohol entstandene Dehydratation des Organismus. Daraus resultiert ein Dysäquilibrium. Unter Dysäquilibrium versteht der Experte einen schnellen Entzug von wichtigen Stoffen aus dem Blut.

Abschließend muss deshalb festgestellt werden, dass den stofflichen Blutverlusten am besten mit einem Konterbier entgegengewirkt wird.

Konterbier – hilft das wirklich?

Das kennt beinahe jeder: Trotz aller guten Vorsätze hat man am Vorabend in geselliger Runde das ein oder andere Bier zu viel getrunken und vielleicht noch mit ein paar hochprozentigen Beschleunigern nachgeholfen. Und jetzt hat man den Salat: Brummschädel, pelzige Zunge, verklebte Augen, stechender Durst – der Kater ist da. Ein bekanntes Hausmittel gegen den Kater ist das sogenannte »Konterbier«, man soll ihn also durch die neuerliche Zufuhr von Alkohol bekämpfen. Funktioniert das wirklich, oder macht man den Kater am Ende gar schlimmer?

Zunächst klingt das mit dem Konterbier durchaus logisch: Der am Vorabend genossene Alkohol hat harntreibend gewirkt, man hat also jede Menge Wasser und Elektrolyte verloren. Man hat nicht nur Durst, die Dehydrierung ist auch für die Kopfschmerzen und die meisten anderen Symptome eines Katers verantwortlich. Da klingt es doch beinahe logisch, Durst und Kopfschmerz mit einem frischen, kühlen Bier zu bekämpfen. Denn das bringt nicht nur den Flüssigkeitshaushalt wieder ins Lot.

Alkohol erweitert außerdem die Blutgefäße. Dadurch wird einem angenehm warm, man glaubt, sich besser zu fühlen. Je nach Situation kann einen der frisch getrunkene Alkohol auch betäuben, stimulieren oder in Euphorie versetzen, vielleicht auch gleichzeitig.

Dann wäre also alles schick mit dem Konterbier? Eins auf den Kater drauf und er ist Geschichte?

Nun ja, die erste Frage ist ja, ob man sich überhaupt erlauben kann, ein Konterbier zu sich zu nehmen. Wenn man zum Beispiel mit dem Auto zur Arbeit fährt, können Restalkohol plus frisches Konterbier schon für die Fahruntüchtigkeit sorgen. Und so gefährdet man nicht nur den eigenen Führerschein, sondern auch die eigene Gesundheit und die anderer Verkehrsteilnehmer. Und natürlich ist man in dem Zustand, in den einen ein Konterbier versetzt, auch nur eingeschränkt arbeitsfähig. Will man z. B. schwerwiegende berufliche Entscheidungen im angetüterten Zustand treffen? Komplizierte Abläufe mit Alkohol im Blut steuern? Viele Menschen reden sich ein, dass sie Alkohol einfach wegstecken, sie tun es aber nicht.

Aber am Wochenende, da wäre ein Konterbier doch okay?

Hilft ein Konterbier zur Regeneration nach durchzechter Nacht wirklich?

Hilft ein Konterbier zur Regeneration nach durchzechter Nacht wirklich?

Eigentlich auch da nicht, denn der eigentliche Kater ist ja auch nach dem Konterbier noch da. Er macht einem nur nichts mehr aus, weil man gerade begonnen hat, sich den nächsten Rausch anzutrinken. Es ist ähnlich wie mit Schmerzen, die man mit Tabletten bekämpft, ohne nach dem Grund für das Unbehagen zu forschen. Es werden lediglich die Symptome unterdrückt, die Ursache der Schmerzen bleibt. Und wenn der Alkohol des Konterbiers den Körper verlässt, wird sich auch der Kater zurückmelden. Vermutlich mit verstärkten Symptomen.

Es muss nicht so dramatisch werden wie in der 2009er US-Filmkomödie „The Hangover“ mit Bradley Cooper, Zach Galifianakis und Ed Helms, wo sich die Protagonisten nach einer durchzechten Nacht auf dem Dach des Caesars Palace Hotel am Las Vegas Boulevard total verkatert in einer verwüsteten Suite wiederfinden. Dort sitzt ein Tiger in der Badewanne und ein weißes Huhn läuft herum. Außerdem finden die Herren im Kleiderschrank ein ihnen unbekanntes Baby, einer trägt das Armband eines Krankenhauses, einem fehlt ein Schneidezahn und außerdem hängt eine ihrer Bettmatratzen an der Hotelfassade.

Sicher, meist schnurrt der Kater nicht ganz so heftig und für so manche Menschen ist ein Gläschen Bier zu viel überhaupt kein Problem. Es gibt sogar wissenschaftliche Erhebungen, wonach beinahe zwei Drittel der Deutschen ein Hausrezept gegen die Folgen einer heftigen Zechtour parat haben. Neben den sehr beliebten Kopfschmerztabletten, Unmengen von Rollmöpsen und Mineralwasser oder einem riesigen Eier-Käse-Speck-Katerfrühstück gilt das Konterbier als sehr probates Mittel: Man macht am nächsten Morgen einfach so weiter, wie man am Vorabend aufgehört hat – und genehmigt sich ein ganz einfach noch ein Bierchen gegen den Kater …

Der Begriff Kater stammt übrigens aus der Umgangssprache trinkfreudiger Studenten des 19. Jahrhunderts. Sie leiteten Kater von Katarrh ab. Auch sie setzten schon das eine oder andere Kontobierchen ein und so wurde es auf der ganzen Welt peu à peu zum probaten Anti-Kater-Mittel. Das beweist beispielsweise die ominöse englische Bezeichnung „Hair of the dog“, die für das Konterbier benutzt wird.

„Hair of the dog“

Die ältesten Belege für die Bezeichnung „Hair of the dog“ im Zusammenhang mit morgendlicher Katerstimmung geht auf einen Text aus dem alten keilschriftlich bezeugten kanaanäischen Stadtstaat Ugarit zurück. 2 400 v. Chr. wurde einer Verkaterung des Gottes ‚Ilu mit einer Salbe begegnet, die aus Hundehaaren und einer unbekannten Pflanze zusammengemixt und dem guten ‚Ilu auf die göttliche Stirn geschmiert worden war.

Dem weiterhin Unbedarften erschließt sich der Zusammenhang zwischen Katerstimmung und Hundehaaren wohl erst, wenn er die schottischen Gepflogenheiten kennt, die ein gewisser Cobham Brewer 1898 im „Dictionary of Phrase und Fable“ beschreibt:
Mittelalterliche Quacksalber im Reich der schottischen Könige aus dem Hause Steward behandelten Bisswunden tollwütiger Hunde, indem sie einige Haare aus dem Schwanz des gleichen Tiers in die Wunde legten. Man kann über die praktische Durchführung und die objektiven Ergebnisse dieser Therapie sinnieren – deutlicher wird die Sache mit den Hundehaaren, erinnert man sich des Lysistrata-Dichters Aristophanes, der schon 350 v. Chr. in gleich zwei apokryphen Gedichten feststellte: „Similia similibus curantur“ – „Ähnliches heilt Ähnliches“.

Cobham Brewer führte zudem Erkenntnisse des Hippokrates von Kos, allgemeine Postulate der klassischen Homöopathie sowie in den 1930er Jahren äußerst beliebte Cocktails an, deren Namen bezeichnenderweise „Morning Glory“ waren und die in englischen Hotels zum Frühstück gereicht wurden.

Morning Glory Fizz:
– 4 cl Scotch Whisky
– 3 cl Absinthe
– 1 Eiweiß
– 2 cl Limettensaft
– 2 cl Zitronensaft
– 2 TL Läuterzucker

Die vielen Zutaten kräftig und lange auf Eis shaken und in ein Longdrinkglas abseihen. Behutsam mit Sodawasser aufgießen und genießen. Wer allerdings trotz aller Morning Glory ausnahmsweise gerade nicht in der Lage ist, Absinth mit Scotch lange und kräftig auf Eis zu shaken, greift doch fixer zum Konterbier.

So beweisen alle diese Fakten den Zweck des Konterbiers: Gleichem mit Gleichem begegnen – um die Nerven zu beruhigen …


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Konterbier international

Hilft ein Konterbier zur Regeneration nach durchzechter Nacht wirklich?

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Konterbier vereint die Welt! Während die Österreicher vom Reparaturbier sprechen, heilen auch die Magyaren Gleiches mit Gleichem. Die Ungarn sagen „kutyaharapást szőrével“, um auszudrücken, dass die Lösung eines Problems das Problem selbst ist. In Irland ist „The Cure“ als die Gothic-Band von Superstar Robert Smith bekannt, deren 1992er Nummer „Friday I'm in Love“ sechs Wochen in den UK Top 10 war und sich entfernt auch mit dem Kater am Samstag auseinandersetzt. Andererseits benutzen die Iren mit „The Cure“ Haare des Hundes recht sarkastisch, wenn sie fragen:
„Möchten Sie ein Heilmittel?“

Im mittelamerikanischen Costa Rica bestehen gewisse Analogien – nur das die Einheimischen nicht Hundehaare, sondern Schweinehaare benutzen. Borsten verwenden sie nicht – aber vielleicht zeigen sich die Leute in und um San José nicht, wo der Frosch die Locken hat, sondern wo das Schwein die Locken hat, wenn sie „pelos de la misma Chancha“ verwenden, um dem Kater zu begegnen. Die Bewohner Costa Ricas lebt nach dem Wahlspruch „¡Vivan siempre el trabajo y la paz!“ (span. für: „Es leben für immer die Arbeit und der Friede!“) … und es lebe das Konterbier – möchte man hinzufügen.

In Polen, Kroatien, Bosnien, Slowenien und in Russland ersetzt man das Haar des Hundes durch einen Keil. Hier verdrängt man einen allzu festsitzenden Keil mit einem anderen. Daher stammt der polnische Tipp: „Wybijać klin klinem“. Die Russen verwenden hier übrigens опохмелка (opohmelka = „nachdem er betrunken“).

Auch in Portugal schlägt man den Kater mit Alkohol: „uma rebatida“. Sagt man in Rumänien „Cui Cui pe se scoate“, soll ein Nagel am effektivsten mit einem Nagel herausgezogen werden; das bulgarische „Клин клин избива“, das italienische „Chiodo Scaccia chiodo“ sowie das türkische „Çivi çiviyi söker“ schließen sich dieser Vorgehensweise selbstverständlich im übertragenen Sinne an – kein Rumäne, Italiener, Bulgare oder Türke würde einem Kater direkt mit Nageln begegnen – oder?
Apropos Italien: In der italienischen Sprache wird das Wort „richiamino“ mit „kleinen Rückruf“ übersetzt – ein Rückruf ist eine Auffrischungsimpfung. In diesem Zusammenhang wird die Auffrischungsimpfung auch für eine weitere kleine Dosis Alkohol verwendet, die man im Hangover konsumiert, um die Effekte des Katers zu reduzieren. Folglich muss man das Konterbier mit einer segensreichen Auffrischungsimpfung gleichsetzen – nicht nur in Bella Italia.

„Du er nødt til at klatre op i træet, hvorfra den faldt.“

In Schweden heißt das Konterbier vom Treriksröset bis hinunter zum Smygehuk “ återställare “ – Restaurator – und bei den Norwegern geht es als „repareringspils“ durch. Auch die Dänen sprechen vom Reparaturbier „reparationsbajer“, außerdem gibt es im kleinen dänischen Königreich das Sprichwort: „Man muss auf den Baum steigen, von dem man fiel“: „Du er nødt til at klatre op i træet, hvorfra den faldt.“

In Finnland spricht man von „tasoittava“ (Verlauf) oder „korjaussarja“ (Reparatursatz) und in Tschechien von „vyprošťovák“ für Rettungstrage. Dem martialischen Vergleich mit der Rettungstrage entsprechen die Tansanier, die den Begriff „kuzimua“ – „zu unterstützen, um aufzuwachen, nachdem einem Koma“ fürs kleine Konterbierchen verwenden. In Japan sagt empfiehlt man gegen Alkohol „迎 え 酒“ (Mukae-zake) und bei den Chinesen heißen Konterbier & Co.
„回魂 酒“ – Getränke, die die Seele zurückbringen.

Konterbier kulturell

Neben der eingangs erwähnten Komödie „The Hangover“ haben „Hair of the dog“ auch ihre Bedeutung in Stanley Kubricks 1980-Horrorfilm „The Shining“, nach Stephen Kings gleichnamigem Roman, in dem Jack Torrance
(Jack Nicholson ) an der Bar im Gold Room vom Bartender Loyd (Joe Turkel) gefragt wird:
Lloyd: „Was darf es sein, Sir?“
Jack: „Haare des Hundes, der mich gebissen hat.“
Lloyd: „Bourbon auf Eis?“
Jack: „Ganz genau, richtig.“
Weitere kulturelle Konterbier-Meilensteine sind das mehr als 1 Million Mal verkaufte 1975er Album „Hair of the Dog“ der schottischen Hardrock-Band Nazareth, alle Werke der keltischen Folk-Rock-Band Hair of the Dog sowie die reichhaltigen, beinahe schokoladigen Biere der 1993 in Portland gegründeten Hair of the Dog Brewing (http://hairofthedog.com/)

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Autor: Michael F.


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