Zur dritten Auflage des beliebten „Hütte Rockt“-Festivals fanden sich am Wochenende wieder mehr als 2000 Festivalfreunde in Georgsmarienhütte vor den Toren Osnabrücks ein. In bester Festivalatmosphäre frönten sie Flunkyballturnieren, hochwertigen Bands und gutem Wetter.


Ja, bei gutem Wetter – denn nachdem das Hütte Rockt – Festival im Jahr 2008 buchstäblich ins Wasser gefallen war, sind die zwischenzeitlichen Regenschauer, die das dritte „Hütte Rockt“ begleiteten, kaum erwähnenswert.

So hatte das Publikum Zeit, sich den wesentlichen Dingen zu widmen. Am Donnerstag Abend, dem Vorabend des eigentlichen Festivalbeginns, war dies im Wesentlichen ein präventiv geöffneter Bierwagen, an dem sich die ersten Camper und große Teile des Organisationsteams ansammelten.

Richtig los ging das Geschehen aber erst am Freitag. Nachdem am frühen Nachmittag das klägliche Rinnsaal aus Festivalbesuchern zu einem ununterbrochenen Strom anschwoll, füllte sich der Campingplatz vor dem Festivalgelände in Windeseile mit Zelten und deren Insassen sowie palettenweise Bierdosen.

Um 17.00 Uhr starteten dann die Air Borne Fly Killers aus Hagen a.T.W. den Bandreigen. Mit melodischen, streckenweise metallisch angehauchten Songs rüttelten sie die Menge vor der Bühne wach, die für einen Opener schon recht beachtlich war. Eine Vielzahl der Camper hatte wohl zwischen Zelten und Pavillons Langeweile bekommen und wollte sich die Zeit vor der Bühne vertreiben – ein Umstand, denn die Air Borne Fly Killers weidlich ausnutzten. Mit ihrer mittlerweile profunden Bühnenerfahrung präsentierten sie sich souverän und mitreißend und boten eine unzweifelhaft professionell hochwertige Show, die dank der frühen Stunde lediglich durch mäßige Publikumsresonanz beeinträchtigt wurde.

The Spirit of Desire schlugen in die gleiche musikalische Kerbe, wenn die Musik auch etwas gesetzter klang – jedoch keineswegs schlechter. Kräftig und druckvoll war der Sound auch hier, dabei etwas solider und erdiger – was vielleicht dem Umstand geschuldet sein mag, dass die Musiker des Quartetts aus Westerkappeln einem deutlich fortgeschrittenerem Semester angehören als die Jungs von den Air Borne Fly Killers. Dies tat aber erwartungsgemäß sowohl der musikalischen Qualität als auch der Stimmung im Publikum keinen Abbruch.

Mit Laut trat ein weiteres Schwergewicht aus der Riege der regionalen Rockbands an. Die ehemaligen Fortitude sorgten mit deutschsprachigem Stoner-Rock für Ohrwürmer beim Publikum, die agile Bühnenshow sorgte für zunehmend gute Laune bei der Zuschauermenge, die allerdings immer noch recht überschaubar war. Gradlinig, technisch einwandfrei und Euphorie versprühend wie ein Maschinenbaustudent in der Frauensauna nahmen Laut das Publikum souverän innerhalb der ersten Songs für sich ein.

Bevor Mambo Kurt den musikalischen Stilbruch des Abends einläutete, begaben sich Eat The Gun aus Münster auf die Bühne. Mit Inbrunst und Hard Rock läuteten sie nicht nur optisch die scheinbar längst noch nicht verflossene Ära der 80er auf der Bühne ein, die somit zur Kulisse von hemmungslosen Gepose und rotzigem Groove wurde. Eine beachtliche Leistung der Jungs aus der westfälischen Konkurrenzstadt, die auf diese Weise in Sachen musikalischer Achtungserfolge deutlich aufgeholt hat.

Dies kann man von der Heimat von Mambo Kurt leider nicht sagen. Dass die Show auf diesem Festival im Vergleich zu sonstigen Shows seiner Majestät des Heimorgelkönigs wenig Unterschiede aufwies, mag man verschmerzen. Weitaus schlimmer ist die Ursache dafür, dass nämlich das Konzept, Bands wie Slayer, Rage against the machine oder Deichkind per Heimorgel zu covern, zweitweise tatsächlich ganz lustig sein mag, dauerhaft aber nicht jedermanns Geschmack ist.

Nun ja, Festivalbesucher waren ja genug da, so dass die Stimmung unbestritten bombig war. Und dass die Interpretation diverser Stücke mindestens eine gewisse Begabung von Seiten des Herren mit dem unschön-gelben Anzug und der übergroßen Brille, ist ebenso unzweifelhaft. Darüber hinaus sorgte er oft für Gesellschaft auf seiner Bühne: So bat er z.B. OsnaMetal.de-Chef Marc in dessen Eigenschaft als Stage Manager auf die Bühne und liess ihn seltsame Musik wünschen, brachte eine junge Dame mit seinen Walzertanzkünsten in Verlegenheit und liess einige andere junge Damen um sich herum tanzen. Zudem bot er ein wahrhaft engagiertes Orgelspiel, Crowdsurfing in die Menge und derartige Späße mehr. Sicherlich nicht schlecht, aber dauerhaft nicht jedermanns Geschmack – wenn auch das Stück

Der Stilbruch deluxe erfolgte mit den Sackratten, jener Osnabrücker Spielmannstruppe, die sich aus diversen kleineren Grüppchen zusammensetzt und stets ein Garant ist für herrlich authentischen Mittelalter-Folkrock. Die Vielzahl der Instrumentalisten, die sich mit Sackpfeifen, Flöten, Trommeln und wasweissichalles für Instrumenten auf der Bühne sammelten, sorgte für einen gewohnt imposanten Klangteppich, der die Menge tanzen ließ. Allerdings konnte man schon feststellen, dass der Einsatz einer zwar unterhaltenden, aber immer noch ernsthaften Band zwischen zwei, salopp gesagt, „Blödelbands“ eine denkbar schlechte Wahl war. Da die Mehrheit der teilweise schon leicht alkoholisierten Besucher vor der Bühne mittlerweile eher albernen als musikalischen Finessen lauschen wollte, blieb die große Euphorie angesichts der Sackratten leider aus.

Um so schneller war die Stimmung auf dem Siedepunkt, als mit der Frog Bog Dosenband jene Band auftrat, deren Auftritt ein Kollege von mir einst mit dem treffenden Ausdruck „Faschingsfaschismus“ charakterisierte. Da es sich beim Auftritt auf dem „Hütte Rockt“ um den endgültig letzten Auftritt der Lokalhelden aus Georgsmarienhütte und Umgebung handeln sollte, war die Stimmung beim dicht gedrängten Publikum bestens und jeder der Songs wurde begeistert mitgesungen bzw. gelallt.

Denn eins darf bei einem Auftritt der bunten Truppe nicht fehlen: der Alkohol. Getreu des Wahlspruchs S-A-U-F-E-N hatte sich die Mehrheit der Menge schon früh dem Gerstensaft und anderen Spezialitäten hingegeben, so dass sich teilweise schon erste Ausfallerscheinungen bemerkbar machten. Mancheinem gelang der Weg vom Campingplatz zum Festivalgelände gar nicht mehr – ob das die Sache wert war?

Die Blödelbarden hingegen gaben sich bestens gelaunt und sorgten mit altbekannten Stücken für einen gelungenen Ausklang des ersten Festivaltages.

Der Samstag begann früh – bereits um 12.00 Uhr waren die ersten Flunkyballturniere gewonnen und mit Your Hands Divine stand wieder eine Osnabrücker Band auf der Bühne. Angeführt von Bandinitiator und Mastermind Jack, nebenher Schlagzeuger der formidablen Rozencrantz, präsentierte die Band traditionell-düsteren Gothic-Rock, mit dem sie ihrem Vorbild HIM tatsächlich ziemlich nahe kam.

Die überschaubare Menschenmenge, die zu dieser Frühzeit bereits auf den Beinen vor der Bühne war, mochte sich in Teilen vielleicht wundern, weshalb eine Band mit derartiger musikalischer Klasse den undankbaren Posten des Tagesopeners bekam. Die Antwort liegt jedoch auf der Hand und wurde durch die nachfolgenden Block bestätigt, die musikalisch nämlich ebenfalls zu den besseren Bands der Region zählen. Recht progressiver Stoner-Rock in der Tradition von Tool, beeinflusst von ein wenig Kyuss oder Queens of the Stone-Age.

Im späteren Verlauf des Tages folgten die Münsteraner von Da Impact. Bei diesem Quintett handelt es sich um eine Metal-Rap-Crossover – Kapelle, die am ehesten mit Gruppen im Stile von Linkin Park verglichen werden kann. Und sie machten ihre Sache auch durchaus gut. Mit mächtig Druck wurde gerappt und geshoutet, so dass sich der Platz vor der Bühne zwar nur langsam, aber um so stetiger füllte.

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