Hütte Rockt Festival 2012, mir gegenüber sitzt ein Mann, durch eine Schirmmütze und seine Sonnenbrille gut getarnt, und mit einem dampfenden Kaffee in der Hand. Er wirkt leicht müde, hat sich aber trotz der langen Nacht am Vortag zu einem Interview von uns für euch bereit erklärt; Sänger Ron Cazzato von der Hamburger Crossover-Band 4LYN.

OM: Ron, was ist das Schönste daran, nach der Studioarbeit auf Festivals auftreten zu können?

Ron: (lacht) Na, da haste ja genau den richtigen Menschen erwischt. Um ehrlich zu sein, ich hasse die Arbeit im Studio. Ich für meinen Teil brauche einfach dieses Statement der Menschenmenge, wenn sie auf deine Songs reagieren und Emotionen zeigen, abgehen. Im Studio nimmst du deine Stücke auf und die einzigen Emotionen die du siehst, sind die erfreuten Gesichter, wenn die Aufnahme eines Stückes einwandfrei abgeschlossen werden konnte. Dies ist einfach nicht meins, aber es ist eben notwendig, damit man den Fans die Musik auch für zu Hause an die Hand geben kann.

Interview mit 4LYN beim Hütte Rockt 2012 vom 24.08.2012

Interview mit 4LYN beim Hütte Rockt 2012 vom 24.08.2012

OM: Das Hütte Rockt Festival geht in die 6.Runde. Was habt ihr von diesem Festival im Vorfeld schon gehört und wie kam der Kontakt zu stande?

Ron: Ich muss zugeben, von diesem Festival habe ich vorher nichts gehört oder gewusst. Zum Glück gibt es das Internet, wo ich mich dann ein wenig schlau gemacht habe, um zu sehen, wo die Reise hingeht. Als wir dann schließlich ankamen, waren wir alle positiv überrascht und angetan von den Leuten vor Ort. Wenn du ankommst und du wirst gleich mit einem Lächeln auf den Lippen begrüßt und dir das Gefühl vermittelt, dass man sich um dich kümmert, ist dies einfach geil! Die Organisation ist der Hammer und die bisher gefühlte Atmosphäre hier vor Ort ist unglaublich. Mal sehen, wie es nachher bei unserem Auftritt aussieht. Wir freuen uns schon darauf.

OM: Nach Auftritten bei Rock am Ring, DVDs und Fernsehauftritten wie bei Top of the Pops war es nun 3 Jahre ruhig um euch geworden, aufgrund verschiedener Probleme mit dem Management. Wie hast du diese schwere Phase erlebt und wie hast du diese überwunden?

Ron: Das war natürlich ein unglaublicher Schlag ins Gesicht. Im Prinzip ging es direkt von der Rock am Ring-Bühne in die Arbeitslosigkeit. Die 3 Jahre am Boden taten sehr gut, man hatte endlich mal wieder Zeit für Privates. Familie, Freunde, Bekannte, all dies bleibt leider auf der Strecke, wenn man durch Auftritte und Termine eingebunden ist. Ich habe die Zeit sehr genossen und habe die Zeit genutzt um runter zu kommen und neue Kraft zu tanken. Natürlich war man zu Anfang voller Hate für das Management, doch ich finde, man muss auch Abstand gewinnen können und irgendwann einen Haken an die Sache machen. Die ganze Band ist nach Dänemark gefahren. Wir haben uns dort oben entspannt, die Memory gelöscht, um wieder in der Lage zu sein, die Sache neu anzugehen. Jeder von uns hatte wieder Lust bekommen und brannte darauf, wieder Musik zu machen.

OM: Euer neues Album heißt Quasar, was ja so viel ist wie ein Galaxie-Kern, der unendlich erscheinende Energie verströmt. Was wollt ihr damit ausdrücken?

Ron: Ja, diese Interpretation gefällt mir auch sehr. Sicherlich stehen wir auf der Bühne für impulsives Verhalten, doch haben wir uns aus einem anderen Grund für diesen Albumnamen entschieden. Ein Quasar ist ein helles Licht in der Mitte einer Galaxie, aber doch kein Stern. Und genau dieses haben wir uns als unser Motto zu Herzen genommen. Wir wollen hell strahlen, natürlich bekannt sein, doch fühlen wir uns nicht wie Stars. Wir machen einfach gerne Musik und stehen auch aus diesem Grunde auf den Bühnen. Wir wollen den Leuten eine gute Zeit bescheren, wenn sie auf ein Konzert von uns kommen und sie an unserer Energie und Leidenschaft teilnehmen lassen.

OM: Wenn wir schon beim Album sind, erzähl doch mal ein bisschen über die Arbeit daran, wie ihr euch dabei gefühlt habt, wieder eine CD aufzunehmen und wie stolz ihr auf euer neues Werk seid.

Ron: Natürlich sind wir stolz auf unser neues Album. Nach dieser harten Zeit hatten wir, wie schon gesagt, wieder Lust bekommen, Musik zu machen. Jedoch darf das nun nicht so klingen, dass es leicht wäre, den Einstieg wieder zu schaffen. Das Musik-Business ist kein leichtes. Keiner wartet am Straßenrand, um dich abzuholen, du musst dich durchbeißen, viel Glück haben und Herz zeigen. Und aus diesem Grund ist das neue Album für uns nochmal was Besonderes. Sicherlich werden zum Teil die Geschehnisse der letzten Jahre thematisiert, doch haben wir das gemacht, worauf wir am meisten Bock hatten und wir sind froh, wieder da zu sein.

OM: Auf der Bühne steht ihr ja eher für impulsives Auftreten. Bist du im Privatleben auch impulsiv, oder eher ruhiger, entspannter?

Ron: Was viele überraschen wird, ist die Tatsache, dass ich eher ein ruhiger Mensch bin. Ich brauche meine Ruhephasen und die gönne ich mir auch. Zum Beispiel trinke ich gerne einmal einen Tee. Vor jedem Auftritt höre ich auch lieber entspannende Musik. Am liebsten höre ich Blues/Jazz wie zum Beispiel von Ella Fitzgerald. Mir gibt dies die nötige Ruhe, aus welcher dann die Kraft für die Bühnenauftritte resultiert.

OM: Ich bedanke mich bei Ron Cazzato für dieses Interview. Es war überwältigend, welch tiefe Einblicke er in das Musikgeschäft und seine Erfahrungen gegeben hat. Dieses Gespräch hat auf jeden Fall meinen Horizont erweitert und mich tief beeindruckt. Vielen Dank dafür!

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Datum: 24.08.2012
Autor: Philipp (Gastredakteur)


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