Nach 15 Jahren Samsas Traum verabschiedet sich der Käferkönig und Ausnahmekünstler Alexander Kaschte von den so genannten „Brettern, die die Welt bedeuten“. Mit dem auf Platz 56 eingestiegenden Album „Anleitung zum Totsein“ von Samsas Traum, sowie Weena Morloch´s neuem „Amok“-Album im Gepäck begab er sich zwei Wochen lang auf eine Abschiedstour quer durch Deutschland (mit einem Zwischenstopp in Wien).

Sein vor wenigen Wochen angekündigter Ruckzug war Grund genug, um ihn nocheinmal selbst zu seinen Beweggründen zu fragen. Kurz vor seinem Abschiedskonzert am 1.Oktober diesen Jahres in der Bochumer Matrix stand uns der Sänger und Begründer von Samsas Traum und Weena Morloch Rede und Antwort und gab unter anderem private Einblicke in seine zukünftigen Pläne.


OM: Viele Leute sehen den Menschen Alexander Kaschte durchaus kritisch, und Vorwürfe an deine Person sind weit gefächert. Wie siehst du dich selber?

Alexander Kaschte: „Ich? Mich? Als Mensch oder als Bühnenperson?“

OM: In erster Linie als Mensch?

Alexander Kaschte: „Wie ich mich sehe?“

OM: Wie du dich selbst einschätzen und beschreiben würdest?

Alexander Kaschte: „Das geht niemanden etwas an.“

OM: Und als Bühnenperson?

Alexander Kaschte: „Der Alexander Kaschte von Samsas Traum ist ein ziemlicher Chauvinist und ein Misanthrop, es findet es super, wenn sich Leute weh tun. Weena Morloch ist ein verstörtes Etwas, das den Bezug zur Realität verloren hat.“

OM: Bereits einige Male wurdest du für deine stringenten Ansichten bezüglich deines Veganismus angefeindet. Was war ursprünglich der Auslöser für diese Ansichten? Was hat dich zu diesen Überzeugungen gebracht?

Alexander Kaschte: „Ich habe all das schon sehr oft erklärt – wie du vielleicht bemerkt hast, äußer ich mich zu diesem Thema seit zwei Jahren nicht mehr. Ich habe sechs Jahre lang darüber geredet – es ging so weit, dass Samsas Traum mit nichts anderem mehr in Verbindung gebracht wurden als mit Veganismus. Dadurch ist die eigentliche Kunst, die Musik in den Hintergrund getreten; und das hat irgendwann angefangen, mich zu stören. Deswegen wird dieses Thema im Kosmos von Samsas Traum nicht mehr stattfinden.“

OM: Wie sähe eine Welt aus, wie Alexander Kaschte sie sich wünschen würde, wenn er sie selber gestalten könnte?

Alexander Kaschte: „Ich bin nicht besonders optimistisch was die Menschheit betrifft. Es wird immer wieder Leute geben wird, die Anderen widersprechen. Es wird immer wieder Menschen geben, die Anderen Probleme bereiten. Es wird immer wieder Personen geben, die Dinge anders sehen. Es wird von daher schwierig, für Frieden auf diesem Planeten zu sorgen. Heile Welt? Is´ nich!“

OM: Samsas Traum gibt es mitlerweile seit 15 Jahren. Wo siehst du dich, musikalisch wie privat, in den nächsten 15 Jahren?

Alexander Kaschte: „Im Augenblick würde es mich freuen, wenn ich so schnell wie möglich mit dem Musikmachen aufhören könnte, da die Luft ständig dünner wird und mein bisheriges Lebensmodell deshalb vorne und hinten nicht mehr funktioniert. Deswegen können die da draußen mir vielleicht irgendwann in den nächsten 18 Monaten geschlossen den Buckel ‚runter rutschen und an so Zeug wie Saltatio Mortis verrecken.“

OM: Das heißt also, dass es durchaus passieren kann, dass du innerhalb der nächsten 18 Monate bekannt gibst, dass es musikalisch komplett vorbei ist?

Alexander Kaschte: „Ja. Ich definiere mich über mein Kind und über meine Familie. Ich definiere mich über Dinge, die mir wichtiger sind als die Kinderkacke, die wir hier abziehen – vor 12 bis 25 jährigen Leuten zu stehn, die vor mir auf- und abhüpfen und in die Händen klatschen, was ist das im Vergleich zu dem, was ich zu Hause habe? Das Gefühl kannst du nicht nachvollziehen, bis du es selbst gefühlt hast. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es mir so geht, aber: KUNST machen – und damit meine ich nicht nur MUSIK – ist das eine, damit werde ich nie aufhören – aber… Ich glaube, dass wir in zwei, drei Jahren in Deutschland die selben Zustände haben werden wie in Rußland heute. Dort werden fast gar keine physikalischen Tonträger mehr verkauft, die Leute laden alles runter – Musik wird ausschließlich mobil konsumiert, und so bin ich nicht aufgewachsen. Das wollte ich nie. Wahrscheinlich werde ich irgendwann meine Musik nur noch auf 500 Schallplatten veröffentlichen und jede einzelne für 50 Euro verkaufen. Keine Ahnung…“

OM: OK, dann sind wir auch schon am Ende. Wir bedanken uns herzlich für deine Zeit und das Interview und wünschen dir und deiner Familie privat wie auch beruflich alles Gute für die Zukunft!

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