OM: Moin,moin. Zum Anfang gibt es erstmal eine nervige Standardfrage, in denen ihr erstmal sagen könnt wer ihr seid, wie lange es euch gibt, in welchen bands ihr schon aktiv wart und wer bei euch was macht.

Niko: Hallo Jens. Wir sind Cave Canem, eine Hardcore Band aus Hannover und ich spiel den Bass. Uns gibt es jetzt seid Februar 2005. Vor CC hab ich in ein paar Bands gespielt deren Namen den Leuten eh nix sagen. Musikalisch ging das von Deutschpunk bis Holzfällerhemden-Rock. Die anderen haben da schon mehr auf dem Kerbholz… Zur Zeit hab ich noch zwei andere Bands am Start, aber das dauert noch…

Felix: Hey, ich sing und spiel Gitarre, vor CC hab ich bei XAWARA mitgemacht, das ging eher so in die Melodie-Crust Richtung, neben CC spiele ich noch Schlagzeug in einer band namens MASSCARA MASSACRE.

Niko: Dann gibt’s da noch Denis an der Gitarre und am Gesang und Christian an der Schießbude. Die beiden spielen noch oder haben schon in diversen Bands gezockt: Infaust, Hypocritical Society, Grube & Pendel, Kids of the Black Hole und noch mehr…

OM: Als ich mich mehr und mehr mit euren Platten und Texten auseinander setzte fiel mir als erstes auf das ihr quasi nur Deutschsprachige Texte habt. Ist ja eher ungewöhnlich in diesen musikalischen Breitengraden. Wie kam es zu der Entscheidung oder habt ihr auch noch Englische Texte die ich frech übersehen habe?

Niko: Ich hab zwar erst einen Text geschrieben, aber ich finde es gut, dass unsere Texte auf Deutsch sind. Es klingt nicht so aufgesetzt und dazu noch sehr hart und direkt. Für alle die kein Deutsch können haben wir in unseren Platten Übersetzungen und auf Konzerten im Ausland haben wir auch Textblätter mit diesen Übersetzungen dabei.

Felix: Mmh, also ein Grossteil der Texte habe ich geschrieben, ich hab einfach das Gefühl das mein Englisch nicht gut genug ist um mich wirklich ausdrücken zu können. Ich denke anfangs haben wir uns auch nicht wirklich Gedanken darum gemacht in welcher sprache wir uns ausdrücken sondern einfach losgelegt.

OM: Eure MC und 7inch habt ihr auf Epistrophy raus gebracht, wie kam es zu dem Kontakt? Oder musste das zwangsläufig passieren, als Krachband aus Hannover bei Epi unter zu kommen? Gab es da Stress mit den Leuten, weil ihr Zeitgleich bei Timo von Alerta Antifascista (auch ein Label aus Hannover) etwas in Umlauf bringt?

Niko: Der Kontakt zu Epistrophy kam durch Denis und Christian. Die kannten Frank schon durch ihre Bands vor CC. Frank kam dann öfters zu den Proben und hatte dann die Idee mit dem Tape, weil ihm unsere Mucke wohl ganz gut gefiel. Ich glaube eine „Krachband“ zu sein reicht bei Epi nicht. Franks Auswahlkriterien sind schon sehr speziell, was aber dem Labelprogramm gut tut. Da sind ja schon recht spezielle Sachen drunter und deshalb find ich auch gut, dass wir da was rausbringen konnten zumal sich Epistrophy auch gut um uns gekümmert hat. Stress mit Alerta gab es keinen und ich wüsste auch nicht wieso. Wir sind ja keine Band die sich vertraglich an irgendetwas bindet. Der Kontakt zu Alerta hat sich im Laufe der Zeit so ergeben und bestand bei mir auch schon vor der Band. Timo fragte uns dann irgendwann ob wir nicht ein paar Konzerte mit THE HOLY MOUNTAIN spielen wollten. Das haben wir gemacht und das bei ihrer zweiten Tour noch mal wiederholt. Irgendwie hat das ganz gut gepasst und so kam die Idee für die Split 7er. Das das ganze dann sehr lange gebraucht hat um realisiert zu werden ist zwar schade, aber es hat ja jetzt endlich geklappt. Was mir bei beiden Labeln gut gefällt ist, dass sie in Hannover ansässig sind. Da ist der Austausch und die Kommunikation besser, als wenn man das Label nur per Mail oder Telefon „kennt“. Von daher mal danke an die beiden!

OM: 4. Ich habe momentan das Gefühl das es endlich mal einige neue Bands gibt(u.a auch ihr), die die alten vercrusteten (haha,was fürn Wortspiel 😉 ) Hüllen abwerfen und was anderes probieren, ohne wie die neuste Kopie von wem auch immer zu klingen. Die quasi neuen Schwung ins Spiel bringen, ist das einfach eine notwendige Entwicklung in der musikalischen Szenerie gewesen oder wie seht ihr das?

Niko: Also die Band war ja schon so als „Crust-Band“ gedacht was man ja auch an unseren ersten Sachen hören kann. Da sind die Einflüsse ja recht deutlich. Mich hat aber schnell gestört, dass wir dann diesen Stempel „Crust“ drauf hatten und immer noch haben. Ich freu mich auch immer, wenn auf dem Konzertplakat mal „Hardcore“ steht, weil das unserem Verständnis der Band eher gerecht wird. Aber „Crust“ war wohl so der gemeinsame Nenner, als wir angefangen haben. Es wäre Blödsinn daran fest zu halten zumal wir im Laufe der Jahre gelernt haben zu spielen und mit einander zu spielen. Das eröffnet einem dann ja auch neue Möglichkeiten Musik zu machen und somit ist unsere Musik heute auch anders. Wäre ja auch schlimm wenn nicht. Es geht ja nicht darum den Status Quo des Crustcores zu halten, denn dafür gibt es genug andere Bands, die sich ständig wiederholen.

Felix: Ja wie Niko schon sagte hat sich in letzter zeit musikalisch viel getan, ich glaube wir alle haben viel voneinander gelernt. Ich persönlich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden, die neuen Songs die wir gemacht haben sind viel eigenständiger und auch eher weg vom d-beat.

OM: Wegen eurer Split mit „Holy Mountain“ gab es (vorallem im Internet) ja teilweise „heiße“ Diskussionen. Worum ging es da genau, was war da der „Aufreger“? Oder war das wieder son Ding mit Anti-Dt. ?

Niko: Ja. Das war hauptsächlich im Internet. Heiß würde ich die Diskussion nicht nennen, sondern eher langweilig. Aufhänger des ganzen war das eigentliche Cover für die Split auf der ein Hamaskämpfer zu sehen war. Da waren wir und hauptsächlich auch HOLY MOUNTAIN gleich Antisemiten und die Diskussion, deren Auslöser ich ja auch verstehen kann, wurde ganz schnell sehr reaktionär und absurd. Es gab ja auch Leute, die dann zum Boykott aufgerufen haben und Bands, die sich aufgelöst oder zerstritten haben, weil manche Mitglieder nicht mit uns die Bühne teilen wollten. Das fand ich dann doch sehr bizarr. Eine direkte Auseinandersetzung mit uns oder Holy Mountain (die zu der Zeit auch gerade hier auf Tour waren) gab es aber in den seltensten Fällen. Das meiste war eher so ein anonymes abketzen und sich das Maul zerreißen. Das ganze ging dann zwei drei Wochen so und dann hat es keine Sau mehr interessiert. Natürlich kam da auch viel Kritik von der Anti-Deutschen was ich auch verstehen konnte bzw. kann, aber das nervige war nicht die Diskussion an sich sondern eher das Niveau auf der sie geführt wurde. Ich hab dann dazu ein Statement geschrieben und das wars dann… Innerhalb der Band gab es natürlich auch Diskussionen, da wir da auch nicht alle einer Meinung sind/waren. Für mich ist das gegessen!

Felix: Zu dieser Geschichte ist eigentlich nicht mehr viel zu sagen, außer das es auch seine guten Seiten hatte. Ich glaube das ohne diese Sache wir uns untereinander als Band nicht so intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hätten. Nervig waren dann doch eher die Boykott aufrufe, dabei hätte sich das so schnell klären lassen können. Das Cover wurde etwas voreilig im Internet veröffentlicht. Nach dem ersten Gespräch mit The Holy Mountain, in dem wir ihnen erklärt haben das wir die Single nicht mit diesem Cover veröffentlichen wollen, war die Sache für uns gegessen, das unsere Freunde keinerlei Anstalten machten an dem Cover festzuhalten und unsere Kritik an dem Layout akzeptierten.

OM: Wo wir gerade das Thema streifen, wie ist eure Stellung zu Antideutschen Auswüchsen?

Niko: Was heißt Auswüchse. In gewissen Dingen finde ich diese Richtung nachvollziehbar und die Spaltung auch progressiv, aber (und das ist jetzt recht allgemein gefasst) mir ist die Anti-Deutsche in vielen Dingen zu theoretisch und nicht lebensnah genug. Ich befasse mich zwar mit der Materie, aber ich würde mich nicht anmaßen da für eine Seite Stellung zu beziehen, weil dieser Konflikt viel zu kompliziert ist. Schlimm finde ich, dass man durch die Kritik an der israelischen Staatsform von einigen Leuten gleich als Antisemit bezeichnet wird. Israel hat in der Weltpolitik ganz klar eine Sonderrolle, aber das ändert nichts daran, dass es sich um ein System mit totalitären Strukturen handelt und das kann ich einfach nicht gut finden. Als ich letztes Jahr für eine Zeit lang in England unterwegs war habe ich dort viele Menschen aus Israel kennen gelernt und mich mit ihnen über die Antideutsche unterhalten und die meisten haben sich dabei nur an den Kopf gefasst…

Zum kotzen finde ich auch, wenn so abgeklärte Antideutsche Kidpunks mit Palituch als Antisemiten beschimpfen und ausschließen ohne mit ihnen den Dialog zu suchen und zu erklären warum das Palituch nicht das schlauste Kleidungsstück ist. Man kann ja nicht von jedem Menschen erwarten, dass er sich damit auseinander setzt, da ja auch gerade junge Menschen das Tuch aus modischen Gründen tragen. Als ich in die Punkszene gekommen bin war das alltäglich, dass Leute ein Palituch getragen haben – und vielleicht genauso wie ich noch nicht die nötige Reflektion hatten. Das ganze Thema ist aber recht umfassend und derart kompliziert, dass ich eine Abhandlung in einem Bandinterview für sehr schwierig halte. Festzuhalten bleibt, dass die Haltung eines Menschen zu diesem Thema nicht entscheidend für mich ist, ob diese/er „cool“ oder „uncool“ ist und das ich mir für die Antideutsche ein wenig mehr Selbstironie wünsche, da mir einige Sachen zu verbissen sind.

Felix: Also als allererstes denke ich das es nicht möglich ist von „den Anti-Deutschen“ zu sprechen da es so viele unterschiedlich Gruppen und Strömungen gibt die sich vielleicht als Antideutsch bezeichnen. Und ich denke das es wichtig ist da zu unterscheiden, Ich habe das Gefühl das sobald jemand dieses Thema anschneidet alle gleich an Justus Wertmüller und die bekloppten von der Bahamas denken. Diese Strömung hat für mich nichts mehr mit Linker, emanzipierter Politik zu tun. Andererseits gibt er viele Gruppen die sich selbst als antideutsch bezeichnen deren Standpunkte und Ideen ich durchaus nachvollziehen und tolerieren kann. Im Endeffekt kann ich sagen das ich einen Ausstausch auf einer politischen Ebene über dieses Thema wichtig finde.

OM: Hannover hat eine relativ ausgeprägte Linke Szene. Wie beurteilt ihr die momentane Entwicklung in Hannover, soweit ihr das könnt?

Niko: Es passiert viel und viele Leute ziehen gerade nach Hannover. Ich würde die Linke Szene schon als recht umfassend bezeichnen, auch wenn mir direkte Vergleiche mit anderen Städten fehlen. Leider ist, meiner Wahrnehmung nach, die Linke zu sehr damit beschäftigt unter sich zu bleiben. Es gibt immer wieder neue Gruppen mit jungen Menschen, aber die Aktivitäten dieser treten nur dann an viele Leute heran, wenn es um Solipartys und Feiern geht. Richtig beurteilen kann ich sie jedoch nicht, da ich dazu einfach nicht genug „into it“ bin was politische Gruppen betrifft.

Felix:Ich finde die derzeitige Entwicklung sehr positiv, es ziehen so viele neue Leute nach Hannover welches den teilweise alteingesessenen Strukturen sehr entgegenkommt.

OM: Seid ihr auch außerhalb Aktiv oder begrenzt ihr das auf die Band?

Niko: Ich bin noch im Stumpf-Kollektiv und in der C.C.C.P. (coffee cigarettes concerts & pessimism) aktiv. Nebenbei mach ich noch das Label PAIN OF MIND auf dem ich befreundetet Bands wie November 13th, Bickles Cab, Power Corrupts, Teenage Angst, Kids of the Black Hole und andere veröffentliche. In das Label stecke ich schon recht viel Zeit und werde das in naher Zukunft noch weiter ausbauen. Außerdem mach ich noch das HEADACHE Zine wo ich gerade an der zweiten Ausgabe arbeite, die hoffentlich irgendwann erscheint. Band und Label haben aber definitiv Priorität.

Felix: Ich muss ehrlich sagen das ich mich derzeit aus vielen Sachen rausgezogen habe, wie z.b. auch aus dem Stumpf-kollektiv. Ich wohne in einem recht grossen Wohnprojekt wo ja auch immer viel anfällt. Ich denke das sind so Phasen die ich durchlaufe, manchmal kostet es einfach zu viel Energie den täglichen Schwachsinn hinter sich zu bringen das ich keine Kraft mehr für andere Sachen habe, ich bin aber optimistisch und denke das auch wieder Zeiten kommen in denen ich wieder mehr mache.

OM: Was muss eine Konzertgruppe machen/Voraussetzen damit ihr bei ihnen für Stimmung sorgt?

Niko: Super Frage. Also so Sachen wie Essen, Trinken, Spritkohle und Pennplätze sollten schon klar gehen. Leider ist auffällig, dass viele Konzertveranstalter sich häufig nicht genug Gedanken darüber machen was für Kosten eine Band hat. Ich will ja nicht rumheulen, aber man kann in der diy-punk-szene nicht mehr ausblenden, dass alles und gerade Sprit extrem teuer geworden sind. Deshalb finde ich es auch blind immer noch Konzerte mit mehreren tourenden Bands für drei Euro zu machen. Das klappt vielleicht noch in zwei drei Städten wo halt klar ist das ein paar Leute zu den Konzerten kommen. Richtig schlimm wird’s wenn die Konzertgruppe „vergisst“ (wie auf der letzten Tour mehrere Male erlebt) überhaupt Eintritt zu nehmen. Das geht mal gar nicht. Wenn zu einer Show nicht viele Leute kommen dann ist das halt so und dann ist es auch ok, wenn nicht so viel bzw. genug Kohle rumkommt, aber wenn der Laden voll ist und man dann 35€ in die Hand gedrückt bekommt dann ist das schon beschissen. Wenn wir alle drei Monate mal nen Konzert spielen würden dann könnten wir das auch verkraften mal drauf zu zahlen, aber wir spielen ja schon recht häufig und wenn wir dann bei jeder dritten Show fett draufzahlen müssen, dann können wir irgendwann nur noch sagen „Ok. Wir brauchen jetzt ne feste Zusage von 150€…“ – und dann bist du für manche Leute das Kommerzarschloch. Als wir in Mailand waren hab ich jemanden gefragt, ob die überhaupt Eintritt nehmen. Als Antwort bekam ich ein verwundertes Gesicht und die Aussage „Äh. Nein. Das ist nicht so ein Konzert. Das ist eine diy-punk-show.“

Wir wollen das ja auch nicht vom Geld abhängig machen, aber man kann den finanziellen Aspekt auch nicht ausblenden. Schön ist es aber wenn wir an einen fremden Ort kommen und sich Leute zuständig fühlen. Es geht ja darum den Abend mit der Organisation und dem Publikum zusammen zu gestalten. Das finde ich schon wichtig. Es geht ja darum eine Gegenbewegung zu dem üblichen Rotz zu sein. Nur weil wir in einer Band spielen haben wir nicht mehr recht und sind auch sind wichtiger als andere Personen die an einem Konzert mitwirken. Es ist aber manchmal erschreckend was manche Bands/Menschen aus dem „Punk“ für eine Rockstarscheisse abziehen und sich als Personen feiern lassen.

Felix: Da hab ich nichts weiteres zuzufügen….

OM: So langsam können wir zum Ende und wieder treffen Standardfragen auf euch. Nämlich eure Top5 Platten und der Titel eures letzten Buches das ihr gelesen habt.

Niko: Yeah. Eine Plattennerdfrage! Also aktuelle sind wohl die am häufigsten Plastikscheiben auf dem Plattenteller: Isis – mosquito control, Cavity – laid insignificant, Taint – the ruin of nova roma, Omega Tribe – make tea not war & Zone – squeezed state. Das letzte Buch das ich gelesen hab war „Unheilige Allianzen“ von C. Dornbusch, ein Sachbuch über Black Metal und dessen Inhalte: Satanismus (albern), Heidentum (völkischer Dreck) und leider immer häufiger Neonazismus (erschreckend). Auf dem Klo liegt das neue Trust und das Hooting Zine.

Felix: Geil, so eine frage wollte ich schon immer mal beantworten haha. Also derzeit:

1. MODERN LIFE IS WAR-midnight in amerika 2-KISS IT GOODBYE- she loves me…3.CHUCK RAGAN-feast or famine 4.CALLISTO- true nature unfolds 5.THE GASLIGHT ANTHEM-sink or swim…

das letzte Buch welches ich gelesen habe ist von Jonathan Safran Foer und heisst EXTREM LAUT UND UNGLAUBLICH NAH, ist nen scheiss Name fürn Buch, ich muss aber dazu sagen das es glaub ich das geilste ist was ich bislang gelesen habe…GODSPEED von Lynn Breedlove kann ich aber auch allen ans Herz legen…

OM: Und nun der Abschluss. Ihr könnt euch nun über die nervigen Fragen beschweren oder einfach ein Abschluss machen.

Niko: Danke für dein Interesse!

Fekix: Ja genau, vielen dank und bis bald!

Niko: Make your own Band!