OM: Hallo Lars. Vielen Dank erst mal, dass du dir zu dieser vorgerückten Stunde noch Zeit für und genommen hast. Wie geht es dir nach einem langen Promotag?

Lars: Ach ja. Mein Gott! Wie geht’s mir? Mittlerweile wohne ich auf Mallorca und da ist alles ein bisschen entspannter als im kalten Deutschland und somit kann ich mich nicht beschweren. Ich habe einen sonnigen Tag gehabt, hier sind 20 Grad und das ganze Lebensgefühl schwingt da natürlich ein bisschen mit. Hier ist das einfach ein bisschen entspannter. Man trinkt ein bisschen früher das Bier als in Deutschland und von daher geht’s mir ganz gut.

OM: Wie ist denn der Ablauf an so einem Tag und wie nimmst du ihn als Musiker wahr?

Lars: Na gut. Musiker bin ich ja nicht jeden Tag, wenn ich hier auf Mallorca bin. Ich hab ja auch noch meine Firma hier laufen, wo ich auch inselweit unterwegs bin. Somit kann ich auch ganz gut mal ein paar Tage von der Band abschalten. Dann muss ich nicht immer jeden Tag Metalium um mich rum haben und dann geht das.

OM: Das ist dann bestimmt auch mal ganz angenehm. Gibt’s denn bei so einem Promotag irgendwas, was du besonders gerne machst oder was du vielleicht nicht so gerne hast?

Lars: Nö. Eigentlich nicht. Viele stellen natürlich im Grunde die gleichen Fragen und dann ist es natürlich so, dass ich mich auch fast wiederholen muss. Aber das ist kein Problem. Es ist halt so, dass sich einiges wiederholt. Aber mein Gott. Was solls? Ist halt part of the game. Und ihr müsst ja auch irgendwie bedacht werden.

OM: Genau! Irgendwie müssen ja auch wir auf unsere Kosten kommen. Dann lass uns doch zuerst einmal ein wenig über die Band Metalium an sich sprechen. Gegründet habt ihr euch 1999 in einer Zeit, die nicht unbedingt vom klassischen Metal geprägt war. Wie habt ihr diese Zeiten wahr genommen?

Lars: Ich lag im Bett abends und dachte mir es wird mal wieder Zeit mal wieder auf die Bühne zu gehen. Ich hatte ja vorher schon für Zed Yago und Velvet Viper gespielt und dann meine Bookingagentur aufgebaut und hab vier Jahre lang keine Band gehabt. In dieser Zeit habe ich allerdings auch ein bisschen Kraft gesammelt und das ganze auch mal von der anderen Seite kennen gelernt. Und nach vier Jahren dachte ich jetzt ist es mal wieder Zeit, jetzt hast du mal wieder Hunger genug und dann machst du mal eine Band. Und dann hab ich meinen Kumpel Matthias angerufen, Chris Caffery von Savatage hatte damals gesagt er hätte auch irgendwie Lust was zu machen, weil er in dem Moment mit Savatage nicht so viel zu tun hatte. Und dann kannte ich noch einen guten Sänger, der in einer Rainbow-Coverband singt, der ist ein super Typ und ist richtig geil. Dann lass uns doch einfach mal drei Songs schreiben. Dann haben wir also drei Songs geschrieben und haben das dann zu Massacre und zu Nuclear Blast geschickt und Massacre hat gleich zugeschlagen. Und so hatten wir direkt nach vier Wochen unseren ersten Deal und weil Massacre davon überzeugt war haben wir direkt auch die erste Platte nachlegen müssen. Und so kam „Millennium Metal – Chapter One“ ende Februar 1999 auf den Markt. Das ging halt alles sehr schnell und wir waren auch sehr überrascht, weil wir mit dem ersten Album auch direkt in die Charts gegangen sind. Das war für uns schon selbst überraschend.

OM: Das ist natürlich schön, wenn sich das dann so entwickelt.

Lars: Naja. Du hast auf der anderen Seite dann aber auch die ganzen Lästerer die sagen die haben den Erfolg gar nicht verdient. Aber wenn man sich mal überlegt, dass jeder einzelne in der Band damals auch schon jahrelang Dreck gefressen hatte, dann sind solche Lästermäuler natürlich auch schnell vergessen. Aber egal. Uns gibt es seit mittlerweile fast acht Jahren mit sieben CDs und auch zwei DVDs in einer – wie ich meine – schlechten Qualität hat es sich ganz gut entwickelt.

OM: Ihr kommt aus Hamburg, einer Stadt, die in dem Ruf steht die größten Heavy Metal Bands Deutschlands hervor zu bringen. Ich sage nur Namen wie Helloween, Gamma Ray oder Paragon. Was ist deiner Ansicht nach der Grund dafür, dass gerade hier so viele gute Bands entstehen?

Lars: Das werde ich öfter gefragt. Und eigentlich kann ich dir darauf gar keine richtige Antwort geben. Vielleicht weil es bei uns nicht so sonnig ist und ziemlich kühl , so dass die Jungs nicht so oft rausgehen, sondern sich lieber irgendwo im Bunker verschanzen und Musik zocken. Vielleicht so ein bisschen wie in Finnland, wo auch ziemlich viele gute Bands herkommen und wo es sehr dunkel ist. Da hat man auch nicht so viel zu tun außer zu üben. Keine Ahnung! Vielleicht hats was damit zu tun. Kann auch Zufall sein. Es wird natürlich auch oftmals ein bisschen hochstilisiert. Hamburg ist eine Riesenstadt. Da gibt’s natürlich viel Potential. Auf der anderen Seite kanns von der Größe der Stadt alleine auch nicht abhängig sein, sonst müssten aus Berlin mehr Metal-Bands kommen. Obwohl es da natürlich auch mehr Punk-Bands gibt.

OM: Und wie ist das mit der Szene im hohen Norden? Gibt es einen starken Zusammenhalt zwischen Musikern und Bands?

Lars: Es ist natürlich so, dass wir uns alle kennen und es besteht da auch keine große Rivalität oder so. So fühl ich das zumindst. Und auch wenn Paragon oder Gamma Ray oder Helloween Erfolg haben da hab ich kein Problem mit. Und wenn ich Jan Büning von Paragon treffe, dann trinken wir auch einen. Aber ansonsten kocht natürlich jeder seine eigene Suppe, auch wenn wir jetzt nicht groß Rivalen sind hat doch jeder so sein eigenes Ding am laufen. Aber wichtig finde ich, dass es nicht so missgünstig ist. So empfinde zumindest ich das.

OM: Legendär ist natürlich auch der Headbangers Ballroom. Wo siehst du die Gründe dafür, dass gerade dieser Club sich zu DEM Metal-Club schlechthin entwickeln konnte?

Lars: Natürlich a wegen dem Namen. Und ansonsten ist es eigentlich eine gemütliche Metalkneipe, die natürlich irgendwie am richtigen Fleck ist, an der Reeperbahn und so. Das ist natürlich was anderes als Scheverdingen irgendwie, wo dann abends natürlich die Bordsteine hochgeklappt werden. Das kommt alles hinzu. Um die Uhrzeit geht’s da natürlich gerade los mit Party und so. Also ich denke mal, da kommen einige gute Argumente zusammen und dazu kommt natürlich noch, dass der Metal-Schuppen ziemlich true ist.

OM: Aber wir wollen natürlich nicht nur über die Band plaudern. Mit „Incubus“ habt ihr mittlerweile euer siebtes Album in neun Jahren rausgebracht. Ein beachtliches Pensum! Lässt die Kreativität da nicht irgendwann einmal nach?

Lars: Das kann ich jetzt nicht entscheiden, weil ich ja auch der Produzent selber bin und das überlass ich lieber den anderen, die objektiver sind. Wir haben aber natürlich auch mehr Songwriter. Ich bin jetzt nicht irgendwie Luca Turilli, der alles alleine macht. So sind wir eifach mehr Songwriter und haben somit auch potentiell mehr Material aus dem wie auswählen können.

OM: Wie waren denn die Reaktionen auf die neue Scheibe bis jetzt?

Lars: Eigentlich sind die meistens immer gleich. Es gibt immer einige Leute, die meinen es sei die beste Metalium Scheibe. Also die meisten findens immer gut. Aber es gibt irgendwie auch immer so zwei, drei die dann schreiben „Nö. So ein Scheiß. Metalium. Wer braucht das überhaupt?“ Aber solche Leute gibt’s irgendwie immer und das sind Leute da könnten wir auch eine zweite Master Of Puppets machen, das würden die auch scheiße finden. Metalium war einfach schon immer eine Band die, vielleicht auch auf Grund des ungewöhnlichen Starts, polarisiert hat. Es gibt eigentlich keine Leute die sagen geht so. Es ist einfach so, dass man sagt Metalium ist geil oder Metalium ist scheiße. Und mit der neuen Platte ist das auch nicht anders. Aber das ist OK. Das ist genau so, als wenn eine Frau dir sagt: „Auch du ich find dich ganz nett.“. Damit kannst du nix anfangen. Wenn sie sagt „Ich find dich voll ätzend.“ oder „Ich find dich ziemlich geil.“ damit kannst du was anfangen, aber wenn sie sagt „Ich find dich ganz OK.“ damit kannst du gar nichts anfangen. Dann nehm ich das lieber so.

OM: Gibt es eigentlich bestimmte Themen, die mit dem Album verknüpft sind?

Lars: Bei „Incubus“ geht’s ja eigentlich darum, dass ich, als ich den Song „Incubus“ geschrieben habe, bewusst einen ganz ganz schweren Heavy-Song machen wollte. Aber eben ganz langsam. Also nicht so mit Geschwindigkeit, sondern eher mit der Wirkung des Riffs und mit der Tiefe. Und dazu kam halt, dass ich ein Thema gesucht habe, was wirklich ein bisschen heavy ist. Und dann hab ich gesagt lass und mal schauen. Das Thema Kirche und Religion. Aber vor allem eben die Kirche, die christliche Kriche, die Christen die sagen der Teufel ist der Böse, wenn es denn einen Teufel gibt. Keine Ahnung! Und ich hab einfach probiert es auch mal von der anderen Seite zu sehen. Was ist denn wenn der Teufel gar nicht der Böse ist, sondern zum Beispiel die Kirche? Und der Teufel eigentlich gar nichts dafür kann, dass er so verdammt wird? Weil es einfach so ist, dass die Kirche und auch der Islam zum Beispiel – die Buddhisten sind irgendwie die einzigen, die das Problem nicht haben – seit tausenden von Jahren erzählt, dass deren Religion die einzig wahre ist und die Leute so fanatisch werden in dieser Vorstellung, dass sie nicht davor zurückschrecken Anhänger dieser anderen Religionen einfach zu töten, so wie in New York. Das ist das abgefahrene, das da irgendwie komplett die Grenzen verwischt werden. Im Glauben ist irgendwie null Toleranz mehr da. Aber warum? Warum? Religion ist irgendwie immer so, dass die anderen die Bösen sind. Die sind der Teufel. Und im Song „Incubus“ geht’s eben darum, dass der Teufel zur Kirche sagt: „Macht nur so weiter! Erzählt allen ich bin der Verrückte, erzählt allen ich bin der Böse und macht sie verrückt damit, dann töten sie sich alle gegenseitig und ich muss gar nichts mehr dafür tun. Wunderbar!“. Das ist so „The evil is in you, my dear.“. Das ist in dieser Textzeile. So ist „Incubus“ eben ein Zwiegespräch zwischen der Kirche und dem Teufel. Und das fand ich witzig und interessant. Und Henning hat dabei auch gesungen wie ein junger Gott und konnte einen Tag später auch gar nicht singen, weil er sich einfach so verausgabt hatte und ich finde das hört man auch und deshalb bin ich auch stolz gerade auf die Nummer.

OM: Lass und doch noch kurz bei den Themen bleiben. Eure ersten Veröffentlichungen waren reine Konzeptalben. Wann und warum habt ihr die Entscheidung getroffen euch thematisch auch weiter zu öffnen?

Lars: Naja. Ich sag mal so: Man muss ja nicht immer alles komplett gleich machen. Wir haben halt damit angefangen, weil wir irgendwie noch nie eine Band waren, die irgendwie singen „Yeah baby fuck you tonight“ und gerade solche Sachen fand ich auch immer klasse, weil ich schon immer Fan war so von frühen Iron Maiden. So „Rime Of The Ancient Mariner“. So hat das halt angefangen Und das muss man ja nicht so ganz stumpf fortführen. Sondern irgendwann haben wir halt Themen angefangen, mit denen wir nicht mehr so an dem Konzept Konzept festgehalten haben. Aber die Texte sind mir sehr wichtig!

OM: Das hört man ihnen aber auch an, finde ich. OK. Letztes Kapitel: Live und Tour. Auf eurer Homepage sieht es mit Tourdaten leider recht mau aus. Lediglich alte Termine lassen sich hier finden. Wie siehts aus? Können wir euch demnächst auch einmal live sehen?

Lars: Wie gesagt: Jedes Jahr kommt eine Platte von uns raus. Und wenn wir jetzt jedes Jahr die Platte betouren müssten, das würde bedeuten wir müssten jedes Jahr auf Tour gehen. Und bei der Schlagzahl, die wir so vorlegen reicht es eigentlich auch so alle zwei oder drei Platten auf Tour zu gehen. Das ist die eine Sache. Die andere ist die, dass viele Bands einfach irgendwie in diesem Druck gefangen sind Platte-Tour-Platte-Tour und das sehe ich nicht so. Für mich ist Metalium mein kreatives Ventil das Spaß machen soll und ich möchte auch nur Konzerte unter den richtigen Bedingungen spielen, wo ich irgendwo an einer Pommesbude stehe mit nem scheiß Sound. Sondern ich warte darauf, dass es so weit ist bis ich sage das sind Bedingungen die sind OK, da kann ich meinen Fans was bieten. Das nimmt ja mittlerweile dramatische Züge an. Guck dir einen Paul Di’Anno an. Das war einer meiner Heros, als ich jung war. Und der spielt echt mittlerweile in Clubs, da würde ich nicht spielen. Vor allem wenn man sich mal überlegt wer der Typ einmal war. Das möchte ich nicht so.

OM: Lässt sich durchaus verstehen. Wenn es dann aber doch mal zu einem Gig kommen sollte, was erwartet den Besucher dann, wenn er sich entscheidet sich ein Metalium Konzert anzusehen?

Lars: Wer Metalium schon einmal live gesehen hat, der weiß, dass wir eigentlich immer probieren wirklich alles zu geben und auch nach der Show sind wir wirklich immer draußen und geben Autogramme bis der letzte auch noch sein Autogramm bekommen hat. Somit sind wir eigentlich relativ fannah. Genauso werden viele Mails auch direkt von mir beantwortet. Also da haben wir schon einen sehr direkten Kontakt.

OM: Nun gut. Dabei wollen wir es einmal bewenden lassen. Ich möchte dir noch einmal für dieses Interview danken. Die letzten Worte gehören natürlich dir!

Lars: OK. Dann würde ich sagen ich hoffe, dass ich mit der Band demnächst mal wieder in Richtung Ruhrpott komme und da endlich mal wieder ordentliche Metaller-Kutten sehe. Weil hier gibt’s nicht so viele davon.

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