Interview mit Manuel (Iron Kodex) vom 28. Mai 2008

Dieses Interview ist aus dem OsnaMetal.de Archiv mit Manuel (Iron Kodex) vom 28. Mai 2008. Es kann leider sein, dass Teile der Einleitung verloren gegangen sind. Ich wünsche trotzdem viel Spaß mit dem Interview …

Interview mit Manuel (Iron Kodex) vom 28. Mai 2008
Interview mit Manuel (Iron Kodex) vom 28. Mai 2008

Interview mit Manuel (Iron Kodex) vom 28. Mai 2008

OM: Erzähl mal, wie Ihr auf die Idee kamt, eine eigene Plattenfirma zu gründen!
Manuel: Es war die sprichwörtliche Schnapsidee. Während des Keep it True 7 saßen wir zusammen in einer Gaststätte. Zu der Zeit waren Powervice gerade voll im Kommen und wir dachten uns, „Mensch, denen muss geholfen werden. Wir machen eine Single mit denen.“ Zu dieser Zeit firmierte das Label noch unter dem Namen „New Iron Age Records“. Die Band hat sich dann jedoch leider aufgelöst. Als nächstes stand eine Single mit Portrait auf dem Programm. Wir wußten zunächst nicht, ob das tatsächlich klappen könnte – aber nachdem wir uns über Dinge wie Kosten, Technik etc. informiert hatten, waren wir ganz optimistisch. Wir waren ursprünglich zu viert: Peter, Frank, Markus und ich. Aus dem Geld, das wir zusammenlegen konnten, haben wir dann die Portrait 7″ und die Manilla Road / Brocas Helm Split 7″ finanziert.

OM: Und wie muß man sich den Start vorstellen – ich nehme an, da gab es einiges an rechtlichen und buchhalterischen Hürden zu nehmen. Seid Ihr da ins kalte Wasser gesprungen, oder gab es bereits Vorwissen?
Manuel: Hehe, das Wasser war eiskalt. Wir hatten fast keinerlei Vorwissen. Ich wusste ein bisschen was über Presswerke, Markus wußte durch seinen Job über Abrechnungen und Buchhalterei informiert und Frank wußte was über Logistik etc. Aber insgesamt war's dann doch eher „Trial and Error“. Hat aber wunderbar geklappt.

OM: Euer Programm besteht neben Iron Kodex-Bands auch aus exklusiven Vinylveröffentlichungen von Truppen anderer Labels, wie beispielsweise dem aktuellen Slough Feg-Album. Wo legt Ihr den Schwerpunkt?
Manuel: Der Schwerpunkt liegt zum einen darauf, jungen Bands beim Start zu helfen, z.B. wie wir's mit Portrait gemacht haben. Der zweite Schwerpunkt ist es, Bands, die uns persönlich gefallen, auf Vinyl zu veröffentlichen. Es ist letztlich ganz einfach: Wenn wir ein Album gerne auf Vinyl hätten, dann nehmen wir's eben selber in die Hand.

OM: Eure Releases zeichnen sich durch ihre überaus liebevolle Aufmachung aus. Das geht vom Artwork über Booklets hin zu speziellem Vinyl. Reichen die Bands da eigene Vorschläge ein, oder arbeitet Ihr bspw. beim Artwork mit festen Künstlern zusammen?
Manuel: Das ist von Release zu Release unterschiedlich. Was das Artwork betrifft, haben die Bands in der Regel feste Vorstellungen. Wir leiten die Ideen dann an passende Künstler weiter, von denen dann wiederum Entwurfsskizzen eingereicht werden. Die Bands entscheidet sich dann für eine der Skizzen und der Künstler fertigt davon ausgehend das fertige Artwork an.

OM: Seit kurzem ist Euer Webshop online, der auch Releases anderer Plattenfirmen anbietet. Wie seid Ihr in der Lage, z.B. den aktuellen Hail Of Bullets-Hammer für nur 10 Euro anbieten zu können? Bei den großen Ketten muß man oftmals fast das Doppelte auf den Tisch legen, und auch die großen Mailorder sind oft 5 Euro teurer.
Manuel: Ich kann nur sagen, daß wir die CDs von den Labels zu guten Preisen erhalten und alles andere als 10 Euro überteuert wäre. Ich denke sowieso, daß CDs nicht mehr als 12 Euro kosten sollten. Gerade, was USA-Releases betrifft, sind beim gegenwärtigen Umtauschkurs Preise über 12 Euro eigentlich nicht mehr zu rechtfertigen. Wir bekommen bestimmte Preise von den Labels und bauen darauf mit gesundem Menschenverstand unsere Kalkulation auf.

OM: Wie hoch ist generell der Zeitaufwand, den Ihr in Iron Kodex steckt?
Manuel: Meiner ist schon recht hoch. Pro Woche sind's bestimmt 15 bis 20 Stunden. E-mails beantworten, Band- Kommunikation, Abrechnungen, Layouts fabrizieren, die Homepage warten, dem Presswerk in den Hintern treten…


EMP Fire Lounge
EMP Fire and Lounge *

OM: Euer Ziel ist es, „Loud, raw, intense headbanging music“ zu unterstützen. Wärt Ihr auch gegenüber Black- und Death Metal aus dem Underground offen?
Manuel: Wenn man unter Black Metal Portrait, Mercyful Fate und Evil versteht, auf jeden Fall. Für das ganze Gothic Grindcore-Getacker, dass seit Mitte der 90er alles überschwemmt, wird es, solange ich dabei bin, sicher keinen Platz bei Iron Kodex geben. Guten Death Metal, wie Necros Christos, Asphyx oder Bolt Thrower höre ich zwar selber sehr gerne, aber dafür gibt's andere Labels. Wir fühlen uns in unserer kauzig-obskuren Nische mit Doom, Heavy und Oldschool-Thrash sehr wohl.

OM: Nun gibt es im traditionellen Metal-Underground weltweit viele weitere rührige Klein-Labels. Wie sieht das Verhältnis untereinander aus – kooperiert man, tauscht Infos aus, vertreibt vielleicht auch Produkter anderer – oder wollt Ihr die Chance wahrnehmen, jetzt mal richtig auf die Konkurrenz einzudreschen?
Manuel: Das wäre natürlich Quatsch. Wir betrachten Labels wie Metal Coven, Metal Supremacy oder I Hate Records nicht als Konkurrenz. Ganz im Gegenteil, wir bewerben gegenseitig unsere Releases, geben einander Tipps und kaufen jeweils die Veröffentlichungen der anderen. Es ist ja nicht so, dass wir darauf angewiesen sind, von unseren Labels leben zu müssen. Ursprünglich wollte z.B. Andrea von Metal Supremacy die neue Slough Feg auf Vinyl machen. Sie hatte allerdings mit Warning alle Hände voll zu tun, weswegen es für die Band zu spät geworden wäre. Also hat sie gefragt, ob nicht wir das Vinyl machen wollen. Man arbeitet tatsächlich eher zusammen. Letztlich geht's drum, dass man das Beste für die Bands herausholt und die beste Qualität für die Käufer. Wenn dann noch was für's Label übrigbleibt, geht's in den nächsten Release. Außerdem wollen wir selber alle die Veröffentlichungen haben, die wir machen. Sammlerdrang…

OM: Manuel, danke für das Gespräch! Noch ein letztes Wort an unsere Leser?
Manuel: Jeder, absolut JEDER, der sich auch nur im Ansatz für einen Metaller hält, MUSS die neue Platte „Conqueror“ von THE GATES OF SLUMBER kaufen. Das ist die beste traditionelle Metalscheiben im 21. Jahrhundert.

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Autor: Andree

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